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Warum züchten mit "noch-zugelassen"?

  • Nasuland
  • 15. September 2011 um 11:40
  • tux
    Gast
    • 9. Februar 2013 um 08:12
    • #106
    Zitat

    Die Ellenbogenbefunde von Dr. Tellhem waren für mich immer nachvollziehbar. Es ist natürlich hilfreich wenn er sie einem direkt am Bild und im vergleich zu anderen Röntgenbildern erklären kann.

    Schön, das da mal jemand was positives berichtet und nicht nur meckert. Bei manchen hat man das Gefühl Tellhem würde mutwillig Hunde aus der Zucht nehmen, oder im Vorbeigehen und kaffetrinkend Bilder auswerten, oder gar Würfeln...

    Zitat von Waschbär

    Das wirkliche Problem in der Zucht des DSHs sind für mich aber nicht Hüften und Ellenbogen. Da kann ich selektieren, wenn ich will, und Hunde mit schlechten Befunden bzw. schlechten Befunden bei den Elterntieren und Geschwistern aussortieren. Und ein Befund "mittlere HD" oder "mittlere ED" führt nicht unweigerlich zu Symptomen dieser Erkrankungen. Man sollte halt nur nicht mit so einem Hund züchten.

    Das wirkliche Problem in der Zucht ist der Rücken...

    Also mag sein, dass man bei HD/ED inzwischen auf einem guten Weg ist und es sich auch bessert, allerdings sollte man da trotzdem konsequent dran bleiben. Zumindest ich kenne genug DSH die sportlich geführt werden sollten, oder es eine Zeit lang wurden, aber auf Grund von HD/ED aus dem Sport genommen wurden. Das Problem ist durchaus aktuell. Gerade bei leichten Problemen mit der Hüfte kann man natürlich auch viel zuarbeiten und dem Hund helfen. Viele Hunde werden es vermutlich auch nicht so zeigen, weil sie einfach auch nicht gearbeitet werden, oder eben nur sehr wenig. Ziel sollte ja schon sein, einen robusten Gebrauchshund zu züchten. Allerdings befürchte ich auch, dass die Rückenproblematik noch verstärkt aufkommen wird und es da allmählich zeit wird, von seiten der Verbände eine einheitliches Konzept auszuarbeiten...

  • Waschbär
    Moderator
    Beiträge
    3.785
    Bilder
    1
    • 9. Februar 2013 um 10:26
    • #107
    Zitat von tux


    Schön, das da mal jemand was positives berichtet und nicht nur meckert. Bei manchen hat man das Gefühl Tellhem würde mutwillig Hunde aus der Zucht nehmen, oder im Vorbeigehen und kaffetrinkend Bilder auswerten, oder gar Würfeln...

    Ich kann über viele jahre hinweg nur Positives über Dr. Tellhelm berichten. Seine Befunde waren immer nachvollziehbar. Er hat mir auch manchmal HD-Bilder gezeigt, die er als Zweitgutachter auswerten sollte weil der Hundeeigentümer eine Beschwerde gegen den Befund aus Hannover eingelegt hatte. Er war dann manchmal ein wenig verzweifelt was die Leute da von ihm eigentlich erwarten, da die Leute mit dem Befund aus Hannover bereits reichlich gut bedient waren. Was man selbst als Laie oft auf den ersten Blick sehen konnte, ohne dass irgend ein Winkel gemessen wurde etc. Und selbst wenn Tellhelm eine Hüfte besser bewertet hat als sie zuvor in Hannover bewertret wurde: Er war ja nur Zweitgutachter! Seine Beurteilung wurde zusammen mit dem Bild zum Obergutachter Flückinger in die Schweiz geschickt. Dito Erstbefund und erstes Röntgenbild aus Hannover. Und der hat dann darüber entschieden (nicht Tellhelm), ob ein Befund geändert wird oder nicht.

