Positiv oder aversiv - Wo liegt die Wahrheit?

  • Eine Gruppe von Fachleuten hat ein Papier verfasst, das das Thema zum seit Jahren schon anhaltenden Streit um Hundtraining aufgreift und dazu Stellung nimmt.


    Ich finde den Text prinzipiell okay.


    Lest es euch mal durch, es ist auch viel Information zu fachlichen Hintergründen darin.

    Vor allem wenn man mal eine Hundeschule oder einen Hundetrainer braucht ist es sicherlich immer ganz hilfreich wenn man selber auch ein bisschen Überblick über das Thema hat und die zugrundeliegenden Theorien.


    Thomas Baumann
    Gehört defintiv zu den inhaltlich besten und stärksten Aussagen zu mehr als wichtigen Themen rund um Erziehung, Training und Ausbildung. Klug, sachlich…
    www.facebook.com


    bzw. hier ist das pdf

    Wirkung_statt_Weltanschauung_v2.1.pdf


    Im post stand, dass man es teilen soll also denke ich ist das gestattet bzw. gewünscht

  • haha, ich hab das vor einigen Tagen auch gelesen und musste sofort an dich denken Axman :D und hatte schon überlegt, ob ich es einstellen soll


    "ich finde den Text prinzipiell okay" - hab ich mir auch gedacht. Es ist keine wissenschaftliche Arbeit, Studie oder so, man kann es ehern als Positionspapier verstehen.

    Die Diskussion in der Hundebubble ist im Internet gerade wieder sehr von den Extremen bestimmt und ehern emotional aufgeladen als das sachlich über Argumente über Vor-und Nachteile ausgetauscht wird.

  • Ich lese das in Abschnitten, da es für mich eher anstrengend ist zu versuchen alles zu Verstehen.

    Auf alle Fälle gibt es sicher was zum dazu Lernen.....für mich.

  • Ich habe in dem Zusammenhang noch was gefunden was mich echt umgehauen hat.


    Die extremen "Positiven" sind in den USA wirklich schlimm geworden und haben sich Kartell-ähnlich organisiert. Es ist eine grosse Maschinerie von Zusammenschlüssen und ein Zertifizierungsnetz wo sich die Beteiligten, Trainerakademien, Tierärzte, Pharmahersteller, Futterhersteller, die Kunden gegenseitig zuspielen um alles unter dem einen Label zu halten und die Gewinne zu optimieren.


    Es gibt die eingetragene Marke "Fear Free", die ebenfalls zertifizieren und alle die in dem Netzwerk drin sind lassen sich alles vom Kunden, zu denen auch die entsprechenden Traineranwärter gehören, finanzieren durch regelmässige Zertifizierungserneuerungen und -stufen. Die Marke "Force Free" wurde vom Markenamt abgelehnt weil sie ein zu generell bezeichnender Ausdruck in der Branche ist.


    Die Standards und Regeln sind natürlich von den privaten Organisationen die dahinterstecken selber erstellt worden. Studien werden finanziert und so gestaltet dass sie die Philosophien und Standards stützen und man alles "wissenschaftlich" absichern kann. Es wird eine Illusion der "Einstimmigkeit" hergestellt.


    Aber das beste kommt noch. Mir ist seit einiger Zeit aufgefallen, dass die engagierten "rein positiv" Trainer immer wieder ähnliche Sprüche loslassen die unheimlich fachlich klingen und sich immer auf genau diese oder jene Studie beziehen und die Masche ist immer so, dass die Argumente (fachliche) die man vorbringt immer durch gewisse Phrasen ausgehebelt werden.


    Das kam mir bekannt vor, weil vor vielen Jahren hatte ich Bekannte, mit denen ich recht viel unterwegs war und die waren Zeugen Jehovas. Die werden richtig geschult an ihren Zentralen und lernen solche Fragen und Antworten Konstellationen auswendig und spielen diese auch bei ihren Treffen durch um eben auf jede Frage eines Ungläubigen eine super plausibel klingende Antwort zu haben. Diese Phrasen sind psychologisch sehr präzise durchdacht und ausgefertigt.


    Guess what!!

    Es gibt solche "Playbooks" Fragen und Antwort Kataloge und gestellte Konversationen zum Auswendiglernen und Nachspielen auch für die Trainer und Anhänger der Positiv Community! Es sind regelrechte Indoktrinierungen, die von den Anhängern so nachgesprochen werden können, für jedes Szenario und jede mögliche Frage oder Kritik eines "Aversivlers" die richtige Antwort, verfasst in fachlich höchst professionell klingendem Jargon.


    Es stehen verschiedene "Playbooks" zur Verfügung nach Themenbereichen aufgeteilt. Textbausteine und Absätze die man so mundgerecht direkt dem gegnerischen Lager entgegenwerfen kann und damit jeden wirklichen fachlichen Austausch und Diskussion im Keim ersticken kann.


