Konsequenz - Das Geländer der Sicherheit


  • Mir hat der Post von Boss im Brummi-Fred so gut gefallen, dass ich das Thema Konsequenz gerne etwas vertiefen möchte.


    Boss schrieb:

    Auch für mich ist Konsequenz die Grundlage jeder erfolgreichen Erziehung - ich gebe aber zu, dass ich manchmal zur Inkonsequenz neige, wenn beispielsweise meine Hunde Mauselöcher ausbuddeln oder Chia sich ein Stöckchen im Wald mitnimmt.


    Richtig wäre, unerwünschtes Verhalten immer sofort zu unterbinden und nie zu erlauben - auch nicht, wenn man selbst gerade müde oder erschöpft ist oder man abgelenkt ist.


    Aber - und obwohl ich das weiß, versage ich in dieser Beziehung ab und zu ... meistens, weil ich nicht immer die Spaßbremse sein will, die den Hunden ihre Freude nimmt.


    Dabei weiß ich, wie wichtig Konsequenz für die Bindung des Hundes zu seinem Menschen ist, weil sie eben Sicherheit gibt und dem Hund zeigt, dass er sich einfach immer auf seinen Menschen verlassen kann, weil dessen Handeln für den Hund berechenbar ist.


    Ich schweife kurz zu meinen Pferden ab, denn ich halte ja seit 1993 auch Hengste, die ja häufig als unberechenbarer gelten, als Wallache oder Stuten, weil sie sich gerne mal von ihren Hormonen und Trieben steuern lassen und auch sehr gerne mal nachfragen und dazu neigen, zu testen, ob das Menschlein das wirklich ernst meint, was es sagt, oder man es ein bisschen erschrecken kann, indem man beisst, den Menschen ansteigt oder den Hinterhuf drohend hebt.


    Von so einem 600 kg schweren Hengst geht also eine ungleich größere Gefahr aus, als von einem 35 kg schweren Hund. Konsequenz wird lebenswichtig.


    Mein spanisches Moppelpony war ein sehr devotes Pferd, als er bei mir einzog, denn er war mit Härte und Zwang zum Gehorsam erzogen worden. Das funktioniert dann, wenn man immer die Position des Chefs und damit des Stärkeren bekleiden kann. Sobald man aber Schwäche zeigt, wird der Hengst die Chance unter Umständen nutzen, um die Position des Chefs in Frage zu stellen, um selbst der Chef zu werden.


    Mir ist so ein Weg zu mühsam, denn mein Weg ist der des freundschaftlichen Miteinanders.


    Aber der erfordert eben auch besagte Konsequenz. Ein unerwünschtes Verhalten muss immer unerwünscht sein und darf nie geduldet werden. Ein erwünschtes Verhalten wird gelobt und belohnt.


    Mein Paradebeispiel ist der Weg mit meinem Spanier von der Weide in den Stall. Führt ihn mein Mann, dann tanzt der Hengst neben ihm piaffierend und passagierend her und versucht auch in die Hand meines Mannes zu zwicken. Schon am Weidetor lässt er sich nicht ruhig aufhalftern, sondern rennt immer wieder zurück und ist das Halfter dann drauf und das Tor öffnet sich, dann prescht mein Liko durch den Spalt, reisst fast das Tor aus den Angeln und galoppiert einmal um meinen Mann herum. Ich konnte bei dem Anblick die Krise bekommen :cursing:


    Sowas würde sich mein Pferd bei mir nämlich nicht erlauben. Ich gehe zur Weide, rufe mein Pferd. Er kommt, lässt sich aufhalftern, bekommt seinen Keks. Dann sage ich "WARTE!" und öffne das Tor komplett. Versucht mein Pferd dabei auf mich zu zu kommen, schicke ich es mit "BACK! wieder zurück. Tritt der Hengst zurück, bekommt er den Keks und wird gelobt. Ist das Tor dann komplett offen, stelle ich mich an die Seite und sage "KOMM - ABER LAAAANGSAM!" Ich lasse ihn dann einen Schritt nach vorne gehen, belohne, dann ist er auch wirklich bei mir und wir schreiten zusammen nach vorne. Wird er schneller, als ich das möchte, halte ich ihn an und schicke ihn mit "BACK" wieder vier Schritte rückwärts. Danach wird angehalten - es folgt die Belohnung und das Lob und wir gehen ruhig weiter, bis wir an der Box angekommen sind. Ganz ohne Beissen, Tänzeln und Aufgepluster.


