Endgegner Ruhe, Frustrationstoleranz und Impulskontrolle

  • Hallo zusammen,

    unsere kleine Kida wurde im Vorstellungsbereich bereits vorgestellt. Sie ist eine 15 Wochen alte schwarze Schäferhündin und seit etwa 6 Wochen ein ziemlicher Wirbelwind in unserem Leben.


    Viele Dinge klappen inzwischen schon richtig gut, und wir haben spürbare Fortschritte gemacht. Kida kann Sitz und Platz, geht über Platzzuweisung in ihre Welpenbereiche und in die Box, wartet, bis der Futternapf am Boden steht und frisst auf „Nimm“, sitzt an Türen ruhig ab und geht erst bei „Los“ hinaus. Außerdem ist sie stubenrein. Natürlich funktioniert das nicht immer perfekt, aber wir arbeiten konsequent daran und sie hört grundsätzlich sehr gut.


    Unsere großen Endgegner sind aktuell Ruhe, Frustrationstoleranz und Impulskontrolle.

    Seit sie positiv an die Box im Schlafzimmer gewöhnt wurde, schläft sie dort sehr gut und kommt auch im Alltag zuverlässig zur Ruhe. Sobald sie diese Box allerdings verlässt, ist Action angesagt – dann wird die komplette Wohnung zum Spielplatz.

    Damit wir uns auch in anderen Räumen aufhalten können, hat Kida im Wohnzimmer einen abgetrennten Welpenbereich mit einer zweiten Box. Dort geht sie gerne hinein und verschleppt auch ihre „Beute“ dorthin. Zur Ruhe kommen oder schlafen ist dort allerdings kaum möglich. Solange sie kaut, ist alles entspannt – ist der Kauartikel beendet, wird gebellt und am Gitter geknabbert.


    Uns ist bewusst, dass unser Alltag für sie eine große Reizüberflutung. Wir leben in der Stadt, in einer Wohnung mit Fahrstuhl und einer kleinen Wiese direkt vor der Tür, die sie super als Löseplatz angenommen hat. Trotzdem sind andere Hunde, Menschen, Autos, Fahrräder, E-Scooter, Lieferdienste usw. täglich präsent.


    Wir würden uns sehr über Erfahrungsberichte und Tipps freuen, wie wir mehr Ruhe in ihr Leben bringen können oder was bei euch geholfen hat.

    Das „Fuß auf die Leine stellen“ probieren wir ebenfalls immer wieder, allerdings ist bereits die erste Leine durchgekaut. Wenn wir sie vom Kauen oder Hochdrehen abhalten, wird leider auch gerne mal in Fuß oder Wade gebissen.


    Wir waren einmal in einer Welpengruppe in der Hundeschule, wo uns gezeigt wurde, wie wir sie korrigieren können indem wir sie festhalten und fixieren, wenn anstupsen und nein sagen nichts bringt. Das führt bei Kida jedoch zu noch mehr Stress, Abwehrverhalten und verstärktem Beißen. Und die kleinen Welpenzähne sind bekanntlich sehr spitz. Das haben wir also nach 2 Tagen abgebrochen und probieren jetzt über Alternative anbieten. Vielleicht kann jemand berichten wie man in der Situation umgehen kann oder wie man am besten auf Bellen reagiert um es nicht zu verstärken.


    Vielen Dank schon einmal!

  • Moin,


    schaut nach einem Hund aus Leistungszucht aus?


    Das ist ja gewollt dass diese sehr schnell Frust aufbauen. Ich finde dass sie für das Alter serh viel "kann", meine können das definitiv nicht in dem Alter.


    Du scheinst sehr viel Ruhe zu verlangen und deinen Welpen wie einen kleinen Erwachsenen zu sehen. Beim Züchter durfte sie den ganzen Tag nach herzenslust mit ihren Geschwistern toben und selbst zur Ruhe finden, niemand hat da den Daumen drauf.


    In eine Welpengruppe gehe ich gar nicht, ich finde das sehr kontraproduktiv. Der junge Hund lernt mir da viel zu sehr mit anderen Hunden ein hohes Energielevel zu haben (daher auch der Frust) und ist noch gar nicht Reif genug für einen Abbruch und Zurückhaltung über die geforderte Zeit. Über Gewöhnung und Prägung festigt man das Fehlverhalten aber sehr schnell und intensiv in dieser Phase.


    Junge Hunden müssen sich bewegen dürfen, spielen und zu der Zeit gilt es einfach die Dinge (Leinenführigkeit, Alleinebleiben, Hundekontakte) nicht zu versauen bis genug Reife da ist. Oder sich halt so massiv durchzusetzen dass der Hund sich hemmt. Wie man das macht ist individuell. Es bietet sich an gewisse Situationen einfach zu umgehen, zum Beispiel den Hund zu tragen oder Geschirr und Halsband zu trennen.


