puh ... ich habe jetzt mal nachgeholt, was ich an Beiträgen verpasst hatte und ich hatte dabei ein Wechselbad der Gefühle, denn ich kenne ja die Problematik vom Brummi, weil ich mit Chia die gleiche Baustelle bearbeite.
Insofern weiß ich eben auch, dass 1. "Härter durchgreifen" nichts bringt, weil der Hund ja im Grunde nichts falsch machen will, aber in dem moment von seinen Trieben/ seiner Frustration gelenkt wird und man damit den Frust noch fördert und beim Brummi das Risiko eingeht, dass er mit einer Übersprungshandlung reagiert. Man muss sich dazu einfach auch vor Augen halten, dass der Hund nicht "rebellisch" ist, sondern quasi gar nicht Herr seiner Sinne - also triebgesteuert oder frustgesteuert.
2. ist das Problem bei allem, das Ablenkung schaffen soll, dass dieses scharfe Schwert sich relativ rasch abnutzt. Auch Chia liebte es, ihr Bällchen zu tragen und es zu hüten. Inzwischen ist es aber nicht mehr ganz so wichtig und wird häufiger abgelegt und vergessen. Merke ich es, dann schicke ich sie zurück und lasse sie es holen - was sie auch tut -, aber die Konzentration ist einfach nicht mehr da und alles andere wird wieder wichtiger. Auch wenn ich Bällchen oder Zergel werfe, sind die für einen Moment wieder super interessant, aber 5 Minuten später bleiben die Spielies auch wieder liegen, wenn ich sie nicht ständig interessant mache, was bedeutet, dass ich sie immer mal wieder in die Tasche stecke und wenn ich Chias Aufmerksamkeit wieder habe oder sie anfragt und ganz bei mir ist, das Spielzeug für sie werfe.
Aber ich weiß auch, dass es Tage gibt, an denen ich mit ihr Höhenflüge erlebe und überzeugt bin, dass wir den gemeinsamen Weg gefunden haben, aber dann leider auch Tage dabei sind, an denen ich das Gefühl habe, dass alles, was wir erarbeitet haben, vollkommen von Chias Festplatte gelöscht wurde.
Insofern schwebe ich auch oft zwischen Begeisterung und Frust. Ich zweifle dann auch an mir selbst, habe aber den Vorteil, dass ich mit Lyssi und Bene noch zwei Hunde habe, die mich mit Gehorsam beschenken und dafür sorgen, dass ich mich nicht für einen Vollversager halte und überlege, ob ich einfach unfähig bin oder Chia meine Grenzen antastet, damit ich an ihr wachse.
Clevere Hunde sind ein Geschenk, aber sie sind auch ungleich schwerer als "Familienhund" zu halten, weil sie beschäftigt und gefordert werden wollen, um sich gut zu fühlen. Nur Gassi und ein bisschen Bällchen werfen lastet diese Hunde nicht aus und wir, die wir nicht 4 x wöchentlich auf dem Hundeplatz stehen können, sehen uns auch mal vor ein unlösbares Problem gestellt und das lastet eben auch schwer und reisst einen dann auch runter.
Für Chia habe ich auch Hütchenspiele, denn sie lernt dabei auch, sich zu konzentrieren und nicht immer schon im Kopf drei Schritte weiter zu sein. Das Agility ist bei ihr auch hilfreich - wobei auch ich dabei merkte, dass ich lernen muss, Schritt für Schritt mit ihr zu erarbeiten, denn gehe ich mit ihrem Tempo mit, mit dem sie die Aufgaben angeht, passiert es auch, dass sie Hürden umläuft, weil sie gar nicht mehr hinschaut und gedanklich schon durch den Tunnel fetzt oder dass sie versucht, über die Slalomstangen zu springen (weshalb ich nun Federerdnägel kaufte, damit die Stangen sich hinlegen, wenn Chia draufspringt).
Ich weiß, dass ich mit Chia die Erfolge nie als gesichert feiern werden kann und es immer passieren kann, dass ich mich vier Woche freue, weil mein Hund lauter Fortschritte macht und dann wirft uns eine Situation wieder zurück und es scheint, als hätte Chia gar nichts gelernt.
Damit muss ich mich arrangieren undes gelingt mir mal besser, mal nicht so gut. Aber ich weiß genau wie @Azemba, dass sich kaum jemand so viele Gedanken machen würde und sowohl Aslan, als auch Chia im Grunde froh sein können, dass sie bei uns gelandet sind, die wir einen Weg suchen, der den Hunden gerecht wird und wahrscheinlich in keinem Lehrbuch zu finden ist.
Klar dachte ich auch schon über D.O.G.S. nach, aber Martin Rütter betont immer, dass ein solcher Hund immer arbeitsintensiv bleiben wird. Man kommt nie an den Punkt, an dem man sagen kann: "Nun hat er/ sie es begriffen und wir fahren mal ein bisschen zurück mit dem Training".
Es ist jeden Tag eine Herausforderung und manchmal kommt man strahlend vor Freude nach Hause und manchmal sitzt man vor der inneren Klagemauer und lässt den Tränen freien Lauf.
Aber unsere Hunde sind es einfach wert, dass wir zu ihnen stehen und sie so lieben und annehmen, wie sie sind und irgendwann wird es vielleicht auch trotzdem leichter.
... und ja, es gibt Leute, die nicht mehr mit mir Gassi gehen, weil ihnen Chia zu anstrengend ist. Das schmerzt, aber wer mich nicht mit meinem Hund akzeptieren kann, der kann keinesfalls erwarten, dass ich Chia zu Hause lasse und nur mit den unanstrengenden Hunden mitlaufe.
Was ich aber ganz sicher weiß ist, dass wenn ich irgendwann doch mit Chia den Weg gefunden habe, sie der Hund sein wird, der mich stolz macht - wenn ich gelernt habe, ihr Potential in eine positive Richtung zu lenken.
Genau das wird auch beim Brummi die Aufgabe sein: Für sein großes Potential eine Richtung zu finden, bei der er sich beweisen kann und die ihm die Chance gibt, nicht als anstrengender Hund gesehen zu werden, sondern als besonders begabter Hund, der einfach ein Ventil braucht, um seine Energie für den Erfolg zu nutzen.