Videoreihe über Aggression - Thomas Baumann

  • Axman, kannst du mit deinem Hund 2 Minuten Spielen ohne ein Objekt oder Leckerli, ohne weglaufen?

    In dem Video wird doch gezeigt wie man Erzieht ohne Konditionierung.

    Ich habe mir vorgestern so ein Viereck abgesteckt und beide mal getestet.

    Ein Hund im Viereck ohne Sitz oder Platz, einfach rein, mit dem anderem draußen gespielt, nur wir beide auf dem Boden.

    Die Hündin musste ich 2 bis 3 mal zurück schicken, der Rüde hat es gleich mitgemacht.

    Dann dem Hund die Freigabe gegeben zu mir zu kommen und ich und der Hund haben sich gefreut ohne irgendwas.

    Ich habe damit Erzogen ohne Dressur, einfach Fordern und Fördern.


    Das selbe gilt für das Leinen Training, der Hund bekommt, abgesehen von viel Lob, nichts dafür. Es wird einfach eingefordert, Fertig, kein Ball kein Leckerli nur Mensch und Hund.


    Das ist der Unterschied zwischen Dressur und Erziehung.



    Sport geht natürlich ausschließlich mit Objekten, sonst würde der Hund niemals (so) mitmachen. Der macht das alles ja nicht weil er das so toll findet, sonst würde er es ja auch ohne Objekt machen, wie zB Jagen.

    Aber das ist ja auch voll in Ordnung, wenn man es nicht Übertreibt und den Hund komplett abhängig vom Objekt macht und das machst du ja nicht.


    Der Unterschied ist

    Dressur geht es "Hauptsächlich" um das Objekt und die Materielle Belohnung.

    Bei Erziehung geht es nur um Hund und Mensch.


    Es ist so einfach aber dennoch schwer zu beschreiben.

    Einmal editiert, zuletzt von Le<Li ()

  • Aber wenn du deinen Hund wieder in das Viereck zurück schickst, ist das positive Strafe, die dazu führt, das das unerwünschte Verhalten seltener auftritt, also konditionierst du. Man braucht doch keinen Futter oder Ball zum Konditionieren. Für mich ist auch alles Konditionierung.

  • Es wird einfach eingefordert, Fertig, kein Ball kein Leckerli nur Mensch und Hund.

    Also, der Hund zeigt ein eingefordertes Verhalten. Ich nehme jetzt mal den Rückruf. Der, in meinem Beispiel, bombenfest sitzt.

    Denn ich fordere das von meinem Hund ein!

    Aber, was ist den so schlimm daran, wenn es dafür eine Belohnung gibt? Das ist eine ernstgemeinte Frage, ich verstehe es nämlich wirklich nicht.

    ...ich gehe ja auch nicht zum Arbeiten, weil meine Beziehung zu meinem Vorgesetzten so gut ist. :D ;)

  • Aber wenn du deinen Hund wieder in das Viereck zurück schickst, ist das positive Strafe, die dazu führt, das das unerwünschte Verhalten seltener auftritt, also konditionierst du. Man braucht doch keinen Futter oder Ball zum Konditionieren. Für mich ist auch alles Konditionierung.

    Das sehe ich genauso, plus wir haben natürlich noch die positive Bestätigung durch gemeinsames freuen, nachdem der Hund dann wieder eingealden wurde.


    Ich glaube (und ich sehe es ständig auf verschiedenen Hundplätzen) ist, dass die Hundeführer kaum zwischen locken und bestätigen untercheiden. Im Video spricht es Baumann auch mal so aus, als dier Hund auf dieses Wackelpodest soll. Diese Hunde sind durch schlechtes Timing darauf trainiert erst dann zu interagieren, wenn der mensch in die Tasche greift - so sieht es aus , wenn der Hund den Mensch konditioniert und nicht umgekehrt.

    Vielen Hunden wird quasi richtige beigebracht, dasss wenn sie zögern oder langsam machen schon das Leckerli raus geholt wird um sie zu sich zu holen.



    Mir ist als ich das Video gesehen habe ein cooles beispeil eingefallen. Also ich persönlich belohne meine Hund eigtl für so gut wie alles. Es gibt bei uns auch das verbale Lob und auch das streicheln, aber in der Regel lobe ich mit Hilfe von Futter.

