Die Gesellschaft bringt diese Menschen hervor ! - sie sind nicht vom Himmel gefallen oder so geboren !
wo ist dann ihr Platz ? wer bestimmt das?
Hi,
das ist so wahr und gleichzeitig so schwer zu verstehen. Was bestimmt denn unsere Identität? Unsere genetischen Anlagen und unsere sozialisatorischen Erfahrungen (also in welchem Milieu wir leben, wie wir erzogen werden, etc.).
Beides aber sucht sich ein Mensch ja nicht aus! Und der Glaube an einen freien Willen ist längst widerlegt.
Es macht also überhaupt keinen Sinn, Individuen für ihr Denken oder Handeln zu verurteilen, solange die Gründe dafür, dass wir sind, wie wir sind, sich nicht verändern. Und die liegen nicht im Einzelnen, sondern in unserer Gesellschaft, die nichts anderes ist als die Summe der Wechselwirkungen ihrer Mitglieder.
Und da sollten wir uns mal fragen, ob die Werte und Struktur unserer Gesellschaft wirklich so toll sind, wie wir, eben weil wir so erzogen und sozialisiert wurden, es empfinden, bevor wir Assimilation (um Integration geht es in der öffentlichen Debatte, die aktuell von rechts bestimmt wird, ja schon lange nicht mehr) verlangen.
Fragt man Menschen, wie es ihnen geht, sagen viele "uns gehts doch gut" - und sie meinen damit den Kontostand. Das sagt viel aus. Wir leben in einer Gesellchaft, die das Materielle über alles andere stellt. Schon Kinder erziehen wir so, dass ihr Tischnachbar in der Schule ihr Konkurrent ist und später auf dem Arbeits-oder Wohnungsmarkt noch stärker sein wird. Ständig werden wir aufgefordert, "wettbewerbsfähig" zu sein. Das fordern wir natürlich auch von unseren (europäischen) Nachbarn. Wir leben entsprechend in einer sehr kalten Gesellschaft. Ich hatte darauf hingewiesen, wie wir mit unseren Kindern und Alten (wenn sie noch nichts "bringen" oder nichts mehr "bringen können", umgehen). Die allermeisten von uns sind massiv überlastet, dafür sind wir Exportweltmeister - aber zu welchem Preis?
Und dieses ewige, unselige Konkurrenzdenken zeigt sich überall: Wir teilen uns in Gruppen, zB in der Politik, aber anstatt nach gemeinsamen Lösungen zu suchen, ist automatisch das, was der politsche Gegner sagt, falsch, wird als falsch dargestellt. Wir finden nicht zusammen - als Menschen, weil wir uns nicht als Menschen sehen, sondern als Rollenträger (Mann, Frau, Moslem, Deutscher, usw.).
Das zeigt sich auch sehr schön in den Kommentaren zu Cukis Artikel: Da wird nur gestritten, beleidigt, andere werden an den Pranger gestellt. Und am Ende des Ganzen steht keine Lösung, sondern noch mehr Unmut bis hin zum Hass. So ist es überall.
Ich für meinen Teil bin froh, dass sich nicht alle in dieses System integrieren, ganz gleich, woher sie ursprünglich stammen. Was passiert, wenn wir endgültig alle auf Linie sind - auch dazu gibts ein gutes Buch: Es heißt "Schöne neue Welt" von A. Huxley.
Bevor wir immerzu Anpassung erwarten (das Gegenteil von Freiheit), sollten wir uns mal ganz genau anschaun welche Werte wir tatsächlich vertreten. Und das sieht man sehr einfach daran, wie wir anderen begegnen.
Was wir aber auf keinen Fall tun sollten ist zu denken "wir machen weiter so und alle anderen sollen das auch so machen!". Das halten werder wir als Menschen, noch hält die Natur das länger aus.
Oder anders: Mal angenommen, die AFD bekommt 90% bei der Wahl - glauben ihre Anhänger wirklich, dass sich dann für sie persönlich in ihrem Leben was positiv verändert? Selbst wenn "wir" morgen alle "Ausländer" abschieben - wird unser Leben dann besser? Eine zutiefst naive Vorstellung. Denn der Grund für die Ablehung von "Fremden" hat nichts, aber auch gar nichts mit ihrem Verhalten zu tun. Es hat alleine etwas mit dem Denken desjenigen zu tun, der in Fremden eine Bedrohung sieht. Wenn wir eines aus der deutschen Geschichte gelernt haben sollten, dann doch das.
Ich meine damit nicht, dass wir toleranter sein sollten. Toleranz ist was für "Lappen" (wie man heute so sagt). Wir müssen lernen, den Anderen nicht zu ertragen, sondern ihn anzunehmen, ohne dass wir damit seine Meinungen gut finden müssen. Das sind vollkommen unterschiedliche Dinge, die aber oft vermischt werden.
Andere annehmen zu können als Mensch, nicht als Christ, Moslem, Kapitalist oder Kommunist, ist aber nur möglich, wenn wir uns selbst annehmen. Das aber gelingt uns allen immer weniger. Und das wiederum liegt daran, dass wir von klein auf so sozialisiert werden, dass wir denken, alles müsste immer nach dem Prinzip "höher, schneller, weiter", alles müsste "refomiert", verbessert, perfektioniert werden. Auch wir selbst. Sogar unsere Hunde... Entsprechend machen wir es uns immer schwerer, uns selbst so anzunehmen wie wir sind, überhaupt erstmal zu erkennen, wie wir sind. Und wenn uns das bei uns selbst schon nicht gelingt - wie soll es uns bei anderen gelingen? Wenn es uns aber gelingt, der Andere sich auch angenommen fühlt - erst dann ist eine Basis da, auf der man sich gegenseitig bezüglich bestimmter Meinungen oder Weltanschauungen sinnvoll streiten kann. Ist dies nicht der Fall, fühlt der Andere sich als Person angegriffen. Und das führt nicht zu der Einsicht, die wir erzielen wollen, sondern zum Gegenteil. Druck erzeugt Gegendruck, ganz einfach.
Anstatt also immerzu von anderen was zu verlangen, sollten wir unser gesamtes Denken und Fühlen (denn das, was ich geschildert habe, ist ja kein deutsches, sondern ein weltweites Phänomen) mal auf den Prüfstand stellen.
Ganz Plakativ: Eine Welt, eine Menschheit - alles andere sind nur (wirre und schädliche) Gedanken in unseren Köpfen, die Produkt der Gesellschaft sind, die wir selbst etabliert haben und unter der wir alle leiden.
Umso bemerkenswerter, dass wir das bisher hier im Forum besser hinbekommen als dies oft in der öffentlichen Diskussion der Fall ist. Woran das liegt? Ich denke, es liegt vor allem daran, dass wir hier ein übergeordnetes Interesse haben, dem wir unsere unterschiedlichen Ansichten unterordnen: Hunde.
Und dieses Prinzip müssten wir übertragen auf das Ganze.![]()
Liebe Grüße
Lupus