Literarische Bücher rund um Hunde

  • "Bruder Hund & Schwester Katze", Tierliebe - die Sehnsucht des Menschen nach dem verlorenen Paradies

    Jürgen Körner, Kiepenheuer & Witsch, 1996


    Das ist eines meiner Lieblingsbücher zum Thema Mensch-Tier-Beziehung. Es ist eine eher philosophische Betrachtung und schon etwas älter. Der Autor sieht in der Tierliebe den Versuch des Menschen, die Entfremdung von der Natur wieder auszugleichen. Sehr interessant.


    Meine Lieblingsstelle: "Wenn wir uns also dem Tier nähern, so begegnen wir zu allererst uns selbst."

  • Hast du das Buch denn nun gelesen und kannst mehr dazu sagen?

  • Ohhhhh Peinlichkeit. Ich habe es tatsächlich noch immer nicht ganz durchgelesen, aber ich hatte auch vor Kurzem ein Buch über den Freudenweg des Lernens für Hunde gekauft und darin vertiefe ich mich aktuell sehr gerne - wenn ich Zeit zum Lesen finde.


    Danke aber trotzdem für die Anregung - ich muss das Buch mal wieder vorkramen und es zu Ende lesen, damit ich berichten kann ... wobei es mich nicht ganz so fesselte, wie ich das erhofft hatte, denn sonst wäre es längst ausgelesen :/

  • Ich habe bei der Suche nach dem Buch "Manchmal kann das Glück eben stinken" festgestellt, dass ich noch ziemlich viele weitere literarische Werke zum Thema Hund habe ... ich sollte definitiv mehr Zeit zum Lesen haben.


    Aber erst mal habe ich nun weiter in besagtem Buch geschmökert und muss dazu sagen, dass mich selten ein Autor so zwiegespalten zurücklässt, wie es Silvia Dober tut.


    Sie schreibt wirklich sehr humorvoll. Man fühlt sich an Babsis Tilli-Geschichten erinnert und die lieben wir ja alle.


    Es ist zwischen den Zeilen aber auch ein bisschen Hundepsychologie eingeflochten, die mich durchaus zum Nachdenken anregte und die ich zwei- oder dreimal las, um mir ihre Gedanken und Worte zu verinnerlichen.


    Da stehen dann Sätze wie: "Solange der Mensch kein Hund ist, kann er nicht ein zu ein wissen, wie es wirklich für den Hund ist". Das zur Betrachtung, aus welchen Gründen und mit welchen Lautäußerungen ein Hund bellt und zur Feststellung, dass "Schreien" nicht nur Schmerz ausdrückt, sondern auch Frust oder Überforderung, weil wir denken, dass wir ihm eine ganz leichte Aufgabe gestellt haben, die für den Hund aber unlösbar scheint.


    Auch das Thema: Wie kommt die Info in den Schädel?" wird auch aus der Sicht des Hundes betrachtet. Beispielsweise das "Bleib!" und das "Wo übe ich es, damit es für Hund und Mensch nicht im Frust endet?" Eine interessante Sichtweise, über die man vielleicht erst mal nicht nachdenkt und alle Fehler macht, die dem Hund bewusst werden lassen: Auf meinen Menschen kann ich mich nicht verlassen!".


    Das Buch half und hilft mir ganz sicher, meine Hund besser zu verstehen und die Welt auch mal durch ihre Augen zu betrachten. Nachzudenken, warum mein Hund nun gerade so handelt und nicht nur davon auszugehen, dass das Tier mich gerade ärgern will, obwohl der Hund mich vor einem Herzinfarkt beschützen und mich beschwichtigen will, während ich ihm Ungehorsam vorwerfe.


    Aber - manchmal ist es mir zu gewollt lustig. Zu aufgesetzt in der bewusst humorigen Formulierung. Man möchte der Autorin sagen: "Du musst mich nicht mit jedem Satz zum Lachen bringen ... jeder zweite genügt!"


