Bene Baronin von Bärentatz, Chia Chaosfürstin von Flitz und Piepe und irgendwann ...

  • Zum Belohnen oder nicht wenn Chia von sich aus das Fuß laufen anbietet: Es spricht doch nichts dagegen, sich ab und zu darauf einzulassen. Alles gut, was sie begeistert und wofür du sie wiederum belohnen kannst. Ich würde mich aber nicht immer darauf einlassen, ihr z.B. statt dessen ein Sitz abverlangen und sie mal umrunden. Oder mal was verstecken und sie das suchen lassen. Oder sie auf einen Baum, Stein, Hügel hüpfen lassen und da ein Sitz verlangen. Oder, oder, oder. Es gibt so vieles, das sich anbietet fürs Üben. Oder bau einen Rückruf immer mal wieder mit ein. Oder fördere mit Blick und Klick weiter die Aufmerksamkeit.


    Agility ist super für die Motivation. Du musst ja nicht alles aufbauen, mal das, was schnell und leicht geht. Sicher besser wie nix😉😁 Wenn sie Spaß hat, gleich mal eine klitzekleine UO-Einheit und wieder weiter mit Spaß haben.

  • Du musst doch nicht so genau auf die Abmessungen achten.

    Bau den Parcours einfach just for Fun auf, auch wenn der Slalom dann kürzer ist oder die Hindernisse enger stehen. Chia wird das egal sein, Hauptsache sie hat Spaß mit dir.


    Und mach nicht bei jedem Spaziergang uo, geh auch einfach mal nur spazieren. So das daß üben dabei wieder was besonderes wird.


    Zum Thema Aufmerksamkeit einfordern, bei Dina hilft es wenn ich "Lok" spiele und 2-3 mal kurz pfeife.

    Da weiß sie jetzt wird gearbeitet

  • Ihr Lieben,


    hinter uns liegt eine Woche voller Höhen und Tiefen und dem Verlust von zwei weiteren Bällen, die nun irgendwo im Dickicht des Waldes uind in der Zwischensaat auf einem 5 Hektar Feld liegen.


    Ich hatte mir am Dienstag überlegt, dass ich mit den Hunden mal "nur" spazieren gehe und für Chia keine UO-Übungen einbaue und statt dessen mit den Mädels Ball spiele, um das Laufen nicht langweilig werden zu lassen.


    Allerdings war das Problem, dass wir derzeit quasi in der Dämmerung loslaufen und am Dienstag stand 20 Meter vor uns auch noch eine dichte Nebelwand, die meine Sicht nach vorne extrem einschränkte.


    Chias Sicht funktionierte allerdings noch super, denn wasimmersiesah - ich sah es nicht und schaute nur noch meinem davon flitzenden Hund nach, der im Fullspeed eine Runde durch das Blattwerk des Kiepenkerls drehte und zwischendurch mal in der trüben Nebelsuppe verschwand. Sie kam beim dritten "Hier!" wieder zu mir zurück, aber - und auch wenn ich weiß, dass sie das Rennen einfach manchmal braucht, um ihre überschüssige Energie loszuwerden - sie kann nicht einfach abflitzen, ohne mein Einverständnis dafür zu erfragen!


    Ob Chia überhaupt irgendwas oder irgendwem nachjagte, kann ich nicht mal sagen, aber den Ball, den sie in der Schnauze hatte, als sie durchstartete, ging dabei verloren ... ich habe noch versucht, den Spuren im Tau auf den Blättern zu folgen, aber der Ball blieb unausffindbar und Chia war viel zu sehr im Rausch der Geschwindigkeit, als dass ich Hoffnung hatte, dass sie den Ball wiederfindet, wenn ich sie nochmal losschicke.


    Chia weiß auch, wenn sie Mist gebaut hat und entsprechend devot schlich sie dann eben mir her, als wir weiterliefen ... und dann tut sie mir auch gleich wieder leid, denn sie ist halt vermutlich kein "Spazierengehhund", der brav auf den Wegen neben oder hinter mir herdackelt, ohne sich für die Umgebung zu interessieren. Sie wird immer für Reize empfänglich bleiben und es ist meine Aufgabe, ihre Energie so zu lenken, dass sie damit erwünschtes Verhalten zeigt und sie nicht beim "Auspowern nach Chiaart" verpufft wird.


    Also gab es wieder ein bisschen UO - schon allein, um sie belohnen und loben zu können, weil ich es gar nicht sehen kann, wenn sie so geknickt ist. Auch wenn ich wirklich sehr sauer war und ich wirklich nicht die Contenance hatte, sie auch noch fürs Zurückkommen zu belohnen ... und nein, ich strafe sie auch nicht, aber sie merkt natürlich, wenn ich innerlich koche und versucht dann auch immer wieder "gutes Wetter" zu machen und mir was anzubieten, um mich versöhnlich zu stimmen.


    Darum ist es vermutlich dann sinnvoll, ihr Aufgaben zu stellen, über die wir uns beide freuen können - und die dann wirklich perfekt funktionieren - was mich eigentlich auch ein bisschen ärgert, denn ich sehe daran ja, dass sie sehr wohl viel kann und versteht, aber den absoluten Gehorsam nur dann rausholt, wenn er dazu dient, mich zu besänftigen. Ich nehme aber auch an, dass ich dann auch eine andere Körperspannung habe und klarer bin oder direkter lobe ... und sie sich dann auch mal auf mich konzentriert.


    Am Mittwoch haben wir dann auch wieder etwas mehr UO eingebaut und das "Brunnenspiel" gepielt. Wir üben ja das Revieren an den Tiefbrunnen und das bot Chia mir schon früh an. Ich habe es dann auch gerne angenommen, merkte dann aber mal wieder, dass Kommandos, die aus dem Angebot formuliert werden, einfach die solide Basis fehlt. Chia rannte nett um den Brunnen, aber wie oft, bestimmte sie selbst.


    Also bin ich erst mal ein paar Schritte zurück gegangen und habe sie vor dem Brunnen erst mal sitzen lassen, das Kommando "Schau! Pass auf" installiert, damit ich ihre volle Aufmerksamkeit habe und das belohnt. Dann bin ich mit ihr zusammen im Fuß einmal um den Brunnen gegangen, dann saß sie vor und wieder folgte die Belohnung. Mit der Zeit fing ich an, mit ihr um den Brunnen zu rennen und inzwischen kann ich sie losschicken und sie umrundet den Brunnen schnell und eng. Das anschließende "Sitz!" ist noch nicht so ganz sicher installiert, weil sie nach der Runde sehr aufgepowert ist und ich das Kommando teilweise zweimal geben muss, aber heute hätte ich fast vergessen, das Brunnenspiel mit ihr zu spielen, weil ich in Gedanken war und schon fast am ersten Brunnen vorbei, aber da stand sie vor dem Brunnen, setzte sich hin und schaute mich an - so eine Einladung kann ich dann doch nicht abschlagen.


