Beiträge von Waschbär

    Das Thema der richtigen Welpenauswahl ist so schwierig (weil sehr viele Aspekte zu beachten sind) dass ich diesbezüglich noch mal auf Jenny Seefeld verweise... :S Wer die Möglichkeit hat aufgrund der räumlichen Nähe zu ihr ihr Angebot nutzen zu können, sich bereits vor dem Kauf beraten zu lassen, sollte das unbedingt tun! Jenny ist nicht nur eine fähige "Basis-Ausbilderin", sondern eine Kapazität im IPO-Sporthundbereich, und kennt sich mit Arbeitsrassen wie dem Schäferhund, dem Malinois und anderen bestens aus. Sie kennt auch die Zuchtlinien im Leistungsbereich sehr gut. So eine Kombination findet man in den üblichen Hundeschulen nur selten.


    Beim Deutschen Schäferhund musst Du Dich zuerst einmal zwischen den sog. Hochzuchtlinien und den Leistungslinien entscheiden. Für alle Schäferhunde gelten die Mindestbedingungen der Zuchtordnung. Darüber hinaus wird in den Hochzuchtlinien züchterisch hauptsächlich auf Showerfolge selektiert, während in den Leistungslinien in erster Linie die Arbeitsveranlagungen (mit allen Aspekten, die dafür wichtig sind) bei der Zuchtselektion eine Rolle spielt. Dadurch haben sich auch rein optisch zwei unterschiedliche Typen von Schäferhund entwickelt.


    Allein schon aus diesem Grund empfiehlt es sich keinen Welpen "ohne Papiere" zu erwerben. Nur wenn die Abstammung eines Hundes nachprüfbar ist (durch das DNA-Verfahren der Zuchtverbände) kann man sich auf die Angaben zu den Vorfahren eines Welpen wirklich verlassen. Und nur dann kann man in etwa voraus sagen in welche Richtung sich ein Hund später voraussichtlich entwickeln wird. Der zweite Aspekt ist die Gesundheit. Auch hier ist es nur bei einem Welpen "mit Papieren" möglich beim Kauf zu recherchieren und so zu selektieren dass man die Gefahr, später einen nicht gesunden Hund zu haben, doch um einiges reduzieren kann.


    Zudem kann man über die Abstammung eines Welpen einige Zuchtlinen/Linienzuchten ausschließen, bei denen zu erwarten ist dass es evtl. überproportional häufig zu Hunden kommen könnte, die z.B. im Diensthundebereich besser aufgehoben wären als in der Hand eines Anfängers.

    Es wurden hier ja bereits viele gute Ratschläge gegeben. Was ich aber besonders unterstreichen möchte:

    In Deutschland ist die Haltung von "zivilen Schutzhunden" Privatpersonen in aller Regel verboten!!! Nachdem in Hamburg im Jahr 2000 ein 6-jähriger Junge auf dem Spielplatz einer Schule von zwei Hunden totgebissen worden ist, sind in allen Bundesländern entsprechende Hundeverordnungen/Gefahrenabwehrverordnungen erlassen worden und das Tierschutzgesetz wurde entsprechend geändert. Einen Schutzhund dürfen in Deutschland seitdem nur noch Personen halten, die eine entsprechende Berechtigung nachweisen können, so einen Hund tatsächlich zu benötigen. Und die natürlich auch eine entsprechende Sachkunde nachweisen können und die spezielle Haltungsbedingungen zu beachten haben. I.D.R. erhalten nur Diensthundeführer die Erlaubnis einen solchen Hund halten und führen zu dürfen.