    Und die Sache mit der Pietät ... kann man Sterben witzig einpacken? Ich glaube nicht. Aber ich bin kein Freund des schwarzen Humors. Ich kann nicht wirklich lachen, wenn jemand beschreibt, dass er im Baumarkt nach großen Jutesäcken schaute und der hilfsbereite Mitarbeiter fragte, ob sie denn eine Rose oder einen Baum darin einpacken möchte und die Antwort bekommt: "Nein, keine Pflanze - einen Schäferhund!"


    Natürlich muss, darf, soll oder möchte man sich die Frage stellen dürfen, worin der Hund seine letzte Ruhe findet, wenn er begraben werden soll. Vielleicht ist es auch richtig, dem Schatten des Todes die Macht zu nehmen, indem man ihm mit einem Lachen zu begegnen versucht ... ich kann es halt nur nicht und mir bleibt so ein Satz an den Schuhsohlen kleben und erschwert mir das Weiterlesen.


    Dabei tue ich der Autorin auch garantiert Unrecht denn es gibt ein Kapitel über den letzten Tag ihres todkranken Malinois und der ist sehr berührend beschrieben ... nicht tränenlastig oder bewusst auf die Gefühlstaste drückend, sondern eben genau so, wie man dem Hund hilft, ohne Angst und Sorge gehen zu dürfen. Der Tod sollte kein Tabuthema sein, über das man nicht reden, schreiben oder auf das man sich nicht vorbereiten darf und einem Leser auch nicht zu verschweigen, dass der zauberhafte und lebenslustige Welpe irgendwann vielleicht ein hinfälliger Senior werden wird, der in Würde leben können muss, solange er leben will, aber auch in genau dieser Würde gehen dürfen muss, wenn er nicht mehr leben will, ist genauso wichtig, wie darüber zu schreiben, dass Krankheit, Sorge und Angst genauso zum Hund gehören, wie Glück, Freude und Bällchenspielen.


    Genau das treibt mich aber in diesen Zwiespalt, mit dem ich das Buch weglegte. Es ist berührend geschrieben, es öffnet eine Sichtweise auf die Seele des Hundes, die man sich unbedingt verinnerlichen sollte, aber man kann der Schwere nicht immer mit der Leichtigkeit des Humors begegnen.


    Es macht das Abschiednehmen nicht leichter, wenn man beschreibt, dass man dem Hund "ein Domizil im Souterrain" (das ist ihre Beschreibung dafür, ein Grab zu schaufeln) einrichtet und er sich nun ein "Doppelzimmer" mit dem Hund teilt, der 12 Tage zuvor eingeschläfert werden musste.


    Das lässt mich ein wenig unzufrieden zurück und trübt den sonst so positiven Eindruck des Buches auf mich.


    Gewiss versöhnt mich, dass es ihr darum geht, dass der Hund fühlen kann, dass man ihn liebt. Sie betont das auch in ihrem letzten Satz, dass es immer darum geht.


    Aber bei mir bleibt diese ungute Bild im Kopf zurück ... der tote Schäferhund im Jutesack ... und das kann ich nicht löschen, auch wenn es unfair ist, weil das Buch in seiner Gänze ein gutes, lehrreiches, lesenswertes Buch ist.


    Ich habe ihm eine Chance gegeben, es weggelegt, als ich über diesen unseligen Satz stolperte und es nicht mehr weiterlesen wollen. Aber ich habe es noch mal zur Hand genómmen - mit etwas Abstand zu dem Satz und ich habe es nicht bereut - auch wenn ich mich tatsächlich nicht mehr daran erinnert hatte, warum ich es so schnell zugeklappt hatte und dachte, es hätte mich zu wenig gefesselt.


    Ich würde es empfehlen. Aber ich wäre auch gerne auf diesen Satz vorbereitet gewesen, um mich nicht so sehr davon erschlagen zu fühlen und das Bild nicht so plastisch in mir tragen zu müssen.


    Und ich würde mir wünschen, dass nicht der manchmal schon sehr erzwungen wirkende Humor nicht so sehr dominiert und dafür die wichtigen, tiefsinnigen Gedanken und Worte mehr Raum erhalten, in dem sie wirken dürfen.