    Am Donnerstag war Chia extrem aufgedreht. Sie sah alles und war für jeden Reiz empfänglich. Immer wieder blieb sie stehen, fixierte irgenwas im Dickicht und ich war fast nur damit beschäftigt, ihre Aufmerksamkeit zurück zu gewinnen. Natürlich überlege ich in solchen Momenten, die Schleppleine wieder zum Einsatz zu bringen, um selbst entspannter zu sein, weil ich sie dann besser kontrollieren kann, wenn sie die 10 Meter-Leine trägt.


    Aber ich fürchte, dass das nicht die Lösung ist, denn ich nehme sie ja auch zwischendurch mal an die Leine, wenn ich das Gefühl habe, dass sie sich meiner Kontrolle entziehen könnte, aber dann läuft sie wie ein Schweizer Uhrwerk. Auch bei der Schleppleine reagiert sie nie wie im Freilauf.


    Ich war zwar auch geneigt zu sagen, dass das Schleppleinentraining wertvoll ist, wenn man einem Hund das Jagen abgewöhnen will, aber wenn der Hund so clever ist wie Chia, dann weiß er, wann die Leine ihn bremst und testet das auch gar nicht aus. Die Schleppleine hat viel Gutes bewirkt und ich würde sie trotzdem als Ausbildungshilfe weiter einsetzen. Trotzdem weiß ich, dass mein Hund durchaus weiß, wann ich ihn "an der Angel" habe und wann nicht.


    Nachdem Chia aber richtig "elektrisch" war, wollte ich auch nicht unbedingt UO mit ihr üben, denn in solchen Momenten bekomme ich ihre Aufmerksamkeit kaum bis gar nicht und das würde nur zu Diskussionen führen, die eigentlich keiner von uns gewinnen kann.


    Also versuchte ich, ihr Interesse mit dem Ball auf mich zu lenken. Das funktionierte erst mal sensationell gut und sie brachte mir den Ball sogar wieder und betrachtete ihn nicht als Beute, die man vor mir in Sicherheit bringen muss (ein Thema beim Apportieren, an dem wir dann tatsächlich mit Schleppleine und Pfeife arbeiten).


    Doch dann schoss der usselige schwarze Rehbock aus dem Gebüsch.


    Dieser Rehbock hat drei von 5 verlorenen Bällen auf dem Gewissen und ich behaupte, dass er Chia absichtlich foppt und sie zu einer kleinen wilden Hatz einlädt, weil er genau weiß, dass sie ihm nichts tut, aber mit ihm um die Wette rennt.


    Dieser schwarze Rehbock - der wirklich schwarz ist und darum ja auch im ganzen Revier Bekanntheit erlangte - ist noch jung und im letzten Jahr geboren und der bleibt auch tatsächlich so lange stehen, bis Chia ihm nachrennt. Er kommt auch auf einen zu uns fordert Chia heraus - zum Glück trägt er nur kleine Spießer und ist ein kleines, eher zartes Böcklein, das etwas höher als ein Labrador ist (weshalb ich ihn anfangs auch für einen solchen hielt, aber ohne Brille passieren mir öfter solche Verwechslungen, die zur Erheiterung meiner Umgebung beitragen).


    Ich erlaube Chia natürlich nicht, des Böckleins Aufforderung anzunehmen, aber was beim Schreiben klingt, als würden Minuten verstreichen zwischen dem Begegnen und dem Wettlauf, ist in Wirklichkeit ein Akt von Nanosekunden: Bock tritt auf den Weg. Chia spannt sich. Ich sehe den Bock. Bock sprintet los. Chia auch. Ich brülle "HIER!" Chia dreht eine kleine Runde, um den Bock nicht zu enttäuschen und steht nach fünf Sekunden wieder vor mir. Der Bock bleibt kurz stehen, schaut in unsere Richtung, dreht dann ab und freut sich, dass ein weiterer verlorener Ball auf sein Konto geht.


    Ich war natürlich sauer, weil ich wieder einen Ball abschreiben musste, denn die Dinger kosten pro Stück 5,99 € und sind derzeit bei unserer Genossenschaft nicht mal zu bekommen - also bestelle ich jetzt immer gleich sechs Stück im Internet und spare damit wenigstens die Versandkosten.


    Chia war natürlich wieder sehr zerknirscht und ich bin absolut überzeugt, dass sie das Böcklein niemals verletzen würde, sondern das wirklich als Spiel und wunderbare Gelegenheit, ein bisschen Energie abzubauen, betrachtet. Aber mich macht das extrem sauer ... das weiß und spürt sie auch. Darum bietet sie mir dann auch immer den größtmöglichen Gehorsam an, wenn sie gerade mal wieder danaben geschlagen hat.


    Ich ließ sie also erst mal Fuß gehen und nach ein paar Metern löste ich das Kommando auf, sodass sie wieder schnuppern gehen durfte ... nur dass Chia nach ca. 15 Minuten Laufen und Schnuppern das Mützlein nach Abwechslung stand und sie abermals losschoss, um eine Runde durchs Dickicht zu preschen und dann zu mir zurück zu kommen.


    Diesmal war mein Geduldsfädchen dann aber auch so dünn, dass ich sie an die Leine nahm und wir die Runde dann auch so fortführten.


    Fast zuhause angekommen, kreute dann noch unsere Nachbarin mit ihrem Jack Russel unseren Weg und weil Chia ja einen renitenten Tag zu haben schien, war ich auch auf übelstes Leinengepöbel gefasst ... aber Chia schaute nur und lief relativ entspannt an der lockeren Leine weiter.


    Versteh einer diesen Hund!


    Gestern war sie dann auch schon fast ein Vorzeigehund, der auf mein leisestes Flüstern hörte und meine Gedanken Unsinn strafte, dass ich überhaupt über die Notwendigkeit des Schleppleinentrainings nachdachte.


    Das Bleib funktionierte reichtig gut und ich konnte mich ca. 5 Meter rückwärts von ihr entfernen, ohne dass sie aufzustehen versuchte - wobei ich Boss Idee umsetzte und ihr einen Keks zwischen die Vorderpfoten legte. Den durfte sie dann auch nehmen und dann auf mein Hier zu mir kommen.


    Das Brunnenspiel funktionierte so gut, dass ich sogar den dritten Brunnen mit dazunahm und sie auch den umrundete - allerdings einen nach dem anderen mit Vorsitz nach jeder Umrundung und erneutem Losschicken.


    Gestern Aben hatten wir dann noch einen Tierarzttermin, zu dem mein Göttergatte mitkam, weil er meinte, dass ich mit zwei Hunden, die ich managen muss, eventuell etwas überfordert sein könnte.


    Gut - beim letzten Tierarztbesuch am Freitag nach 18 Uhr waren wirklich schon relativ viele Tiere da. Ben, der Hovawart-Mix, ein Weimaranerwelpe und eine Katze, die in ihrer Box aufs Impfen wartete.


