Ich bin durchaus bei der These, dass es Prägephasen im Leben des Welpen gibt und vor allem die ersten acht Wochen stark von der Mutterhündin und den Züchtern beeinflusst werden.
Aber ein Hund wird von so vielen Faktoren in seinem Wesen beeinflusst, dass er eben weder nur aus der Prägephase, noch aus dem Umgang der Züchter mit ihren Hunden und auch nicht nur aus dem Erbgut in seinen Genen besteht.
Wie oft sehen wir, dass ein Hund außer Rand und Band zu sein scheint und dann kommt einer der Hundeflüsterer und schon legt der Hund unerwünschtes Verhalten ab und zeigt nur noch überwiegend gewünschtes Verhalten. Und nein, so einfach wie das einem Martin Rütter zu gelingen scheint, aus dem Saulus einen Paulus werden zu lassen, ist es natürlich nicht.
Trotzdem gibt es eben Hundehalter, bei denen gerät jeder Hund, den sie zu sich nehmen, außer Kontrolle und es gibt die Leute, bei denen funktioniert auch der Hund, der woanders nicht funktioniert. Der Baumwanderer macht ja auch immer wieder diese Erfahrung mit ihren Gassigehhunden.
Darum würde ich auch nicht davon ausgehen, dass man keinen Welpen kaufen sollte, dessen Mutter oder Vater zuschnappte. Lyssis Vater Matze lässt auch keine fremden Leute auf den Hof, denn es ist sein Job, Haus, Hof und Bewohner zu schützen und den Job nimmt er ernst. Lyssi war trotzdem ein freundlicher Hund und liebte jeden Menschen.
Chias Eltern waren beide superfreundlich und kamen sofort zum Kuscheln zu uns. Chia brüllt trotzdem unseren Nachbarn an und würde keinen Fremden unkommentiert auf den Hof lassen.
Und um aufs Thema zurück zu kommen, denke ich genau auch, dass ein Röntgenbild immer nur eine Momentaufnahme sein kann. Bei meinen Hengsten wurde 2,5-jährig, vor dem Anreiten und vor der Körung geröntgt, aber je nach sportlichem Einsatz und Gereit, geht eben auch das Training auf die Gelenke und wenn man so einen Hengst dann nach 5 Jahren unter dem Sattel nochmal röntgte, dann hatte sich da oft jede Menge zum Negativen verändert.
Was wird der Hengst also vererben?
Ich denke, dass das beim Gebrauchshund nicht anders ist.
Aber ich bin ganz bei Ruebchen, dass wohl kein Gesundheitszeugnis so wertvoll ist, wie das, das der sportliche Einsatz ausstellt. Ich würde jederzeit wieder einen Herdengebrauchshund kaufen, wenn die Eltern auch im gereifteren Alter noch täglich an den Schafen arbeiten oder ich eben lese, dass bei Schafring auch 14-jährige Schäferhunde leben, die im vollen Arbeitseinsatz waren. Da hätte ich durchaus das Vertrauen, dass eine bestimmte Grundrobustheit, was die Gesundheit angeht, bei diesen Hunden vorhanden ist.
Und nein - es gibt auch da keine Garantie, denn auch die Fütterung des Welpen beeinflusst seine spätere Gesundheit (Zuviel kann da übrigens genauso schädlich sein, wie zu wenig) und wenn ein junger Schäferhund schon in frühester Jugend stark beansprucht wird, ist die Chance auch da höher, dass die Röntgenbilder eventuell schon einen Verschleiß zeigen.
Eine ausgewogene, dem Wachstum angepasste Fütterung und eine moderate, ebenfalls den Wachstumsphasen angepasste Bewegung könnte vermutlich das Röntgenergebnis durchaus ebenfalls positiv beeinflussen, wie eine frühe Überlastung und eine übermäßige oder mangelhafte Fütterung die Qualität des Knochenaufbaus negativ beeinflussen kann.
Ein Teil mag genetisch bedingt sein, aber ich würde einen Hund auch ungern auf seine Röntgenbefunde reduzieren und denke, man sollte eben auch berücksichtigen, was ein Hund leistet, um seine vererbbare Gesundheit zu beurteilen.