    Das, was man umgangssprachlich "Schutzhundesport" nennt, ist klar davon zu unterscheiden! Im Gegensatz zum Dienstschutzhund lernt der "Sport-Schutzhund" den Figuranten nicht als ernstzunehmenden Gegner kennen, bei dem ein Beissen in Beschädigungsabsicht angebracht ist. Sondern der Figurant des "Sport-Schutzhundes" ist ein Sozialpartner des Hundes, den er nicht in Beschädigungsabsicht beißt. Das Ziel des "Sport-Schutzhundes" ist das Beuteobjekt Schutzarm, welchen der Figurant trägt. Letztendlich ist der "Sport-Schutzdienst" ein ritualisiertes Beutespiel zwischen einem vierbeinigen und einem zweibeinigen Sozialpartner, welches nach vorbestimmten Regeln abläuft. Natürlich bringt der Hund auch hier Aggression mit ins Spiel (soll er auch!), aber das ist eine beutebezogene Aggression. Sprich der Hund versucht mit Imponiergehabe über den Figuranten zu dominieren, damit ihm dieser das Beuteobjekt Schutzarm überlässt. Dann hat der Hund sein Ziel erreicht und er ist glücklich.


    Deswegen ist es auch verständlich warum damals der Begriff "Schutzhundprüfung" abgeschafft wurde. Weil der Sporthund durch seine Ausbildung kein "Schutzhund" mehr ist, sondern halt ein "Sporthund". Der, wenn im zivilen Bereich seinem/seinen Menschen Gefahr durch eine andere Person droht, durchaus auch schützen kann, aber nicht muss... Sprich hier liegt es an der Mentalität des jeweiligen Hundes, ob er sich schützend vor seine/n Menschen stellt oder auch nicht. Und nicht daran ob er eine sportliche Schutzhundeausbildung durchlaufen hat oder nicht. Es besitzt auch nicht jeder "Sport-Schutzhund", der in Prüfungen hohe Punkte erarbeitet, das Zeug dazu ein brauchbarer Dienstschutzhund zu sein. So wie Hunde, die in "Sport-Schutzhundprüfungen" nicht so glänzen, durchaus Qualitäten besitzen können die sie auch zu einem Einsatz als Dienstschutzhund befähigen würden.


    Du siehst also, die Ausbildung zum "Sport-Schutzhund" ist lediglich die Ausbildung in einer Hundesportart. Für die die Hunde eine gewisse Mentalität besitzen müssen (in Bezug auf ihre Triebveranlagungen und ihre mentale Belastbarkeit), damit ihnen die Sache auch Spaß macht. Im Verlauf einer solchen Ausbildung lernt der Mensch sehr viel über seinen Hund. Welche Triebveranlagungen man wie zur Ausbildung nutzen kann, wie ein Hund lernt usw., so dass unter'm Strich der Mensch seinen Hund oft besser zu verstehen und im Alltag besser zu führen lernt.


    Wie bereits vorgeschlagen wurde: Schau Dir schon vor der Anschaffung eines Welpen ein paar Hundevereine in Deiner Gegend an! Sprich mit den Leuten dort, schau Dir viele Hunde und Rassen im Training an. Nutze Veranstaltungen in Deiner Nähe, die Du besuchen kannst.


    Zum Malinois: Natürlich sind das tolle Hunde! Nur: Die wirklich guten (im Prüfungswesen) benötigen einen Hundehalter, der weiß wie man bei einem solchen Ferrarri nicht nur das Gas-, sondern auch das Bremspedal bedient! Und die sind auch immer "auf Zack"! Nicht nur auf dem Sportplatz, sondern auch im Alltag. Und sehen das Reh beim Spazierengehen nicht selten sehr viel eher wie Herrchen/Frauchen. Während man bei Hunden anderer Rassen da manchmal ein paar Zehntelsekunden mehr Entscheidungsspielraum hat. Das sollte man als Anfänger im Sporthundbereich wirklich mit in seine Überlegungen vor der Anschaffung eines Hundes mit einbeziehen.

    Wegen Exit von Büttgen und Alexa von der Kölner Bucht müsste ich erst mal ein bissel Recherche betreiben, in Bezug auf die HD- und ED-Situation bei deren Verwandten. Wir haben dieses Wochenende unser alljährliches großes Turnier, und demzufolge bin ich gerade ziemlich im Stress. Ich schau da Anfang der Woche mal nach.