    Ich war zwar überzeugt, dass ich Chia trotzdem gut hätte händeln können und Bene ist ja sowieso unkompliziert im Händling, aber das Problem ist, dass ich Chia nur über die Rampe ins Auto bekomme und Bene gerne neben der Rampe vorbei ins Auto zu klettern versucht und ich dann die Tür vom Gitter offen halten muss, damit Bene einsteigen kann, aber gleichzeitig versuchem muss, Chia drin zu behalten, wenn draußen andere Hunde auf ihren Termin warten.


    Da ist eine helfende Hand schon sinnvoll.


    Als wir ankamen, wurden wir gebeten, doch noch einen ganz kurzen Moment draußen zu warten, weil gleich ein großer Hund raus kommen wird ... es war ein kräftiger Rottweilerkerl, der auch sofort unsere Damen anpöbelte und dabei auch Chias Individualdistanz unterschritt (so viel Platz ist zwischen den Wartebänkchen und den geparkten Auto nicht), woraufhin die natürlich auch ihre Meinung rausbellen musste. Aber - oh Wunder - sie ging dabei nicht nach vorne, sondern stand einfach nur neben mir und bellte den Rotti an. Sie war dabei auch nicht aufgeregt, gefrustet oder von der Rolle, sondern hörte mit dem Gebell sogar auf, als ich "Schluss" sagte und wir konnten dann sogar mit den Rottibesitzern noch ein paar Worte wechseln, ohne dass Chia dazwischenbrüllte.


    Ob sie nun doch schon eine gute Erfahrung vom Hundeplatz mitnahm oder vor der Tierarztpraxis nicht ihr Revier ist, das sie verteidigen muss, weiß ich nicht, aber ich freute mich trotzdem sehr.


    Chia kam dann zuerst dran und bekam ihre Impfung, während Micha mit Bene draußen wartete. Ich habe Chia dann noch auf die Waage gestellt und erstaunt festgestellt, dass sie fast ein Kilo zunahm: 33,4 kg! Dabei wirkt sie trotzdem eher schmal und ich musste das Geschirr sogar etwas enger stellen ... ob es sich vielleicht von selbst weitet? Keine Ahnung.


    Nach dem Impfen habe ich Chai bei Micha abgegeben und Bene geholt. Der hatte ich am Nachmittag den Body ausgezogen, damit mal Luft ans Bein kommt und sie nutzte die Chance gleich, die Kruste abzuknabbern und so war das Gewebe auch wieder gerötet und erforderte einen Lotagenverband. Aber trotz allem ist die Tierärztin mit der Heilung sehr zufrieden und meinte, dass Bene zwar momentan den Body noch tragen soll, aber in ca. zwei Wochen auch schwimmen gehen dürfte, weil die Wunde dann sicher komplett geschlossen ist. Über Benes extremes Fellwachstum wurde dann auch noch gestaunt, denn dasss das Bein geschoren war, sieht man gar nicht mehr. Bis auf die noch fehlenden Federn sieht das Bein auch genauso aus, wie das andere Vorderbein. Eine kleine Narbe wird bleiben, aber damit leben wir gut.


    Heute Früh hatten wir trotz dichten Nebels einen wunderbar entspannten Spaziergang. Allerdings geht es wohl wirklich nicht ohne irgendwelche UO-Übungen ... Chia will was tun und wenn ich ihr keine Aufgaben stelle, sucht sie sich welche und fängt an, mit auf dem Geläuf festgesaugter Nase im Zickzack die Wildspuren zu verfolgen ... und das unterbinde ich dann doch sehr konsequent, muss ihr aber eine Alternative anbieten und die UO macht sie in den letzten beiden Tagen wirklich richtig gut.


    Morgen sind wir dann wieder beim Training im Verein. Ich überlege, ob es sinnvoll ist, vorher eine normale Runde zu laufen oder ob ich abkürze, damit Chia nicht die Motivation fehlt, wenn ich um 6.30 Uhr 1,5 Stunden mit den Hunden laufen gehe und um 9,30 Uhr mit Chai auf dem Hundeplatz stehe. Oder vielleicht ist es gut, wenn sie vorher läuft und sich dabei entspannt?


    Mal schauen.

  • Ich fürchte, ich spamme Euch mit meinen Gedanken sehr zu ... aber seht es mir bitte nach, denn zum einen merke ich auch, wie mir beim Aufschreiben vieles bewusster und klarer wird, aha-Erlebnisse einfließen und ich das Geschehene sortieren kann, ohne die Emotion, die mich sehr beeinflusst, während ich in der Situation bin, die ich beim Schreiben aus der Distanz und ohne die Emotion noch einmal reflektieren kann.


    Auf der anderen Seite ist dieses "Tagebuchschreiben" vielleicht dem einen oder anderen eine Hilfe, wenn er in einer ähnlichen Situation ist und den Knoten im Kopf nicht lösen kann, der den passenden Weg blockiert. Vielleicht trösten meine Worte auch jemanden, der manchmal genauso frustriert ist wie ich, wenn gar nichts zu gehen scheint.


    Aber auch ich werde vielleicht in der Zukunft nachlesen, wann etwas anfing, was gut klappte, wo ich Lösungswege fand oder vielleicht werde ich beim Lesen dann denken: "Echt? So katastrophal waren wir mal unterwegs. Na dann haben wir ja doch was erreicht!"


    Genau das riet mir heute auf dem Hundeplatz nämlich der Trainer: "Stell nicht immer den Gedanken allem voran, was gerade mal nicht klappt, sondern reflektiere, was schon alles super klappt und was Du mit Deinem Hund schon erreicht hast - der Gedanke gibt ein gutes Gefühl und genau das ist wichtig, wenn Du mit Deinem Hund arbeitest."


    ... ich hatte nämlich, als er heute sagte: "Jetzt hat das aber doch super geklappt!" etwas frustriert geantwortet: "Heute sind wir eher eine Vollkatastrophe!"


    Aber es ging auch schon heute Früh auf der Morgenrunde los, dass Chia ganz eigene Ideen entwickelte und mich gepflegt ignorierte.


    Selbst das Revieren, an das sie mich sogar erinnert, wenn ich es mal nicht verlange, ging total in die Hose ... Chia saß neben mir, schaute mich an, wartete gespannt auf mein Kommando REVIER! und fetzte dann auch sofort los, als ich sie schickte. Allerding hüpfte sie nach einer halben Runde auf die Brunnenabdeckung und rannte über diesen Weg zu mir zurück. Dann saß sie vor, starrte mich an und ich schwöre, ihr Blick sagte: "Da staunste näh! Wärste selber nicht drauf gekommen, dass es ne Abkürzung gibt. Hab ich Dir aber gerne gezeigt - dafür haste ja so einen schlauen Hund wie mich!."


    Auf dem Heimweg dachte ich noch, dass wenn es morgens so schief geht und mein Hund sich mal wieder in Ignoranz übt, sie wahrscheinlich auf dem Hundeplatz dafür Glanzleistungen absolviert ... die Probe vor der Premiere muss ja auch schlecht laufen, damit die Premiere ein Erfolg wird.


