Passt das oder sind wir falsch?

  • Hallo Zusammen, wir haben eine etwas spezielle Aufgabenstellung für die wir einen passenden Hund suchen.

    Ich habe da jetzt bei einem Gespräch zu die für mich erstmal unkonventionelle Meinung bekommen, ich solle mal Richtung Altdeutscher Schäferhund aus ruhiger Hof-/Arbeitslinie denken.

    Bisher hatte ich bei Schäfern eher die Klischees Richtung Wach-/Schutzhund im Kopf, aber es stimmt schon, als Schäferhunde haben sie sicher auch andere Qualitäten.

    Deswegen dachte ich mir, wo könnte man das besser als Frage in den Raum werfen, als in einem Forum voller Schäferhundfans?


    Ich hoffe, es finden sich hier Experten, die mir sagen können, ob wir den Gedanken grad wieder verwerfen können.


    Also unsere Eckdaten, Familie mit Kindern (6,4,2), Bauernhof ländlich gelegen aber mit Nachbarn. Beide Eltern hundeerfahren, allerdings eher Richtung Bernersennen, also ganz anderer Eskalationsgrad. Beide den Tag über vor Ort. Landwirtschaftsbetrieb mit Milchkühen und Leghennen, bei beidem könnte ein Hund sich beim Transfer von/auf die Weide einbringen-darf aber die Hühner nicht hetzen oder mal eben eins schnappen.

    Auf unserer Alp wäre saisonal noch aufspüren und Assistenz beim Bewegen der Kühe eine schöne Aufgabe für einen motivierten Hund. Auf der Fläche vom Hof und bei Runden durch den Wald etc ist täglich Gelegenheit für viel Bewegung.


    Grundlegende Anforderungen des Hofes sind, dass der Hund standorttreu ist und nicht auf eigene Faust abgeht, ein starker Jagdtrieb ist problematisch, es gibt Katzen, Hühner, die Kinder und bspw in den Weiden Wühlmäuse-ein jagdfreudiger Hund kann da zu leicht getriggert werden.

    Und aufgrund von Publikumsverkehr wie dem Hofladen kann der Hund nicht superterritorial sein. Ebenso wäre ein sehr aktiver Beller problematisch.


    Zu den kleinen Menschen auf dem Hof: Unsere Kinder wachsen mit Tieren ab Geburt auf, sie kennen Hunde und Katzen, kennen das Konzept der sicheren Rückzugsorte und dass man Tieren nicht auf die Pelle rückt. Sie beachten die Körpersprache der Tiere und handeln entsprechend. Trotzdem sind sie natürlich auch mal laut und unruhig, hier muss ein Hund die nötige Ruhe mitbringen und sie nicht gerade mit gezielten Schnappern in die Knöchel als Grüppchen zusammentreiben. Das ist eine Spezialität vom Bordercolly nebenan und darf gern beim Nachbarn bleiben.

    Hier tut sich aber unser zweites grosses Gebiet für einen Hund auf: unser eines Kind ist Autist. Wir suchen nach einem Hund, der im Alltag eine Art Assistenz sein kann. Nicht offiziell ausgebildet und zertifiziert, für die drei Themen kann man das auch so abdecken.

    Zunächst: Stresssignale des Kindes bemerken und anzeigen, so dass die Eltern / Begleiter die Situation verändern und bremsen können bevor es zu einer Krise kommt.

    Dann: das Kind neigt dazu als Übersprung wegzulaufen. Im Akutfall das Weglaufen bei den Erwachsenen anzeigen, das Kind mit Abstand begleiten und/oder bei Bedarf das weggelaufene Kind wieder auffinden.

    Und zuletzt insbesondere Nachts anzeigen, wenn das Kind unbegleitet das Haus verlassen will.

    Diese Aufgaben sind klassische Assistenzhundaufgaben für Autismusassistenzhunde, also nichts, das nicht trainierbar ist.

    Dabei soll der Hund natürlich nicht in Körperkontakt gehen, es sind Distanzaufgaben, da beide Seiten voreinander geschützt sein müssen. Es geht ausschliesslich um beobachten und anzeigen sowie auffinden.


    Wenn wir jetzt online recherchieren finden wir sehr viel über territoriale Ansätze bei Schäferhunden sowie von Nervosität. Gibt es noch diese Linien, bei denen es um unaufgeregte Arbeitshunde geht, die nicht primär verteidigen, sondern bei Leerlauf ruhig beobachten und dann bei Bedarf trotzdem voll mitmachen?


