Hochzucht, Leistungszucht

  • Hallo Ihr Lieben,

    wie Ihr wisst, bin ich ja eine Hobby- Hundeliebhaberin/-besitzerin und kein Profi hinsichtlich Zucht und Sport beim DSH. Jetzt meine Frage: Was ist unter Hochzucht bzw. Leistungszucht zu verstehen? Mir wurde u.a. gesagt, dass der DSH aus der Hochzucht meist im Sport hauptsächlich auf Schauen geht, während bei den Hunden aus Leistungszucht mehr der Schutz-, und Wachtrieb im Focus steht. Ist das so? Kann mir das jemand vielleicht erläutern und erklären, warum man diese Unterschiede macht?

    Danke schon mal im Voraus!

    :)

    CharlySchaefer *20.07.2016

  • Es gibt Züchter, deren Fokus bei der Zuchtselektion auf Show-Erfolgen liegt, und Züchter, deren Fokus auf der Leistungsfähigkeit liegt. Eine klare Trennung der betreffenden Zuchtlinien erfolgte hauptsächlich in der "Ära Martin". Hermann Martin wurde Anfang der 80er Jahre SV-Präsident, und seit diesem Zeitpunkt sind beide Populationen weit auseinander gedriftet. Vorher kam es immer wieder mal vor dass aus ein und dem selben Wurf ein Hund auf der Hauptzuchtschau weit vorne plaziert wurde (teilweise in der Ausleseklasse), während ein anderer Hund dieses Wurfes auf der Bundessiegerprüfung sehr gute bis vorzügliche Leistungen zeigte. Seit der "Ära Martin" gehörte das dann der Vergangenheit an, weil da der Grundstein gelegt wurde für eine Übertypisierung der Show-Hunde (Übergröße, sehr starke Hinterhandwinkelung), die rein körperlich der Leistungsfähigkeit entgegen stand. Zudem wurden erfolgreiche Show-Hunde immer teurer, da das Ausland großes Interesse an ihnen hatte. So mancher Show-Züchter hat durch den Verkauf EINES erfolgreichen Hundes nach USA oder Asien sein Eigenheim komplett bezahlen können. Von daher bestand dann natürlich auch ein interesse daran möglichst jeden "schönen" Hund in die Zucht zu bekommen, auch wenn er von seinen Leistungs- und Nervenveranlagungen eher untersurchschnittlich talentiert war.


    Heute haben wir eine ganz klare Trennung zwischen den sog. Hochzuchtlinien ( = Show-Linien) und Leistungslinien. Diese Trennung ist inzwischen schon so viele Generationen weit her dass sich nicht nur in Bezug auf das Interieur, sondern auch auf das Exterieur starke Unterschiede ergeben. Und kaum ein Züchter verpaart deswegen heute "Leistung" mit "Hochzucht". Weil das Ergebnis davon sehr unberechenbar ist, die Welpenkäufer i.d.R. entweder "das eine" oder "das andere" (und keine Katze im Sack kaufen) wollen. Und weil sich kaum jemand mit den genetischen Schwachstellen BEIDER Populationen wirklich auskennt, um eine halbwegs vernünftige Selektion bei der Verpaarungszusammenstellung betreiben zu können (ich z.B. weiß nur in den Leistungslinien warauf ich bei den einzelnen Linien zu achten und zu hinterfragen habe). Für mich ist "Hochzucht" schon fast so etwas wie eine andere Rasse, von deren Genetik ich keine Ahnung habe (in Bezug auf Wesensveranlagungen und mögliche genetische Defekte, die in bestimmten Linien auftreten können). Und den allermeisten Hochtzucht-Züchtern wird das in Bezug auf die Leistungslinien ganz genau so gehen. Man beschäftigt sich halt nur mit der Population intensiv, in der man selbst züchtet (allein das nimmt schon sehr viel Zeit in Anspruch).


    Hauptkriterium dafür dass beide Populationen so strikt getrennt gezüchtet werden ist aber wohl der, dass der durchschnittliche Leistungs-Züchter die Hunde, die auf den Shows weit vorne plaziert werden, schrecklich hässlich findet. Und dem durchschnittlichen Hochzucht-Züchter geht das mit den Leistungshunden ganz genau so.

  • Demnach gehören die "schrägen" Schäferhunde zur Hochzucht, habe ich das richtig verstanden?

