reaktiver Schäferhundwelpe

  • Unsere Schäferhündin ist wohl reaktiv,


    Das erste Zusammentreffen nach dem Kauf im Garten mit unseren beiden anderen Hunden war eigentlich nicht so dramatisch, da der große sich von ihrem Theater nicht beindrucken ließ. Auch der Kontakt zu unseren Katern war unproblematisch. Dann der erste Spaziergang, der erste fremde Hund, mein Welpe geriet ausser Rand und Band. Sie stellt die Nackenhaare geriet richtig in Extase keifte was die Stimmbänder hergaben, sprang in die Leine und war in keiner Weise ansprechbar. Sie drehte völlig durch mit ihren 4 Monaten. Unsere beiden Rüden blieben ruhig und gelassen.


    Also ab in die Hundeschule zur Welpenspielgruppe, sie benahm sich an der Leine wie eine Furie, sobald die Leine ab war, war sie zwar unsicher aber den Hunden gegenüber durchaus zugewandt aber etwas grob. Der Trainingsvorschlag lautete, lass sie in diesen Situationen „Fahrstuhlfahren“ Also an dem Halsfell noch und runter reißen sobald sie keift, laut werden und sich ihr in den Weg stellen. Ohne Erfolg, außer dass man selber austickt. „Ist halt ein Schäferhund“


    Dann zum Schäferhundverein, hier hieß es „schrei sie an mit Nein“ und nimm sie vorne hoch. Also auch hier keine Erklärung und keine nachvollziehbare Hilfe


    Dann Einzelstunden mit einem anderen Schäferhundtrainer , nach der vierten Stunde haben wir auch hier den Trainer gewechselt. Denn zu dem ausrasten bei Hunden haben sich mittlerweile fahrende Autos dazu gesellt. Hier führt sie sich nicht so übel auf, fixierte jedoch und wollte hinterher. Er ließ uns bis zum Erbrechen an befahren Straßen laufen, mit einem Hund der genauso überfordert war wie wir. Allerdings kam von ihm das Wort „reaktiver Hund“ und im Internet findest du einiges, das wars.


    Zur Zeit sind wir wieder bei einem anderen Trainer, der einen „Rüpelkurs“ und Hundefreilauf anbietet. Es kommen allerdings keine verwertbaren Tipps bzgl. reaktiver Hund
    Sonntags sind wir mit ihr beim Schäferhundverein und üben in der Gruppe für die Begleithundeprüfung.


    Seit 3 Monaten üben wir mit ihr nach unserem Bauchgefühl. Wir gehen getrennt von unseren anderen Hunde, da sie sich übler benimmt wenn sie im Rudel unterwegs ist.


    Wir üben bei jedem Spaziergang in kurzen Intervallen Sitz, Platz, Bleib, bei Fuß, auf Baumstümpfe setzten, auf gefällte Baumstämme klettern und sich hinlegen etc. alles mit Ruhe und vielen Leckerli und es macht ihr Spaß sie lernt gerne und schnell. Der Gedanke bei diesen Übungen, Vertrauen aufbauen.


    Wir fahren manchmal in die Stadt, setzten uns auf Bänke und lassen sie in Ruhe beobachten.


    Ich habe sie Platz machen lassen wenn Hunde kamen, sie mit Leckerli vollgestopft und irgendwann konnten Hunde an uns vorbeilaufen und sie ist sehr angespannt aber ruhig, dann kommen Hunde und sie mutiert zur Furie.


    Zuhause würde sie bei einer Skala von 1-10 volle 10 Punkte bekommen.Sie ist ruhig und völlig entspannt und orientiert sich an den beiden anderen. Sie ist ein ganz toller Hund, bis auf das kleine Problem der Reize(überflutung)


    Was macht ihr bzw. wie trainiert ihr solche reaktiven Hunde?

    2 Mal editiert, zuletzt von raven ()

  • Moin,


    leichte körperliche Einwirkungen können in den Moment stimulierend wirken und du heizt sie damit erst Recht noch an, anstatt sie zu korrigieren.


    Ich arbeite daran wie folgt:

    - Aufbau eines sauberen Abbruchs unabhängig von dieser Situation (braucht es eh)

    - Robuste Leinenführigkeit trainieren (Leinenzug stimuliert)

    - Abwenden von ruhiges anschauen von Reizen fördern

    - Management über Futtertreiben bis der Abbruch und das umorientieren soweit sitzt dass ich den Hund anleiten kann, je nach Hund fördere ich dann wenn sie mir anbieten mich stattdessen anzuhimmeln.



    Ob ein simples anschreien oder ins Fell packen klappt ist davon abhängig wie führerweich der Hund ist, wie gesagt je nach Charakter kann es auch genau das Gegenteil bewirken.

