Kleine Kräuterkunde für Hunde

  • Verbena , da du ja unsere Foren Heilkundlerin bist, habe ich eine Bitte an dich :) vielleicht hättest du mal Zeit und Lust ein paar Kräuterlein und deren Wirkungsweisen zu benennen, die man den Hunden mit verfüttern kann. Speziell interessiert mich ja ein Entzündungshemmendes Kraut ect. aber für alle anderen Zipperlein die so passieren können, wie Durchfall und Ähnliches.

    Ich danke dir schon mal vorab :*

  • So - dann fange ich mal an.


    Grundsätzlich schicke ich aber schon mal voraus, dass die Pflanzenwelt zwar viele hilfreiche Wirkstoffe in sich birgt, aber nicht alle sind dabei so harmlos, dass man sie unter "nützt es nicht, schadet es wenigstens auch nicht" einsortieren kann.


    Oder um es mit den Worten von Paracelsus zu formulieren: "Alle Dinge sind Gift und nichts ist ohne Gift; Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist."


    Langsame Anfütterung


    Darum rate ich auch bei der Verwendung von Kräutern immer, sie in geringsten Mengen einzuschleichen und die Dosis bis zur empfohlenen Dosiermenge zu erhöhen, damit man schnellstmöglich merkt, ob ein Wirkstoff vom Hund eventuell nicht vertragen wird.


    Pflanzenwirkstoffe und Homöopathie


    Wichtig ist auch, dass die zeitgleiche Gabe von homöopathischen Mitteln, Schüssler Salzen oder Bachblüten (also alle Heilmittel, die über Schwingung arbeiten) nicht zusammen mit der Gabe von Kräutern erfolgen sollte, die reich an ätherischen Ölen sind - wie beispielsweise die Pfefferminze -, denn diese pflanzliche Energie überlagert die des "Pflanzengeistes" (oder des Geistes von Mineralien und anderen Mitteln, die für die Homöopathie verdünnt und verschüttelt werden).


    Schleimstoffe und Nährstoffe


    Auch immer wieder ein Thema sind die sogenannten Mucilaginosa (pflanzliche Stoffe, die Schleim bilden). Diese Schleimstoffe können die Aufnahme anderer Stoffe mindestens verzögern (Resoptionsverzögerung) wenn nicht sogar komplett verhindern. Was bedeutet, dass die Nährstoffe aus dem zeitgleich gefütterten Hauptfutter durch die Schleimschicht über der Magen-Darmschleimhaut nur eingeschränkt oder gar nicht vom Körper aufgenommen werden können.

    Zu den schleimbildenden Pflanzen gehören beispielsweise die amerikanische Rotulmenrinde (SEB),Leinsamen oder Flohsamen,- also Pflanzenstoffe, die der Beruhigung der Magen-Darmschleimhäute dienen, weil sie schleimen oder Hustenkräuter wie die Eibischwurzel, Süßholzwurzel oder Isländisch Moos, die den Hustenreiz lindern und die Atemwege beruhigen.


    In der Regel wird geraten, zwischen der Gabe von schleimbildenden Pflanzenstoffen und dem Hauptfutter mindestens zwei Stunden verstreichen zu lassen, damit die Nährstoffe die Magen- und-Darmschleimhaut wieder passieren können.


    Wechselwirkungen


    Nicht alle Kräuter sind geeignet, sie in einer Mischung zu verarbeiten, denn auch ihre Wirkstoffe können sich gegenseitig beeinflussen oder beeinträchtigen und einander sogar in der Wirkung widersprechen (Kräuter, welche die Verdauung fördern wie die Sarsaparillwurzel und Kräuter, die eher stopfend wirken wie die Brombeerblätter).


    Aber auch allopathische (schulmedizinische) Medikamente können von pflanzlichen Wirkstoffen unwirksam gemacht oder in ihrer Wirkung beeinflusst werden. Ein Blutdrucksenker zusammen mit Rosmarin einzunehmen wäre hier ein Beispiel, denn Rosmarin wirkt gegen einen zu niedrigen Blutdruck. Im Zweifelsfall ist es immer sinnvoll, sich fachkundigen Rat zu holen, bevor man Kräuter füttert.


    Dauergabe von Kräutern


    Das ist - so glaube ich - eines der bewegendsten Themen in der Kräuterheilkunde, denn wie oft berate ich Kunden, deren Hund an einer chronischen Krankheit leidet und das Risiko einer Verschlechterung seines Gesundheitszustandes höher ist, wenn man eine Kräuterpause einlegt, als das einer Dauergabe und ihrer "Nebenwirkungen".


    Insofern würde ich dann tatsächlich von Fall zu Fall entscheiden, ob eine Dauergabe sinnvoll oder eher negativ für den Körper ist.


