Wesensbeurteilung

  • Ich pack das jetzt mal hier ins Verhaltens-Forum, da es ja um das Wesen des Hundes geht. Wir haben es getan... Ich war mit Malou am Sonntag bei der relativ neuen Wesensbeurteilung des SVs. Obwohl Malou ja noch vor dem Stichtag geboren wurde und diese Wesensbeurteilung für eine evtl. spätere Zuchtverwendung nicht benötigt.


    Geübt haben wir dafür so gut wie gar nicht. Obwohl man ja weiß was kommt. Aber irgendwie hatte ich dafür keine Zeit. In der Woche vor der Wesensbeurteilung fiel mir dann ein dass bei Malou noch nie geschossen worden ist. Und einen Tag vorher dämmerte mir so langsam dass sie auch noch nie irgendwo angebunden war. Da ich mit ihr ja noch nicht wirklich trainiere bin ich noch nie in die Situation gekommen sie irgendwo anbinden zu müssen (z.B. während des Fährtelegens). Von daher war mir dann doch plötzlich ein bissel mulmig. Mit einem Ball oder einer Beißwurst spiele ich mit meinen Hunden auch nicht, und fremde Leute hatten noch nie Malou's Leine in der Hand.


    Was soll ich sagen: Man kann diesen Wesenstest wirklich ohne großartige Vorarbeit absolvieren. Eine Mitgliedschaft im SV ist dafür auch nicht notwendig. Das einzige, was notwendig ist, ist dass der Hund im Zuchtbuch oder Anhangregister des Svs eingetragen ist. Zugelassen sind Hunde zwischen dem 9. und 13. Lebensmonat. Wenn ein Hund älter ist benötigt er für die Teilnahme eine Ausnahmegenehmigung des Zuchtbuchamtes, die spätestens 2 Wochen vor der Veranstaltung beantragt werden sollte. Ältere Hunde, die vor dem Stichtag geboren wurden (01.01.2017), dürfen ohne diese Ausnahmegenehmigung teilnehmen.


    Hier mal der Info-Film des SVs, in dem diese Wesensbeurteilung vorgestellt wird:



    Und so sieht dann bei uns die Beurteilung aus:


    [IMG:https://up.picr.de/33214579be.png]


    Verhaltensüberprüfungen sollen ja im VDH in jedem Zuchtverband vor dem Zuchteinsatz eines Hundes durchgeführt werden. Cleo hat ihre Verhaltensüberprüfung im Juni im Verein für Deutsche Spitze absolviert. Das sah dann so aus: Beurteiler sind alle vom VfDSp als Spezialzuchtrichter zugelassenen Zuchtrichter. Man geht, wenn auf einer Schau das Richten aller Hunde abgeschlossen ist, mit dem angeleinten Hund plus Ahnentafel/Registerbescheinigung plus Mitgliedsausweis (dort kann man nur teilnehmen wenn man Mitglied im Zuchtverband ist) plus 10 Euro zum Zuchtrichter. In Cleo's Fall blieb die hinter ihrem Tisch sitzen, warf über die Lesebrille hinweg einen kurzen Blick auf Cleo, und hat dann auf Cleo's Richterbericht geschrieben "Verhaltensüberprüfung bestanden" plus Unterschrift. Dauer: ca. 20 Sekunden...


    Auf der Wesensüberprüfung des SVs haben zwei speziell geschulte Leistungsrichter für 11 Hunde 7,5 Stunden benötigt. Kostenfaktor für den Hundeführer: 20 Euro.




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  • Sehr interessant, danke für die Info und auch die Beurteilung von Malou. Konntest du die Einschätzungen nachvollziehen, bzw. hättest du manches anders beurteilt?

    So einen Wesenstest hätte ich mit Hank auch gerne gemacht, aber leider ist er dafür schon viel zu alt.