    Zu dem Wurf von Mirak und Judy: Judy hat HD und ED "fast normal". Sie stammt aus einer Mutter mit HD "fast normal" und von einem Vater mit ED "fast normal". Generell wird von diesem Züchter relativ viel Nachzucht nicht hauptgeröngt (bzw. werden die Befunde nicht eingetragen; man weiß das halt nie ob die "ungeröntgen" Hunde tatsächlich nicht geröngt worden sind, oder ob sie schlechte Befunde haben wegen denen man die Röntgenbilder nicht zur Auswertung eingereicht hat). Z.B. stammt Mirak's Mutter aus einem Wurf mit neun Welpen, aus dem nur zwei Hunde eingetragene Röntgenbefunde haben. Von den vier Wurfgeschwistern von Judy ist keiner ausgewertet worden.


    Vucan Peroh steht züchterisch auf meiner persönlichen Blacklist. Zum einen ist er ein Lennox Ferntal-Sohn, der mich vor allem in Bezug auf die ED-Vererbung nicht überzeugt. Und seine Mutter Moana ist eine Zender Lusondai-Tochter, den ich züchterisch ebenfalls meide, ebenfalls wegen seiner Vererbung in Bezug auf ED. Mit einer Vucan-Tochter würde ich persönlich nur züchten wenn sie selbst wirklich top Ellenbogen hätte, und zudem nur mit einem Rüden aus einer in Bezug auf ED wirklich genetisch abgesicherten Blutlinie (was impliziert dass u.a. dessen Wurfgeschwister alle geröngt wurden und den Befund ED "normal" haben sowie seine Eltern, Großeltern etc. alle wirklich top Ellenbogen habe).


    Wobei Vucan selbst ein toller Hund ist, ebenso seine Mutter Moana. Diese stammt auch aus einem komplett geröngten Wurf, in dem alle Hunde den ED-Befund "normal" haben. Und sie hat in Bezug auf ED nicht auffällig schlecht vererbt. Aber bei Zender hat es damals bei seinen Nachkommen teilweise massive Ausfälle im ED-Bereich gegeben, und so etwas lässt dann manchmal erst wieder in der 2. oder 3. Nachkommengeneration grüßen.

    wir finden eigentlich Ouzo optisch (farblich) sehr schön, deshalb interressieren wir uns dafür

    Wobei die Farbe der Nachkommen eines Hundes zu 100% anders ein kann als bei einem seiner Elternteile... Ouzo hat ja eigentlich die "typische DSH-Farbe". Für viele Freunde des Leistungs-DSHs schon fast ein bissel wenig Pigment. Hier bei mir läuft ja auch so etwas Ähnliches herum. :S Meine persönliche Traumfarbe ist das nicht gerade... 8) Aber ich finde andere Aspekte sehr viel wichtiger. Z.B. ein guter Charakter ist mehr wert als eine schöne Färbung... ;)


    Aber wenn Dir Ouzo in erster Linie wegen seiner Farbe gefällt, gibt es da im Leistungsbereich in Bezug auf die Deckrüden noch viele andere Optionen. Wie ich es bereits geschrieben hatte, in Ouzo's Wurf gibt es zwei Geschwister mit mittlerer ED. Und drei offiziell ungeröntge Hunde, von denen einer im Leistungsbereich seit drei Jahren überregional erfolgreich geführt wird (bereits u.a. 2 x auf der BSP gewesen ist). Da ist es eigentlich eher ungewöhnlich dass so ein Hund angeblich nicht geröngt worden ist.

    Ich muss das jetzt mal so nach und nach abarbeiten... :) Hab zwischendurch momentan immer nur kurz Zeit. Einiges kommt also später...

    was hälst Du den von Mirak vom Friedrichsfelder Eck?