    Mein Mann findet allerdings, dass er für solche Spielereien keine Zeit hat und lebt lieber damit, dass das Pferd ihn fast über den Haufen rennt.


    Interessant ist aber, dass der Hengst sich bei ihm auch schnell mal erschreckt, während er bei mir viel gelassener unterwegs ist. Das liegt darin, das sich ihm mit meiner Konsequenz Sicherheit gebe und er weiß, dass er sich auf mich verlassen kann. Er weiß, was ich will und ich reagiere für ihn berechenbar und das gibt ihm Sicherheit.


    Theoretisch weiß ich also, dass Konsequenz die Grundlage einer Erziehung ist, die auf Vertrauen basiert und keinen Zwang oder Gewalt benötigt, sondern nur feste Regeln, die immer gelten müssen.


    Warum gelingt es mir also nicht, auch bei meinen Hunden immer konequent zu sein? Weil sie mich nicht mit 600 kg über den Haufen rennen können?


    Vielleicht ist das wirklich so. Bin ich nicht konequent im Umgang mit meinem Hengst, gehe ich ein hohes Risiko ein. Es lohnt sich also, die Spaßbremse zu sein, die klare Regeln durchsetzt und kein unerwünschtes Verhalten duldet, weil mich das vor Verletzungen schützt.


    Bei meinen Hunden begebe ich mich nicht in Gefahr, wenn ich mal nein zum Mauselochbuddeln sage und ein anderes Mal, wenn es mich nervt, dass die Hundedamen dauernd stehen bleiben und ich sowieso schon spät dran bin, das Mauselochbuddeln verbiete.


    Aber ich nehme meinen Hunden die Sicherheit, mit der sie mich einschätzen können und genau wissen, was ich möchte und was nicht.


    Insofern sollte ich mir also überlegen, was ich erlaube und was ich verbiete, denn entweder erlaube ich es immer - auch wenn ich keine Zeit dafür habe - oder ich verbiete es immer - auch wenn es niedlich aussieht, wie die Beiden ihre Nasen in die Mauselöcher stecken und ich nicht immer die Spaßbremse sein will.


    Meine Hunde müssen sich auf mich verlassen können und wissen, was ich will und was ich nicht will, denn damit mache ich es ihnen leicht, meinen Wünschen zu entsprechen.


    Ich muss der Fels in der Brandung sein, der sich nicht verändert, nicht nach rechts oder links kippt, wenn es gerade passt oder nicht passt. Ich muss fürmeine Hunde berechenbar sein, damit sie sich auf mich verlassen können. Ich muss ihr Geländer sein, an dem sie entlang laufen, an dem sie sich festhalten können und an dem sie sich immer sicher fühlen dürfen.


    Bin ich inkonsequent, verunsichere ich meine Hunde.


    Das Gute an diesem, oft anstrengenden Weg, der keine Ausrutscher verzeiht, ist aber, dass es keine Sanktionen, Maßregelungen und Zwang erfordert und eine wunderbare Hund-Mensch-Bindung fördert. Seit ich Chia nicht mehr anschnauze, wenn sie losflitzt, kommt sie zum einen viel schneller wieder zurück, zum anderen kommt sie GERNE zu mir zurück und weiß, dass sie bei mir den besten Platz der Welt findet. Derzeit flitzt sie nicht mal mehr davon, sondern schaut mich an und wenn ich ruhig "Nein - lass es!" sage, dann holt sie ich lieber den Keks und das Lob ab, als loszurennen.


    Trotzdem bleibt mein Problem, dassich manchmal inkonsequent bin, um keine Spaßbremse zu sein (Stöckchen und Mauselochbuddeln) oder ich unsicher bin, wie ich Konsequenz richtig umsetze. Ist es besser, Chia aus einer Situation rauszunehmen, wenn sie für einen Moment damit überfordert ist oder sollte ich sie bewusst durch die Situation führen, damit sie merkt, dass auf mich Verlass ist?