    (In sehr vielen Situationen wäre für meinen Hund streicheln auch schlicht kein Lob, was eine Bestätigung ist, bestimmt ja auch immer der um den es geht - und ja, durch gezielte Konditionierung lässt sich auch die Wertigkeit von einzelnen Bestätigungen Auf- bzw. Abwerten, aber streicheln ist mir jetzt auch nicht so wichtig)

    Wir waren in einem kleinen Stadtpark und haben so ein bisschen die Gegend abgecheckt. Die hatten da neu so Tische aufgebaut bzw. eher so große Plattformen, auf die Kinder sich drauf stellen können, die wackeln und sich drehen lassen (in meiner jugend gab es so Dinger jedenfalls noch nicht, ich hoffe ihr versteht was ich meine). Jedenfalls laufe ich so dahin, um mir die anzuschauen und Mila dachte sich so, dass das doch eindeutig aussieht wie etwas, wo sie drauf springen soll. Sie springt drauf und erschreckt sich, weil die Platte in ihre Richtung kippt, aber sie ist nicht runter gesprungen, obwohl sie das schon ziemlich unheimlich fand. Sie hat sich ausbalanciert und auf eine Freigabe gewartet, dass sie wieder runter kann.

    Das ist das Ergebnis davon, dass Sie im Training nicht irgendwo hochgelockt wird, sondern sie ihre Bestätigung dann in Form einer Freigabe mit Futter bekommt.



    Ich glaube auch, dass es für viele Leute, die immer viel gelockt haben eine Hilfe ist, sich mal auf dieses normale Loben zu besinnen, nicht weil das eine andere Lernform ist, aber weil die Leute dabei instinktiv ein besseres Timing in Richtung Bestätigung bekommen. Es fällt den Leuten oft unheimlich schwer zu verstehen, dass wenn sie in die Jacke greifen, obwohl der Hund noch gar nicht umgesetzt hat was er soll, dass sie ihn dann locken, weil es zum Teil auch unbewusst passiert.

  • Vielleicht bringt es das auf den Punkt?


    Konditionierung baut das Verhalten technisch auf

    Erziehung entscheidet, wann, warum und wie verbindlich es ist


    Ein Hund kann konditioniert sein, zu kommen –

    aber unerzogen, wenn er nur hört, wenn er gerade Lust hat.


    Konditionierung bringt dem Hund bei, was funktioniert.

    Erziehung bringt ihm bei, was gilt.


    Wie oben schon erwähnt, es geht nicht um das entweder/oder.

  • Sie hat sich ausbalanciert und auf eine Freigabe gewartet, dass sie wieder runter kann.

    Da sind unsere unterschiedlichen Ansätze erkennbar.

    Entscheidend ist ja immer, was will man vom Hund.

    Ich würde Milas Verhalten für mich nicht positiv bewerten.

    Mir hat mal jemand erzählt, das sein Hund, sobald er eine Bank sieht, sich von der Seite mit den Vorderläufen drauflegt und wartet.

    Auf meine Frage nach dem "warum" sagte er: "Wenn wir uns aus den Augen verlieren weiß ich, er wartet auf einer Bank."

    Ich dachte damals "Boah, was der schon mit 6 Monaten alles kann..."

    Pepper konnte sowas alles nicht...bis heute.

    Heute sehe ich das komplett anders und sehe die Unterschiede.


    Nicht falsch verstehen: Ich finde es toll wenn Hunde Dinge können.

    Mir ist nur die Beziehung wichtiger als das Kunststück. Wenn beides da ist: Mega


    Wir diskutieren ja hier im Grunde, das oft die Konditionierung - also weil der Hund etwas kann/gelernt hat - als soziale Beziehung missverstanden wird.

  • Euch scheint das Wort Konditionierung sehr wichtig zu sein?

    Was machen Hunde unter sich, wenn sie sich zB. Streiten, ist es dann konditionieren, erziehen oder gar beides?

    Hunde brauchen untereinander keine Objekte, um klar zu stellen wo es langgeht, Konditionieren sie sich oder etwa Erziehen sie sich oder keines von beidem? Was dann?

    Es geht doch in dem Video nicht um HH die eine gute Mitte gefunden haben, sondern um die die wenn sie sämtlichen Objekte vergessen haben, der Hund draußen Null Interesse mehr an seinem Menschen hat und davon gibt es sehr sehr viele.