    Gegenfrage: Wer fragt das? Meine Antwort z.B. an einen Diensthundeführer, bezüglich der Einschätzung dieses Deckrüden, wäre in dem Fall eine ganz andere als z.B. an einen Welpeninteressenten, der "nur" einen Familienhund sucht und mit Ausbildung in Richtung IPO-Sport bzw. im Diensthundebereich (noch) keinerlei Erfahrung besitzt. Ich kenne/kannte einige Mirak-Nachkommen persönlich, und da waren auch welche dabei die Personen, die seit Jahrzehnten DSH-Erfahrung besitzen, zumindest zeitweise an ihre Grenzen geführt haben. Wobei ich aber die Mütter dieser Hunde nicht persönlich kenne (und was die ihren Nachkommen von ihrer Seite aus mitgeben an Trieb und Dominanzbestreben), und auch entstehende In-/Linienzuchten dabei eine Rolle spielen. Prinzipiell spielen derartige Überlegungen aber bei allen Zuchtverpaarungen eine Rolle. Ich wollte jetzt nur damit ausdrücken dass wenn ein Welpe von vorne herein nicht für einen Einsatz im IPO-Sport bzw. Diensthundebereich vorgesehen ist, sondern statt dessen "lediglich" ein möglichst unkomplizierter und umweltkompatibeler Begleithund sein soll, der die Fähigkeiten seines/seiner Menschen in Bezug auf ihre Führungsqualitäten möglichst nicht zu stark in Frage stellen sollte, ein Mirak-Welpe vielleicht nicht ganz das Richtige wäre.Zumindest wenn man sich nicht sicher ist was von der Mutterseite in Bezug auf Trieb, Nerven und Dominanzveranlagung kommt. In gesundheitlicher Hinsicht weiß ich übrigens bisher nix Negatives, was in Bezug auf die Vererbung über diesen Rüden bisher aufgefallen wäre.

    Von Ajudag finde ich gerade mal einen Wurf im Zuchtbuch, mit drei Hunden. Davon nur einer geröngt (HD "fast normal", ED "normal"). In Bezug auf den Größenfaktor eher an der oberen Größengrenze. Dann gibt es aktuell eine Verpaarung, die mich persönlich nicht überzeugt. Sag ich jetzt mal obwohl die Hündin in ihrer Mutterlinie über eine Hündin kommt, die ich gezüchtet habe. Ich finde die Kombination mit dem Rüden in gesundheitlicher Hinsicht nicht ideal.


    Bei der aktuellen Wurfplanung vom Klüttenplatz handelt es sich um den selben Deckrüden. Zum einen muss man diesen Typ Hund mögen. Zum anderen überzeugt mich dessen Vaterlinie gesundheitlich nicht. Ouzo selbst hat übrigens zwei Brüder mit mittlerer ED.

    Ich habe ins RSV-Zuchtbuch leider keinen Einblick. Aber ich denke nicht dass er 40 Würfe pro Jahr macht. Dieses Jahr waren es meines Wissens bisher sieben.

    Habt ihr zufällig auch Erfahrungen mit der Zucht "von der Bruderschaft"?

    In Bezug auf Größe und Gewicht liegt dieser Zwinger wohl eher so im Durchschnitt der Leistungslinien. Sprich zu erwarten wären eher Hunde an der mittleren bis oberen Größengrenze. Z.B. wurde auch mal eine Hündin an der oberen Größengrenze mit einem übergroßen Rüden verpaart. Die derzeitige Zuchthündin ist zwar selbst eher mittelgroß, stammt aber aus dieser Mutterlinie.


    Hans ist der einzige Züchter, den ich kenne, der schon lange gezielt die Mittelgröße anstrebt, und bei dem man davon ausgehen kann dass sich ein größerer Teil seiner Nachzucht im Bereich zwischen unterer Größengrenze und Mittelgröße bewegen wird. "Ausreisser" wären bei ihm dann Hunde im Bereich mittlere bis obere Größengrenze. Die "Ausreisser" anderer Züchter liegen diesbezüglich im Bereich "60+" bei Hündinnen und "65+" bei Rüden.