    Nicht falsch verstehen, unser Hof bietet Potential, dass Hund mitmacht und jeden Tag aktiv ist, aber einen gefühlt immer hibbeligen Australian Shepherd suchen wir gerade nicht. Der Hund soll zwischendrin zur Ruhe kommen und das auch geniessen können. Die Aufgaben mit dem Kind wären bspw als zeitlich begrenzte Aufgabe, z.B. wenn das Kind draussen spielen möchte, um ihm mehr Freiheit zu ermöglichen, dabei aber das Risiko zu minimieren, wenn es durch äussere Reize überfordert wird. Klar wissen wir, dass es dauert, bis ein Hund diese Aufgaben wahrnehmen kann, aber da diese Aufgaben bleiben werden haben wir da keine Eile.


    Was sagt ihr, wären wir ein gutes Paket für einen Schäferhund, das ihm ausreichend was für Körper und Kopf bieten würde und wäre ein Schäfer für uns ein potentiell passender Kandidat? Oder sind sie halt doch zu territorial?


    Wenn jemand spontan sagen würde: „Ihr müsst mit xy dazu sprechen, die kennen sich mit genau sowas aus!“: noch so gern!


    Vielen Dank im Voraus

  • Ich bin kein Profi aber das man im voraus ausschließen kann, das der Hund nicht Jagd und auch tötet, halte ich für nicht möglich, selbst bei Herdenschutzhunden kommt das vor.

    Einmal editiert, zuletzt von Kimmo ()

  • Hallo und herzlich Willkommen hier.


    Das sieht erst einmal nach einer großen Aufgabe aus. Vielleicht werden hier einige Mitglieder noch die eine oder andere Idee dazu beisteuern können.

  • Ich bin kein Profi aber das man im voraus ausschließen kann, das der Hund nicht Jagd und auch tötet, halte ich für nicht möglich, selbst bei Herdenschutzhunden kommt das vor.

    Vielen Dank Kimmo für die Antwort, wir sind gerade auf Level Überlegung, ob es einen passenden Hund bei den Schäfern überhaupt geben kann, oder ob wir ganz woanders suchen müssen.

    Generell wären wir sogar eher dafür keinen Welpen, sondern bspw. anderthalbjährig zu finden, bei dem dann die Überraschungen hoffentlich weniger gross sein können. In Anbetracht der Besonderheit unseres Kindes scheint es uns sinnvoll, einen Hund dazuzuholen, mit dem es weniger Risiko für Schreckmomente wegen kindlichem Überschwang gibt - von beiden Seiten.


    Wenn aber von vornherein die Stimmen klar wären, dass das Tätigkeitsprofil per se nichts für einen Vertreter der Rasse wäre fangen wir gar nicht an zu suchen.

    Z.B. einen ausgewiesenen Jagdhund würden wir gar nicht erst andenken.

    Beim Schäferhund wären unsere Bedenken erstmal Richtung Revierverhalten und evtl. Nervosität, Motivation zu Hetzen. Bei einer dadurch resultierenden Massenpanik wäre das bei unserer Grösse Herde eine zu grosse Gefahr für die Hühner. Aber vielleicht haben wir auch wilde Vorurteile bei der Rasse.

    Bei einer langsameren Gewöhnung an Kleinvieh kennen wir durchaus Hunde, die da problemlos mitmachen, ob das aber ein Schäferhund auch könnte möchte ich nicht beurteilen, deswegen fragen wir lieber Profis, die mit den Tieren leben und arbeiten.

  • Hallo und herzlich Willkommen hier.


    Das sieht erst einmal nach einer großen Aufgabe aus. Vielleicht werden hier einige Mitglieder noch die eine oder andere Idee dazu beisteuern können.

    Vielen Dank Pinguetta, ja. Es ist eine riesige Aufgabe, das Thema begleitet uns schon ein paar Jahre und jetzt langsam sehen wir, wie wir es umsetzen könnten-allerdings steht und fällt es mit einem dazu passenden Hund, wobei die Anforderungen ja schon sehr spezifisch sind.

    Das Thema ist dabei so wichtig für alle, dass wir lieber zu genau suchen, als dass wir mit guten Absichten ein Problem schaffen. Auch gerade der Hund muss mit der Aufgabe leben und glücklich sein können.


