Kastrieren Jo oder Nä?

  • Hallo Zusammen,


    ich weiß nicht ob das Thema hier hin passt oder doch besser in eine andere Kategorie. (Evtl. bitte verschieben)


    Wir sind ja in der "Findungsphase" für einen neuen Hund. Dass es ein Rüde werden soll, steht jetzt fest und da kommt mir die Frage: Kastrieren oder nicht?


    Ein Eingriff in die Natur ist ja eh ungesund. Nebenwirkungen sind bekannt und ich hatte letztens bei Facebook einen Bericht von einem Tierarzt gelesen, der, aus heutiger Sicht, dringend vom kastrieren abrät, da die Langzeitnebenwirkungen wie versch. Krebsarten usw. natürlich für kein Tier gut sind.


    Nun gibt's natürlich die Sache mit den läufigen Hündinnen und man sagt ja auch, dass wenn die Tiere relativ früh (natürlich nicht zuuuuu früh) kastriert werden, dass sie ruhiger werden, oder weniger aufmüpfig oder weniger aggressiv...


    Das mir einige Tierärzte zur Kastration raten würden, ist ja klar, die wollen ja auch verdienen, aber wie ist es denn nun wirklich aus?


    Wie seht Ihr das und welche Erfahrungen habt ihr gemacht?


    Unseren Schoki habe ich ja auch kastrieren lassen. Von Langszeitnebenwirkungen konnte ich nix feststellen, da er nur 4 Jahre alt wurde und vom Verhalten her, naja, war er immer etwas stürmisch und wirkte auf andere beängstigend. Wir hatten ihn aus dem Tierheim (und das Tierheim aus'm Ausland von einem anderen Tierheim) und Sozialisierung war bei ihm schwer umzusetzen, bis auf ein paar Ausnahmen.


    Bin auf Eure Meinungen und Erfahrungen gespannt.


    LG

  • Ich hatte bisher zwei kastrierte rüden und finde das war okay so.
    Meine cora (DSH-Dobermann-Mix) ist jetzt fast 14 Jahre und top fit. Sie wurde mit 1 Jahr kastriert ist schlank und sehr sportlich. Ich denke niemand kann sagen wie sich der Hund sonst entwickelt hätte.
    Auch die Entscheidung ob ein Hund Welpen bekommen darf ist ein Eingriff in sein Leben und eine Kastration erleichtert auch manchen Hunden das leben.
    Kastration ersetzt auf keinen Fall die Erziehung!
    Den Beitrag in Facebook habe ich auch gelesen. Der ist mir zu einseitig. Andere Faktoren wie z.b. Ernährung werden gar nicht berücksichtigt.

  • Ich bin grundsätzlich gegen Kastration, außer aus medizinischen Gründen (keine Vorsorge!) oder bei hypersexuellen Verhalten, bzw.extreme Scheinschwangerschaft bei der Hündin. Sieht übrigens auch das Tierschutzgesetz so. Es ist nun mal ein großer Eingriff in den Hund, wo es dann letztendlich nicht nur um das Sexualverhalten geht. Wo die Sexualhormone alles mit reinspiele ist finde ich einfach zu komplex, um da abschätzen zu können, was man anstellt wenn man sie ausschaltet.


    Zitat

    Nun gibt's natürlich die Sache mit den läufigen Hündinnen und man sagt ja auch, dass wenn die Tiere relativ früh (natürlich nicht zuuuuu früh) kastriert werden, dass sie ruhiger werden, oder weniger aufmüpfig oder weniger aggressiv...


    Man sagt vieles, nun weiß ich aber nicht ob es ein Vorteil ist,einen Hund chirurgisch sanfter, netter und was weiß ich zu machen. Inwieweit da der Hund denn noch als eigenständiger Charakter wahr genommen wird, und als Lebewesen, zu dem nun einmal auch Aggressionen gehören, frage ich mich dann.
    Demgegenüber stehen dann aber auch eine Menge Rüden, die unsicherer werden, von anderen gar nicht mehr als Rüden wahr genommen werden, öfter Opfer des Aufreitens werden und dergleichen. Ebenso Hündinnen, die ängstlicher, oder gar aggressiver werden.
    Und die Sache mit den läufigen Hündinnen... nun ja, jeder muss lernen mit (sexueller) Frustration umzugehen.


    Kann da ein sehr gutes Buch empfehlen: Kastration und Verhalten beim Hund (Gansloßer und Strodtbeck)

  • Man sagt vieles, nun weiß ich aber nicht ob es ein Vorteil ist,einen Hund chirurgisch sanfter, netter und was weiß ich zu machen. Inwieweit da der Hund denn noch als eigenständiger Charakter wahr genommen wird, und als Lebewesen, zu dem nun einmal auch Aggressionen gehören, frage ich mich dann


    Unser Schoki hatte trotz Kastration seinen eigenen Charakter und selbstverständlich war er auch ein eigenständiges Lebewesen!


