Aaaalso, Behaviourismus (Reiz-Reaktionstheorie) ist nur als solches "veraltet" als dass die ursprünglichen Behaviouristen, also die die das ursprünglich herausgefunden und benannt haben, in ihrer Einstellung sehr engstirnig waren und den Versuchsobjekten nicht zugestanden haben, dass auch noch andere Faktoren beim Lernen mitspielen (können). Ausserdem haben diese Forscher sich vor allem mit Laborprozeduren auseinandergesetzt und weniger mit der praktischen Anwendung im wirklichen Leben.
Aber es ist ungefähr so, als würden wir sagen Elektrizität ist veraltet, weil Benjamin Franklin hat den Blitz ja schon vor langer Zeit gefangen.
Natürlich stimmen die Lerntheorien des Behaviourismus auch heute noch und werden auch heute angewendet und zwar von Allen und Jedem. Andauernd. Teilweise unbeabsichtigt.
Im Laufe der Zeit hat man immer besser herausgefunden wie man diese Erkenntnisse in der Praxis und zum Tiertraining einsetzen kann. Man hat erkannt, dass Tiere ebenso wie wir zB über Emotionen und Verstand verfügen etc. und hat das mit in Betracht gezogen bei der Entwicklung von Methoden im Tiertraining.
Positive Verstärkung ist eine tolle Sache und sollte ausgeschöpft werden und immer das erste Mittel sein. Wenn unsere Welt perfekt wäre, alle Leute die Hunde haben perfekt wären, Hunde perfekt wären, dann würde das auch funktionieren und es funktioniert auch zum grossen Teil. Aber.
Was ich anzweifle ist, dass die Personen(gruppen) die heute die neue Welle des "Rein Positiv" oder wie auch immer es genannt wird, vertreten tatsächlich über ausreichend vielschichtige Erfahrung verfügen um die Behauptungen aufzustellen, die sie aufstellen.
Ich finde es ist ein Armutszeugnis für eine Ausbildungsphilosopie, wenn anstatt der Lösung eines Problems einfach empfohlen wird dem Problem aus dem Weg zu gehen. Das beweist, dass es tatsächlich an Handhabe in dem Programm mangelt.
Was ich auch befürchte, ist, dass "normale" unbedarfte Hundehalter gar nicht in der Lage sind ein ausgefeiltes Konzept zur Vermeidung von Fehlkonditionierung, Vermeidung von Fehlreaktionen, korrekte Handhabung und Einsatz von Belohnung aller Art, Ideen für Alternativverhalten, Problemverhalten überhaupt erkennen, uvm, durchzuziehen.
Die Modewelle sehe ich kritisch, denn sie gaukelt Leuten etwas Neues vor, das nichts neues ist, nur neu aufgebrüht, ein paar Sachen weggelassen, ein paar Schlagworte, ein gewisser Extremismus und Gegenpropaganda.
Ich bekenne ausserdem: Ich bin ein Tierquäler. Ich habe abgesehen vom Test eines Stachelhalsbandes meine Hunde auch schon auf andere vielfältige Art und Weise gequält. Sie dürfen nicht in Bett und Sofa. Sie müssen mir beim Essen zuschauen. Sie müssen mit Katzen zusammenleben ohne diese vernichten zu dürfen. Sie dürfen weder Kaninchen noch anderes Wild jagen. Sie dürfen keine kleinen Kinder fressen. Auch keine kleinen kläffenden Terrier und so. Sie müssen an der Leine gehen wenn ich es für richtig halte. Sie können nicht einfach frei über die Felder streunen und nur zum fressen heimkommen. Sie kriegen das Futter das ich ihnen vorsetze. Und noch etliche andere Dinge die mir jetzt nicht alle einfallen. ![]()