    Besser es gäbe jetzt einen Konsens zum Nein, als später einen falsch geforderten Hund auf dem Hof zu haben.

  • Also wenn ich ehrlich bin fällt mir gar kein Hund/Rasse ein, der all das abdecken könnte.

    Zu breit gefächert, meiner Meinung nach.


    Ganz zu schweigen von dem enormen Aufwand den ihr hättet, dem Hund all diese Aufgaben und Übungen (alleine schon die Dinge im Bezug auf das autistische Kind halte ich für eine Mammutaufgabe für Laien) bis zur absoluten Handlingssicherheit (selbstständiges ausführen!) beizubringen.

  • Also wenn ich ehrlich bin fällt mir gar kein Hund/Rasse ein, der all das abdecken könnte.

    Zu breit gefächert, meiner Meinung nach.


    Ganz zu schweigen von dem enormen Aufwand den ihr hättet, dem Hund all diese Aufgaben und Übungen (alleine schon die Dinge im Bezug auf das autistische Kind halte ich für eine Mammutaufgabe für Laien) bis zur absoluten Handlingssicherheit (selbstständiges ausführen!) beizubringen.

    Danke Rübchen, die Rückmeldung ist hilfreich. Kannst du mir ein Beispielpaket nennen, das für einen Normschäferhund machbar und ausreichend wäre?

    Generell muss der Hund gar nicht mit den Tieren arbeiten, ich hätte da Überschneidung gesehen, bspw. das Aufspüren. Und aufgrund der Geschichten, dass Schäfer so viel Auslastung brauchen eher die Tätigkeiten auf dem Hof als Auslastung gesehen, wobei es da auch nicht um grosse Viehtriebe ginge und der Hund eher dabei als komplett allein tätig wäre - wenn er denn nicht von allein mehr übernimmt. Wir kennen schon die Hunde, die praktisch automatisch aktiv mitmachen-was absolut ok wäre.


    Auf dem Hof sind die eher wichtigen Faktoren, dass der Hund den Hof nicht eigeninitiativ verteidigt gegen unangekündigte Besucher, er nach angemessener Eingewöhnung und Erziehungsphase nicht einfach auf längere Jagdtouren verschwindet, da das Gelände als Hof nunmal offen ist und dass er sich nicht systematisch am Lebendbuffet auf der Weide bedienen möchte. Wenn das beim durchschnittlichen Vertreter nicht kontrollierbar wäre wäre ein Schäfer zb nichts für uns. Der Husky der anderen Nachbarn zum Beispiel schiesst zuverlässig und nicht rückrufbar wie eine Rakete davon, wenn in der Ferne etwas wimmelt.


    Die Autismus-Thematik ist absolut nicht unter Zeitdruck, auf Jahre ist nicht absehbar, dass das Kind auch nur einen Moment ohne Aufsicht durch die Eltern ist. Allerdings wird es z.B. nicht für immer durch eine abgeschlossene Haustüre aufzuhalten sein, gleichzeitig fehlt es an Gefahrenbewusstsein und wir müssen halt doch auch mal schlafen. Anzeigen, dass das Kind o. später Teenager die Türe allein öffnet ist dabei perspektivisch gesehen wichtig. Aber nicht so extrem komplex als Aufgabe.


    Vor Meltdowns frühwarnen ist auch nicht so schwierig wie es klingt, ein gewisses Verhalten ist gut sichtbar und ein ganz klarer Marker. Dabei geht es aber perspektivisch auch erst um in einigen Jahren, in denen das Kind dann über den externen Marker die Chance erhält selber zu reagieren, mit Selbstregulation über kognitive Fähigkeiten kann man aber erst Richtung Teenageralter arbeiten. Auch da hätten wir noch einige Jahre bis das als Thema gut sitzen muss. Vorher sind wir sowieso in Sichtweite, können also noch fehlende Marker ausgleichen.

    Das Problem das damit gelöst wird ist, dass der Marker für das Kind unbewusst ist und die Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung bei zunehmendem Stress fehlt und auch weiter fehlen wird. Es ist sozusagen ein externer Hinweis der dem Kind intern fehlt.


    Das Anzeigen bei Weglaufen ist wieder Prinzip Handlung-Reaktion. Begleiten wäre nice to have, ist aber voll verzichtbar.

    Auffinden entspräche Nasenarbeit, welche wir sowieso bei einem Hund auf der Liste haben. Das dann im Verein.

