So! Heute muss ich meine Lobeshymnen der letzten Wochen mal kurz überdenken, denn meine Hoheiten haben sich gestern Abend nicht eben mit Ruhm bekleckert ![]()
Wie eigentlich jeden Sonntag Abend, waren wir gestern wieder mit Fredy und Frauchen unterwegs und bei den letzten Gassigängen mit Hundefreunden war ich ja stets dankbar, so gehorsame Hunde zu haben, wie es Bene und Chia sind ... oder sein können. ![]()
Gestern musste aber erst Bene und dann auch noch Chia über die Stränge schlagen, denn "brav sein" schien gerade gar nicht angesagt zu sein.
Wir trafen uns ausnahmsweise im Wald und nicht bei uns zuhause, aber die Hoheiten scheinen tatsächlich immer zu wissen, wann wir eine Verabredung haben und wann nicht, denn beide Hunde sind dann schon beim Loslaufen sehr aufgedreht.
Dank des Trainings der letzten Monate konnte ich aber die Aufmerksamkeit der Hunde trotzdem gut bei mir behalten und auch wenn ich Chia etwas mehr begrenzen musste (also öfter mal "Hey!" sagen und Blickkontakt belohnen), freute ich mich erst mal, dass sie sogar noch bei mir bleib, als Natalya uns schon mit Fredy entgegen kam.
Allerdings nutzte Bene meine Konzentration auf Chia schamlos aus und schoß los - gut, ich freue mich ja auch, wenn sie noch so viel Energie entwickelt, aber einfach losdüsen? Also das ist mit Altersstarrsinn auch nicht zu entschuldigen!
Chia fand das natürlich super doof, denn sie sah Fredy. Sie sah, dass Bene den Kumpel schon über den Waldboden feudelte. Und sie sah eigentlich nicht ein, dass diese Party ohne sie stattfindet und schoß dann auch los. Wenigstens ließ sie sich dann aber abrufen und kam - wenn auch sehr ungern - wieder zu mir zurück.
Nun war ich natürlich verärgert und wurde von Natalya dann auch gleich gerügt, dass ich doch nicht immer so streng sein soll und die Hunde doch nichts Schlimmes tun.
Natalya sieht tatsächlich vieles sehr locker und ist stets tiefenentspannt, was Fredys Gehorsam angeht. Aber als Berner Sennenhund ist Fredy auch eher ein sehr gelassenes Hundemodell und wenn er in Ruhe schnüffeln kann und zwischendurch mit Keksen versorgt wird, ist er auch zufrieden. Haut er mal ab, vertraut Natalya halt darauf, dass ihm die Puste schneller ausgeht, wie dem Wild und er gleich zurückkommt. Manchmal bewundere ich sie schon fast für diese Gelassenheit.
Bene hat zwar auch ein paar Privilegien, die ihrem Alter geschuldet sind und sie schlägt in der Regel ja auch nicht über die Stränge, aber so einfach hinnehmen, wenn mein Hund unerwünschtes Verhalten zeigt, kann ich das eben nicht.
Nachdem ich also mit beiden Hunden ein minimales Korrekturprogramm anberaumt hatte (Abfragen von UO-Elementen, damit sie noch wissen, worum es geht und mich nicht ignorieren), liefen wir dann auch los.
Und ich schicke nun voraus, dass mir vollkommen klar ist, dass der Fehler in jedem Fall bei mir lag, denn zum einen bin ich auch angespannter, wenn wir mit anderen Hundebesitzern unterwegs sind und das merken die Hoheiten auf jeden Fall (darum wissen sie wohl auch, wenn wir zu einer Verabredung unterwegs sind). Grund dafür ist, dass ich mich gerne selbst unter Druck setze, weil ich weiß, dass meine Gassibegleitungen ja auch gerne meine Aufmerksamkeit hätten, wenn sie sich mit mir unterhalten, aber meine Hunde natürlich auch genau wissen, dass die Aufmerksamkeit dann nicht mehr in dem Maß bei ihnen ist.
Chia ist dabei dann auch ganz besonders reizempfänglich, denn ... warum sollte sie mir Aufmerksamkeit schenken, wenn sie keine von mir bekommt. Außerdem muss man ja jede Gelegenheit ausnutzen, um mal wieder eine Triumph-Kerbe mit einer Hinterkralle ins Halsband ritzen zu können.
Während ich mit Natalya also ins Gespräch vertieft war, hüpften zwei Rehe über den Weg und verschwanden im Dickicht. So schnell, wie Chia durchstartete, konnte ich nicht mehr reagieren, um den Blickkontakt und das nachfragen zu fordern. Also rief ich "Hier!" und ärgerte mich grün und blau, dass gerade ein wochentlanges Training mit einem Rückschritt torpediert worden war. Ich war wütend, enttäuscht, verletzt und vor allem auch sauer auf mich selbst, weil ich ja hätte ahnen müssen, dass Chia jede Gelegenheit nutzt, in der sie sich aus meiner Aufmerksamkeit stehlen kann.
Chia kam sofort zurück - der Rückruf klappt ja wenigstens sehr gut -, aber ich wusste wirklich nicht, wie ich reagieren soll, denn zum einen will ich ja in der Trainingsrichtung bleiben, die ich eingeschlagen habe und sie nicht sanktionieren, aber irgendwie fand ich es auch unangebracht, sie auch noch fürs Zurückkommen zu loben und zu belohnen, wo sie sich ja gerade wie die Gräfin Rotz benommen hatte. Also ignorierte ich sie einfach ... was sie nun nicht schlimm fand, denn sie hatte ja ihre Party und wenn wir mit Hundekumpels unterwegs sind, gibt es Spannenderes und Erstrebenswerteres, als Kekse und Lob.
Den Rest des Weges musste ich mich dann wenigstens nicht mehr über meine Hunde ärgern.
Heute Früh war Chia dann auch wieder ganz auf mich konzentriert und wir hatten sogar einen Grund zu feiern. Ein dicker Feldhase hoppelte auf den Weg und blieb dort dann auch erst mal stumpf sitzen. Chia sah in und fixierte ihn auch. Ich rief: "Hey!" und sie schaute zu mir, ich markerte mit "Feiiin!" und sie kam zu mir, setzte sich vor mich uns suchte meinen Blick - natürlich gab es dafür nicht nur Lob und Kekse, sondern auch ein Ballspiel und währenddessen hoppelte der Feldhase dann auch ins Gebüsch davon und Chia interessierte das gar nicht, obwohl sie durchaus wahr nahm, dass das Langohr sich auf- und davon machte.
Nun bin ich natürlich hin- und hergerissen, was die Gassigänge mit Hundekumpels angeht, denn die Tatsache, dass Chia es wirklich von meiner Aufmerksamkeit abhängig macht, ob sie mir Aufmerksamkeit schenkt oder nicht, bringt mich zu der Erkenntnis, dass das Training für Experimente einfach noch nicht genug gefestigt ist.
Ich will natürlich auch Natalya nicht verletzen, indem ich ihr sage, dass ich zukünftig nicht mehr mit ihr zusammen laufen möchte, denn sie ist mir wirklich lieb und wichtig, aber es wird wohl darauf hinauslaufen, dass Chia bei solchen Gassirunden an der Schleppleine läuft, damit ich entspannter sein kann und sie sich nicht selbst für unerwünschtes Verhalten belohnt. ![]()