wer von Euch macht denn eigentlich regelmäßig SD?
Bei mir liegt es ja nun schon zwei Jahrzehnte zurück, dass ich intensiv auf Prüfungen hin gearbeitet habe.
Aber das Thema Zwang im Hundesport ist überall immer wieder mal gut für eine Diskussion.
Auch was denn bitte schön Zwang bedeutet. Ab wann fängt Zwang denn an?
Nur positiv seinen Hund auszubilden ist eh nicht möglich, wie zumindest diejenigen unter uns wissen sollten, die sich schon mal mit der Lerntheorie von Hunden beschäftigt haben.
Micha, lass es mich so definieren: Zwang ist da, wo die Freiwilligkeit und die Freude an der Arbeit in den Hintergrund rückt.
Natürlich funktioniert das "nur positiv" nicht, weil - wie ich schon schrieb - ich nicht mehr positiv bestärke, wenn mein Hund ein unerwünschtes Verhalten zeigt, sondern "maßregle", indem ich meinen Hund körpersprachlich begrenze - das ist erst mal unangenehm für den Hund, denn er will ja was anderes und ich blockiere ihn. Es ist also eine Art "Strafe" für ihn, wenn er nicht tun darf, was er gerade will.
Für mich wäre aber nun an dieser Sache positiv, dass ich dem Hund mit meiner Körpersprache nicht nur das Veto gegen sein unerwünschtes Verhalten einlege, sondern ihm auch das Gefühl der Sicherheit vermittle, indem ich ihm zeige, dass ich die Verantwortung übernehmen kann und er sich sicher fühlen darf, weil ich alles im Griff habe. Wenn ich das Kommando dann auch noch auflöse, indem der Ball fliegt und die aufgestaute Energie ein Ventil findet, durch die sie sich entladen kann, bleibt beim Hund das positive Gefühl und das wird bestärkt. Im Hundekopf bleibt im Idealfall nicht die Maßregelung als negative Erfahrung hängen, sondern die Erkenntnis, dass wenn der Hund erwünschtes Verhalten zeigt, das belohnt wird.
Ich habe vor vielen, vielen, vielen Jahren in meinem ersten Klickerkurs mit Pferd als Erstes gelernt, dass Zuwendung immer etwas positives für das Tier ist, denn Zuwendung bedeutet Sicherheit. Du bist ja bei Deinem Tier und lässt es nicht alleine. Wenn ich also unerwünschtes Verhalten mit Meckern bestrafe, dann ist das - so verrückt das klingen mag - eine Form der Zuwendung und somit eine Bestärkung unerwünschten Verhaltens.
Wende ich mich aber ab und gehe weg, dann entziehe ich dem Tier meine Zuwendung und lasse es alleine. Für das Tier ist das unangenehm, denn Alleinsein bedeutet "Verlust von Sicherheit" und "auf sich selbst gestellt sein".
Ich tue dem Tier nicht körperlich weh, aber ich "bestrafe" es und schicke es in eine unangenehme Situation.
Bei jenem Kurs war nämlich die erste Frage eines Teilnehmers, ob die Pferde dann nicht das Betteln und Schnappen anfangen, wenn man sie ständig mit Futter belohnt. Die Trainerin erklärte dann, dass wenn ein Pferd frech wird, schubst oder beisst, man sich einfach umdreht und das Pferd ignoriert und damit merkt es, dass es nichts bringt, unverschämt zu werden, aber jedes erwünschte Verhalten bringt die Zuwendung des Menschen zurück und es gibt auch noch eine Belohnung.
Ich habe danach jahrelang meine Junghengst auf diese Art "gemaßregelt", wenn sie das Knapsen anfingen. Ich habe mein Moppelpony schon mal drei Stunden immer wieder auf der Weide stehen lassen, wenn er beim Aufhalftern zickte und weggaloppierte. Aber nach diesen drei Stunden wusste er, dass es gar nichts bringt, sich nicht Aufhalftern zu lassen und es ihm viel besser geht, wenn er sich aufhalftern lässt und mit mir mitkommt.
Es erfordert Geduld und Konsequenz und es ist nicht positiv, aber es ist - wenn man davon absieht, dass so ein Tier natürlich nicht so glücklich ist, wenn man es alleine lässt und quasi "im Stich lässt" - gewaltfrei.
Beim Hund ist es leichter, ihn zu etwas zu zwingen, als bei einem 600-kg Hengst, aber ich bevorzuge trotzdem den Weg ohne Zwang, weil das kurzfristig funktioniert, aber wehe Du zeigst Schwäche ... dann hast Du verloren.