Alltagstauglichkeit vs Hundesport

  • So es nervt mich zwar tierisch an, aber bitte nun ein Diskussionsfaden.

    1. Was ist Alltag?

    2. Beschäftigung?

    3. Erziehung für den Alltag?


    Also Thesen der Hundesportler

    Familienhunde brauchen kaum Erziehung

    Sporthunde werden konsequenter erzogen

    Familienhunden sind nach 2 Jahren fertig erzogen, dann muss man sich neue Ziele suchen.

  • Also ich finde einen Hund, welchen man von klein an hat, alltagstauglich zu bekommen (ohne die Grundsteine legen zu wollen um aus ihm einen guten Sporthund zu machen) ist relativ einfach und nach 2 Jahren erledigt. (Micha369)


    Das liegt am täglichen und konsequenten Training der Sporthunde.

    Das macht man bei einem Familienhund einfach nicht. (Mona)


    Und sowas nervt mich einfach.

  • Achso, ok. :)


    Also ich finde man muss da unterscheiden.

    Das was Sportler auf dem Hundesportplatz machen ist für mich keine Erziehung sondern "Dressur".

    Die Erziehung findet zu Hause und im Alltag statt.

    Ja, der Sporthund hat bestimmt ein höheres Trainingspensum als der Durchschnittsfamilienhund, aber das Training auf dem Hundeplatz wird eben in die Dressur, also das einüben der unterschiedlichen Übungen nach PO investiert. Und weniger da rein, dass der Hund keine Leute anspringt, nicht jagt, im Restaurant Ruhe gibt und gelassen Zug fahren kann.


    Wie viel Trainingszeit dann noch im Alltag die die Erziehung investiert wird hängt vom Hundeführer ab, steht aber in keinem direkten Zusammenhang mit dem Hundesport auf dem Platz.

    Deshalb gibt es ja so viele "Platztrottel"... laufen dir eine UO auf und ab, aber können sich auf offener Straße nicht benehmen. ^^


    Ich muss sagen, dass auch ich die reine Aufzucht zum alltagstauglichen Begleiter als weniger anspruchsvoll empfinde als die Ausbildung zum Sport- oder Diensthund.

    Es gibt mehr Übungen zu bewältigen, sie sind in sich komplexer und die fertigen Übungen sind dem natürlichen Verhalten eines Hundes nichtmehr so nah.

    Beispiel: ein Hund wird sich von sich aus öfter einfach mal gemütlich hinlegen, ruhe geben, die Situation beobachten. (Zug/Restaurant). Aber ein Hund wird wohl niemals von sich aus 30m so schnell er kann pfeilgeradeaus rennen und dann binnen einer Sekunde aus vollem Lauf sich auf den Boden ins Platz schmeißen und da dann Herrchen mit den Augen fixieren (Übung Voraus).

    Warum sollte er auch, aus Hundesicht ist das einfach so ja erstmal Quatsch.


    Das Alltagstraining geht bei uns tatsächlich komplett nebenher, ich investiere da praktisch nichts extra rein.

    Nur mit Ero war ich ein paar mal extra in der Hundezone spazieren wg. der Unsicherheit anderen Hunden gegenüber. Aber ansonsten üben wir im Alltag so eigentlich nichts, beim spazieren rennt der frei und schnuppert, wenn ich rufe dann kommt er, was anderes machen wir nicht.

    ABER ich habe da auch nicht so hohe Ansprüche wie vielleicht jemand anders, und sehe über einige Dinge die UNSER Zusammenleben nicht direkt beeinträchtigen einfach hinweg.


    Dass der Familienhund aber nach 2 Jahren fertig ist, würde ich so nicht sagen, denn fertig bist du nie. Du musst dranbleiben, sonst "vergeht" das was du dir bisher erarbeitet hast mit der Zeit wieder...

  • Und wie oft sind denn die sportlich geführten Hunde schon an einem Hauptbahnhof einer Großstadt gewesen? Wie oft an einem Samstag durch einen Hauptbahnhof gelaufen?

    Wie oft auf einem Weihnachtsmarkt?

    Wie oft in einem Hotelzimmer/ Restaurantbesuch dabei. Wie oft werden sie zu völlig verschiedenen Settings mitgenommen/ Familie der Schwiegereltern/ zu Freunden oder weit entfernt wohnenden Verwandten?

  • geht zwar um den Dobermann, aber ein informatives Video bezüglich der Alltagstauglichkeit.

    Was ist Alltagstauglichkeit denn überhaupt?

    Dass der Hund auf Nichts und Niemanden reagiert?

    Dass er stundenlang im Restaurant unter dem Tisch lümmelt und schläft?

    Dass er in der Stadt ohne Leine hinter mir hertrottet wie ein Schaf?


    All das werden meine Hunde so nie tun, denn das wäre für mich für den Sport sogar kontraproduktiv. Ich brauche einen Hund, der seine Umwelt wahr nimmt und auf Reize reagiert (reagieren darf).

    Für mich persönlich ist ein Hund Alltagstauglich, wenn er in der Hand seines Führer steht und Händelbar ist und bleibt. Also "egal" wie er sich Verhält, er muss einfach das Kommando befolgen, wenn es dann kommt. (Ruhe jetzt, platz, warte...)