    Im Grundsatz gilt aber, dass Kräuter stets als Kur gefüttert werden sollten und die dauert vier bis acht Wochen. Danach sollte eine Pause von ca. zwei Wochen erfolgen.


    Doch was wäre der Nachteil einer dauerhaften Fütterung von Kräutern?


    Grundsätzlich gilt natürlich, dass auch Pflanzen Heilmittel sind und somit nur bis zur Heilung gegeben werden sollten, weil die Wirkung bei einer Dauergabe schwächer werden könnte. Ich würde auch nicht unbedingt dauerhaft ein Kräuterfutter geben, wenn kein Behandlungsbedarf besteht, denn ich trinke ja auch nicht prophylaktisch Erkältungstee, damit ich keine Erkältung bekomme, weil auch ein Erkältungstee eben nur dann heilt und damit einen Nutzen hat, wenn es ein Symptom gibt, das er bekämpfen kann.


    Insofern halte es auch für unsinnig, einem gesunden Hund ein Futtermittel zu füttern, das eine Vielzahl von Kräuter enthält, die der Hund aktuell nicht braucht und deren Wirkung dann vielleicht wirklich durch die Dauergabe schwächer wird und wenn der Hund dann mal Kräuter brauchen könnte, diese kaum noch Wirkung zeigen, weil längst eine Gewöhnung eintrat und empfehle ich eine Kräuterbehandlung auch nur dann, wenn ein Ungleichgewicht im Körper oder in der Psyche besteht und es ein oder mehrere Kräuter gibt, die dann aber auch gezielt eingesetzt werden, weil sie gegen die Symptome wirken können.


    Abgesehen davon gibt es Pflanzen wie Thymian, die man aufgrund des Gehaltes an ätherischen Ölen vorsichtig dosiert und nicht dauerhaft geben sollte, weil die Wirkstoffe Herzrhythmusstörungen auslösen können oder wie Echinacea, das nach dreiwöchiger Gabe sogar das Immunsystem schwächen kann, weil die Wirkung sich verändert. Man sollte darum schon auch abwägen, welche Pflanzen man gibt, wie lange man sie einsetzt und ob das Verhältnis vom hohen Nutzen zum geringen Risiko nicht beim Dauergebrauch kippen kann.


    Ähnlich ist es auch beim Schwarzkümmelsamen, dessen Wirkstoffe bei einer Dauergabe die Leber schädigen könnten oder bei der Teufelskralle, die eine der bittersten Pflanzenstoffe enthält und darum auch ganz extrem auf den Fluss der Magensäure wirkt, was dann bei einer Dauergabe dazu führen kann, dass der Hund durch das ständig erhöhte Maß an Verdauungssäften eine Reizung der Magenschleimhaut erfährt und daraus Magengeschwüre werden können.


    Ein heißes Eisen sind auch die Hagebutten oder rote Bete. Letztere enthält ein hohes Maß an Oxalsäure und kann darum bei ständiger Gabe zu Nierenschädigungen führen. Bei der Hagebutte wird oft angeführt, dass es wichtig ist, den Urin im sauren Bereich zu halten, damit keine Struvitsteine entstehen. Das Problem ist aber, dass wenn der Urin ständig angesäuert wird, es zu einem weitaus größeren Problem führen kann: Die Oxalatsteine kann man leider nur mit einer OP beseitigen, während Struvitsteine durchaus auch mit Hilfe einer Durchspültherapie ausgeschwemmt werden können.


    Meine Befürchtung ist also, dass man mit dem Dauereinsatz von bestimmten pflanzlichen Stoffen auch das empfindliche Gleichgewicht der Körperfunktionen aus der Balance bringen kann und dann säuert man erst den Urin an und anschließend alkalisiert man ihn wieder, um die Folgen der Übersäuerung auszugleichen.


    Insofern bleibe ich doch gerne beim Grundsatz: "So viel als nötig, aber so wenig als möglich."


    Allerdings gibt es chronische Probleme, die eine Dauerbehandlung erfordern und bei denen das Risiko einer Verschlechterung des physischen oder psychischen Zustandes des Patienten höher ist, als das einer Gewöhnung und das wäge ich im Zweifelsfall auch immer ab. Manchmal kann man mit Pflanzen mit ähnlicher Wirkung abwechseln, aber für manche Pflanzenwirkstoffe gibt es leider keine so wirkvolle Alternative.


    Ich würde darum vermutlich aus der Situation heraus entscheiden, denn was man leider nicht vergessen darf ist, dass Pflanzen keine Medikamente sind, die man gibt und die eine Stunde später die Symptome verschwinden lassen - sie brauchen immer eine Zeit, bis sie ihre Wirkung entfalten.


