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  1. Das Schäferhund Forum
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Das Fauser System

  • Lupus
  • 7. Mai 2018 um 21:31
  • Lupus
    Gast
    • 15. Juli 2018 um 13:52
    • #76

    Hi Ostholstein,

    vielleicht bringst Du eine wichtige Unterscheidung ein: Arbeiten vs "natürliches Verhalten". Fauser spricht nicht von Hundearbeit im landläufigen Sinn. Er nennt ja nur vier Kommandos: "Hier" (Hund im Abstand von 1 m bei Herrchen, ob er dabei sitzt, liegt oder steht, ist egal), "Frei" (Auflösungskommando), "Tabu" (Ablassen von etwas) und der "Name" als (Aufmerksamkeitskommando).

    Das sind ja alles recht natürliche Verhaltensweisen, die sich von komplexen Befehlen, die wir Hunden beim Arbeiten geben, auch wenn diese sich an natürlichem Verhalten orientieren (zB Fährtensuchen oder Hüten) unterscheiden. Und selbst hier wendet er ja in der Lernphase Belohung an, nur eben später nicht.

    Ich denke auch, dass Hunde sich hier von Wölfen unterscheiden, weil sie seit Jahrtausenden mit dem Menschen in Sozialgemeinschaften leben. Und doch baut vieles, was wir Hunden beibringen ja auf dem Verhalten des Wolfes auf. ZB: Wäre der kein Jäger, würden wir es schwer hinbekommen, Hunde Fährten suchen oder Schafe hüten zu lassen. Aber die oben genannten basalen Befehle/Verhaltensweisen haben Hund und Wolf schon gemeinsam. Und vielleicht basieren die eben (auch) mehr auf der Beziehungsebene als komplexere Befehle in der Hundearbeit. Dass ein kleiner Wolf schnell lernen muss, dass er dort bleibt, wo Mama es ihm gesagt hat, dass er sich nicht (zu weit) von der Gruppe entfernt, dass er, wenn Mama oder Papa das sagen, aufhört, dieses oder jenes zu tun oder dass er darauf reagiert, was Mama oder Papa sagen - all diese Dinge können überlebenswichtig für den Kleinen sein. Vielleicht "sitzen" daher diese Verhaltensweisen so tief, dass man bei ihnen eher auf die Beziehungsebene setzen kann als bei der Hundearbeit.

    Noch was zum Egoismus: Natürlich kann man Hunde als Egoisten bezeichnen. In unserer durchkapitalisierten Welt erscheint uns ja alles und jeder als Egoist. Es gab vor ein paar Jahren sogar dieses lustige, aber unsinnige Buch, nach dem Gene egoistisch sein sollen. Dass wir das so interpretieren, liegt aber nicht daran, dass dem in der Realität so wäre, sondern an unserem Blick auf die Welt, den wir uns in einer durch und durch kapitalisierten Welt angeeignet haben. Hatte oben versucht, das mit Blick aus das, was geschieht, belohnen und bestrafen wir das Individuum, zu skizzieren.

    In den letzten Jahren rückt aber eine andere Perspektive mehr in den Vordergrund, bei der sowas wie altruistisches Verhalten durchaus vorkommt. Wenn man Darwin falsch oder nur partiell liest, kann man den Eindruck, dass alles irgendwie auf Egoismus aufbaut, dass nur der Fitteste als Individuum überlebt, indem er "seine" Gene weiter gibt, gewinnen. Aber das Leben ist so unendlich viel komplexer. Das gilt für die Biologie, die Soziologie, aber auch die Physik. Hat man eine analytische Perspektive oder eine holistische? Versucht man, die Dinge zu verstehen, indem man nur auf immer kleinere Individuen oder Objekte schaut? Oder versteht man das Ganze nicht viel besser, wenn man auch auf das Ganze (den Prozess des Lebens, Erziehung als Beziehung, etc.) schaut?

    Wie wir also das Verhalten von Tieren, Menschen (oder gar Teilchen) verstehen, hängt vor allem von unserer Perspektive ab. Und die wiederum bestimmt unsere Vorstellung von einer richtigen Erziehung.


