Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es auch diese Sorte Hund gibt, die auf das Leckerchen pfeifen und trotzdem abzischen.
Ich bin aber auch kein Hundetrainer und was ich mache, ist lediglich eine Trainingsform umzusetzen, die über positive Bestärkung funktioniert - oder bei meiner Chaosfürstin funktioniert.
Chia interessiert allerdings das Leckerchen auch nicht immer, aber sie hat die Verknüpfung gelernt: Reh gesichtet - Sabine anschauen! Damit ist der Reiz des Jagens schon abgeschwächt. Um nun aber keinen "Mangel" (in dem Fall die entgangene Jagd) aufkommen zu lassen, biete ich die "alternative Jagd" nach dem Ball, dem Futterbeutel, dem Keks an und damit erlaube ich dem Hund das Jagen quasi trotzdem und belohne sogar noch dafür.
Ich lehne mich nun vielleicht weit aus dem Fenster, aber ich behaupte, dass meine Chaosfürstin intelligent genug ist, zu begreifen, dass die Jagd nach dem Reh zwar attraktiv ist, aber nicht erwünscht (wird nicht positiv bestärkt), während das Nachfragen eine alternative Jagd erlaubt, die nicht nur Spaß macht, sondern auch noch belohnt wird und somit dem Hund keinen Mangel verusacht (Jagd fiel ja nicht aus, sondern gestaltete sich nur anders).
Aber ich schrieb es auch schon: Der Aufbau des Trainings birgt den Erfolg.Timing und Konsequenz (der Hund muss sich darauf verlassen können, dass der Blick zu mir belohnt und nicht ignoriert oder zu spät gemarkert wird, sodass der Hund ihn nicht mehr mit seiner Reaktion in Verbindung bringt) sind wichtig. Die richtige Körpersprache spielt auch eine Rolle, denn vor dem Nachfragen steht das Erlernen des Begrenzens und Blockierens. Der Hund muss erst einmal verstehen, wie weit er gehen darf und wo ich die (körpersprachliche) Grenze ziehe - das ist das Training zuhause, aus dem dann auch das Sitz, Platz, Stop aus der Entfernung geübt wird und das Bleib.
Es ist das Zusammenspiel aus Begrenzen/ Blockieren, Einladen und Auflösen (letzteres ist dann das Werfen des Spielzeugs oder des Kekses, damit die durch das Adrenalin aufgestaute Energie durch das alternative Jagen abgebaut werden kann), die dazu führt, dass der Hund die Verknüpfung findet: Nachfragen ist erwünscht und lohnt sich - nicht nachfragen ist unerwünscht und wird (körpersprachlich) blockiert.
Klar- die Hasenjagd ist selbstbelohnend. Lohnt sich also in jedem Fall - auch um den Preis der Kopfnuss.
Aber im Grunde strebt doch jedes Lebewesen nach positiver Zuwendung und so wird eben auch der Hund irgendwann merken, dass ihm kein Mangel entsteht (entgangene Jagd) wenn er den Hasennicht jagt, sondern nachfragt und Alternativen geboten bekommt und er als Kirsche auf der Sahne auch noch durch Lob, Futter oder Streicheln positiv bestärkt wird, statt die Kopfnuss für das Jagen zu riskieren.
Und am Ende ist doch jedes Training Arbeit, die Zeit und Energie kostet, die Rückschritte hinnehmen muss,aber irgendwann Erfolge feiern darf. Die Kopfnuss wirkt kurzfristig korrigierend - vielleicht. Aber das Training, das Mensch und Hund Freude macht, wirkt nachhaltig und Kopfnüsse werden im Idealfall überflüssig.