    Momentan nehme ich sie aus solchen Situationen raus, weil ich denke, dass es am letzten Fitzelchen Bindung noch fehlt, mit dem ich es dann schaffe, dass sie sich auf mich zu 100% verlässt und ich ihr Fels in der Brandung bin. Ich fürchte, wenn ich beim Durchschreiten einer unguten Situation versagen könnte und damit Rückschritte riskiere oder die vorhandene Bindung Risse bekommt.


    Ist das schon inkonsequent, wenn ich eine Abzweigung nehme, statt den Weg konsequent weiter zu gehen?


    Ich weiß es nicht.


    Vielleicht muss ich situationsabhängig handeln ... aber ist das dann auch schon inkonsequent?


    Ich finde, dass es viel schwerer ist, Konsequenz beim Hund zu üben und durchzusetzen, als beim Pferd - mein Hengst tickt einfach irgendwie simpler, als Chai das tut. :/

  • Sowas würde sich mein Pferd bei mir nämlich nicht erlauben.

    Die Diskussion hab ich mit meinem Freund quasi täglich. Und ich bin es leid. Beispiel: vom Sofa weg gehen, bei mir reicht ein ruhiges „zurück“. Bei meinem Freund versteht Brummi dieses Wort offenbar gar nicht 🙃 Selbst wenn er es brüllt.

    Interessant ist aber, dass der Hengst sich bei ihm auch schnell mal erschreckt, während er bei mir viel gelassener unterwegs ist.

    Das Problem haben wir hier auch mit Brummi. Beispiel Geschirr: Brummi findet das anziehen bei mir seit der Pubertät MEGA blöd, aber er läuft direkt vor mich und erduldet diese „Qual“, die ich ihm da um den Hals hänge und er kommt von selbst und bleibt bei mir, während ich mich davor noch anziehe. Zieht mein Freund sich an, haut er schon mal ab in sichere Entfernung und beobachtet das alles. Hört oder sieht er dann das Geschirr, düst er komplett ab und es beginnt ein „fang mich doch, wobei, bitte fang mich nicht, zieh du das Geschirr doch selbst an“ Spiel. Für beide extrem stressig und Brummi zuckt bei jedem Geräusch, das er vom Geschirr hört.


    Warum gelingt es mir also nicht, auch bei meinen Hunden immer konequent zu sein?

    Für viele klingt das wie ein Angriff, aber: Vermenschlichung. 🙃 Bei Pferden käme uns nie in den Sinn, die aufs Sofa zu lassen, weil das Strohbettchen vielleicht nicht weich genug ist und sie doch so gerne bei uns sein wollen. Bei Pferden käme uns nie in den Sinn, dass sie die Weideumzäunung niederreissen dürfen, weil sie wie Hunde beim Mäusebuddeln doch auch nur ihren Spaß haben wollen.


    Die Hunde leben bei uns im Haus, sind Familienmitglieder, liegen sogar auf unseren Betten und fressen neben unseren Tischen aus ihren Glitzernäpfen. Man kauft ihnen schicke „Klamotten“ und überlegt sich noch, ob es dem Hund vielleicht gefällt.


    Spoiler, derbe Wortwahl:

    Dem Hund ist das alles scheissegal, was wir verzapfen.


    Hunde tun alles nur für sich - ja, das mag so manchereiner jetzt nicht hören, aber lasst mich ausreden.


    Der Hund tut nur für sich - um seine Bedürfnisse zu befriedigen. Er buddelt ein Loch? Ja, weil er Bock auf jagen hat. Er lässt es nach anmeckern sein? Ja, weil auf er den Keks danach viel mehr Bock hat, als weiter zu buddeln, denn wenn nicht: dann würde er weiter buddeln. Er ist bei der Unterordnung super dabei? Nein, nicht weil er dich so krass liebt. Ja, weil er sich auf die Belohnung freut und Spaß an der Sache hat. Er legt sich aufs Sofa? Nein, nicht weil er dich so toll findet oder die Weltherrschaftsleiter durch diesen Schritt erklimmt, sondern weil es gemütlich ist und er sein Bedürfnis nach Nähe stillen will.