    Also marschierte ich voller Zuversicht auf dem Hundeplatz ein und von dem Moment an war Chia so richtig "out of order". Bitte verzeiht mir, dass ich in dem Moment an Lyssi dachte und daran, wie einfach und unkompliziert sich immer alles bei ihr anfühlte. Ich will Chia keinen Vorwurf machen, dass sie nicht wie Lyssi ist, aber so ein bisschen verhagelte mir Chia schon die Laune.


    Dabei pöbelte sie nicht direkt - zumindest nicht so, wie ich das als sehr, sehr anstrengend empfand, weil sie dabei stets so ausrastete, dass sie nicht mehr ansprechbar war - aber sie bellte ... und bellte ... und bellte.


    Als ich auf den Junghundetrainingsplatz kam, wollte ich mich bei der Trainerin anmelden und da sagte sie: "Dich habe ich doch schon lange eingetragen ... Chia war nicht zu überhören." Sie sagte das als Scherz und mit einem Lächeln, aber sie traf damit leider auch meinen besonders wunden Punkt.


    Nach dem Warmlaufen wurden die Hunde abgeleint und sofort begann Chia zu hüten.


    Der Tipp: "Nimm sie kurz raus aus der Situation, lass sie runterkommen und lass sie dann weiterspielen, wenn sie wieder ganz bei Dir ist", hatte ich vermutlich nicht in Perfektion umsetzen können, denn Chia war nicht bei mir und wäre es auch nach einer Stunde nicht gewesen, denn Chia bellte. Chia starrte. Chia kam nicht zur Ruhe.


    Leckerchen waren ihr egal, Ball und Hasenfelldummy mit Quietscher wurden ignoriert und mein Versuch, sie wenigstens ins "Sitz" zu nötigen, scheiterte total. Ich fühlte mich derart von ihr vorgeführt, dass ich sie am liebsten ins Auto gepackt und dort den Rest des Tages über ihre Einstellung hätte nachdenken lassen wollen.


    Bevor mein Frustrationspegel ins Minus absinken konnte, sollten die Hunde wieder angeleint werden und die Gruppe wurde aufgeteilt.


    Wir durften zu einem neuen Trainer - und das war gut. Nicht dass ich an unserer sonstigen Trainerin irgendwas nicht gut finden würde - sie schätzte Chia ja sofort richtig ein -, aber in ihrem Training gibt es ordentlich Action und die Hunde, die wie Chia sowieso schon ziemlich aufgedreht sind, gehen da gerne mal über die Uhr.


    Mit dem neuen Trainer verließen wir als erstes den Hundeplatz, weil er meinte, dass er mit uns nun erst mal ohne Ablenkung trainieren möchte. Wir marschierten also einzeln und zusammen mit dem Trainer den Waldweg hoch und runter und der Trainer lief immer neben einem von uns Vieren her, um Tipps für Fuß gehen, wenden, kehren und lockeren Leinelaufen zu geben.


    Dann liefen wir zum Sportplatz, wo wir auf dem Parkplatz ein bisschen Ruhe übten und der Trainer Fragen beantwortete - das machte er auch wirklich super. Man merkt, dass er viele Kurse besucht und da auch immer was für sein Training daraus mitnimmt, denn was er sagt, klingt logisch und zu meinem Erstaunen kam Chia wirklich komplett runter und konnte sich plötzlich auch auf mich konzentrieren.


    Dann ging es auf den Schotterweg, wo jeder von uns einmal hoch und einmal runter laufen sollte und zwar mit Tempowechsel und Wechsel zwischen Fuß und Leine - also dem lockeren Nebenhergehen. Danach gabs sogar für Chia und mich ein Lob und eben die Ansage, dass ich mich und meinen Hund nicht unter Erfolgsdruck setzen soll, sondern es wichtig für unser Beider Motivation ist, dass ich das Erreichte feiere und nicht über das Unerreichte Trübsal blase.


    In der Pause hatten wir dann auch wieder sehr gute Gespräche und als dann Zwei aus der Gruppe meinten, dass sie nicht mehr zum Spielen kommen, meinte der Trainer, dass ihm das gerade wichtig wäre, zu sehen, wie die Hunde miteinander agieren, um sie besser einschätzen zu können.


    Chia fing beim Spielen wieder mit dem Hüten an und ich nahm sie dann auch aus dem Spiel, ließ sie runter kommen und schickte sie dann wieder los.


    Vermutlich hätte ich nach über einer Stunde Training den konzentriert mitarbeitenden Hund gehabt, den ich mir zu Beginn des Trainings so sehr gewünscht hätte, denn als die anderen Hunde müde wurde, war Chia gut aufgewärmt und voller Tatendrang.


    Sie konnte heute sogar ein paar Schlabberer Wasser trinken und sie bellte auch nicht mehr alle Hunde an ... und ich überlegte, ob ich den Morgenspaziergang abkürze, damit es Chia zusammen mit dem Hundeplatz nicht zuviel wird. Statt dessen müsste ich vermutlich vor dem Training zwei Stunden mit ihr laufen gehen, damit sie die Betriebstemperatur erreicht, mit der sie motiviert mitarbeiten kann.


    Im Grunde war das Training also richtig erfolgreich ... aber ich bin dennoch nicht so zufrieden und versuche, mir den Rat des Trainers zu Herzen zu nehmen, uns nicht daran zu messen, was wir nicht erreichten, sondern an dem, was wir erreichten. Allerdings war das heute nicht so viel. Auf der anderen Seite war es wahrscheinlich doch viel, weil ich jetzt weiß, wie ich Chia runterbringe und ihre Aufmerksamkeit bekomme.


    Übrigens hatte ich von einem blonden Labrador die ungeteilte Aufmerksamkeit. Der wollte mir gleich mehrfach mein Felldummy klauen und ich gebe zu, dass ich sein Herrchen beneidete, weil der mit Leckerchen in der Futterhand einfach alles von seinem Hund verlangen kann.


    Am Ende habe ich dann noch mit Sylvia gesprochen, die dann auch meinte, dass man es natürlich mit einem verfressenen Labbi leichter hat, aber ich doch mit einem Labbi an der Leine gar nicht glücklich wäre.


    Ihr Verdacht, dass meine leckerchen vielleicht nicht toll genug sind, bestätigte sich aber nicht ... sie fragte, ob sie Chia eins ihrer Leckerchen geben dürfte, weil alle Hunde die grandios finden. Natürlich hat Chia das Leckerchen nicht genommen, denn da ist sie einfach nicht verfressen genug, als dass sie sich mit Keksen ködern lässt.


    Ich habe Sylvia dann auch noch ein klitzekleines bisschen mein Leid geklagt, dass ich halt mit Lyssi das Gegenteil von Chia hatte und es doppelt schwer ist, Chia gegenüber nicht unfair zu sein, indem ich Vergleiche ziehe, aber es eben sehr schwer fällt, mich auch auf Chia einzulassen, die es mir nie so leicht machen wird, wie Lyssi das tat ... und dann kullerten bei uns mal wieder die Tränen.