  • Euch scheint das Wort Konditionierung sehr wichtig zu sein?

    Nicht wichtiger als es dem ein oder anderen ist sich davon zu distanzieren 😜


    Ich würde soweit gehen, das man sagen kann, das viele komplett auf klassische Konditionierung verzichten (klicker, maker).

    Aber operante Konditionierung ist ein Modell, dass man überall anwenden kann. Man muss ja nicht, aber mir hilft es total um zu verstehen warum manches funktioniert, anderes nicht und wieder was anderes viel besser 😊

  • Genau, so ist meine Denkrichtung auch! Mona


    Ich glaube halt, dass gute Konditionierung nur innerhalb von gutem sozialem Lernen stattfindet. Es ist immer eine Mischung und für uns soziale Tiere (Menschen und Hunde) ist es praktisch kaum möglich den sozialen Teil abzuschalten, aussen vor zu lassen.


    Im übrigen ist die primitivste Lernform nicht das Konditionieren.


    Warum sollte "primitiv" hier gleichgesetzt mit "schlecht", "schlechter", "weniger effektiv" o.ä. sein. Ich mag solche Verallgemeinerungen nicht.


    Primitiv bedeutet oft auch simpel und warum sollte es schlecht sein, wenn man einem Hund eine simple Lernform anbietet? Das tolle ist doch, dass auch Hunde, die NOCH keine Beziehung oder Bindung haben auch bereits ganz hervorragend über Konditionierung lernen können. Oder Hunde die gravierende Beziehungsprobleme haben. Manchmal geht es auch darum was funktioniert, nicht, was ist das schönere/elegantere/optimale. (Tierschutzhunde, sonstwie traumatisierte Hunde.....)


    Es geht um das gänzliche Fehlen oder die falsche Gewichtung zwischen Konditionierung und dem sozial-emotionalen Aspekt. Im Prinzip ist es das, wo man bei euch Hundesportlern inzwischen Punkte zieht, wenn der Hund nicht freudig (und Freude ist m.E. ein total emotional-soziale Ausdruck der Richtung HH geht) arbeitet.

    Jaaaa, genau der erste Satz ist es :) :) damit gehe ich total konform. Der zweite Satz ist zuweilen etwas komplizierter.,,,,,


    Es ist immer schwierig, wenn wir mit schwarz-weiss Argumenten kommen oder die Diskussion dahin abrutscht.

    Du hast Recht, auch diese Diskussion hier kann definitiv nicht schwarz oder weiss als Antwort haben.


    Deshalb kann mein Hund auch nix...außer mir jeden Stock im Wald bringen, damit ich ihn wegwerfe oder verstecke

    Hüstl :D I hate to break it to you, das ist astreine Konditionierung :love: Du bist auf jeden Fall dazu fähig und offenbar hast du in deiner Beziehung mit Pepper einfach auch in diesem Bereich ganz viel richtig gemacht.


    Das "Problem" ist, wir konditionieren andauernd. Bewusst oder unbewusst. Ich persönlich tue es daher lieber so gut wie möglich bewusst und geplant.


    Sucht mal den Begriff "Premack" im Zusammenhang mit Lerntheorie. Das ist ein wirklich extrem wichtiger Punkt im Zusammenhang mit der Frage "Konditionierung oder Soziales Lernen". Es ist einfach alles so vielschichtig und ineinander verschachtelt, dass es sich teilweise schwer auseinanderpfriemeln lässt und deshalb finde ich die Trennung in zwei voneinander unabhängige Teile nciht in Ordnung.


    Axman, kannst du mit deinem Hund 2 Minuten Spielen ohne ein Objekt oder Leckerli, ohne weglaufen?

    In dem Video wird doch gezeigt wie man Erzieht ohne Konditionierung.

    Ich kann mit meinen Hunden auch 2 Stunden ohne ein Objekt oder Leckerli spielen ohne dass sie weglaufen. Tatsächlich ist es so, dass es schwer ist sie von mir wegzukriegen weil sie immer in meinem Dunstkreis kleben. Dazu brauche ich auch keine Leckerli etc.


    Sport geht natürlich ausschließlich mit Objekten, sonst würde der Hund niemals (so) mitmachen. Der macht das alles ja nicht weil er das so toll findet, sonst würde er es ja auch ohne Objekt machen, wie zB Jagen.