    Ein weiterer Vorteil bei dieser Zuchtstätte ist dass Hans gezielt den Genpool erweitert. Nach dem Motto "Lieber je ein Wurf mit fünf Hündinnen" als "fünf Würfe von einer Hündin". Dabei nutzt er es natürlich dass man im RSV den ersten Wurf bzw. Deckakt mit einem Hund auch ohne Prüfung ablegen darf. Da er aber auf die Arbeitsveranlagungen großen Wert legt ist das kein Manko (manche seiner Würfe gehen komplett an Diensthundeführer). Mit einer Hündin, die "das Zeug" nicht hätte um eine IPO1 zu bestehen, würde er nicht züchten.


    Letztendlich musst Du Dir die Zuchtstätte mal ansehen und selbst entscheiden ob Dir die Aufzuchtbedingungen dort zusagen und Du mit den Menschen dort klar kommst.


    Eine weitere Zuchtstätte, die in der Vergangenheit viele kleine bis mittelgroße Hunde hervorgebracht hat, ist die von Barbara Seckerdieck ("Arabrab"). Aktuell liegen die zur Zeit eingesetzten Zuchttiere aber auch eher an der oberen Größengrenze.

    Ein Hund kann noch so gut ausgebildet sein: Wenn Du z.B. Beruf, ein schwer erkranktes Kind in einem Krankenhaus, ggf. ein gesundes Geschwisterkind zu Hause und auch noch einen Hund mittel- bis langfritig unter einen Hut bringen musst, dann wird der Hund den Kürzeren ziehen. Und die beste Ausbildung kann einen Hund nicht dazu bringen 12 bis 14 Stunden kein Pippi machen zu müssen. Das ist jetzt nur ein mögliches Beispiel. Derartige Konstellationen kann es aber viele geben. Es reicht die Trennung vom Lebenspartner, der Verlust des vermeindlich sicheren Arbeitsplatzes, eine eigene schwerwiegende Erkrankung oder die eines Familienmitgliedes o.ä. All das kann man in vielen Fällen kompensieren. Aber manchmal schlägt das Schicksal dann noch in anderer Hinsicht zu, und plötzlich kann man seinem Hund nicht mehr gerecht werden. Auch wenn dieser bestens ausgebildet sein sollte.


    Wer den Hund aus Zeitgründen abgibt... Naja, Menschen, die ihre Tiere wirklich lieben, die finden einen Weg.

    Ich finde eine solche Aussage ehrlich gesagt ziemlich überheblich. Niemand kann die Situationen beurteilen, in denen andere leben (müssen). Und ich habe inzwischen sehr viele Hunde gekannt, die aus "Zeitgründen" abgegeben worden sind. Und in allen Fällen hat sich die Lebensqualität der Hunde dadurch deutlich verbessert.


    Wenn ein Familienmitglied schwerwiegend erkrankt, Monate in Krankenhäusern, Reha-Einrichtungen etc. verbringen muss, anschließend vielleicht schwerst pflegebedürftig ist und nebenbei noch der Beruf und die restliche Familie "gewuppt" werden muss.... Wenn jemand seinen Job verliert und wegen des neuen Jobs dann regelmäßig 12 Stunden oder länger außer Haus ist... Wie soll man da einem Hund weiter gerecht werden können? Wenn man sich das finanziell und zeitlich leisten kann, könnte man ihn natürlich in eine "Hundetagesstätte" bringen. Sofern die Öffnungszeiten und Örtlichkeiten so liegen dass man das von und nach dem Job noch schafft. Aber mal ganz ehrlich: Ist das ein tolles Leben für einen Hund? Jeden Tag so einen Stress in Bezug darauf dass die Rudelsturktur immer wieder erst ausgetestet werden muss? Vielleicht immer wieder neue Hunde dazu kommen? Wenn die Alternative wäre dass er bei einem anderen Halter, der Zeit für ihn hat, einen geregelten und stressfreien Alltag hätte? Natürlich kann man den Hund auch auf eine Langszeit-Pflegestelle geben. Nur ist das wirklich besser für den Hund, wenn er sich dort dann eingelebt hat, ihn wieder zurück zu holen?