    Entzündungshemmer und Schmerzmittel aus der Pflanzenwelt


    Spontan fallen mir bei der Frage nach pflanzlichen Heilmitteln gegen Entzündungen und Schmerzen zu allererst der Ingwer, die Weidenrinde und die Teufelskralle ein.


    Teufelskralle

    Zur Teufelskralle schrieb ich schon, dass sie einen extremen Bitterstoff enthält, der die Magensäfte anregt, vermehrt zu fließen (wie alle Bitterkräuter). Bei einer Kuranwendung ist das in der Regel kein Problem, wenn nicht bereits eine Magenproblematik vorliegt. Wenn die Magenschleimhaut bereits angegriffen ist, kann die vermehrt produzierte Magensäure dazu führen, dass die Schleimhäute noch stärker gereizt werden und ein Magengeschwür entsteht.


    Länger als vier Wochen würde ich Teufelskralle als Einzelfuttermittel nicht verabreichen. In Ergänzung mit anderen Pflanzen würde ich sechs Wochen nicht überschreiten.


    Weidenrinde

    Den Wirkstoff der Weidenrinde kennen wir eigentlich alle: Die Salicylsäure. Als isolierter Wirkstoff ist sie der Hauptbestandteil von Aspirin.


    Füttert man Weidenrinde als Kur, ist das in der Regel für den Hund nicht schädlich, aber wir alle wissen, dass Aspirin bei langfristiger und höher dosierter Einnahme auch auf den Magen schlagen kann. Der Vorteil der Weidenrinde ist, dass die Salicylsäure nicht als isolierter Wirkstoff auftritt, sondern die Pflanzenrinde im Ganzen die reizende Wirkung der Salicylsäure wieder abschwächt und "unschädlicher" macht, ohne aber die entzündungshemmende Wirkung einzuschränken.


    Ingwer

    Mein Favorit beim Thema Emntzündungshemmer und Schmerzmittel aus der Pflanzenwelt ist der Ingwer.


    Der birgt aber auch Probleme und das sind gleich zwei:

    Zum einen ist der Schmerz ein Stopschild des Körpers, der eine Überlastung verhindert und eine Schonung herbeizwingt. Füttert man nun Ingwer, dann lindert man den Schmerz und der Hund bewegt sich freiwillig wieder mehr. Die Folge ist eine Überlastung und im schlimmsten Fall eine Verschlechterung des Gangbildes, wenn man den Ingwer wieder absetzt. Insofern füttere ich Ingwer immer nur so hoch dosiert, dass der Hund knapp vor der Schmerzfreiheit im Trab/ schneller Bewegung ist und sich noch schont. Im Schritt/ langsamen Bewegungstempo sollte der Hund aber auf keinen Fall Schmerzen haben.


    Zum anderen sind die Wirkstoffe vom Ingwer - in erster Linie das Gingerol - sehr empfindlich und werden in der scharfen Magensäure des Hundes (10 x stärker als die des Menschen, denn der Hund muss damit Knochen zersetzen können) zum Großteil zerstört. Was bedeutet: Ein Hund braucht eine höhere Dosierung als der Mensch. Das allein wäre noch keine unüberbrückbare Schwierigkeit, aber der Ingwer sollte einen Gingerolgehalt von mindestens 2% haben, um als wirksam gegen Schmerzen und Entzündungen zu gelten und je höher der Ginerolgehalt, desto schärfer ist der Ingwer. Scharf bedeutet dann aber auch reizend und wenn man nun von einer Dosierung von 10 g pro 10 kg Hundegewicht ausgeht, dann braucht ein 30-kg schwerer Hund 30 g Ingwer, damit man eine Wirkung im Bezug auf die Schmerzlinderung und Entzündungshemmung erzielt. Eine solche Menge würde dem Hund die Speiseröhre verätzen - mal abgesehen dass kein Hund das noch freiwillig fressen würde.


    Es gibt darum leider auch nur einen Weg, Ingwer für Hunde nutzbar zu machen: Die DR-Kapsel. Diese magensäureresistente Kapsel transportiert ihren Inhalt unbeschadet durch die reizende Magensäure (die Kapsel darf jedoch nicht zerkaut werden) und löst sich erst im Darm auf, wo die Wirkstoffe durch die Darmschranke direkt in den Körper gelangen.


    Dr. Stefan Brosig (einst bekannt als der "Ingwerpapst") geht bei dieser Anwendung beim Menschen von einer Dosis von 3 bis 10 Gramm Ingwer aus. Beim Hund entspräche dies einer Menge von rund 4 bis 15 Gramm pro 100 Kilogramm Gewicht – ein 30 Kilogramm schwerer Schäferhund bräuchte also nicht mehr 30 Gramm Ingwer, sondern käme mit 1,5 bis 4,5 Gramm aus.