    Hunde tun also immer alles nur für sich und hier ist auch ein wichtiger „Knackpunkt“:


    Sie tun deswegen auch NICHTS gegen DICH! Wenn ein Hund davon rennt, dann nicht, weil er dir eins reindrücken will, wie schlecht du doch erziehst. Sondern weil er grade rennen will, weil er weiß, dass da vorhin ein Reh gelaufen ist, ja, einfach, weil sein Bedürfnis grade genau das von ihm verlangt zu tun.


    Kinder sind ganz genau so. Wie oft schlagen Kinder einen mal? Tun sie das, um dir weh zu tun? Nein! Dahinter steckt immer ein Bedürfnis, von dem sie nicht wissen, wie sie das stillen können. In dem Falle suchen sie fast immer nach Nähe und/oder Halt. Ein Kind malt dir die Wand an. Weil es dir eins reindrücken will, damit du neu tapezieren musst? Nein! Weil es sein Bedürfnis nach malen und Kreativität ausleben will!


    Sowohl Kinder als auch Hunde tun, was sie tun müssen, um Bedürfnisse stillen zu können, die in ihnen aufkochen.


    Dem Kind sagen wir, dass es Blätter gibt, auf dem es malen kann und da würden wir niemals nie nicht akzeptieren, dass es erneut die Wände bemalt. Dem Hund sagen wir, dass er auch ein gemütliches Körbchen hat und dennoch akzeptieren wir, dass er doch wieder aufs Sofa gekrabbelt kommt.


    Warum? Mitleid. Das kind kann nämlich, ab einem gewissen Alter, mit uns reden, was es will. Der arme Hund kann nicht mit uns reden, wir müssen erahnen und vermuten, was er will. Das kind kann sich selbst Stifte und Papier holen, aber der arme Hund, ja, wie soll der unterwegs jetzt an sein Spielzeug kommen, das daheim neben dem Wohnzimmerschrank liegt, weil der arme Hund vergessen hat, es mitzunehmen? Der Hund nimmt im Prinzip die Rolle eines, ja, Säuglings ein. Insbesondere Frauen sind also von folgendem betroffen: sie umsorgen ihn, den Hund, füttern ihn, machen ihn sauber, ziehen ihn warm und schick an, geben ihm was zum spielen und spielen mit ihm, machen sich gigantische Sorgen, wenn er mal was hat, setzen ganze Welthebel in Bewegung, dass es „ihrem Baby“ gut geht.


    Und das ist ein riesiges Problem :D Denn während die Hunde natürlich einerseits auf uns angewiesen sind, so sind sie keine menschlichen Säuglinge. Der krasse Unterschied zwischen unserer Spezies Mensch-Hund führt oft zu (auch unbewusster) Ratlosigkeit. Warum hat der denn jetzt Angst? Warum bellt der denn jetzt schon wieder? Wir verstehen vieles nicht, aber sie müssen in unserer, ach so bösen und gemeinen und erwachsenen menschlichen Gesellschaft zurecht kommen und dabei haben sie nicht mal die Wahl, bei wem sie landen und leben - ihr Leben lang. Und wehe, da läuft mal was nicht gesellschaftskonform… ohweia… peinlich… frustig… ÜBERFORDERUNG.


    Die Überforderung ist es oft, dass wir nachlässig mit unserer Konsequenz werden. Nicht, weil wir 80h die Woche hart körperlich und geistig arbeiten wie im Job. Sondern weil wir nicht wissen, was wir genau tun sollen, da unsere Spezies grundlegend verschieden lebt und agiert - insbesondere was das stillen der Bedürfnisse angeht. Und so darf er halt mal Mäusle jagen, damit er Spaß hat.


    Aber dann lernt der Hund: heute darf ich, gestern nicht. Also morgen darf ich auch wieder? Ich teste mal!