    Liebe Grüße

    Lupus

  • twosouls
    Beiträge
    659
    Bilder
    11
    • 16. Juli 2018 um 21:33
    • #77
    Zitat von ostholstein

    Wenn mein Hunddie Arbeit einstellt, weil von mir keine positive Reaktion kommt, istes doch auch egoistisch, oder?

    Ich würde sagen dann ist das normal. Du machst doch auch nur etwas wenn du Sinn darin siehst.ODER aus Gefallen für jemand. Oder für eine Belohnung. Als Egoist setzt du,nochmal,ALLEINIG DEINE Bedürfnisse als Maxime! Nur weil ein Hund die Arbeit beim Fährten einstellt,ist er nicht egoistisch! Dann interessierts ihn halt nicht.Er ist unmotiviert,aus welchen grund auch immer. Deine Grundbedürfnisse werden davon doch nicht berührt. Selbst wenn kann man nicht davon ausgehen das ein Hund das einschätzen könnte. Im Grunde-zum besseren Verständniss-kann man ein Verhalten gegenüber dem Hund als egoistisch bezeichnen,welches die Bedürfnisse des Hundes für nachrangig sieht b.z.w. ganz ausblendet. Umgekehrt geht das schon alleine deshalb nicht,weil dem Hund die eigene Existenz nicht bewusst ist. Da wird er kaum über zwei verschiedene Existenzen reflektieren können. Und damit nicht entsprechend gezielt das Bedürfniss der anderen Existenz hinten an stellen. Ein Hund ist ein Hund. Und nur so kann er sich verhalten.

    Noch was zu Wölfen. Die überleben nicht nur im Rudel. Ansonsten könnten sie nicht abwandern. Und Adulte wandern öfters die Grenzen des Reviers auch alleine ab,ohne sich nun vom Rudel zu lösen. Aber sie überleben im Rudel besser. Die Familienbande sind stark ausgeprägt bei ihnen. Du hast insofern Recht als das Wölfe in einem Rudel sich weit weniger-nämlich gar nicht- in einer Hackordnung wiederfinden wie Haushunde bei vielen ihrer Menschen. Wenn Adulte alleine losmarschieren,dann tun sie das einfach. Da gibt es keinen Leitwolf der an der Schleppleine zerrt und schreit:" Hiergeblieben!". Wenn Wölfe sich entscheiden zusammenzubleiben,dann arbeiten sie auch zusammen. Wenn ein Abwanderer in einem neuen Rudel akzeptiert wird,...dann arbeiten die zusammen. Weil es zu aller Vorteil ist. Nicht weil sie ansich müssten oder vom Leitwolf gezwungen werden.

    "Wer nie einen Hund gehabt hat, weiss nicht, was Lieben und Geliebtwerden heisst."

    Arthur Schopenhauer

  • Lupus
    Gast
    • 20. Juli 2018 um 18:38
    • #78

    Hi,

    spannend, dieser allgemeine Austausch über Erziehung!

    Um wieder etwas näher an den Titel des Fadens zu rücken, in dem ja u.a. über den Sinn und Unsinn des Einsatzes von Schreckmitteln gesprochen wurde, habe ich hier mal einen Link zu seinem Buch, in dem man auf den Seiten 216 bis 228 nachlesen kann, was Fauser diesbezüglich empfiehlt.

    Ich finde, man merkt auch hier, dass es sich um ein durchdachtes System handelt.

    Link: https://de.scribd.com/document/33724…m-Beispiel-Hund


    Liebe Grüße

    Lupus

  • twosouls
    Beiträge
    659
    Bilder
    11
    • 22. Juli 2018 um 18:36
    • #79

    Interessant. Dazumal war es quasi gewollt das der Hund mitbekommt wer eine Wurfkette o.ä. schmeißt. Da war der gedanke dahinter das der Hund den Wirkraum des Halters eben kennt,jedoch durch eine Wurfkette auf eine unbestimmte Weite vergößert wird. Der Hund also quasi nie einschätzen kann wie weit der Halter wirken kann.

    "Wer nie einen Hund gehabt hat, weiss nicht, was Lieben und Geliebtwerden heisst."

    Arthur Schopenhauer

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