    Ich würde einen vernünftigen Abbruch aufbauen und gewisse Situationen einfach in der Prägephase vermeiden die sich nicht abbrechen lassen, bis der Hund genug Reife hat damit eine Korrektur auch umgesetzt werden kann.

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  • Huhu... Hier ein Tipp in Richtung Management. Ich hatte auch ein Problem mit Leine kauen, als Mila jünger war. Es war so, dass sie nicht gekaut hat, wenn man sie an der Leine hatte, sondern dass sie sich innerhalb von Sekunden befreit hat, wenn man mal kurz nicht geschaut hat. Es ist ja unfassbar wie schnell Hunde dieser normalen Leinen durch haben, wenn sie wollen.


    Ich habe die neue Leine einmalig mit Bitterstoff eingesprüht und das Thema war erledigt.


    Es gibt da so Sprays für Verbände oder bei den Pferden benutzt man es teilweise, damit die anderen Pferde die Decke des eigenen Pferdes nicht zerlegen.


    Ich kann mir vorstellen, dass es bestimmt auch Hunde gibt, die sich davon nicht abhalten lassen, aber in unserem Fall war es eine sehr einfache Management Lösung, die tatsächlich auch nachhaltig geholfen hat.

  • Danke für die Antwort!

    Beim Thema „viel Ruhe verlangen“ bin ich ehrlich gesagt noch unsicher. Es heißt ja oft, Welpen sollen 18–20 Stunden am Tag schlafen, und das war bei uns am Anfang wirklich schwierig. Durch konsequente Boxengewöhnung und das Tracken der Ruhezeiten haben wir es aber geschafft, dass sie inzwischen ausreichend Pausen bekommt.


    Das funktioniert bei uns allerdings nur dann gut, wenn sie möglichst wenig Reize in ihrer Umgebung hat. In ihrem Welpenbereich im Wohnzimmer darf sie toben und spielen, wie sie möchte – das Problem ist nur, dass sie von alleine kein Ende findet. Wenn ich mich in ihre Nähe setze und z. B. ein Buch lese, um sie bewusst nicht zu beachten, wird gebellt oder versucht, das Gitter auseinanderzunehmen. Ohne Gitter sind früher oder später leider meine Füße das Opfer ihrer überschüssigen Energie.


    In der Stadt ist es außerdem nicht so einfach, sie einfach „laufen zu lassen“. An der Schleppleine kann sie zwar flitzen, aber das fährt ihre Erregung eher weiter hoch. Dinge wie das Warten an Türen oder vor dem Losgehen hat ihr tatsächlich sehr geholfen, nicht schon mit maximaler Erregung das Haus zu verlassen.


    Uns ist bewusst, dass man Fehlverhalten sehr schnell festigen kann, und genau deshalb fragen wir hier so gezielt nach Rat. Ich mache mir Sorgen, dass sich das in die Wade beißen bei ihr zu sehr einschleift. Wir versuchen aktuell, mit Alternativen zu arbeiten: umlenken, sie über ein Kommando (z. B. Sitz) aus der Situation zu holen, loben und die Situation positiv zu beenden.


    Vielleicht hat aber jemand noch bessere oder bewährte Ideen, wie man die Beine schützt, den Hund nicht weiter hochfährt und sie trotzdem einfach Welpe sein lassen kann, ohne sie zu überfordern.

  • Danke, wir haben tatsächlich schon zwei verschiedene ausprobiert.


    Das zweite hat zumindest eine leichte Verbesserung gezeigt. Ich benutze es bisher aber eher zu inkonsequent und werde jetzt mal testen, Leine und Hosenbeine täglich damit einzusprühen. 🙂

  • Puh... Täglich dieses zeug aufspühren 😅


    Vor allem jetzt wo du es sagst, wenn es unangenehmer wird die Leine zu nutzen, werden eure Beine vermutlich attraktiver... Da wäre ich wahrscheinlich auch nicht konsequent und ich wäre mir jetzt auch nicht sicher, ob es in eurem Fall Sinn macht

  • Ich bin von Natur aus jemand der sich nicht Beißen lässt und nicht nur das.

    Es gibt Adulte Hunde die sich viel von Welpen gefallen lassen und welche die sofort Fehlverhalten unterbinden, wenn der Mensch sich nicht einmischt, lässt sich wohl so gut wie kein Hund dauerhaft Beißen.

    Vielleicht helfen dir Videos wie Adulte Hunde, Welpen korrigieren.

    Und ja, ich weiß das wir Menschen und keine Hunde sind :-).

    Ich bin der Chef im Team und kein Hund versucht das anzuzweifeln, das erreiche ich zu 90% nur durch meine Energie.

    Deshalb sollte ein Hund nicht auf einem höheren Energielevel sein als der Mensch, denn sonst geht es meist schief.