Ja, ich würde das bejahen. Wenn man bedenkt wofür ein Schäfer-/Hütehund gezüchtet wurde macht es Sinn.
Auch wenn heute vor allem die Leistungslinien meist nicht mehr speziell für die Schafhaltung gezüchtet werden, so will man doch den Willen "Alles was zu meiner Herde und/oder zu meinem Revier gehört, wird bewacht und beschützt" weiterhin erhalten um das für allerlei Zwecke zu nutzen.
Aber es geht noch weiter. Reaktivität an sich ist ja nichts Schlechtes. Man will ja reaktive Hunde für Sport und Arbeit. Reaktiv im Sinne von dass sich der Hund leicht aktivieren lässt. Leicht auf Reize reagiert. Reize wie Spielzeug und/oder ein Mensch der Tricks üben will, oder ein Beissarm, ein Helfer, ein Bringholz oder eben Schafe oder anderes Getier.
Ich habe gelesen, dass z.B. Border Collies im Alter von bis zu 20 Wochen auf das Objekt geprägt werden, auf dass sie den Fokus ihres Hütetriebes am meisten richten. Wenn das dann Autoreifen, Reifen und Räder aller Art oder Kinder sind, hat man ein Problem.
Also, wie bei vielen Dingen, eine gewisse Reaktivität ist gewünscht und nutzbar, allerdings zu viel davon oder gepaart mit schwachen Nerven oder anderen ungünstige Umständen kann es sicherlich eine harte Nuss zum Trainieren in bestimmten Bereichen sein.
Es gibt auch noch Übersensibilität, die ich nicht unbedingt gleichsetzten würde mit Reaktivität. Übersensibilität auf Geräusche oder andere Umwelteinflüsse. Übersensibilität führt je nach Wesen oder Erlebtem auch zu Flight oder Fight.
Der übersensible Holländische Herder meiner Bekannten hatte Probleme mit lauten Kindern und städtischem Gewusel, aber der hat mit Rückzug reagiert.