    Morgen sind wir angefressen, weil er Mäuse jagt. POTZBLITZ! Würde Pinguetta jetzt wohl sagen :D Wo kommt diese Unart denn her? Und wäre das nicht schon genug gewesen, hat er heute die Kuh auf der Weide verbellt, „das hat er ja noch nie gemacht“. Warum nur? Weil wir als Menschen dadurch unberechenbar werden.


    Man muss sich lange vorher überlegen, was man will und wie man auf welches Verhalten reagiert und das muss dann auch so bleiben. Außer man lässt die Regel fallen, was durchaus auch okay ist. Nur, weil man die ersten drei Jahre nicht wollte, dass der Hund aufs Sofa darf, heißt es nicht, dass man das immer so tun muss. Aber dann ne Woche aufs Sofa und dann wieder nicht? Das geht nicht. Dann immer Sofa oder wieder immer unterbinden. Abe Rheine Hoch zum kuscheln und morgen für den Versuch des Hundes meckern? Nein. Wenn man aber anfängt, in vielen Bereichen nachlässig zu werden und mal so und dann wieder so erlaubt, dann überträgt der Hund das irgendwann auf vieles - oder alles. Und versucht oft - oder immer, ob es nicht noch eine andere Möglichkeit gibt.


    Dann hat man den Hund, „der macht, was er grade will und ich weiß gar nicht warum“.


    🙃


    Konsequenz bzw berechenbares Verhalten ist bei mir immer gleich. Will Brummi abbiegen? Gut, lass mich da rein gucken, wenn es mir gefällt, dann gehen wir da lang. Wenn nicht, gehen wir nicht da lang. Vorschläge vom Hund nehme ich gerne, denn „er soll ja auch Spaß haben dürfen“. ;) Aber dass der mir einfach in den Nebenweg abzischt? Nix da Junge, komm mal schön wieder zu mir zurück und warte bei mir und dann entscheide ich, wo wir hin gehen. Dann gehen wir vielleicht trotzdem den Nebenweg. Aber NACH meiner Entscheidung und nicht nicht, weil er da einfach hinfetzt. :)


    So, see Autokorrekturen findet, der darf sie sammeln und bekommt nen Keks als Belohnung 🍪

  • Was ich vergessen hatte: wir müssen den Hunden lehren, wie sie ihre Bedürfnisse in unserer menschlichen Gesellschaft adäquat befriedigen können, ohne dabei auszuufern und wie sie ihre Bedürfnisse aufschieben und kontrollieren können, so wie das Kinder fast ganz automatisch lernen.


    Aber warum lernen Kinder das so automatisch und bei Hunden ist es so verdummt aufwändig? Na, weil Kinder kleine Menschen sind, Hunde sind kleine Hunde.


    Stellt euch mal vor, ein Mensch wächst bei Hunden auf. Die denken sich bestimmt auch: ey jetzt hat der direkt neben das Nest gepisst! Jetzt finden andere Beutegreifer uns! Und fünf mal erklärt hab ich’s auch schon! Und was soll diese Blattdeko in der Höhle eigentlich? Das vergammelt hier unten, ich will mein Nest sauber haben! :D


    Und: diese inkonsequente, nachlässige Handlungsweise basiert ganz oft nämlich nicht auf rationaler Ebene, sondern auf unseren vorprogrammierten Instinkten (= umsorgen eines „Säuglings“), weswegen wir uns am Ende so oft über uns selbst ärgern.


    Warum läuft es mit fremden Hunden zb oft so viel besser? Weil es uns egal ist, was die Hunde darüber denken, denn es ist nicht DER „Säugling“ der in unserem Haus aus seinem privaten Glitzernapf frisst. Da agieren wir - in der Regel - rational.

  • Ich glaube bei Pipi Langstrumpf durfte das Pferd auf die Couch. 8o ;)

    ìch bin bei den Dingen die wichtig sind konsequent. Beim Rest ist es mir ehrlich gesagt wurscht.

    Es sind bei uns drei Dinge wo ich wirklich konsequent dran arbeite.

  • Ich glaube bei Pipi Langstrumpf durfte das Pferd auf die Couch. 8o ;)

    ìch bin bei den Dingen die wichtig sind konsequent. Beim Rest ist es mir ehrlich gesagt wurscht.