    Für einen anderen ist der Hund aber vielleicht erst Alltagstauglich, wenn der Hund so weit ist, dass er sich garnicht mehr so verhält, dass man ein Kommando braucht, der also von sich aus einfach schon ruhig ist, sich hinlegt, usw.

  • Und wie oft sind denn die sportlich geführten Hunde schon an einem Hauptbahnhof einer Großstadt gewesen? Wie oft an einem Samstag durch einen Hauptbahnhof gelaufen?

    Wie oft auf einem Weihnachtsmarkt?

    Wie oft in einem Hotelzimmer/ Restaurantbesuch dabei. Wie oft werden sie zu völlig verschiedenen Settings mitgenommen/ Familie der Schwiegereltern/ zu Freunden oder weit entfernt wohnenden Verwandten?

    Das kann ich dir nicht beantworten. ^^

    Nur von meinen kann ich sagen, dass die alle problemlos Maulkorb tragen, Zug fahren (folgedessen auch durch den BHF laufen) und übernachtet im Hotel habe ich mit A.J. auch schon problemlos.

    Mit Ero jetzt letztes Wochenende bei Bekannten, und ja da hat er eine Socke gestohlen. Damit kann ICH gut leben, ein anderer empfindet es vielleicht als no-go keine Ahnung.

    Restaurant geht mit A.J. auch, mit Ero stelle ich mir das sehr stressig vor... brauchen wir in unsrem Alltag aber eben auch nicht.


    Verschiedene Settings sind eigentlich 90% aller zumindest etwas höher geführten Sporthunde gewohnt, man startet ja öfter mal weiter weg, geht auf Seminare, übernachtet dann Auswärts, Trainiert in Hallen, läuft die Prüfung in fremder Umgebung usw.

  • Und für uns ist ein Hund Ruebchen der nicht mit ins Restaurant kann, eine Zumutung und somit eben nicht alltagstauglich.

    Eben, und ich denke das ist auch der Punkt.


    Jeder lebt seinen eigenen, ganz persönlichen Alltag.

    Also gibt es doch auch nicht DEN Alltagstauglichen Hund. Was in eurem Alltag festen Bestandteil hat und für ein reibungsloses zusammenleben mit eurem Hund einfach zu 100% funktionieren muss, hat für uns absolut keine Relevanz, da wir einen anderen Alltag leben, in dem sowas (in dem Beispiel nun also der Restaurantbesuch mit Hund) einfach nicht vorkommt.


    Ist mein Hund nun deswegen nicht Alltagstauglich, wo ich mit meinem Hund in unserem Alltag doch überhaupt keine Probleme habe und alles fluppt?


    Natürlich nicht, und umgekehrt ist es selbstverständlich genau so. Zu unsrem Alltag gehört der Hundeplatz und alles drumrum, an dem du maximal außen vorbei wanderst. ^^


    Deshalb bedeutet Alltagstauglichkeit für mich eigentlich nur, dass ein Hund keine Gefahr für andere darstellt und im "everyday life" in einem für seinen Hundeführer zufriedenstellendem Maße händelbar ist.

  • Mein Hund kann im Alltag überall hin mit. Das habe ich von Anfang an geübt und das war mir erst einmal wichtiger als eine 1a-Unterordnung für irgend eine Prüfung. Im Prinzip habe ich auf dem Hundeplatz nur das verfeinert was wir z.B. für die BH gebaucht haben. Geübt habe ich aber eher außerhalb, nämlich im Alltag. Die Kommandos die dort saßen haben wir 1:1 mit auf den Platz genommen. Für die Prüfung habe ich erst zwei Wochen vorher den kompletten Ablauf auf dem Platz trainiert, bzw. die einzelnen Übungen zusammengesetzt. Hat super funktioniert. Vielleicht auch weil mein Hund das Schema einfach nicht schon auswendig kannte und sehr konzentriert war. Ablenken ließ sich sich von gar nichts. Die war nämlich "Schlimmeres" gewohnt, als Zuschauer und kläffende Hunde.

    Für die verschiedenen Sportarten muss man allerdings auf einen Platz weil man bestimmte Geräte oder Helfer braucht.

    Ich bin aber der Meinung das ein alltagstauglicher Hund da viel einfacher zu trainieren ist.

    Wir hatten z.B. beim Agilitytraining alle Hund auf dem Platz und keinen angeleint. Neben dem Agi-Parcours habe ich dann mit Rae zeitgleich Hooper gemacht, während am anderen Ende vom Platz noch die Kinder im Sand gespielt haben.


    LG Terrortöle

  • Was ich jetzt gehört habe, es gibt sehr ehrgeizige Hundesportler, die wollen dem Hund nichts extra abkaufen damit sie ohne Konflikte und ungebremst, voller Energie und in hoher Trieblage, quasi "die Sau rauslassen" auf dem Hundeplatz. Also mit sehr hohem Trieb eine tolle UO abliefern auf den HuPlatz. Es war, als wir einmal Besuch hatten von einer Frau mit ihrem Hund, 2 Jahre alt. Dieser Hund hat mit ihr eine für meine Maßstäbe super UO gezeigt.

    Ein Mitglied unserer Gruppe, die sie kannte, raunte mir dann zu, dass dieser Hund zu Hause aber auch alles bestimmt und dürfe. Ich dann: "Wie jetzt, was meinst Du?", sie dann: "Na der darf bei ihr auf den Tisch springen wenn er will."....