    Demgegenüber stehen dann aber auch eine Menge Rüden, die unsicherer werden, von anderen gar nicht mehr als Rüden wahr genommen werden, öfter Opfer des Aufreitens werden und dergleichen. Ebenso Hündinnen, die ängstlicher, oder gar aggressiver werden.


    Genau das ist ja die dunkle Seite der Medaille. Deswegen schrieb ich ja ganz oben, dass Nebenwirkungen bekannt sind. Mal ganz von den physischen zu schweigen. Wie Inkontinenz, Tumore etc.


    Und die Sache mit den läufigen Hündinnen... nun ja, jeder muss lernen mit (sexueller) Frustration umzugehen.


    Natürlich!
    Nur wie bringst Du einen Hund dazu seine natürlichen Instinkte und Bedürfnisse zu unterdrücken oder nicht darauf zu reagieren? Durch Übungen oder so bekommt man das vielleicht in einigen Sitationen für einige Zeit hin aber für sein ganzes Leben?


    Der Sexualtrieb ist schließlich genauso ein Instinkt wie der Jagdtrieb zb, beide sind für das Überleben enorm wichtig. Nur, dass man um den Jagdtrieb zu befriedigen, Bällchen werfen kann oder so.


    Ist schon ein komplexes Thema mit vielen Sichtweisen.


    Bin auf noch mehr Ansichten gespannt


    LG

  • Also ich bin auch gegen das pro forma kastrieren. Habe dennoch schon zwei meiner Rüden kastrieren lassen. Den Dackelschnauzermix, weil er n total übersteigerten Sextrieb hatte und permanent Rumgerammelt hat (vor allem, wenn ich nicht anwesend war) und der große Schnauzermix hat dran glauben müssen, als er mit sechs Jahren plötzlich total durchgeknallt ist, wenn irgendwo ne Hündin heiß war. Er frass tagelang nix, zerrte permanent an der Leine, war völlig durch den Wind und jaulte und winselte tagelang.

  • Ich selbst habe auch eine kastrierte Hündin und finde es nicht schlimm.Im Gegenteil es ist angenehmer mit einer kastrierten Hündin unterwegs zu sein mann muss nicht immer aufpassen.Ich fand es damals sehr nervig als sie läufig war.Aber es ist ja jedem seine Entscheidung ob man es machen lässt oder nicht notwendig finde ich es nicht umbedingt auser wie es vorher schon geschrieben wurde wenn der Hund sexuallgesteuert ist.

  • Unser Schoki hatte trotz Kastration seinen eigenen Charakter und selbstverständlich war er auch ein eigenständiges Lebewesen!


    Natürlich hat er das, ein kastrierter Hund wird ja nicht gleich charakterlos. Trotzdem wird die Kastration den Hund verändern, und ich denke nicht, das der wunsch nach bestimmten Eigenschaften einen solchen Eingriff rechtfertigt.


    Natürlich!
    Nur wie bringst Du einen Hund dazu seine natürlichen Instinkte und Bedürfnisse zu unterdrücken oder nicht darauf zu reagieren? Durch Übungen oder so bekommt man das vielleicht in einigen Sitationen für einige Zeit hin aber für sein ganzes Leben?


    So wie ich ihm auch beibringe kein Essen zu klauen, die Nachbarskatze um zu bringen oder die Hühner des Nachbarn zu killen. Durch Grenzen setzen. Nichts anderes passiert auch in wilden Hunderudel oder bei den Wölfen. In der Regel können sich da die meisten nicht fortpflanzen, auch wenn sie es versuchen.
    Ich kenne nicht wenige Rüden bei denen das recht gut ging, auch wenn man natürlich immer aufpassen muss. Aber es geht, einen Rüden auch im Beisein einer läufigen Hündin ansprechbar zu haben.
    Rüden mit übersteigerten Sexualverhalten nehme ich da aus. Aber so häufig kommen die nun auch nicht vor.
    Kurioserweise wird oft den Rüden unterstellt, sie würden unter dem nicht ausleben können des Sexualverhaltens leiden. Bezüglich meiner Weiber hat mich auf so was noch nie einer angesprochen.

  • Unsere 2 letzten Hündinnen waren oder sind kastriert.
    Unsere erste bekam eben diese krankeiten, die kastrierte nicht bekommen können..
    auch weil wir immer einen Rüden auch im Haus haben, hatten.
    Ist ein schwieriges Thema und jeder muss da für sich das beste draus machen.

  • So wie ich ihm auch beibringe kein Essen zu klauen, die Nachbarskatze um zu bringen oder die Hühner des Nachbarn zu killen. Durch Grenzen setzen. Nichts anderes passiert auch in wilden Hunderudel oder bei den Wölfen. In der Regel können sich da die meisten nicht fortpflanzen, auch wenn sie es versuchen.