    Es sind bei uns drei Dinge wo ich wirklich konsequent dran arbeite.

    Das mag ich auch gerne noch mal aufgreifen. Achtung, ganz viel Ironie zur Verdeutlichung genutzt.


    Viele würden das, was Ellionore mit dem Loki macht, als „inkonsequent“ betiteln. Warum? Na weil er darf ja aufs Sofa! Und sogar ins Bett! Und Kommandos muss er auch keine kennen außer den Rückruf und vielleicht Sitz. DRAMA!


    Und warum nun das? Na weil der klassische „gute Junge“ Sitz, Platz, hier, Pfote, Dreh dich, you name it, beherrschen können MUSS, sonst ist der einerseits völlig unerzogen und macht, was er will und andererseits hört der ja auf „nix“.


    Und wehe der Loki hat nun EINE Baustelle! Angst vor anderen Menschen zum Beispiel. Das kann ja natürlich nur davon kommen, dass der Hund in der Erziehung so vernachlässigt wird. Denn könnte der Platz und Pfote, ja, dann würde der sich „gehorchen“ und zwar immer, dann ist man ja konsequent.


    Aber genau das meine ich: der Loki hat gelernt, in der menschlichen Gesellschaft zurecht zu kommen und hat dennoch, weil er eben kein Mensch ist, eine Baustelle mit genau dem, was diese Gesellschaft ausmacht: gruselige Menschen. Kann ich dem Loki übrigens nicht übel nehmen, mir sind auch ganz viele suspekt.


    Und da liegt die Konsequenz doch auf dem silbertablett: der Loki „funktioniert“ deswegen so gut, weil die Dinge, die für LOKI wichtig sind, berechenbar und klar sind.


    Bei meinem Brummi würde das nicht ausreichen, da brauch ich viel mehr eng gestrickte Bewegungsspielräume. Der darf keine Entscheidungen selbst treffen, weil ihn das komplett überfordert. Während Loki also selbst entscheiden darf, wie und wo er sich im Haus bewegt, muss ich meinem Brummi das ganz klar vorschreiben. Ich muss ihn aus der Küche schicken und auf einen Platz ablegen, damit er da ruhig und stressfrei liegen kann. Sonst rennt er zwischen uns und weiß nicht, was los ist und was er tun soll. Der Brummi weiß ganz oft nicht, was er tun soll, aber der Loki kann das.


    Bin ich nun konsequenter und ist mein Hund gehorsamer, weil er so viel „kann“? Ich sage mal: nein. Er kann so viel, wie er muss, damit er sich im Alltag in unserer menschlichen Gesellschaft bestmöglich zurechtfinden und orientieren kann. Ellionore und ich sind da sicher gleichermaßen konsequent, in dem was was wir tun. Es sieht aber völlig anders aus und läuft im Alltag ganz anders ab. Warum? Weil auch unsere Hunde Individuen sind mir - haltet euch fest, jetzt kommt’s wieder! - verschiedenen BEDÜRFNISSEN!


    Ha! Da haben wir das Wort wieder. Bedürfnisse. Und die wollen gestillt werden.

    Brummi hat das Bedürfnis danach und beansprucht ganz viel vorgegebene Orientierung und fordert die aktiv ein, indem er zum Beispiel „nachfragt“. Während der Loki das „auch so“ kann, ohne einfordern, denn es „läuft einfach“. Aber das „auch so“ und das „läuft einfach“ ist gelernt, nur eben anders.


    Und Ellionore ist deswegen auch nicht inkonsequent und Loki unerzogen, weil er aufs Bett darf. Was den Brummi nicht automatisch zu einem konsequent erzogenen Hund macht, nur weil der das nicht darf.


    Und das ist es ja auch wieder: Erziehung. Man kann inkonsequent und nicht konsequent erziehen. Erziehen kann aktiv und passiv geschehen. Man muss nicht aktiv konsequent erziehen, manche kommen auch mit passiver inkonsequenz klar.


    Abhängig von den individuellen Bedürfnissen des Hundes in der Gesellschaft, in der er sich aufhält.