  • Ich finde das Wort reaktiv wird gern negativ verwendet, was unseren Hunden leider oft nicht gerecht wird.

    Bei eurem Hund würde ich gar nicht von reaktiv sprechen.

    Eher vielleicht von Artgenossenunsicher an der Leine.

    Da eskaliert der eine Hund mehr und der andere weniger oder gar nicht.

    Reaktiv heißt für mich eigentlich nur reaktionsschnell ohne dass dazu grossartig nachgedacht werden muss.


    Ich würde da wie Secans schon schreibt, lieber an der Basis arbeiten und es erst im Ernstfall anwenden, wenn es dann so schon gut klappt.

    Dann kann ich ein Umorientieren einfordern und klappt das nicht, das unerwünschte Verhalten mit dem aufgebauten Abbruchsignal unterbrechen.

    So wie ihr das oben beschreibt, kann sie das gar nicht direkt mit ihrem Verhalten verknüpfen und nimmt es evtl. noch als Verstärker.

    Gut dass ihr da nicht dabei geblieben seit und ganz normal, dass nicht auf alle Hunde gleich reagiert wird.

    Manchmal kann man sehen, auf welchen Typ Hund oder welches Verhalten vom Gegenüber reagiert wird.

  • Ich kenne das Problem mit reaktiven Hunden nur zu gut! Bei meinem Hund habe ich versucht, ganz klein anzufangen und die Reize nach und nach zu steigern. Was uns sehr geholfen hat, war das Arbeiten mit einem Markerwort oder einem Klicker, um positives Verhalten sofort zu bestätigen. Wenn wir z. B. einem anderen Hund begegnen, versuche ich die Distanz so zu wählen, dass mein Hund noch ansprechbar ist, und belohne sie für ruhiges Verhalten.

    Mit der Zeit konnte ich die Distanz immer weiter verringern. Wichtig ist dabei immer Geduld und Konsequenz. Manchmal hat man das Gefühl, keine Fortschritte zu machen, aber mit der Zeit wird es besser! Falls du die Möglichkeit hast, empfehle ich auch das Training in einer kontrollierten Umgebung, z. B. mit einem Hundetrainer oder einer kleinen Gruppe. Da kann man solche Begegnungen gezielt üben. Bleib dran – es lohnt sich wirklich!

  • Meine ältere Hündin kann bei anderen Hunden auch aufdrehen. Eine passende Trainingsgruppe hatte ich damals nicht gefunden. Hier ein Paar Ideen, die wir im Laufe der Zeit umgesetzt haben:


    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass dieses Verhalten in meiner Nachbarschaft ausgeprägter ist, als in ungewohnter Umgebung (nicht ihr Revier), wo wir dann grade im Junghundalter mehr unterwegs waren.


    Wenn es absehbar ist, dass ein Hund auf engerer Distanz an uns vorbei gehen muss, gebe ich meiner Hündin ihren knautschbaren Lieblingsball. Sie baut Stress ab und kann nicht bellen. Sie ist so zwar noch angespannt, fährt aber nicht mehr so hoch. Sie liebt auch Tannenzapfen. Wenn ich 2-3 davon in der Tasche habe, kann man sie super ablenken, mit etwas mehr Abstand geht das auch mit Leckerchen.


    Im Junghundalter hatte ich eine Plastik-Wasserflasche mit einem kleinen Loch im Deckel. Sobald sie einen anderen Hund anfixiert hat, habe ich ihr einen kleinen Wasserstrahl ins Gesicht gespritzt. Wenn das Timing passte (bevor sie ins Bellen verfallen ist), hat das damals sehr gut funktioniert.


    Was ihr auch sehr geholfen hat, sich an andere Hunde zu gewöhnen, waren gemeinsame Spaziergänge mit sicher sozialverträglichen Hunden unterschiedlicher Rassen von Freunden. Dabei sind wir erst auf Abstand gegangen und nach etwas Zeit konnten die Hunde dann immer neutral nebeneinander her gehen, abgesichert per Flex-Leine.


    Auf dem Hundeplatz habe ich sie tatsächlich nie mit anderen Hunden spielen lassen und da ihr Spieltrieb sehr ausgeprägt war, ging es recht schnell, bis ich interessanter war als die andereren Hunde. So hat sie das ungewünschte Verhalten nicht auf den Übungsplatz übertragen.


    Heute kommen wir mit den meisten Hundebegegnungen gut klar, wenn auch leider nicht immer. Dann wird der Gehorsam eingefordert.


    Ich hoffe, ich konnte euch etwas weiter helfen. Viel Erfolg bei eurem Training. :)

  • Hallo Marline. Vielen Dank. :) Klar, das kann ich gerne machen. Welchen Vorstellungsbereich meinst du denn? Unter "Über mich" in meinem Profil?