    Chia ist Chia. Das muss ich mir verinnerlichen. Ich muss nehmen, was sie mir anbietet und darf ihr nicht den Vorwurf machen, dass ich in ihr keine Lyssi finde ... aber es wäre ein bisschen leichter, wenn Chia nicht ganz so unkooperativ wäre und mir nicht so deutlich zeigen müsste, dass ich so ziemlich das Unspannendste bin, was sich Frau Hund vorstellen kann.

  • Liebe Sabine, ich kann dich mal wieder soooooo gut verstehen. Mir geht es ähnlich mit Harras, und ich habe noch nicht einmal den Vergleich mit einem anderen meiner Hunde (ich habe ja nur ihn). Und ja, auch bei mir kullerten wieder kurz die Tränen. Lyssi wird defintiv IMMER bei dir sein, die wirst du nicht mehr los.


    Dein obiger Bericht macht mich immer mehr gespannt auf deinen tollen Verein. Aber noch siegt mein innererer Schweinehund und ich mag mich einfach nicht auf den Weg dorthin machen. Vielleicht mal irgendwann. Vielleicht vorher einfach mal ein Besuch in deinem Kräuterparadies. Vielleicht, vielleicht...


    Fühle dich einmal umarmt. Und ja, wir beide müssen mehr das hochhalten und feiern, was unsere Hunde tolles machen

    und uns nicht davon runterziehen lassen, was nicht so klappt, wie wir es uns denken bzw. wünschen.

  • Liebe Sabine,

    Ich kann dich so gut verstehen!

    Dina war heute auch nicht beim Training auf der Höhe, Übungen die sie eigentlich aus dem effeff kann, klappten überhaupt nicht.

    Und wenn dann noch die mit trainierenden alles hinkriegen, ist man echt gefrustet.

  • Ich danke Euch sehr für Eure Zeilen, liebe Claudia und liebe Alex. :*


    Pinguetta Es mag wohl der einzige Vorteil von Lyssis kurzem Leben sein, dass sie nie Gelegenheit hatte, ungehorsam zu sein oder gar rebellisch. Sie war nur Glück und das ist eihne Messlatte, die (hoffentlich) nie mehr von einem Hund erreicht werden kann.


    Ich hätte sie Dir gerne vorsgestellt ...


    Aber natürlich würde ich mich freuen, wenn Du uns besuchen kommen könntest - inklusive gemütlichem Beisammensein auf dem Forsthof. Das ist also definitiv eine Einladung :thumbup:


    Kimba2001 Ich habe beim Lesen Deines Beitrags seufzend vor mich hingenickt ... Du bringst nämlich das große Problem auf den Punkt: Man sieht, wie toll es bei den anderen klappt und man selbst wird vom Hund gerade vorgeführt, als hätte er eben mal vergessen, was man ihm längst beibrachte.


    Da war ja dieser Labradorrüpel, der an der Leine zieht, wie eine Dampflok und dann korrigiert der Trainer und schwupps! läuft der Blondie wie ein Schweizer Uhrwerk und starrt nur noch auf Herrchens Futterhand, ohne zu ziehen oder zu rüpeln ... und dann steigt in mir der giftgrüne Neid auf, weil der Mann nur ein paar Leckerchen braucht und sein Hund perfekt Fuß läuft (mit Dauer-Blickkontakt und sehr dynamisch), während ich mit allem wedle, was mein Hund sonst Saltos schlagen lässt und sie starrt nur in die Ferne und ist kein Stück bei mir. :(


    Aber - und auch das sagte der Trainer heute zu mir: "Das sind Hunde. Die müssen nicht immer perfekt funktionieren oder immer die höchste Leistungsbereitschaft vorweisen. Die dürfen auch mal einen schlechten Tag haben. In erster Linie sind sie doch Familienmitglieder und geben uns so viel, dass das doch schon genug sein könnte, oder?"


    Und er hat ja Recht. Beim nächsten Training läuft es vielleicht besser. Mit Dina ganz sicher! Mit Chia - wahrscheinlich sicher ;)

  • Ich lese hier immer still und heimlich mit und bin immer ganz gespannt und neugierig. Ich kann aber auch so gut mitfühlen, wenn du von Chia berichtest und es tut mir ein bisschen weh, wenn ich lese, dass es dir dann so schlecht geht, da ich das Gefühl kenne, das du fühlst.


    Oft sitze ich da und denke mir "Japp, Brummi. Hier auch: Brummi. Jupp, schon wieder Brummi!". Denn die Chia ist dem Brummi so ähnlich, als seien sie seelenverwandte Geschwister und ich glaube, es ist auch ein bisschen Schicksal, dass wir zwei uns hier "gefunden" haben.


    Aber auch ich werde vielleicht in der Zukunft nachlesen, wann etwas anfing, was gut klappte, wo ich Lösungswege fand oder vielleicht werde ich beim Lesen dann denken: "Echt? So katastrophal waren wir mal unterwegs. Na dann haben wir ja doch was erreicht!"

    Ich weiß nicht mehr genau, um was es da letztens ging, ob es ein Satz war aus der privaten Nachricht oder ein Satz, den ich hier mal im Forum aufschnappte, aber letztens dachte ich mir "hey, so arg ist es ja gar nicht mehr bei der Chia", weil ich mich erinnerte, vor einer Weile etwas gelesen zu haben, was noch ganz anders klang. Ich kann dir leider nicht mehr genau benennen, wo oder was genau das war, aber: ich habe eine Veränderung zum Positiven erkannt. Manchmal sind das, also ich nenne es gerne "Gedankenfussel", wenn ich etwas wahrnehme, aber irgendwie nicht bewusst weiter drüber nachdenke. Und das ist so ein Fussel in meinen Gedanken, an den ich mich erinnere.


    Genau das riet mir heute auf dem Hundeplatz nämlich der Trainer: "Stell nicht immer den Gedanken allem voran, was gerade mal nicht klappt, sondern reflektiere, was schon alles super klappt und was Du mit Deinem Hund schon erreicht hast - der Gedanke gibt ein gutes Gefühl und genau das ist wichtig, wenn Du mit Deinem Hund arbeitest."

    Wir hatten es über so etwas mal im Studium. Da ging es um Eltern, die mit ihren Kindern zur Beratung kommen. Eine Dozentin, die in diesem Feld arbeitet, berichtete - die Eltern zählen oft alles mögliche auf, was die Kinder nicht können, was schlecht läuft, was sie anstrengt und überfordert. Und wenn man fragt, was die Stärken der Kinder sind, dann kommen vielleicht ein oder auch zwei Dinge, aber dann hört es schon auf und ratlose Blicke treffen einen...


