Ein älterer Text, den ich eben finde; weil wir uns anderswo über HZ und LZ etc. unterhielten. Natürlich habe ich mich nicht an meine eigenen Ratschläge gehalten.
Das Schicksal des Deutschen Schäferhundes symbolisiert die deutsche Geschichte wie keine andere: Begründet aus süd- und mitteldeutschen Landschlägen von Hütehunden verkörperte er mit seinen ausgewogenen Proportionen und seinem mittleren Temperament und Charakter alle Eigenschaften eines erstklassigen Gebrauchshundes. Von Beginn an arbeitete er daher auch als Diensthund und beim Militär in allen Kriegen; so wurde er geliebt und gehasst. Und er wurde zuerst im Westen Deutschlands kaputtgezüchtet von Menschen, die „Schönheit“ statt Gebrauchswert in den Mittepunkt stellten, weil der Wohlstand letzteren als entbehrlich ansah und letztlich auch wie immer alles aufs Profitmachen hinauslief. Wenn man sich den ursprünglichen Deutschen Schäferhund anschaut und seinen Rassestandard, dann haben wir einen mittelgroßen und mittelschweren Hund vor uns; kräftig und stark bemuskelt, eher länger als hoch, beim ausgewachsenen Rüden mit einer Schulterhöhe zwischen 60 und 65 und Hündinnen zwischen 55 und 60 Zentimeter. Daraus machte man in einigen Jahrzehnten der Qualzucht die Karikatur eines Arbeitshundes mit Rutschbahnrücken, Verwinkelung der Hinterhand samt daraus folgendem Froschgang: Diese viel zu großen (über 70cm Widerristhöhe!) und viel zu schweren (teilweise 50-60kg!) waren natürlich insgesamt viel zu schwerfällig, konnten weder sprinten noch springen, besaßen keine Ausdauer und Wendigkeit mehr. Sie sahen nur gut aus; wenn man das gelten lassen will. Nach der Wende haben die meisten Ostzüchter ihre gesunden DDR-Hunde – quadratisch, praktisch, gut – verkauft nach Übersee und sonst wohin oder sich die eigenen Blutlinien durch Einkreuzung der Westhunde kaputtgemacht. Wer heute also einen halbwegs gesunden ostblütigen Deutschen Schäferhund haben möchte, braucht neben viel Geld und Beziehungen viel Sachverstand und historisch-kynologische Kenntnisse. Ansonsten weicht man wie Polizei und Armee komplett auf den Malinois aus, eine Variante des Belgischen Schäferhunds; den man aber auf Grund der großen Nachfrage inzwischen auch schon kaputtzüchtet.
Daher werde ich, sollte ich beim Deutschen Schäferhund bleiben, nur die grauen und schwarzen aus den alten Ostlinien oder der westdeutschen aus den sogenannten Leistungslöhnen in Betracht ziehen; aber prinzipiell bin ich längst von den Rassen abgekommen und würde unabhängig von ihnen einfach auf ein paar grundlegende Dinge achten, die mir wichtig sind: Ich möchte einen mittelgroßen Hund, körperlich und geistig gesund; führig, wesensfest, witterungsbeständig und mit den Anlagen; um bei entsprechender Haltung oder Ausbildung als reiner Gebrauchshund an der Herde oder bei der Polizei arbeiten bzw. in einer Familie als reiner Familienhund leben zu können und der auch den veränderten sozialen Anforderungen (Verträglichkeit mit Artgenossen, mäßiges Bellverhalten, etc.) und gesellschaftlichen Verpflichtungen halbwegs genügt. Wenn das stimmt, sind mir Rasse und Aussehen eigentlich egal. Daher täte es auch jeder Mischling, jede Promenaden- und Wald- und Wiesenmischung; nur ist man auch hier mittlerweile in puncto Gesundheit nicht mehr auf der sicheren Seite; sodass man am besten im Tierschutz nach schon erwachsenen Hunden sucht, von den viel in Erfahrung zu bringen ist bezüglich Biografie, Wesen, Gesundheit.
Andere Hunderassen schließe ich prinzipiell nicht aus. Die altdeutschen Hütehunde und den Hovawart würde ich nach dem Deutschen Schäferhund klar favorisieren. Alles, was zu klein ist, um von einem Kaninchen oder einer Ratte zweifelsfrei unterschieden werden zu können, kommt mir aber nicht ins Haus. Da kann ich mir auch gleich Kaninchen oder Ratten halten oder eine mickrige Katze. Mir ist die Idee hinter dem Schoß-, Gesellschafts- und Schmusehund schon klar; aber für mich persönlich käme das niemals in Frage. Ein Hund muss zur Not mich ziehen oder tragen können; nicht umgekehrt, dass ich mir die Taschen mit mehreren solchen Fußhupen vollstopfen könnte und Handy und Kippen hätten trotzdem noch Platz. Wenn man bei jedem Schritt Angst haben muss, den lieben Kleinen zu erlatschen, kann irgendetwas nicht stimmen im Lande zwischen Liliput und Brobdingnag. Ein Hund beginnt bei mir beim normalen Dackel (nicht beim Zwergdackel!); keinen Zentimeter drunter. Daher würde ich bestenfalls im Alter einen Mops oder eine kleinere Bulldogge zulegen, weil die aussehen wie ich und genauso schnarchen auf dem Sofa. Oder eben einen hochbeinigeren Jack Russell Terrier, diesen Löwen im Körper eines kleinen Hundes.