    Wichtig bei der Dosierung ist jedoch vor allem der Gingerolgehalt im Ingwer – er muss mindestens 2% entsprechen. Ingwer mit niedrigerem Gingerolgehalt ist zwar weniger scharf und für Hund und Mensch angenehmer im Geschmack, aber man benötigt auch wieder eine höhere Dosis, um die gleiche Wirkung zu erreichen.


    Den höchsten Gingerolgehalt weist der nigerianische Ingwer auf, weil er kaum Wasser bekommt und darum kleinere, gingerolhaltigere Wurzel ausbildet. Ingwer aus China ist in der Regel zwar sehr viel günstiger, aber sein Gingerolgehalt ist auch deutlich niedriger, weil er stark gewässert wird, um einen hohen Ernteertrag zu erzielen und die Wurzel damit auch weniger wirksam.


    Das beduetet aber im Umkehrschluss: Je höher der Gingerolgehalt, desto niedriger die Dosierung. Wir verwenden darum Ingwerextrakt mit garantierten 5% Gingerolgehalt, wodurch wir teilweise schon bei der Gabe von einer Kapsel pro Tag eine gute Wirkung erzielen können, die dem Hund eine schmerzfreie Bewegung ermöglicht und die Entzündung zum Abklingen bringen kann.


    Ingwer ist meine erste Wahl, weil er unter anderem auch gegen Schwangerschaftsübelkeit empfohlen wird und was für Schwangere nicht schadet, schadet in der Regel auch mir und den Hunden nicht. Was Ingwer aber noch kann, ist ebenfalls erstaunlich:

    • zur Verdauungsförderung
    • zur Magenstärkung
    • gegen Übelkeit und Erbrechen
    • zur Anregung der Verdauung und der Gallenfunktion
    • gegen Durchfall und Kotwasser
    • zur Anregung von Stoffwechsel und Kreislauf
    • zur Stimulierung aller Organe
    • zur Vitalisierung
    • zur Unterstützung der Zellerneuerung
    • zur Vorbeugung vor frühzeitigen Alterungsprozessen
    • zur Durchblutungsförderung
    • zur Muskelentspannung bei Verspannungen, Verkrampfungen und Muskelkater
    • gegen Arthritis und Arthrose
    • gegen Schwellungen
    • gegen Entzündungen
    • gegen Schmerzen aller Art
    • zur Endoparasitenprophylaxe
    • zusätzlich bei Pferden: Hufrehe, Spat, Hufrollenentzündung, Kissing Spines, Stoffwechselerkrankungen (Cushing, EMS)
    • zusätzlich bei Hunden: Spondylose und alle Formen von Arthrose, Cauda Equinum, Stoffwechselerkrankungen

    Beim Ingwer ist vielleicht noch eins wichtig zu wissen: Die Dosierung ist auch von der Art der Wirkung abhängig, die man damit erzielen will. Ich füttere beispielsweise meinen alten Pferden die Wohlfühldosis, die lediglich dazu dient, den Stoffwechsel in Schwung zu halten und das Immunsystem zu stärken.


    Die gegen Schmerzen und Entzündungen empfohlene Menge bewegt sich in der Regel über der Wohlfühldosis und an diese Dosierung tastet man sich meistens vorsichtig heran. Es kann sein, dass eine Kapsel schon alle gesundheitlichen Probleme löst, aber wenn nach zwei Tagen keine signifikante Besserung eingetreten ist, erhöht man auf zwei Kapseln. Es kann sogar kurzfristig eine dritte Kapsel gegeben werden, aber das war bei meinen Hunden bislang noch nicht nötig. Ich würde aber immer im Auge behalten, dass der Hund sich trotzdem schont, bis der Schmerz und die Entzündung abgeklungen sind und darum reduziere ich in der Regel die Dosis auch wieder, wenn die Wirkung eingetreten ist.


    Bevor der Text nun aber zum Manuskript tendiert, lege ich an dieser Stelle eine Pause ein und denke über Mittel nach, die schon im Vorfeld angewendet werden können, damit keine Entzündung entsteht.










  • Wow, danke. Vielleicht solltest du auch ein Buch draus machen. Vor allem finde ich deine Erklärungen sehr verständlich.

  • Ganz lieben Dank@ Verbena, ist aber echt komplizierter wie ich dachte. Von wegen aus dem Garten, bissel Basilikum oder Rosmarin ect. Mit ins Futter geben funktioniert also nicht. Aber wirklich mega interessant und aufschlussreich wie du das aufdröselst. Mehr davon, bitte...