    Von daher sind mir so Sprüche wie "Tellhelm ändert keinen Befund von Brass!" oder "Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus!" etc. schon immer auf den Geist gegangen. Dr. Tellhelm hat wirklich keinerlei privates Interesse an einzelnen Hunden bzw. einzelnen Züchtern, sondern wertet die Bilder usnerer DSH genau so neutral aus wie die von zig anderen Rassen. Es ist ihm auch egal wenn er mit einem Befund jemandem auf die Füße tritt. Er bewertet die Gelenke der Hunde (und das nach FCI-Kriterien) und nicht die Halter.

    Ich hoffe er bleibt uns als Gutachter lange erhalten. der DSH hat jetzt in Bezug auf die Hüften etwas aufzuarbeiten. Auch wenn jetzt viele erst mal maulen werden weil sie mit den bewertungen nicht mehr so verwöhnt werden wie in Hannover. Aber einem Hund geht es ja nicht schlechter wenn er statt einem a1 ein a2 in der Ahnentafel stehen hat oder statt einem a2 ein a3. Ich als Züchter brauche aber die harte Beurteilung, wenn ich z.B. mit einem a2- oder a3- Hund züchten möchte. Denn dann möchte ich dass der Zuchtpartner ein ehrliches a1 besitzt, also wirklich absolut sauber ist, damit ich nicht HD-Übergangsformen miteinander verpaare ohne es zu wissen.

    Wenn's nach mir ginge würden wir unsere Hunde nach Pen Hip auswerten. Abgesehen davon dass die Hüfte in zwei Positionen geröngt wird (getreckt und gebeugt, wir röntgen ja nur gestreckt) gibt es bei diesem System mehr Abstufungsgrade, wodurch die Bewertung genauer und für den Züchter wertvoller für die Zuchtplanung wird.

    Zitat von tux


    Also mag sein, dass man bei HD/ED inzwischen auf einem guten Weg ist und es sich auch bessert, allerdings sollte man da trotzdem konsequent dran bleiben. Zumindest ich kenne genug DSH die sportlich geführt werden sollten, oder es eine Zeit lang wurden, aber auf Grund von HD/ED aus dem Sport genommen wurden. Das Problem ist durchaus aktuell. Gerade bei leichten Problemen mit der Hüfte kann man natürlich auch viel zuarbeiten und dem Hund helfen. Viele Hunde werden es vermutlich auch nicht so zeigen, weil sie einfach auch nicht gearbeitet werden, oder eben nur sehr wenig. Ziel sollte ja schon sein, einen robusten Gebrauchshund zu züchten. Allerdings befürchte ich auch, dass die Rückenproblematik noch verstärkt aufkommen wird und es da allmählich zeit wird, von seiten der Verbände eine einheitliches Konzept auszuarbeiten...

    Fälle von schwerer HD, durch die ein Hund wirkliche Probleme bekommt, kenne ich beim Leistungshund kaum noch. In den meisten Fällen zeigt ein Hund mit mittlerer HD keine Symptome der Erkrankung oder aber erst sehr spät im Leben. Auch viele Hunde mit schwerer HD haben ein symptomfreies Leben. Dazu muß man anmerken daß in der Zeit, die ich mit dem DSH zu tun habe, die Bewertung durch die FCI zweimal korrigiert wurde. D.h. ein "noch zugelassen" von z.B. 1980 entspricht nicht mehr dem heutigen "noch zugelassen". Ein Hund mit identischer Hüfte erhält heute keine Zuchtzulassung mehr. Dito natürlich die Abstufung bei den anderen Befunden. Was bedeutet daß heute mehr "HD-Hunde" als früher beschwerdefrei leben können.

    Der Rücken ist für mich deswegen von weitaus größerer Problematik, weil hier der Befund CES in fast jedem Fall für den Hund eine Operation bedeutet! Diese Diagnose wird i.d.R. nicht prophylaktisch gestellt, sondern dann wenn bereits Symptome sichtbar werden. Während die meisten HD-Fälle nicht aufgrund von klinischen Symptomen ermittelt werden, sondern durch prophylaktisches Rönten (= Vorröntgen/Hauptröntgen). Ohne daß der Hund irgendwelche Symptome einer HD zeigt. Würden unsere Hunde nach einem standartisiertem Auswertungsverfahren prophylaktisch im Rücken untersucht, bevor Symptome einer CES auftreten, würden viel mehr Hunde prophylaktisch aus dem Sport genommen bzw. gar nicht erst sportlich ausgebildet werden.

