Ich musste das mit dem Verscheuchen auch erst lernen. Das war von Anfang an absolut nicht meins und hat mich richtig Nerven gekostet. Jungspund Tilli bändigen, die unbedingt nach vorn wollte und sei es nur um zu gucken wer da ist. Gleichzeitig den anderen Hund blocken, der sich im Zweifel schon nichts aus seinem eigenen Menschen macht und im Anschluss daran noch der Zank mit dem anderen Ende der nicht vorhandenen Leine, weil man sich dann noch Sachen anhören darf wie "so redest du nicht mit meinem Hund". Und das im assigsten Tonfall, pampig und gleich "du", da rappelts richtig bei mir.
Hätte es einen Probetag mit Hund gegeben und ich hätte so eine Begegnung gehabt, hätte ich wohl dankend abgelehnt und wäre bei Kaninchen geblieben. Aber nun war sie da, ich hätte sie von Tag eins um nichts in der Welt mehr hergegeben und so musste ich das erst mal lernen. Für mich die eher ruhig ist und Auseinandersetzungen meidet ein Graus. Aber es ist machbar. Wenn ich der Kapitän auf diesem Schiff "Tilli und ich" sein will, hab ich mich auch so zu verhalten. Tränen und Schweißausbrüche inklusive.
Ich hab auch die Erfahrung gemacht, dass es schlimmer ist, je städtischer das Umfeld ist. Hier ist es jetzt richtig ländlich und solche Begegnungen haben im Normalfall Seltenheitswert. Um es mal ganz böse zu sagen, bei manchen heißt "ich kann meinen Hund von der Leine lassen" ganz genau das, und zwar wörtlich. Sie sind in der Lage den Karabiner zu öffnen und Fiffi begibt sich in etwa in die gleich Richtung wie sie selbst. Ist ja nicht doof so ein Fiffi, der kennt ja auch seine Runde. Alles andere wird einem dann als "Sozialisierung, Freilauf, sich ausleben und mal Hund sein, will nur spielen" verkauft und gut ist. Ich frag mich bis heute, wie das angesichts von anderen Hunden, Menschen und Straßenverkehr gut gehen kann.
Manche Begegnungen lassen einen nur mit einem Fragezeichen über dem Kopf zurück. Unvergessen für immer wird wohl Oskar bleiben, schwarzer Labbi Rüde und die Stimme seines Frauchens. Jawohl, Stimme, gesehen haben wir die nie. Auf einer Runde im alten Zuhause ist uns hin und wieder also Oskar begegnet, total netter Kerl, kam höflich an, hat uns beide begrüßt, Tilli mochte den auch, und zog dann wieder von dannen. Angekündigt wurde das Ereignis immer von einer Stimme, die ständig "Oskaaaar", gerufen hat, aber nie zu sehen war. Kurz darauf erschien auch schon der Hund und je näher er dem gefährlich wirkenden Schäferhund-Frauchen Gespann kam, desto hysterischer wurde das Stimmchen aus den Büschen. Oskar hat uns immer genau in die Richtung wieder verlassen, aus der die Stimme nicht kam.... Irgendwann hab ich für mich eine Antwort auf die Frage gefunden, die sich daraus ergibt. Es gibt sicher einige wenige Menschen, die das Nacktgassi gehen praktizieren. So und nicht anders muss es wohl gewesen sein
. Geistererscheinung wäre auch eine Möglichkeit, erscheint aber zu weit hergeholt.
LG und lasst euch nicht ärgern,
Babsi & Tilli