    Aber das ist ja auch voll in Ordnung, wenn man es nicht Übertreibt und den Hund komplett abhängig vom Objekt macht und das machst du ja nicht.

    Nein, das ist so nicht ganz richtig. Beim Gebrauchshund ist ein grosser Teil des Verhaltens das er für den Sport braucht angeboren (Genetik), das ist dieselbe Schublade wie Jagen. Ich kann ansonsten nicht ganz folgen was du mit Objekt meinst......


    Wenn der Hund konditioniert wurde zu kommen, dann kommt er, es sei denn man hat schlecht/falsch konditioniert. Im Gegenteil, es ist so, dass wenn man glaubt dass der Hund nur zu einem kommt weil man so schönes blondes Haar oder so hat, dann ist man auf dem Holzweg.


    Der Hund kommt wenn du ihn rufst, weil er irgendeine Erwartung hat. Die kann materiell oder nicht materiell sein. In beiden Fällen kann man hoffen, dass sie jedenfalls so gross ist (die Erwartung), dass sie die gegenwärtigen anderen Interessen des Hundes übertrifft. Der Hund versucht in jedem Moment die für sich beste/angenehmste Situation herzustellen. Hund sind weder vernünftig noch verständnisvoll. Abgesehen davon hat einiges auch mit Gewohnheit zu tun, wenn man es geschickt angestellt hat.


    Nicht falsch verstehen: Ich finde es toll wenn Hunde Dinge können.

    Mir ist nur die Beziehung wichtiger als das Kunststück. Wenn beides da ist: Mega

    Ich versuche immer noch mir vorzustellen wie man einem Hund Kunststücke beibringt und dabei vollkommen steinern und gefühlstot ist so dass dabei jegliche Beziehung aussen vor bleibt :/


    Euch scheint das Wort Konditionierung sehr wichtig zu sein?

    Was machen Hunde unter sich, wenn sie sich zB. Streiten, ist es dann konditionieren, erziehen oder gar beides?

    Hunde brauchen untereinander keine Objekte, um klar zu stellen wo es langgeht, Konditionieren sie sich oder etwa Erziehen sie sich oder keines von beidem? Was dann?

    Es geht doch in dem Video nicht um HH die eine gute Mitte gefunden haben, sondern um die die wenn sie sämtlichen Objekte vergessen haben, der Hund draußen Null Interesse mehr an seinem Menschen hat und davon gibt es sehr sehr viele.

    Konditionierung hat doch nichts mit Objekten zu tun!!! Jedenfallls definieren nicht Objekte ob es Konditionierung ist oder nicht.

    maike hat ganz toll beschrieben was bei diesen Leuten das Problem ist. Die haben die ganze Zeit (teils unbewusst) konditioniert ohne zu wissen was das überhaupt ist und dass das andauernd stattfindet. Du kannst in einem Zusammenleben mit dem Hund nicht nicht konditionieren.


    Ich möchte alle ermutigen Tricks mit dem Hund zu üben. Man muss unbedingt mal den Unterschied gesehen haben, zwischen einem Hund der Lernen gelernt hat und einem der das nicht erfahren durfte. Es ist gravierend.

  • Der letzte Satz macht es nun für mich klar.

    Das sagt die KI

    🐾 Konditionieren bei Hunden

    Das ist die Grundlage des Hundetrainings.

    • Hunde lernen über Verknüpfungen und Konsequenzen

    • Meist operante Konditionierung (Belohnung / ggf. Strafe)

    • Sehr effektiv, weil Hunde im Moment leben

    Beispiele:

    • Hund setzt sich → bekommt Leckerli → setzt sich öfter

    • Leine spannt sich → Spaziergang stoppt → zieht weniger

    • Klicker → Belohnung → Klicker wird positives Signal

    👉 Ziel: verlässliches Verhalten

    🐶 Erziehen bei Hunden – geht das?

    Nicht im menschlichen Sinn.

    Hunde:

    • verstehen keine moralischen Regeln

    • handeln nicht aus Einsicht („das ist richtig“)

    • lernen nicht über abstrakte Erklärungen

    Was man bei Hunden oft „Erziehung“ nennt, ist eigentlich:

    👉 konsequentes, faires Konditionieren + Beziehung