    Und sind nahe Verwandte wirklich immer die beste Entscheidung, wenn es um die Unterbringung eines Hundes geht? Nur weil sie nahe Verwandte sind bedeutet dass ja nicht automatisch dass sie auch gute Hundehalter sind... Die Wahrscheinlichkeit, dass es unter wildfremden Menschen ambitionierte Hundehalter gibt, die einen Hund übernehmen möchten, ist prozentual gesehen deutlich größer als dass ausgerechnet nahe Verwandte die optimale Unterbringsungsmöglichkeit für einen Hund sind.

    Also wenn die Elterntiere 95 & 94 haben , ist das nicht so schlecht, oder?

    Jain... Da der SV die HD-Zuchtwertschätzung ja leider kastriert hat, kann die Gaus'sche Kurve auf der X-Achse nich so nach rechts und links gleiten wie das normalerweise der Fall ist. Die Kurve wurde auf dem Anfangsniveau "eingefroren" (ich sag da "kastriert" zu...). Anfangs war die Ziffer 100 das "Mittel der Population". Wenn sich das jeweilige Merkmal innerhalb der Population verstärkt oder reduziert gleitet die Kurve nach rechts oder links. In der HD-Zuchtwertschätzung des SVs leider nicht.


    Dafür gibt es im SV eine sog. "Bezugsgröße" für den HD-Zuchtwert. Und der liegt derzeit (Quartal 3/2019) bei 79,7. Rein statistisch gesehen beeinflusst ein Hund, der diesen HD-Zuchtwert hat, mit seinen Genen dann, wenn er mit einem in Bezug auf dieses Merkmal durchschnittlichen Zuchtparter verpaart wird, weder "nach oben noch nach unten". Sprich in bezug auf HD verbessert er weder etwas noch verschlechtert er es.


    Wobei es da aber immer auf die Umstände an kommt, durch die sich der jeweilige Zuchtwert berechnet. Verpaare ich zwei Hunde mit den Werten 94 und 95, und diese beiden Hunde wurden aus anderen FCI-Zuchtbüchern übernommen, dann müssen beide Elternteile bereits gut vererbt haben in Bezug auf HD. Denn sonst wären sie vom Wert 100, auf den sie anfangs gesetzt worden sind, ja nicht runter gestuft worden. Habe ich aber zwei Hunde, die im SV geboren worden sind, und die anfangs z.B. einen Zuchtwert von 74 und 80 gehabt haben, müssen diese Hunde selbst bereits Nachzucht gebracht haben bei der die Röntgenergebnisse nicht immer gut waren. Oder aber direkte Verwandte (Geschwister oder Elterntiere) haben in der Zwischenzeit in Bezug auf HD nicht gut vererbt. Sonst wären sie in ihrem Zuchtwert nicht gestiegen.

    Zum Zuchtwert wäre noch anzumerken dass natürlich nur die Hüften der Hunde, von denen die Röntgenbilder zur Auswertung an den SV eingereicht werden, diesen beeinflussen können. Leider werden immer noch viele Röntgenbilder von schlechten Hüften nicht zur Auswertung eingereicht. Obwohl deren Auswertung heute nicht mehr kostenpflichtig ist. Von daher ist natürlich, neben dem Zuchtwert eines Rüden oder einer Hündin an sich, immer auch noch mit einzubeziehen z.B. wie viele ihrer Nachkommen und ihrer Geschwister tatsächlich in das Röntgenverfahren eingeflossen sind. Ein niedriger Zuchtwert von einem Hund, der bereits einiges an Nachzucht im röntgenfähigen Alter hat, von der aber kaum etwas "hauptgeröngt" worden ist, ist immer mit Vorsicht zu genießen. Während es Hunde gibt mit einem höheren Zuchtwert, bei denen aber z.B. ihre Nachzucht komplett ausgewertet worden ist.