  • Gutes Thema :thumbup:


    Allerdings muss ich mal wieder gestehen, dass das Konsequenteste an mir leider viel zu oft meine Inkonsequenz ist ;(.

    Egal ob mir selbst, meinen Kindern oder Harras gegenüber. ABER: bekanntlich ist Einsicht der erste Weg zur Besserung. Und ich habe mich selbst noch nie so viel in Konsequenz geübt wie bei Harras

  • Ich nenne mal ein Beispiel:

    Wir sind im Garten und mein Mann ruft Sam. Sam sieht gerade irgendetwas interessantes. Mein Mann sieht auch, dass Sam was interessantes sieht und lässt ihn. Und genau das ist der Punkt, dass Sam ganz genau weiß, dass er bei meinem Mann jetzt nicht unbedingt kommen muss und daher ist es immer mal so eine gewisse Freiwilligkeit.


    Tja, dann sind meine Worte: Wenn Du ihn schon rufst, dann musst Du es auch durchsetzen, dass er sofort kommt. Und zwar jetzt und nicht erst wenn der gnädige Herr mit irgendetwas fertig ist. Du siehst ja, was er macht und kannst Dir vorher überlegen, ob Du ihn jetzt zurückrufst.


    Hunde sind nicht blöd. Überhaupt nicht.

    Sam kann sehr wohl unterscheiden, ob ich oder mein Mann ihn ruft. Bei mir hat er das vor kurzem auch einmal probiert, dass erst einmal so kleine Minutenpäuschen eingelegt werden müssten. Ich habe ihn mir dann geholt und seitdem klappt das wieder. Aber für ihn war es ein Versuch wert, ob das bei mir nicht auch so gehen könnte. Und das wäre der Weg zur Inkonsequenz, wenn man da nicht sofort durchgreift.

  • Mona

    Du sprichst mir so aus der Seele in Bezug auf meinen Freund - der sich dann übrigens immer total aufregt und sauer wird, weil der Hund ihn überhaupt nicht ernst nimmt und überhaupt nicht hört.

  • Aber mein Mann wird da Gott sei Dank nicht sauer. Er versteht Sam ja, dass der jetzt gerade mit etwas sehr interessantem beschäftigt ist und findet auch den Grund dann sehr natürlich, warum Sam ihn jetzt da nicht hören kann.


    Für meinen Mann ist es der erste DSH und er hat keine Ahnung von Hundeerziehung und wenn ich ihn dann darauf aufmerksam mache, dann versteht er mich und sagt auch, das war ein Fehler, aber ich habe so meine Zweifel ob er es dann auch immer umsetzt. Ich glaube eher nicht.

    Aber das muss er wissen. Bei mir geht das auf jeden Fall nicht.

  • Aber mein Mann wird da Gott sei Dank nicht sauer. Er versteht Sam ja, dass der jetzt gerade mit etwas sehr interessantem beschäftigt ist und findet auch den Grund dann sehr natürlich, warum Sam ihn jetzt da nicht hören kann.

    Hab mal die Situation, dass der Hund nicht vom Tisch weg geht, wenn dein Mann ihn weg schicken will und der Hund deinen Mann nur anstarrt und einfach NICHTS macht 😆

  • Die Situation haben wir generell nicht, weil unsere Hunde nie etwas vom Tisch bekommen und auch kaum etwas, was wir Menschen essen.

    Ist bei uns genau so und bei mir versucht es Brummi auch gar nicht, bei meinem Freund schon. Ständig und immer wieder. Nicht mal weil er was zu essen will, der Tisch kann komplett leer sein (ist er auch quasi immer) und er macht das. 🙃

  • Die Situation haben wir generell nicht, weil unsere Hunde nie etwas vom Tisch bekommen und auch kaum etwas, was wir Menschen essen.

    Ist bei uns genau so und bei mir versucht es Brummi auch gar nicht, bei meinem Freund schon. Ständig und immer wieder. Nicht mal weil er was zu essen will, der Tisch kann komplett leer sein (ist er auch quasi immer) und er macht das. 🙃

    Hätte da ein Zaubertrick im Angebot. ;)