    Wenn man so darüber nachdenkt, also mich hat das zumindest damals nachdenklich gestimmt. Man verliert die positiven Dinge völlig aus dem Blick. Damals, da hatte ich den Brummi nicht. Aber ich kannte das auch selbst. Ich als Mensch mit ADHS war damals natürlich auch bei einem Jugendtherapeuten, bei mehreren sogar. Zum letzten, zu dem ich wechselte, brachte ich natürlich die ganze Akte mit und zählte ihm auf, was bei mir alles "kaputt" ist und was ich sehr an ihm schätzte in dem Moment, war, als er sagte: das will ich alles gar nicht wissen, erzähl mir erst mal, was du gerne machst und was du gut kannst.


    Und danach erklärte er mir: wenn man immer nur drauf schaut, was alles nicht geht, was alles schwach ist, dann ist das sehr defizitorientiert und anstatt die Stärken zu nutzen und weiter aufzubauen, hängt man sich an dem fest, was eh nicht klappt und wie soll man denn etwas angehen, was eh nicht klappt, wenn man gar nicht weiß, welche Stärke man dafür nutzen kann? Das ist, wie zu wissen, dass das Heizungsrohr defekt ist. Anstatt die Zange in die Hand zu nehmen, die man erstklassig schwingen kann, regt man sich drüber auf, dass man das blöd verschraubt hat. Während man sich darüber ärgert, ist man nur gefrustet und das Wasser tropft noch immer. Aber würde man kurz drüber nachdenken, dass man doch so gut mit der Rohrzange kann, wäre die Sache im Handumdrehen gelöst.


    Und das stimmte mich wieder nachdenklich. Und ich begann auch mich in einem anderen Bild zu sehen. Das ADHS war plötzlich nicht mehr mein Lebensfeind, nein, ich erkannte, was ich durch das ADHS alles kann, was andere sich nicht mal zu träumen wagen, jemals zu können. Und dass ich genau das nutzen kann, um meine "Schwächen" (mittlerweile sehe ich es nicht mal mehr so, es sind einfach Punkte, die nicht so gut laufen und an denen man etwas tun kann und mittlerweile macht es mir sogar Spaß, neue Wege und Möglichkeiten zu finden, um das zu tun), jedenfalls, dass ich das nutzen kann, um meine "Schwächen" auszugleichen oder noch besser: PLATT ZU MACHEN! 8) Denn unsere Stärken sind unsere Werkzeuge, die wir nutzen können, um unsere tropfenden Heizungsrohre abzudichten.


    Nun hab ich ja jetzt den Brummi und irgendwie, ja, es war wohl Schicksal. Ich sah ihn nie wirklich in dem Bild, dass er gar nichts kann. Ich sagte immer "er kann x, y und auch z, aber bei f, da hänge ich fest und ich weiß einfach nicht, was ich da tun soll...".


    Anfangs konnte er überhaupt nicht schlafen, null, er hat uns den letzten Nerv gekostet. Aber er kam von Tag 1 an aus dem Spiel heraus sofort zu mir, wenn ich ihn gerufen habe und konnte sofort Sitz, ohne ihm das aktiv beizubringen.

    Der kleine Piranha hat mir bestimmt 20 blutige Löcher verpasst, gleichzeitig hat er mich immer zum Schmunzeln gebracht, wenn er in seiner kindlichen Art ein Rinderohr erlegte oder seinen eigenen Schwanz verbellte dabei, weil er nicht wusste, dass das Schwänzel zu ihm gehört und deswegen ihm sein Rinderohr auch nicht streitig machen kann, aber so saß er da und kläffte es an und machte seinem Schwänzel eine ganz klare Ansage: "keinen Centimeter näher, das ist mein Rinderohr, scher dich da weg jetzt!". So vergaß ich meine schmerzenden Löcher in den Händen.

    Er schrie wie am Spieß, wenn wir ihn irgendwo mit hin nahmen, aus Freude und Aufregung heraus und wir ernteten tonnenweise schiefe Blicke - gleichzeitig machte er uns fast nie in die Wohnung, außer wir haben wirklich die Zeit völlig aus den Augen verloren und hatte von Anfang an eigentlich das Prinzip von "stubenrein" begriffen, er konnte es eben noch nicht steuern oder einhalten, wenn wir zu doof waren.


    Und auch deine Chia... mag sein, dass sie andere Hunde verbellt und dass du in diesem Moment am liebsten irgendwo ein Loch buddeln willst, um darin zu versinken. Gleichzeitig kannst du sie aber auch ableinen und sie kommt, wenn du sie rufst - Brummi bellt andere an UND kommt nicht, wenn ich ihn rufe. :S Damit will ich nicht sagen: ich habs schlimmer, sondern: guck mal, deine Chia kann was total tolles, was andere nicht können!


    Auf dem Hundeplatz ist sie überhaupt nicht bei der Sache, aber nicht, weil sie dir was böses will. Meine Trainerin formulierte das ganz treffend: du bist nicht langweilig, du bist nicht uninteressant, aber es gibt da so viel Zeugs, das permanent bewertet werden muss und zumindest in Brummis Hirn sorgt das für STRESS, denn typisch Schäferhund, bekommt er ALLES mit, egal was, sobald sich was bewegt, muss er hin gucken, sobald er was hört, muss er da hin horchen. Er kann gar nicht anders, er ist da einfach ein Opfer seiner Rasse. Dann sagen einem die Trainer auch noch so tolle Sachen wie "Ja mach dich doch mal interessanter!". Und dann feiert man voll die harte Party ab auf dem Platz! und es passiert? Nichts. Der Hund denkt vielleicht noch, durch das Rumgehampel ist nun wirklich Stress angesagt, denn wenn das sonst so ruhige Frauchen plötzlich so wild wird, meine Herrn, da muss ja was los sein!


    Die Chia liebt dich, sonst würde sie nicht "so klein mit Hut" zu dir gekrochen kommen, wenn sie mal wieder was angestellt hat und könnte deine Gefühlslage nicht so genau lesen - aber sie KANN einfach nicht anders auf dem Hundeplatz, denn ihre Instinkte sagen ihr: spann die Lauscher auf und hab alles im Blick!


    Das sehe ich doch auch am Brummi: zuhause bin ich seine größte Nummer 1 (bevor die Hormone kamen, vor der Pubertät sogar draußen), der würde ALLES für mich und mit mir tun, einfach alles. Aber draußen, da KANN er das einfach nicht. Dann sagten die Trainer, ich sei zu langweilig. Aber wieso bin ich zuhause dann so mega spannend? Nur, weil da keine Hunde sind, die ja ach so viel toller sind?


    Naja, nein, sondern: weil er da nichts bewerten muss. Wenn die Fenster zu sind, dann gibts keine Gerüche und keine Geräusche, nichts und niemand bewegt sich oder tut was, da gibt es nur uns beide und er kann voll und ganz für mich da sein und sich auf mich konzentrieren und muss nicht überlegen, wie auf dem Platz, ob der Hund von da drüben vielleicht gleich zu uns kommt oder ob der Hund, der da in den Boxen bellt, irgendwie relevant ist und dann noch der Trainer, der da über den Platz läuft, was, wenn der ihm hallo sagen will, dann muss der doch in die Startlöcher gehen?