    Wir haben eine Trainerin, die das Einüben konkreter Aufgaben mit uns 1:1 begleiten würde. Ganz so naiv sind wir dann schon nicht. Aber es steht und fällt alles damit, wie zuverlässig und ruhig der Hund sein kann.


    Daher die Frage, was konkret kann ein Schäfer leisten und wo sind die Grenzen?

    Kann er sich abrufen lassen auch wenn er lieber jagen will? Kann er Passanten und Briefträger über den Hof lassen, oder ist das der Klassiker, bei dem dann viele auf Probleme stossen?





  • Die Frage ist wohl: Habt ihr die Kenntnisse und Fähigkeiten und die Zeit, um einen Hund in die Richtung auszubilden und das Erlernte auch zu begleiten, bis es gefestigt ist?


    Das bedeutet neben der Hofarbeit und Kinderbetreuung ein zusätzliches, tägliches Arbeitspensum mit dem Hund.. möglicherweise auch von einem Trainer begleitet, was zusätzliche Kosten bedeuten kann.


    Was ihr sucht - und das ist kein Vorwurf - ist eine Art eierlegende Wollmilchsau. Die erarbeitet man sich entweder selber oder man erhält sie als entsprechend hochpreisigen Therapiehund zur Verfügung gestellt.


    Zur Frage: Ja, es ist unter oben aufgeführten Bedingungen möglich.

    Es kommt natürlich noch stark auf den Hund drauf an.


    Ich kann euch 3 Beispiele geben:


    Mein eigener. Leistungszucht, jagt nicht ( was von klein auf strikt unterbunden wurde und bis heute ab und zu Nachjustierung Bedarf. Das ist aber völlig normal, aber eben viel Arbeit und nur ein einziges Mal schlafen kann die ganze Arbeit zunichte machen). Nicht territorial ( bei uns gehen den ganzen Tag Kunden, Postbeamte usw ein und aus).

    Wir haben Pferde, Katzen, viel Wild und Landwirtschaft, das klappt unter strengen Erziehungsmassnahmen alles.

    Den Autisten würde er sicher lernen können, die Aufgabe hat er hier halt nicht.

    Von diesem Typ Hund würde ich tatsächlich abraten, da er sehr bewegungsfreudig und triebstark ist.

    Neben der ganzen Hofauffabe mache ich täglich mindestens 1x Fährten oder UO und zusätzlich, auf 2 Spaziergänge verteilt 7-10 km. Dazu noch 2x auswärts Training.

    Dieser Hund ist den ganzen Tag frei laufend bei mir.


    Nummer 2 ist Rumänienhund beim Nachbarn. Die haben klassischen Hof mit Kühen, Katzen und auch einen autistischen Sohn. Keine Hühner.

    Am Territorialen mussten sie arbeiten und das bis heute ( Spaziergänger).

    Der Autist kommt gut mit dem Hund klar, hatte aber in der Welpenzeit Respekt vor dem Beissen. Der Hund muss aber bezüglich Autist keine Aufgaben erfüllen.

    Das jagen ist heute recht gut im Griff, es gab aber eine Zeit, da hat er als Junghhund in unbeaufsichtigten Momenten mit den Kitties gespielt und dabei eines getötet. Nicht durch beissen, sondern durch zu grobes Spiel. Hier war die Lösung, das erzieherisch strikt zu unterbinden und den Hund, solange die Kitten noch klein waren, während der Zeit, wo niemand ein Auge drauf haben konnte, den Hund anzubieten.

    Wie er dieses Frühjahr auf die Kitten reagieren wird, wird sich zeigen. Der Hund hat anteilig Schäfer drin


    Hund Nummer 3 entspricht vermutlich am ehesten euren Vorstellungen.

    Das ist eine Hündin, Hochzucht, aber nicht übertrieben gezüchtet.

    Bauernhof mit Kühen, Hühnern, Katzen und viel Spaziergängern. Kinder, aber kein Autist.

    Diese Hündin ist sehr sanft, mittleres Temperament, keine Jagdambitionen. Ich habe sie noch nie bellen gehört.

    Dieses Bauernpaar hat aber seit Ewigkeiten genau diesen Typ Schäferhund und die wissen vermutlich genau, wie sie erzieherisch zu Anfang vorgehen müssen, dass der Hund entsprechend hoftauglich wird. Auch dieser Hund ist frei laufend und bleibt selbständig auf dem Hof. Sie ist allerdings kastriert und wenn die Bauersleute abwesend sind, dann sperren sie sie ins Haus, was ich vernünftig finde.

