Ich danke euch sehr für eure Meinungen. Ich werde mir auf jeden Fall auch noch eine dritte tierärztliche Meinung einholen. Welche Veränderungen habt ihr an euren Hündinnen nach der Kastration festgestellt?
@Oskar&Nika
Es gibt auch pflanzliche Mittel, um die Hündin (und den Rüden) hormonell auszugleichen und wir haben eine Kräutermischung im Angebot, die viele Kunden bestellen, deren Hündin zur Scheinträchtigkeit neigt.
Auch Chia ist nach der Läufigkeit quasi "postmenstruell depressiv" und darum bekommt sie eben auch Kräuter und damit ist sie hormonell ausgeglichen und fröhlich.
Ich habe meine ältere Hündin kstriert aus dem Tierschutz übernommen und wäre es möglich gewesen, die Kastration vorab zu verhindern, hätte ich das mit allem Mitteln getan ... ich kenne meine Veränderungen nach den Wechseljahren und weiß, dass Hormone nicht nur die Fruchtbarkeit regulieren sondern viele Stoffwechselvorgänge beeinflussen. Eine medizinisch nicht indizierte Kastration würde ich immer ablehnen.
Und das Thema Zucht ist nicht nur abhängig von der Leistung, die ein Hund erbringt, sondern auch von den Genen, die er in sich trägt und so beeinflusst auch der Urgroßvater eventuell die Welpen im Aussehen, der Leistungsfähigkeit und dem Charakter oder wie ich es formuliere: Zucht ist wie ein Bus voller Verwandtschaft: Man weiß nie, wer als Erster aussteigt.
Ich habe bis zu Bommelines Tod einen engen Kontakt zur Züchterin (die Tierärztin ist) gepflegt und sie hatte ja zwei Welpen aus dem Wurf behalten und auch zu den anderen Welpenkäufern Kontakt. Da war keiner von den "sieben Zwergen" wie der andere und vom Papa hatten sie definitiv gar nichts. Bommeline sah aus wie ihre Oma mütterlicherseits. Ihre Schwester Clementine wie der Opa mütterlicherseits. Bommeline war ein sehr freundlicher Hund, der alle liebte ... Clementine zankte sich mit jedem anderen Hund, der ihr quer kam. Ein Rüde starb noch vor dem ersten Geburtstag.
Wer mir also mit dem Argument kommt, dass es die Zucht mit einem papierlosen Hund rechtfertigt, wenn der Hund sich durch einen besonderen Charakter und/ oder herausragende Leistungfähigkeit auszeichnet, dem kann ich nur sagen, dass es sein kann, dass keiner der Welpen wie der Papa sein muss. Das größte Problem ist aber, dass man keine passende Hündin aussuchen kann, wenn man bei der Genetik des Rüden im Dunklen tappt, denn Zucht bedeutet auch, dass der Genotyp der zu verpaarenden Hunde passen sollte.
Ob man nun trotzdem züchtet oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen, aber das Argument dafür sollte nicht sein, dass man sich eine zweite Ausgabe des Vaters wünscht.
Und die Frage nach dem Verbleib der Welpen ist auch so ein Thema, bei dem ich müde lächle, denn wenn ich überlege, wie viele Leute bei einer Bekannten von mir vor der Bedeckung ihrer Landseerhündin mit einem Bernhardinerrüden jubelten und unbedingt einen Welpen kaufen wollten, dann frage ich mich, warum dann plötzlich nur noch ein Interessent übrig blieb, der dann einen der wirklich zauberhaften Welpen nahm. Alle anderen - und das waren 10 Leute, die auf der Liste standen - hatten plötzlich 100 Gründe, doch keinen Welpen nehmen zu wollen. Mit Müh und Not konnten die 5 Welpen, die noch übrig waren, dann über die Kleinanzeigen neue Besitzer finden.
Selbst eine Anzahlung schützt den Züchter nicht davor, dass Interessenten es sich anders überlegen. Als wir Chia abholten, war auch gerade ein Käufer wieder abgesprungen (und Micha hätte fast den kleinen Rüden mit eingepackt) und dabei waren es nur vier Welpen und eine Hündin blieb beim Züchter, respektive wäre auch für einen weiteren, nicht verkauften Hund Platz genug gewesen.
Als Micha mir vor Jahren den Vorschlag machte, mit unserem gekörten Leonbergerrüden und unserer Leonbergerhündin, die problemlos gekört worden wäre, einmal Welpen zu haben, fragte ich ihn, ob er bereit wäre, zur Not 11 Welpen zu behalten - wenn nicht, dann wird bei uns auch nicht gezüchtet, denn auf die Leute, die im Vorfeld einen Welpen kaufen wollen, würde ich mich nie verlassen. Vor allem dann nicht, wenn es am Ende noch Welpen ohne Papiere sind.
Aber wie ich schon schrieb: Jeder muss das für sich entscheiden, ob er papierlose Welpen produziert, die er definitiv nicht alle behalten wird und die auf einem überfüllten Markt den besten Platz bekommen sollten.