    Es ist gut dass wir den HD-Zuchtwert heute haben. Aber man muss immer seine Begleitumstände berücksichtigen. So starten z.B. Hunde, die aus ausländsichen FCI-Zuchtverbänden ins SV-Zuchtbuch eingetragen worden sind, i.d.R. mit einem Zuchtwert von 100. Völlig unabhängig davon wie gut oder schlecht die Hüften ihrer Verwandten sind. Von daher ist es nicht immer so dass ein Hund mit einem Zuchtwert von z.B. 75 besser vererbt als einer mit einem Zuchtwert von z.B. 95.

    Zur zeit würde ich mir einen Welpen aus einer Verbindung holen vom Hercules vom Großen Ex.

    Da er sehr sehr gesund Vererbt . hat einen HD Zuchtwert von 64

    Sicherlich kein schlechter Hund. Aber jeder Hund hat auch eine Mutter. Sprich die Verpaarungsmöglichkeiten, die man innerhalb eines Zuchtverbandes hat, spielen eine große Rolle. Hercules liegt, in Bezug auf die Größenvererbung gesehen, eher im Bereich Mittelgröße bis groß. Und viele Hündinnen liegen im SV auch eher im oberen Bereich. Hans hingegen achtet schon seit Jahrzehnten in seinen Linien auf den Größenfaktor, so dass seine Hunde heute sehr häufig im Bereich untere Größengrenze bis Mittelgrösse anzusiedeln sind. Ich bin immer ganz neidisch wenn ich Rüden von ihm sehe, die er heute im RSV züchtet, und die ich züchterisch nicht nutzen kann. Im Hinblick auf seine oft unterirdisch niedrigen Ahnenverlustkoeffizienten, die genetisch abgesicherte Mittelgrösse sowie natürlich das sportliche Gebäude und die Gesundheits- und Arbeitsanlagen. Ich finde es ist ein großer Verlust für die Leistungszucht im SV ausgerechnet diesen Züchter an den RSV verloren zu haben.

    Könnte ich dann auch mit so einem Hund auf Meisterschaften zb der DJJM starten?

    Ja, das kannst Du. Wie gesagt, der Hund wird dann ins Zuchtbuch des SVs übertragen. Es ist auch kein Problem diesbezüglich vor dem Welpenkauf beim SV-Zuchtbuchamt anzurufen oder eine Mail zu schreibe und sich das noch mal bestätigen zu lassen und nach dem diesbezüglichen Procedere zu fragen. Zuständig dafür ist Frau Goodwin (Tel. 0821 74002-25, emmanuellegoodwin@schaeferhunde.de ).


    Wenn mit einem nicht im SV gezüchteten Hund eine Zuchtabsicht im SV beabsichtigt ist sind ein paar zusätzliche Dinge zu beachten. So müssen z.B. die HD/ED-Befunde der Elterntiere des betreffenden Hundes von einem Gutachter erstellt worden sein, der vom SV anerkannt ist (was im Fall des RSV2000 meines Wissens so ist). Auch muss von beiden Elterndtieren des betreffenden Hundes eine DNA-Probe beim SV vorliegen bzw. noch eingereicht werden.

    Hans ist ein toller Züchter, der sich in Bezug auf Leistungsveranlagungen (inkl. "gesunden" Größen- und Gebäudeverhältnisse), Gesundheit und Populationsgenetik viele Gedanken und diesbezüglich sehr interessante Zuchtverpaarungen macht.


    Und es gibt keine Probleme mit RSV-Hunden im SV. Diese Hunde werden dann ganz einfach ins Zuchtbuch des SVs übernommen. So wie Hunde aus ausländischen FCI-Verbänden ja auch. Vorausgesetzt sie entsprechen den Vorgaben der SV-Zuchtbuchordnung sind sie damit dann auch zucht-/körfähig. Im SV-Sport (IPO, Agility usw.) führen kann man sie auf jeden Fall.