    Viele Grüße aus Bayern
    Silvia mit Hank (*2008), Arik (*2015) und Rusty (*2002)
    (Jacky +29.12.2015, Cora 30.07.2001-04.08.2016)
    Man kann ohne Hunde leben, abe es lohnt sich nicht (Zitat: Heinz Rühmann)

  • Die Möglichkeit durchzufallen ist relativ gering. Selbst wenn der Hund aggressiv auf den anderen reagiert: So lange Du Deinen Hund händeln kannst wird nicht abgebrochen. Es würde dann halt in der Beurteilung drin stehen dass Dein Hund aggressiv gegen den anderen Hund war. Und es würde vermutlich differenziert werden ob er sich dabei selbstsicher oder unsicher gezeigt hat. Abgebrochen wird meines Wissens dann wenn sich der Hund derart benimmt dass der Hundeführer nicht mehr Herr über ihn wird. Oder wenn er den Motivationsgegenstand nicht mehr her gibt (denn dann kann die Beurteilung ja nicht weiter durchgeführt werden).


    @Silvia: Unter Punkt V (Spiel mit dem Beauftragten) fand ich eigentlich dass Malou durchaus drangvoll mit dem Beauftragten gespielt hat. Allerdings war der etwas "verhalten". Was auch ganz gut war, denn Malou hackt ganz schön zu wenn man sie auf die Beißwurst heiß macht.


    Alles andere war für mich absolut nachvollziehbar.

  • Ich bin auch sehr zufrieden. Zumal ich weiß dass in einigen Ortsgruppen wochenlang mit den Hunden dafür trainiert wird. Inkl. Geräuschquellen, Tischen usw. Diese Möglichkeit hatten wir nicht.

  • Genau deswegen finde ich diese Überprüfung eigentlich auch gut, weil die Leute, die es sonst nicht tun würden, sich auch mal mit ihren Hunden beschäftigen. Aber wenn das locker zu schaffen ist verliert sich der Sinn ja wieder. Denn die die schon mal Teilgenommen haben wisssen ja dann das vorher nicht unbedingt viel Training benötigt wird und lassen es auch....

    Oder sehe ich das jetzt falsch?

    Liebe Grüße von Argjira12.1:D

  • Nunja, ich denke das kommt auch immer darauf an was der jeweilige Hund "mitbringt". Sowohl genetisch wie auch prägungs-/haltungsbedingt. Dass man mit seinem Hund nicht speziell für diese Wesensüberprüfung trainiert bedeutet ja nicht dass dieser nix mitbekommt von der Welt um ihn herum. Ein Hund, der reizarm nur im Zwinger aufgewachsen ist und nix kennengelernt hat, wird sich bei der Wesensbeurteilung garantiert nicht offen, frei und spielfreudig verhalten.

  • Hi,


    hört sich gut an, freut mich für dich und Malou:)

    Eine Frage dazu: Manchmal steht bei workingdog ein kurzer Bericht zu dem jeweiligen Hund, bei dem auch steht, zB beim Opa von Gaius "Wesen sicher" und "TSB ausgeprägt" - sind das auch Sachen, die bei diesem Test geprüft werden?



    Liebe Grüße

    Lupus

  • Diese Wesensbeurteilung gibt es ja erst seit 2 Jahren. Wobei sie regelmässig und flächendeckend erst seit diesem Jahr durchgeführt werden.


    "TSB ausgeprägt" ist ein Prädikat, welches bei den IPO-Prüfungen im Schutzdienst vergeben wird. Das Kürzel "TSB" steht für die Begriffe Triebveranlagung, Selbstsicherheit und Belastbarkeit. Bei einem Hund mit "TSB vorhanden" kann man von erheblichen Defiziten in zumindest einem dieser drei Bereiche ausgehen. Früher wurde das in der SchH-Prüfung übrigens mit "Härte, Mut und Kampftrieb" bezeichnet. Von der Wortwahl her tatsächlich nicht 100%ig korrekt. Aber selbst der Laie konnte sich in etwa vorstellen was damit gemeint war.