    Hier ist der Schlüssel zum Erfolg wohl, dass sie, soweit ich weiß, stets vom selben Züchter den Hund haben und der Züchter wohl auch aus der Landwirtschaft kommt.


    Ich hoffe, ich konnte euch mit dieser Auflistung ein bisschen helfen

  • Ein Schäferhund ist mit um die 3 Jahre Erwachsen.

    Das ihr einen Hund in diesem alter findet, der das alles Leisten kann, ist unwahrscheinlich.

    Wie angesprochen, einen Welpen selber groß ziehen, ohne viel viel Erfahrung, der das Leistet, halte ich für unwahrscheinlich.

    So einen Hund Ausbilden lassen, wird sehr teuer und dauert einige Jahre.

    Nur meine Laien Meinung.

    Das alles gilt, für mich, für jede Rasse.

  • Danke dir Bass, genau von der 3. Variante, alte Hoflinie, die es quasi halb in den Genen hat, halb entsprechende Erziehung, haben wir gehört. Aber es ist wie immer, theoretisch erzählen kann man viel, Du hast mir gerade den ersten Augenzeugenbericht geliefert.


    Ich hatte bei Recherche bisher eher Schilderungen von Typ 1 gefunden und das ist sicherlich nicht 100% passend, bei ausschliesslich so etwas würden wir von vornherein verzichten. Auch bei Hundetyp 2 würden wir abwinken, da ist zu viel Potential auf Probleme. Wir suchen ganz klar mit Fokus auf Ruhe und Stabilität, Optik bspw ist völlig nebensächlich. Dass es eine eierlegende Wollmilchsau ist die wir suchen ist klar. Uns ist der Unterschied wichtig, ob wir das gegen das Naturell erkämpfen müssten, oder ob es die Vertreter gibt, die dazu passen. Ich hoffe, es ist verständlich was wir suchen, einen klassischen Hofhund hätten wir hier relativ schnell dastehen, aber das Territoriale wäre dann mehr, als wir wollen. Und die Zusatzaufgaben bräuchten Fähigkeiten, die nicht unbedingt dem Profil entsprächen und genau das versuchen wir im Rahmen des Möglichen zu vermeiden.


    Kosten sind relativ, die Kosten für einen fertig ausgebildeten Autismusassistenzhund liegen locker über 50-60k, da haben wir viel finanziellen Spielraum den wir auch ohne Diskussionen ausreizen könnten. Es ist kein Thema um zu sparen.

    Fertig ausgebildete Assistenzhunde sind logistisch problematisch für uns und ein knappes Gut, wir stehen seit Jahren auf Wartelisten ohne derzeit realistische Chancen auf einen Hund.


    Die Zeit habe ich, der Vorteil an einem autismuskonformen Haushalt ist, dass Routinen und fixe Tagesordnungspunkte/ Konsistenz und Ruhe/Stabilität hier ein Automatismus sind. Es gibt keine Alternative dazu konsequent zu sein. Bewegung ist ebenso automatisch.

    Und das Ziel ist entsprechend wichtig für uns, das ist nicht nur ein nettes Hobby, im Zweifel bedeutet ein Hund mit den geübten Fähigkeiten mehr Sicherheit und Lebensqualität für unser Kind, das ist so mit das grösste Argument für uns gerne sehr viel Zeit und Sorgfalt zu investieren.


    Aber eben nur, wenn die Ausgangslage überhaupt einen Erfolg ermöglicht. Zusätzliches Drama wollen wir gerade nicht dazuholen, das wäre für alle Beteiligten ein Desaster.

  • Was ihr sucht - und das ist kein Vorwurf - ist eine Art eierlegende Wollmilchsau. Die erarbeitet man sich entweder selber oder man erhält sie als entsprechend hochpreisigen Therapiehund zur Verfügung gestellt.


    Das war mein erster Gedanke dazu :-).


    Aber zuerst einmal finde ich es super und sehr verantwortungsbewusst, dass Ihr Euch solche Gedanken macht. Respekt.