    Ein Problem in Bezug auf dieses Thema ist dass sich sehr viele Menschen als Mittelpunkt der Welt betrachten, wenn es darum geht zu beurteilen unter welchen Lebensbedingungen es einem Hund gut geht. Die eigene Art einen bzw. mehrere Hunde zu halten ist für Viele immer das non plus ultra. Natürlich kann man, wenn sich die eigenen Lebensbedingungen ändern (und sich dadurch in Bezug auf die Hundehaltung verschlechtern), seinen Hund behalten. Nur ginge es dem in vielen Fällen bei jemandem, der sich optimal auf den Hund einstellen kann, dann doch besser.


    Ich persönlich verurteile niemanden, der seinen Hund in so einer Situation behält. Auch wenn es dann suboptimal für den jeweiligen Hund ist. Ich finde es aber genau so legitim für den Hund nach einer besseren Lebenssituation zu suchen, bei einem anderen Menschen der sein Leben besser auf den jeweiligen Hund einstellen kann.

    In den beiden Gebrauchshundklassen auf der Bundessiegerzuchtschau werden die besten V-Hunde in die sog. Ausleseklasse gestellt, sofern sie alle zusätzlichen Voraussetzungen dafür erfüllen. Die tragen dann nicht nur die Zuchtbewertung "V", sondern "VA".

    Im Leistungsbereich liegt der Preis derzeit bei um die 900 bis 1000 Euro für einen Welpen. Es gibt ein Ost/West-Gefälle (in den neuen deutschen Bundesländern sind die Welpen teilweise immer noch etwas günstiger, so dass man dort manchmal nur 750 bis 800 Euro zahlt). Im hohen Norden waren die Welpen schon immer ein bisschen teurer, so dass ich, wenn ich dort einen Welpen suchen würde, mit 1000 bis 1100 Euro rechnen würde.


    Man darf aber nicht immer nur den Preis im Auge haben. So haben die Welpenkäufer meines diesjährigen Wurfes etwas mehr bezahlt als vor 2 Jahren, aber dafür Futterzusätze, die ich bisher immer empfohlen habe für die Aufzucht, für mehrere Wochen erhalten. Unter'm Strich hatte ich dadurch einen geringeren Welpenpreis als beim vorherigen Wurf, aber auf diesem Weg kann ich mir sicher sein dass die Welpen diese Zusätze in ihrer wichtigsten Wachstumsphase erhalten.


    Anatomisch gut angelegte Welpen aus dem Hochzuchtbereich waren schon immer etwas teurer als Welpen aus dem Leistungsbereich. Versteht sich aber auch irgendwie von selbst, kann ein solcher Welpe später einen Wert erreichen im oberen 5-stelligen oder sogar 6-stelligen Bereich. Hochzuchtwelpen aus Spitzenverbindungen sind Geldanlagen auf vier Pfötchen.

    Zudem gilt immer noch der Spruch: "Jeden Morgen steht ein Dummer auf, man muss ihn nur finden". Nicht nur bei Züchtern, die ausschließlich schwarze Welpen züchten, gibt es welche die nach diesem Motto verfahren. Ich habe aber ehrlich gesagt mit Leuten, die denen auf den Leim gehen, kein Mitleid. Wer beim erstbesten Züchter einen Welpen kauft und sich nicht mal ein kleines Bisschen schlau macht darüber welche Preise auf dem Markt aktuell üblich sind, und auch andere Faktoren wie z.B. die Lebens- und Aufzuchtbedingungen der Hunde in einer Zuchtstätte nicht hinterfragt, ist meiner Meinung nach selbst daran Schuld wenn er über den Tisch gezogen wird. Vielmehr finde ich es sogar richtig wenn solche Leute später merken dass es nicht ihre beste Idee war wie sie den Welpenkauf bewerkstelligt haben. Denn wenn solche Welpenkäufer mit ihrem Hund zufälligerweise zufrieden sind, trotz der Umstände seiner Zucht und Aufzucht beim Züchter, machen sie sich beim nächsten Welpen ja wieder keine Gedanken und unterstützen dann wieder mit ihrem Geld die Machenschaften eines solchen Züchters.