Natürlich mag ich auch alle Arten von Nordischen Schlittenhunden; besonders den Malamute, den Husky und den Laika, aber ich würde hier in diesen Breiten bei den steigenden Temperaturen niemals solche Hunde halten, zumal ich sie nie so laufen lassen könnte, wie sie das brauchen. Ich verstehe all die Schlittenhundehalter nicht, die es neuerdings auch in Mitteldeutschland in Menge gibt; sie kümmern sich zwar liebevoll um ihre Hunde, fahren auch Rennen mit Rollgefährten, aber für mich bleibt das nicht artgerecht. Ähnlich ist das mit allen Lauf- und Jagdhunden, von denen mir schon einige gefallen würden; aber wenn man diese nicht jagdlich führt, sollte man die Hände davon lassen. Der aus Apolda stammende Dobermann ist mir zu nervös, auch wenn ich die Hunde recht ansprechend finde spätestens seit Jonathan Quayle Higgins III. mit den Jungs Zeus und Apollo. Windhunde mag ich vom Phänotyp überhaupt nicht, deren Körperbau stößt mich regelrecht ab. Auch die Modehunde Labrador und Golden Retriever, die man zu hunderten in jeder Straße sieht, können bei mir nicht punkten wegen ihrer permanenten Schwanzwedelei und Unterschreitung der Minimaldistanz. Aber auch hier hat die massenhafte Zucht auf Grund der massenhaften Nachfrage schon genug verhaltensauffällige Hunde produziert, die neben den Züchtern die Hundetrainer und Tierärzte reich machen, die Hundealter arm und verrückt und schließlich die Tierheime voll. Der Dalmatiner hat diesen Trend seit dem verhängnisvollen Film vor einem Vierteljahrhundert vorexerziert; jede Rasse, die zur Mode wurde, ist letztlich verloren auf immer, die Zuchtfehler kriegt man nie wieder raus.
Sehr große und schwere Hunde finde ich prinzipiell in Ordnung; auch wenn mir die Deutsche Dogge, Bernhardiner, Leonberger, Landseer, Neufundländer, Berner Sennenhund weniger zusagen. Aber alle Molosser, die es schon seit den Römern gibt, haben es mir angetan: So ein Bullmastiff oder eine Bordeauxdogge machen schon was her und haben in der Regel einen gutmütigen und ruhigen Charakter. Allein, ich mag die herunterhängenden Lefzen nicht und das man täglich mehrfach vollgesabbert wird; zudem muss man in Form bleiben und Kraftsport treiben, wenn diese Viecher mit ihren 70 oder 80 Kilogramm ins Auto oder auf den Behandlungstisch vom Tierarzt hieven will. Die typischen Vertreter der so genannten „Kampfunde“ wie der Stafford oder Pit Bull finde ich persönlich interessant, der Staff hat eine tolle Figur und der Bullterrier ist so hässlich mit seinem mongoloiden Gesicht, dass es schon wieder spannend wird. Aber die Wirtschaft mit der Rasseliste, übrigens ein Beleg für die grenzenlose Dummheit der Verantwortlichen, und den Ängsten der Bevölkerung würde ich mir nie antun.
Die Herdenschutzhunde, die man hierzulande entdeckt, seit die Wölfe die Schafherden dezimieren; fand ich schon immer gut; und würde ich noch im Oberland wohnen, hätte ich für die riesigen Flächen dort sicher inzwischen längst einen Owtscharka, also einen kaukasischen Schäferhund. Der ist nur draußen, bewacht das Grundstück und muss nicht beschäftigt werden; darum kümmert er sich selbst. Alle Herdenschutzhunde sind es gewöhnt, ihre Entscheidungen selbst zu treffen und lassen sich daher nicht so erziehen wie beispielsweise Schäferhunde und Rottweiler, die einen ausgeprägten Will to Please haben, sich eng an ihren Menschen binden und auch die für Hunde sinnlostesten Befehle und Kunststücke ausführen. Das würde wie einem Wolf einem Kangal, Šarplaninac, Maremmen-Abruzzen-Schäferhund, Pyrenäen-Berghund etc, niemals einfallen. Diese Hunde sind nichts fürs Sofa, lange Spaziergänge oder den Hundeplatz; die gehören in ihr Revier und brauchen keinen Schnickscnack.
Der Pudel ist die einzige Rasse, die mir ein wenig unheimlich ist. Er sieht aus wie ein Sofa oder Strickpullover, ist aber wahrscheinlich eines der klügsten Wesen auf der Welt überhaupt. So hat er durchaus etwas Teuflisches an sich, nicht nur, weil er im „Faust“ diese Rolle spielt. Mit einem Pudel an meiner Seite käme ich mir irgendwie vor wie ein Mittelding zwischen einem Vorzeigeschwulen und einem grinsenden Mephisto; ein cane diavolo ginge nur mit einem cane celeste e divino als Pendant; aber das fiele mir auf die Schnelle keiner ein.
P.S. Es fehlen natürlich der Saarlooswolfhund und der Tschechoslowakische Wolfhund. Ich mag beide Rassen sehr, aber man kann sie kaum alleine lassen und niemals ableinen. Das geht heutzutage einfach nicht mehr.