    All die Gedanken hat er zuhause nicht.


    Und so wie der Brummi scheint mir auch die Chia zu sein. Ich erkenne sie in so vielen Punkten wieder. Aber ich denke mir immer: der Brummi kann schon so viel und bis auf Baustelle a bis f ist er ein supertoller Hund und ich würde gar keinen anderen wollen, ich würde gar nicht wollen, dass er anders ist.


    Natürlich würde ich auch gerne entspannt mit ihm an Hunden vorbei kommen, ohne dass ICH in den Startlöchern sein muss, um ihn festzuhalten und ohne mir mein Loch im Acker zu buddeln, in das ich versinken kann, wenn er insbesondere mal wieder den Hund der Terrornudel anstänkert, aber was soll ich denn tun...


    Wenn er mich eins gelehrt hat in der letzten Zeit, dann: Er ist ein Opfer seiner selbst und ich kann ihm dabei helfen. Er ist ein toller Hund, der ein paar Probleme im Leben hat und nicht weiß, was er tun soll und noch nicht versteht, was besser für ihn ist. Ich kann ihm die besseren Wege aufzeigen, aber er muss sie letztlich wählen. Ich kann mit ihm das abwenden von Reizen üben, aber er muss sich letztlich dafür entscheiden, dass dies die bessere Wahl ist und nicht, den Hund anzublöken. Um noch mal zur Heizung zurück zu kommen: unsere Hunde haben auch Werkzeuge, die sie nutzen können, für ihre eigenen tropfenden Heizungsrohre. Der Brummi lernt zum Beispiel unglaublich schnell. Neues setzt er superfix um. Das kann ich mir zu Nutze mache, um ihm zum Beispiel klar zu machen: Hey Junge, wenn du dich zu mir umdrehst und diesen Hundebob mal kurz links liegen lässt, ja dann kannst du bei mir richtig absahnen! Natürlich versteht er das nicht sofort und bei etwas, das schon gefestigt ist und auch noch von Hormonen überlagert wird, dauert das etwas länger. Da rutscht die Rohrzange quasi in den schwitzigen Pfoten rum. Aber irgendwann hat er das Ding im Griff und dann kann auch er so richtig anpacken und sich entscheiden, was er überhaupt will und was für ihn besser ist.


    Bis dahin mache ich ihm das Angebot. Immer wieder. Uns wenns zwanzig mal in die Hose geht, er hat immer wieder die Möglichkeit: ey, dreh dich um und hol dir bei mir den Jackpot!

    Denn die verhalten sich eigentlich nur so, weil es nix besseres zu tun gibt oder weil sie denken, das sei ihre Aufgabe. Da sich das natürlich monatelang so super eingependelt hat, ist es nun schwer, ihnen verständlich zu machen, dass man eine bessere Aufgabe für sie hat, die sich viel mehr lohnt.


    Ich sag mir dabei immer: ich geb der Sache doppelt so viel Zeit wie es gebraucht hat, um an den Wendepunkt zu gelangen. Brummi hat jetzt 6 Monate lang Tarzan gespielt, also gebe ich ihm 12 Monate Zeit, sich für die bessere Alternative zu entscheiden. Das wird kein "Klick" von heute auf morgen sein. Aber es ist ein schleichender Prozess.


    Oft wollen wir ganz viel und das auch ganz schnell. Wenns einmal klappt, dann soll das doch bitte jetzt immer klappen, denn es hat doch schon mal geklappt und die neue am eigenen Leib erfahrene "Erlösung", ja, bitte nur noch das und nicht mehr das schlimme Verhalten. Aber wenn wir jetzt heute anfangen Tennis zu spielen, dann treffen wir heute vielleicht 5 mal den Ball - welche Anfängerglück! -, die nächsten 2 Wochen aber nur noch jeweils einmal und das unter sehr großer Anstrengung. Das ist frustrierend, aber man darf niemals aufgeben. Denn irgendwann trifft man schon wieder und dieser Moment prägt sich ein 8) Und in den zwei "schlechten" Wochen, da feilt man an seiner Technik und stärkt andere Dinge, um am Ende besser treffen zu können, das merkt man aber gar nicht, denn man ist so schwer drauf fokussiert, bloß zu treffen, dass man den Rest gar nicht sieht. Irgendwann trifft man dann immer öfter und eines Tages, ja, da ist man der neue heimliche Tennisprofi geworden (und trotzdem gibts dann Tage, da schlägt man voll an dem ollen Ball vorbei) und freut sich. Und erst dann sieht man meist, was man auf dem Weg dahin noch so alles gelernt und gemacht hat.

  • Sabine jeder von uns hat doch solche Momente. Alles gut und abhaken. Vergleiche mit anderen Hunden bringen nichts. Chia ist so wie sie ist und das ist auch gut so. Sie ist eine tolle chaosfürstin. Was will ich damit sagen klammer dich an ihre supertollen Seiten.

  • Danke Ihr Lieben.


    Ellionore

    Holger, es ist halt manchmal schwer, nicht zu vergleichen, wenn man mit Lyssi den Hund hatte, der einem den Gehorsam schenkte und man ihn sich nie mühsam erarbeiten musste und der Labbi auch einen Handstand für die Kekse machen würde und ich mir gebratene Leber um den Hals hängen könnte, ohne dass ich damit für meinen Hund interessanter werde.


    Aber ich liebe meine Chaosfürstin nicht weniger wie Bene oder wie ich Lyssi liebte ... und ich würde auf keinen Fall den Labbi haben wollen. Es ist nur manchmal ein bisschen schwerer, nicht zu vergleichen und zu hadern, wenn man das Gefühl hat, dass der Hund, den man da gerade an der Leine hat, keinen Wert darauf legt, mit mir in irgendeinem Zusammenhang zu stehen.


    Aber ich nehme mir Deine und auch Azemba s Worte sehr zu Herzen.


    Der Brummi ist eine Herausforderung und ich bewundere das unermüdliche Engagement, mit dem Du Deinem Hund immer neue Chancen gibst, den Weg vom Chaoskopf zur Vernunft zu ebnen und ich glaube auch an eine schicksalshafte Fügung, dass wir uns hier getroffen haben und uns austauschen und Mut machen können. Denn der Brummi zeigt ja schon, dass das Training im gut tut und er bereits auf dem Weg zur Vernunft unterwegs ist.


    Chia zeigt - da hast Du absolut Recht - eigentlich auch schon gute Tendenzen, vom "Bunte-Knete-Kopf" zur Vernunft zu finden. Bei ihr ist nur das Problem, dass sie Stress anders kompensiert, als das der Brummi tut. Beim Brummi kommt kein Zweifel auf, dass wenn es ihm zuviel wird, er deutliches Stressverhalten zeigt. Bei Chia wird das nicht so offensichtlich, weil sie dann einfach zu macht und ignorant wird. Brummi weckt mein Mitleid, wenn er sich in manchen Situationen überfordert fühlt, weil seine Hormone Samba tanzen. Bei Chia bin ich eher gefrustet, wenn ich genau weiß, dass sie eigentlich kann, was sie soll, aber es einfach nicht macht, sondern woanders hinstarrt, als würde sie mich bewusst ausblenden.