    Ich gebe Kimmo Recht. Es wäre ein sehr langer und steiniger Weg mit wahrscheinlich JEDEM Hund. Es gibt keine perfekten Hunde (ok ... ein paar Nadeln im Heuhaufen). Jeder Hund wird irgendeine Baustelle haben. Und Schäferhunde sind definitiv Wachhunde. Da wirst du das Territoriale schlecht rausbekommen.

  • Wenn ich Deine Texte so lese, wäre es sinnvoller, den Hund nur auf die Bedürfnisse des Kindes anzuschaffen. Der Hund wäre mit einer solchen Aufgabe sicher gut ausgelastet. Muss er denn zwangsläufig den ganzen Tag frei auf dem Hof laufen? Kann er nicht während der Öffnungszeiten des Hofladens z.B. in einen Zwinger?


    Trainer für Assistenzhunde gibt es ja einige und wenn Du die Zeit dazu hast, why not. Dann kann ich mir einen sanften HZ-DSH gut vorstellen. Von LZ würde ich die Finger lassen ;-).

    Einmal editiert, zuletzt von Palinka74 ()

  • Dass ein Schäferhund zwingend territorial ist, kann ich so nicht unterschreiben. Habe hier 3x Leistungszucht nacheinander gehabt ohne diese Komponente. Das ist wohl.auch eine Frage, womit der Hund aufwächst und bei mir sind sie kommen und gehen von klein auf gewohnt.

    Ich denke auch, dass es in diesem Fall am ehesten mit einem Hund von einem Züchter klappt, der eben genau auf diese Bedürfnisse hin züchtet.

    Und zwar nicht vom Hörensagen ( weil erzählen werden alle viel) sondern in der Praxis.

    Hündin 3 aus meinem Bericht könnte ich mir sehr gut vorstellen für diese Aufgabe. Allerdings wohnen wir und der Züchter dieses Hundes in.der Schweiz

  • Wenn ich Deine Texte so lese, wäre es sinnvoller, den Hund nur auf die Bedürfnisse des Kindes anzuschaffen. Der Hund wäre mit einer solchen Aufgabe sicher gut ausgelastet. Muss er denn zwangsläufig den ganzen Tag frei auf dem Hof laufen? Kann er nicht während der Öffnungszeiten des Hofladens z.B. in einen Zwinger?


    Trainer für Assistenzhunde gibt es ja einige und wenn Du die Zeit dazu hast, why not. Dann kann ich mir einen sanften HZ-DSH gut vorstellen. Von LZ solltet Ihr die Finger lassen ;-).

    Danke Palinka, Ja, steinigen Weg erwarten wir. Aber gerade deswegen wollen wir nicht noch gegen einen starken Trieb abarbeiten müssen, wir hatten auch mal einen Hund aus dem Tierschutz, der z.B. sehr stark jagdtriebig war, das zu steuern ist möglich, haben wir auch, aber die dauernde Gegenarbeit ist eine unnötige Baustelle, die wir im Rahmen des Möglichen ausschliessen wollen. Natürlich ist jeder Hund ein Jäger, aber es gibt halt doch Unterschiede zwischen einem Jagdhund und einigen anderen Ausrichtungen.


    Wichtig ist: könnte der Hund was er bei uns können lernen sollte leisten und kann er ins Gefüge passen, so dass es kein dauernder Kampf wird.


    Ich lerne: Leistungslinie ist ein klares Nein.


    Der Hund soll Familienanschluss haben, dauerhaft nur draussen ist nicht der Plan. Schon weil der Bezug zu den Kindern vorhanden sein muss. Aber wenn man die Tür öffnet darf er nicht verschwinden und wenn wir selber draussen sind ist in der Planung auch der Hund draussen. Da der Hofladen 24/7 ist können wir die Öffnungszeiten eher schlecht mit Zwinger verbinden.


    Ich weiss nicht, ob euch das etwas hilft unsere Erziehungshartnäckigkeit einzuschätzen: unsere Indoorkatzen habe ich im Klickertraining, da ist je nach Rasse Unterschiedlich viel zu holen, aber auch die eher unkooperativen Briten machen Männchen, liegen auf Kommando ab, geben Pfote und fressen auf Namensnennung und warten vorher auf Freigabe. Klar, ein Hund ist eine ganz andere Technik, aber zumindest in unserer Erfahrung eher motivierbar. Unsere Katzen wären aber trotzdem nicht als Assistenztiere auszubilden, daher müssen wir die perfekte Ausgangslage für die Arbeit mit einem Hund finden.