    Teilweise kopieren die Hundehalter bei working-dog die kompletten Körberichte in die Zusatzinformationen rein. Von daher kann es im Einzelfall die Beurteilung eines Körmeisters gewesen sein wenn bei einem Hund "Wesen sicher" steht. Es kann aber auch die Einschätzung des Hundehalters sein. Da müsste man den Kontext kennen zu dem, was da sonst noch steht.

  • Man benötigt für die Zucht ein dafür anerkanntes Ausbildungskennzeichen, welches unter einem SV-Leistungsrichter erlangt wurde. Das kann eine IPO-Prüfung sein (1 bis 3), wobei im Schutzdienst mind. 80 Punkte erreicht werden müssen (bestanden hat man den Schutzdienst mit 70 Punkten). Aber auch die Ausbildungskennzeichen HGH (Herdengebrauchshund) und Rettungshundeprüfung Stufe 2 (Trümmer oder Fläche) berechtigen zur Zuchtzulassung. Und entsprechende Ausbildungskennzeichen der diensthundehaltenden Behörden werden auch anerkannt, wenn der Hund im Eigentum einer solchen steht. Zudem auch geprüfte Blindenführhunde, wenn ihre Ausbildung von den deutschen Krankenkassen anerkannt wird.


    Neu ist dass künftig auch die ZAP (Zuchtanlageprüfung) in Verbindung mit der vorherigen Wesensbeurteilung für die Zuchtzulassung zählt.

  • Diese Wesensbeurteilung gibt es ja erst seit 2 Jahren. Wobei sie regelmässig und flächendeckend erst seit diesem Jahr durchgeführt werden.


    "TSB ausgeprägt" ist ein Prädikat, welches bei den IPO-Prüfungen im Schutzdienst vergeben wird. Das Kürzel "TSB" steht für die Begriffe Triebveranlagung, Selbstsicherheit und Belastbarkeit. Bei einem Hund mit "TSB vorhanden" kann man von erheblichen Defiziten in zumindest einem dieser drei Bereiche ausgehen. Früher wurde das in der SchH-Prüfung übrigens mit "Härte, Mut und Kampftrieb" bezeichnet. Von der Wortwahl her tatsächlich nicht 100%ig korrekt. Aber selbst der Laie konnte sich in etwa vorstellen was damit gemeint war.


    Teilweise kopieren die Hundehalter bei working-dog die kompletten Körberichte in die Zusatzinformationen rein. Von daher kann es im Einzelfall die Beurteilung eines Körmeisters gewesen sein wenn bei einem Hund "Wesen sicher" steht. Es kann aber auch die Einschätzung des Hundehalters sein. Da müsste man den Kontext kennen zu dem, was da sonst noch steht.

    Hi,


    wieder was gelernt, danke!


    Vor den Daten steht "Körbericht".

    Hier der Link: https://www.working-dog.com/do…s/121987/Iwan-vom-Poppitz


    Das heißt, es gab immer schon eine Art Wesensprüfung, die sich an den von dir genannten Kriterien orientierte und die teilweise Einzug in die Körberichte fand. Und es gibt einen neuen Wesenstest, die von dir dargestellte "Wesensbeurteilung"?


    Liebe Grüße

    Lupus

  • Auf der Körung absolviert der Hund ja auch einen Schutzdienst. Allerdings ohne eine Punktebewertung. Und wie Du siehst wird der ganze Bereich des Wesens und der Arbeitsanlagen abgebügelt mit der knappen Beurteilung "Wesen sicher, TSB ausgeprägt; läßt ab". Wohlgemerkt: Der Körschein besteht aus vier (!!!) DinA4-Seiten... Auf denen ansonsten die Angaben zum jeweiligen Hund stehen und sein Äusseres weitgehend exakt beschrieben wird.


    Von daher war es längst überfällig so eine Wesensbeurteilung einzuführen. Um auch dem Wesen des Hundes genügend Raum einzuräumen bei seiner Beschreibung.