    Der Gedanke ist ganz schrecklich unfair - das weiß ich, aber ich weiß auch, dass es die Hormone vermutlich noch nicht sein können und ich mir einfach nur wünsche, dass ich zu ihr durchdringen könnte und einen Weg finde, auf dem wir zu einem für uns Beide tollen Miteinander finden, wie Lyssi es mir so selbstverständich anbot ...

  • Sabine, ich habe hier mit Loki einen Hund, der vermutlich auf Dauer fremde Menschen unmöglich finden wird, der sich nicht anfassen lässt undvor allem Angst hat. Vermisse ich Ellis offenene Art ja natürlich. Aber Loki hat aufseine ganzeigene Art seine tolleSeite.

  • Holger, ich kann und ich will Dir gar nicht widersprechen, denn Du hast ja absolut Recht: Wir müssen unsere Hunde so annehmen, wie sie sind, denn umgekehrt tun sie das ja auch mit uns.


    Ich bin auch fast sicher, dass ich irgendwann akzeptieren kann, dass ich mich nicht mehr an Lyssis Vorzügen festhalten darf, denn vermutlich hätte sie irgendwann auch mal eine pubertäre Renitenz entwickelt. Nur habe ich die bei ihr nie erleben dürfen und da geht es mir wie Dir mit Elli: Man neigt vielleicht ein bisschen dazu, diejenigen, die einen viel zu kurz begleiten durften, zu glorifizieren und das wäre Chia und Loki gegenüber unfair. Du bist mir da einen Schritt voraus ... aber ich komme da vielleicht auch noch irgendwann an.


    Danke fürs Erinnern :*

  • Holger, das ist es. Aber ich glaube, es ist eben menschlich, dass wir immer nach dem Ideal streben und wenn wir ihm mal sehr nah waren, ist es schwer, den Schritt zurück zu gehen, um dann wieder daran zu arbeiten, aus dem, was uns geschenkt wurde, das Ideal zu zaubern ... aber es wird uns gelingen ... irgendwann ... Dir bei Loki, mir mit Chia.


    Und heute gab es mal wieder eine Begegnung mit dem usseligen schwarzen Böckchen, das lustig im Feld stand und Kiepenkerl-Gewächse knabberte.


    Chia sah in. Er sah Chia. Böckchen geht zwei Schritte auf uns zu. Bleibt stehen. Chia bleibt auch stehen und schaut mich an. Ich sage NEIN!. Chia wendet sich vom Böckchen ab und das Böckchen geht zwei Schritte zurück und grast weiter.


    Und jetzt bin ich fast sicher, dass Hund und Bock so eine Art gedanklichen SMS-Austausch pflegen, wenn sie sich begegnen:


    schwarzes usseliges Böckchen: Hey Hund! Ich habe schon auf Dich gewartet. Lust auf eine wilde Hatz?

    Chia: Lust schon, aber ich habe die letzte Woche zu oft über die Stränge geschlagen und wegen Dir zwei Bälle verloren. Ich muss Dir leider eine Absage erteilen.

    schwarzes usseliges Böckchen: Schade! Aber vielleicht beim nächsten Mal?

    Chia: Mal schauen. Ich muss erst Pluspunkte sammeln. Dann vielleicht.

    Schwarzes usseliges Böckchen: Na dann ... kann man nichts machen. Ich frühstücke dann mal weiter.

    Chia: Dann guten Appetit und lass Dich nicht vom Jäger erwischen

    schwarzes usseliges Böckchen: Ich gebe mir Mühe - Du weißt ja: ich bin schnell!


    Chia lief also entspannt den Feldweg weiter, forderte Bene zum Spielen auf und ich habe meine fröhlichen Hunde genossen.


    Das Bleib war heute aber bescheiden. Ich musste von 5 Metern wieder auf 2 Meter verkürzen und der Keks zwischen den Pfoten war heute nicht so interessant, wie ein Busch, an den vermutlich ein Rüde gepinkelt hatte ... Chia wird wieder hormonell :rolleyes:


    Bene klaute sich den verlassenen Keks und ich wiederholte das Platz und Bleib mit zwei Metern Abstand und feierte dann, dass Chia liegen blieb.


    Das Brunnenspiel wäre super gewesen, hätte Bene nicht plötzlich den Einfall gehabt, auch mal mitspielen zu wollen. Sie sprang also aus dem Platz los, als ich Chia losschickte, umrundete den Brunnen aber in die entgegengesetzte Richtung, kollidierte fast mit der im Fullspeed entgegenkommenden Chia und vorbei wars mit der Konzentration.


    Ich habe Bene dann angeleint und Chia noch mal geschickt, aber irgendwie konzentrierte sie sich eher auf das, was Bene plant, als auf die Aufgabe und so war das Umrunden weder eng genug, noch richtig schnell. Ich habe dann aber einen schönen Vorsitz bekommen und den belohnt.


    Wir waren schon auf dem Heimweg, da raschelte es im Gebüsch. Chia schoß los, legte dann einen 5 Meter-Sprint in den Wald hin und kam dann auf mein Hier sofort zu mir zurückgerannt. Inklusive Vorsitz und Augenkontakt. Also belohnte und lobte ich sie.


    Im Augenwinkel - ich kann es nicht beschwören, aber ich bin mir fast sicher, meinte ich das usselige schwarze Böckchen im Dickicht zu erkennen, das dort wartend stand.


    Meine Interpretation der Situation ist also:


    usseliges schwarzes Böckchen: Pssst! Hund, hey Hund! Lass uns rennen!

    Chia: Geht nicht. Ich habe das Brunnenspiel versemmelt und beim Bleib lieber den Duft eines Rüden eingeatmet, als liegen zu bleiben. Mehr darf ich mir heute nicht mehr leisten. Sonst gibt es Ärger.

    usseliges schwarzes Böckchen: Ach komm. Nur 20 Meter ... Du bist zurück, bevor Dein Mensch merkt, dass Du losgerannt bist!

    Chia: Also gut. Aber nur 5 Meter!

    usseliges schwarzes Böckchen: Warum nur 5 Meter?

    Chia: Wenn ich nach 5 Metern zurückkomme, werde ich gelobt und bekomme einen Keks. Wenn ich erst nach 20 Metern zurückkomme, muss ich streng Fuß gehen oder werde angeleint und darf nicht schnüffeln und mit Bene hüpfen. Also - 5 Meter?

    usseliges schwarzes Böckchen: Na dann ... Rennnnnnnnnnnnn!


    Den Rest des Weges war Chia wieder ganz bei mir und ich konnte mich über meine Hunde wirklich nur freuen.


    Das Böckchen freute sich vermutlich auch und ich bin sogar geneigt, ihm die Schuld am Verlust von zwei Bällen nachzusehen. ;)





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