    Danke für Deinen Erfahrungsbericht!


    Kurioserweise wird oft den Rüden unterstellt, sie würden unter dem nicht ausleben können des Sexualverhaltens leiden.


    Genau, dass ist ja der verbreitete Stand, ne....


    Kastration ist nämlich bei uns auch grade so'n Thema wo die Meinung meines Mannes und meiner auseinandergehen. Er würde den neuen Hund nicht kastrieren lassen, ich schon.


    Aber wenn es so ist, dass man nicht kastrierte Rüden auch gut unter Kontrolle haben kann, muss ich meinem Mann bei diesem Punkt wohl nachgeben ;)


    Falls noch jemand andere Meinungen vertritt, her damit.


    LG

  • Aber wenn es so ist, dass man nicht kastrierte Rüden auch gut unter Kontrolle haben kann, muss ich meinem Mann bei diesem Punkt wohl nachgeben ;)


    Ihr müsst eh schauen (oder solltet zumindest) wie sich der Hund entwickelt. Ich würde den erst erwachsen werden lassen, dann kann man abschätzen wie sich das mit dem Sexualverhalten entwickelt. Beim Rüden hat man ja auch den Vorteil,mit einem Kastrationschip zu gucken,wie er sich bei einer Kastration entwickeln würde.

  • Beim Rüden hat man ja auch den Vorteil,mit einem Kastrationschip zu gucken,wie er sich bei einer Kastration entwickeln würde.


    Das stimmt. Allerdings ist das ja auch wieder so ne Hormon-Geschichte wo man nicht weiß was es bewirkt.
    Und wenn ich das mit Frauen vergleiche mit der "Pille", was da alles "schief" geht :roflmao:


    Aber da bin zu wenig über diesen Chip informiert und müsste mich da erstmal schlau machen. Vielleicht sind das ja Vorurteile :)

  • Ich würde erstmal abwarten, den Hund kennen lernen und sehen wie er sich entwickelt bevor ich pauschal über Kastration nachdenke. Es gibt genügend Hunde, denen man mit einer Kastration einen Bärendienst erweist.
    Denn das Testosteron beim Rüden steuert nicht nur das Sexualverhalten, sondern wirkt sich auch auf viele andere Bereiche des Stoffwechsels und des Verhaltens aus. Da einfach mal zu entscheiden ob ja oder nein ohne den jeweiligen Hund überhaupt erst kennen gelernt zu haben, ist einfach Nonsens.


    Wenn es einen triftigen Grund gibt - egal ob auf physischer oder psychischer Ebene - dann lass ihn kastrieren, Wenn der einzige Grund der dir einfällt ist, dass eben andere so machen, dann lass es bleiben.
    Ich lebe hier problemlos mit zwei unkastrierten Hunden und verstehe immer nicht, wieso man Hund pauschal in den OP schickt, wenn es keinen wirklichen Anlass dazu gibt.


    Bis es so weit ist, kannst du ja auch mal etwas vorbereitende Literatur wälzen:


    Gansloßer/Strodbeck: Kastration und Verhalten beim Hund
    Beschäftigt sich mit der Frage wie sich die Kastration auf das Verhalten des Hundes auswirkt. In welchen Fällen sie sinnvoll ist, wann sie sinnlos ist und wann sie mehr Probleme mit sich bringt, als sie behebt.


    Dr. Niepel: Kastration beim Hund
    Beleuchtet in erster Linie den gesundheitlichen Aspekt. Wann und in wie fern kann die Kastration präventiv wirken, worauf hat sie keinen Einfluss, welche Risiken hat sie und welche Erkrankungen begünstigt sie.

  • Hallo,
    also grundsätzlich würde ich einen einzeln gehaltenen Rüden nicht kastrieren lassen.
    Wir haben immer nur dann kastrieren lassen, wenn es für den Hund von Vorteil war,
    der erste Rüde war schon 10, aber der hatte so einen Drang daß er nur mit Elektrozaun von
    der läufigen Hündin fernzuhalten war sonst hätte er sich die Zähne abgebrochen oder sich sonstwie verletzt
    weil der schier alles zerlegt hat um zu der Hündin zu kommen, nach der OP hatte er seine Ruhe.
    Bei Cimba war es ähnlich, der war erst 4 und Merlin fing so mit 8 an Blut zu pinkeln wenn die
    Mädels heiß wurden, das wollte ich ihm auch nicht zumuten. Balko arbeitet zwar nicht gut an "den Tagen" aber das reicht mir nicht als Grund.

  • Wir haben bei Barney erstmal mit nem Kastrationschip getestet...Verhalten wurde besser, als Chip nachgelassen hat, Schnippschnapp, Eier ab und gut.