Hi,
ich gebe mal den advocatus diobuli, was nicht heißt, dass ich diesbezüglich eine feste Meinung habe!
Grundsätzlich sehe ich es so: Vorsorgeuntersuchungen machen nur dann Sinn, wenn durch eine frühere Diagnose sich die Behandlungsmöglichkeiten deutlich verbessern. Krebs ist dafür ein Paradebeispiel.
Aber was Gelenkerkrankungen angeht, konnte ich diesbezüglich für Hunde noch nicht wirklich was finden. Daher hatte ich gefragt.
Es kommt natürlich immer auf den Einzelfall an: Möchte ein HH mit seinem Hund bestimmte Sportarten ausüben, die (punktuell) sehr belastend sind und bei denen der Hund nicht wirklich eine Wahl hat, ob ers tut oder nicht, ist es natürlich sinnvoll, die Gesundheit vorab zu überprüfen. Das aber ist bei uns ja nicht der Fall. Gaius läuft sehr viel, aber das sind normale Spaziergänge. Dabei spielen wir auch ab und an "Ball werfen" (was mE nicht automatisch heißt, dass er zum "Junkie" wird), aber es gibt keine Belastungen, die über das natürliche Maß hinaus gehen, wie zB das Springen über hohe Hindernisse (was ja eher unnatürlich ist). Das wird bei dem Hovi nicht anders sein. Wir haben versucht, alles richtig zu machen (gutes Futter + Ergänzungen, angemessene Belastungen, als er noch klein war).
Warum also soll ich mir da jetzt einen Kopf machen? Solange wir keine (klinischen) Symptome erkennen, gehen wir davon aus, dass der Hund gesund ist. Ich möchte einfach nicht einen jungen Hund pathologisieren und mir bei jedem Sprung oder jedem Spiel Gedanken machen, ob ihm das nicht schadet und dann den Hund eventuell einschränken. Dafür habe ich mir keinen DSH-Welpen aus einer LZ geholt, also mir andauernd Sorgen machen zu müssen. Auch wenn sich das krass anhört: Lieber ein sorgenfreies Leben, das 7 Jahre dauert, als sein sorgenvolles, das 10 Jahre lang währt.
Und überhaupt: Wir leben in einer Angstgesellschaft, die glaubt, das Leben versichern zu können. Ein Beispiel dafür, das mich sehr beschäftigt und auch wissenschaftlich beschäftigt hat, als ich noch an der Uni war, ist das Gebären im Krankenhaus. Da wird dann sogar schon so getan, als sei Schwangerschaft eine Krankheit. Das ist zwar nur ein Symptom eines bestimmten Denkens, aber eben ein sehr passendes. Wenn man aber so nicht drauf ist, so nicht denkt, dann führt das auch zu einer anderen Einstellung zu all den Vorsorgeuntersuchungen. Steckt das Problem im Namen ja schon drin: Vor-Sorge. Ich will mich aber nicht (grundlos) sorgen. Dafür ist ein (Hunde)-Leben zu kurz.
Versicherungen sind ein Punkt, das stimmt. Wir haben uns da beraten lassen, ein wenig gelesen und sind zu dem Entschluss gekommen, dass es für uns sinnvoller ist, keine Versicherung abzuschließen, sondern so einfach monatlich einen bestimmten Betrag zurück zu legen. Aber natürlich können Versicherungen auch sinnvoll sein. Vom Grundsatz her gilt hier aber dasselbe, was für ein Spielkasino gilt. Am Ende gewinnt immer die Bank....
Es kann immer irgendetwas passieren. Und wenn dem so sein soll, wird das auch geschehen - da können wir nix machen. Also lieber Angst- und Sorgenfrei leben als das Leid immer schon zu antizipieren. Und wenn etwas geschieht, muss man natürlich richtig handeln. Wobei ich mich auch da frage, ob bei vielen Behandlungen im Haustierbereich nicht eher der Halter (und Verdienstmöglichkeiten von Ärzten, etc.) im Mittelpunkt stehen als das Tier und sein Wohl.
Wir hatten mit dem Zwergschnauzer eine sehr lange Leidensgeschichte. Damals hab ich mir geschworen, dass ich das keinem Tier mehr antun würde....
Und wenn ich die beiden Aspekte zusammenpacke, komme ich zu dem Schluss, dass ein provisorisches Untersuchen nicht zwangsläufig für jeden der bessere Weg ist.
Liebe Grüße
Lupus