    Diese Leute sollen vor allem in Rhetorik gut ausgebildet sein. Habe mir einen Podcast angehört zwischen zwei Trainern und einer von denen aus diesem Netzwerk. Der hat keine Frage wirklich beantwortet, der hat sich immer irgendwie drumherumgeschlängelt wenn es konkret wurde, wie es Politiker tun. Ich hab mir echt die Fingernägel abgekaut vor Frust weil ich immer auf eine fundierte Antwort oder Erklärung gewartet habe von dem sogenannten Fachmann aber kam nur blabla und Ablenkung und Wegführen von dem Punkt zu einem anderen Punkt (so wie in den Playbooks vorgeschlagen)

  • Es wird in vielen Bereichen einfach nur noch ideologisch vorgegangen, Sektenartig....ich lass Beispiele hier einfach mal weg, weil sie Triggern könnten und wir ein Schäferhund Forum sind :).

  • Es ist sicher nicht schlecht, dass es so ein Positionspapier gibt. Bin ich grundsätzlich auch deren Meinung, einzig, dass eine Strafe einem Hund nicht auch mal weh tun soll ( etwas salopp ausgedrückt) gehe ich bei gewißen Hundetypen nicht konform.

    Einzig aus der Erfahrung heraus, dass es da solche Brocken gibt, die dir dann nur ins Gesicht lachen, wenn sie wissen, dass du nicht bereit bist, sie bei Bedarf mal anzufassen.

    Mir ist schon bewusst, zumindest bei Baumann, dass der durchaus bereit ist, das bei Bedarf zu tun ( zu Recht) und dass sie so ein Papier halt auch sehr vorsichtig formulieren müssen.

    Und bei 99% der Hunde kommt man heutzutage durchaus ohne das aus, bzw reicht ein Schreckreiz.


    Ich habe mich gerade kürzlich amüsiert, da ein Trainer aus meiner Region einen Kurs zum Jagdmanagement anbietet mit der ausdrücklichen Formulierung, dass nur positiv arbeitende Hundehalter zugelassen sind und dass jegliche aversive Einwirkung wie über die Stimme oder Leinenrucker untersagt sind. Da muss man sich nicht wundern, dass lediglich vom Jagdtriebmanagement und nicht vom Abgewöhnen hiervon die Rede ist...

  • Kimmo : genau das.. Und beim Kurs soll man Schleppleine, Softleckerchen und Lieblingsspielzeug mitbringen.

    Darum hab ich so gelacht.

    Wenn ein Hund ernsten Jagdtrieb hat, gehört der an die Leine.

    Alle anderen gehören erzogen, nur wird das vermutlich mit rein positiv nicht bei allen gehen

  • Wir haben hier ein sehr großes Naturschutzgebiet, welches an einen Truppenübungsplatz grenzt. Da ist uns beim Spazierengehen mal eine Frau entgegengekommen, deren Hund hinter Wild hergegangen ist und die Schleppleine aus der Hand gerissen hat. Horror! Der Hund läuft weg und verheddert sich dann u.U. irgendwo im tiefen Wald in einem Strauch mit der Leine...


    Aber alle Hunde, die in dem Waldstück mit einer Hundeschule öfter mal trainieren, tragen lockere oder sogar lose über den Boden schleifende Schleppleinen. Wie Leute dieses Risiko freiwillig eingehen, ist mir völlig schleierhaft.

  • Ich sehe es auch so. Das Papier sagt im Prinzip gute Dinge aber offensichtlich musste sich die Autorin extrem einschränken in Wortwahl und Beschreibung. Ich hätte mir gewünscht dass man sich etwas deutlicher hätte ausdrücken können. Das Problem ist, dass dann extremistisch veranlagte Menschen immer die extremste Interpretation anwenden würden und ein Leichtes hätten das ganze Schreiben in den Dreck zu ziehen.


    Ich habe schon herablassende Kommentare bei Positiv-Extremisten darüber gelesen.


    Das mit dem positiven Jagdmanagement ist wirklich der Lacher, wie du schon schreibst. Der Seminartitel beschreibt schon das Einzige was bei jagenden Hunden möglich ist: Management


    Management = Leine oder da spazieren gehen wo es nichts zu jagen gibt.


    Ich durchblicke nicht wirklich, warum man sich komplett von Möglichkeiten verabschiedet die Hunden mehr Freiheit geben können, mehr Hund sein lassen würden und Hunden und Haltern mehr Zufriedenheit geben könnten?


    Warum investiert man nicht mehr Einsatz in die Ausbildung und Schulung von Hundetrainern insgesamt anstatt zu versuchen durch Ablehnung eines ganzen Teiles von Verhaltensbiologie quasi einbeinig humpelnd und einäugig Hunde trainieren zu wollen, weil es halt so schön und lieb ist und das als das einzig Richtige darstellen zu wollen?


    Warum nicht verhaltensbiologisches/ganzheitliches Hundetraining mehr fördern und fordern und da besser werden?