    Das Problem ist daß wir über CES bisher nur sehr wenig wissen. Über die Hüfte und inzwischen auch über die Ellenbogen wissen wir sehr viel mehr. Man weiß wie häufig im Durchschnitt bei welchen Abweichungen von der Norm welche Probleme auftreten. Man weiß inzwischen einiges über die Vererbung, mit der Konsequenz daß es seit langem in den Zuchtverbänden relativ erfolgreich umgesetzt wird. Vor HD brauche ich als Züchter oder Halter nicht wirklich Angst haben. Wenn ich diesdbezüglich sorgfältig bin bei der Auswahl meiner Zuchttiere bzw. der Vorfahren meines Welpen, dann habe ich, wenn's schlecht läuft, später vielleicht Hunde bzw. einen Hund, deren HD-Befunde in den Ahnentafeln nicht glänzen. Aber nur selten Hunde, die starke HD-Symptome = Schmerzen haben werden. Die Sportgeschichte lasse ich jetzt mal außen vor, mir geht es um den Aspekt "Lebensqualität des Hundes" (= keine Schmerzen).

    In Bezug auf den Rücken wird inzwischen viel geforscht, aber wirklich wissen tut man bisher nur wenig. Z.B. ob ein Übergangswirbel Grad 1 die Vorstufe zu Grad 2 und 3 ist. Oder ob er genetisch mit Grad 2 und 3 gar nichts zu tun hat. (Für die, die's noch nicht wissen: Hunde mit einem Übergangswirbel Grad 2 und 3 besitzen im Schnitt ein 5-fach höheres CES-Risiko als Hunde mit Übergangswirbel Grad 0 und 1. Beim DSH sogar ein 7-fach höheres Risiko.) Sollte ein gewissenhafter Züchter vorsorglich alle Hunde mit Übergangswirbel Grad 1 aus der Zucht nehmen, auf die Gefahr hin den Genpol dadurch unnötig zu verengen (weil Grad 1 keine Vorstufe von Grad 2 und 3 ist)? Und dann züchtet er mit einer Grad 0-Hündinn und wählt unwissentlich einen Zuchtpartner, der einen Übergangswirbel Grad 2 oder 3 hat ... (weil die Übergangswirbel bei den meisten Hunden gar nicht ausgewertet werden, das beziehen selbst viele Experten in ihre "Rückenbefunde" gar nicht ein).

    "Rücken" ist als ein Thema, welches für Züchter einen viel größeren Schrecken besitzt als Hüfte oder Ellenbogen. Weil man zu wenig weiß bisher. Man kann einige Sachen ausschließen bei seinen Zuchttieren. Aber einen größeren Teil der Population prophylaktisch vernünftig zu untersuchen ist zum jetzigen Zeitpunkt z.B. bei den Preisen, die eine MRT kostet, völlig utopisch. Man hangelt sich von CES-Fall zu CES-Fall und erhält meist nur ein subjektives Bild der Gesamtsituation, das völlig verzerrt sein kann.

    Ich als Züchter habe momentan aus diesem Grund überhaupt keine Lust auf einen weiteren Wurf. Weil ich derzeit keinen Rüden finde, der diesbezüglich meinen Erwartungen entspricht, und dann auch noch in allen anderen Punkten zu meiner Hündin paßt, so wie ich mir das vorstelle. Zumindest nicht in errreichbarer Nähe. Was für meine Hündin wichtig wäre, da sie mit ihren Stehtagen sehr spontan sein kann. Da ich berufstätig bin sollte ein Rüde für sie möglichst in unter 8 Stunden Fahrtzeit (einfache Strecke) zu erreichen sein.

  • tux
    Gast
    • 9. Februar 2013 um 10:41
    • #108

    Danke für den Beitrag!

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