    Harras *10.12.2015 :thumbup:“Mit einem kurzen Schwanzwedeln kann ein Hund mehr Gefühle ausdrücken, als mancher Mensch mit stundenlangem Gerede.” :thumbup:(Louis Armstrong)

  • "schräg" ist gut. ;) Sind halt stärker gewinkelt, daher die abfallende Rückenlinie.


    Ich hab damals mit meiner Banja (Leistungslinie) der Vollständigkeit halber an einer Schau teilgenommen, ich wollte das auch mal kennenlernen. Es steckte recht viel Vorarbeit und Training darin. Die Veranstaltung selbst war für mich eher ernüchternd. Banja zeigte im Trab ein ganz anderes Bild, mit ihr war nur noch eine Graue am Start. Auch beim "Stellen" sah sie anders aus. Die beiden liefen fast 'ausser Konkurrenz' und hätten in meinen Augen fast einer anderen Rasse angehören können.

    Askja vom Haus Fuchsgraben

    * 18.06.2014

    Banja vom Wogenfeld - mein Mädchen im Herzen

    * 12.04.2002 - gegangen am 08.09.2014

  • der Vollständigkeit halber an einer Schau teilgenommen

    finde ich gut, dann hat "man" das auch mal gemacht. Und das hilft sicherlich viel für das allgemeine Verständnis in diesen Bereichen.

    Harras *10.12.2015 :thumbup:“Mit einem kurzen Schwanzwedeln kann ein Hund mehr Gefühle ausdrücken, als mancher Mensch mit stundenlangem Gerede.” :thumbup:(Louis Armstrong)

  • vorerst nur liken. Vielen, vielen Dank , dass Du es mir so detailliert und ausführlich erklärt hast. :thumbsup::*Du kennst Dich wirklich gut aus!! Charly's Eltern stammen beide aus dem Zwinger "von der Kahler Heide". Wie ich bei meiner Vorstellung geschrieben habe, wurde seine Mutter Carlina unbeabsichtigt vor ihrem Verkauf an die jetzige Besitzerin von einem der Rüden gedeckt. Da man nicht wusste, welcher der Rüden es war, bekam er auch keine Papiere, was mir aber überhaupt nicht wichtig ist. Du kennst Dich ja sehr gut in der Schäferhundszene aus. Weißt Du welche Linie dieser Züchter züchtet? Weil es mich interessierte, welcher Linie nun Charly angehört, war ich auch auf deren Homepage. Habe aber keinen Hinweis dahingehend gefunden. Ist auch für mich viel Fachchinesisch.

    Noch eine Frage:

    Haben nicht die Hunde beider Linien eine abfallende Rückenlinie?


    Danke schon mal im Voraus.!!

    :*

    CharlySchaefer *20.07.2016

  • "von der Kahler Heide" ist Hochzucht. Du hast keinerlei "Papier" vom SV zur Deinem Hund bekommen??? Normalerweise muss ein Züchter dem SV jeden Wurf melden, der bei ihm fällt. Auch einen Wurf der unbeabsichtigt zustande gekommen ist und eines oder beide Elternteile (noch) keine Zuchtzulassung hatte. Oder man nicht ganz genau weiß welcher Rüde die Hündin gedeckt hat (wobei es gar kein Problem ist das heraus zu finden, schließlich wird von jedem im SV gezüchteten Hund bei der Wurfablage eine Blutprobe für das DNA-Verfahren eingelagert, so dass man die Vaterschaft zweifelsfrei klären könnte). Auch solche Würfe, die wegen solcher Umstände nicht ins Zuchtbuch aufgenommen werden können, werden durch den SV genau so betreut wie alle anderen (sprich erste Wurfabnahme durch den zuständigen Ortsgruppenzuchtwart innerhalb der ersten 5 Lebenstage, dann noch zwei weitere Wurfabnahmen, Chippen, Impfen, DNA einlagern etc.). Und derartige Welpen werden dann in das Anhangregister eingetragen und erhalten eine Registrierbescheinigung. Der Hund wird dadurch zu einem "VDH-Hund" und ist berechtigt im VDH an Ausstellungen teilzunehmen, im Hundesport bis hin zur WM-Teilnahme geführt zu werden usw. Im RSV2000 sind Registerhunde generell auch zuchtfähig, im SV zumindest die Langstockhaar.


    Meldet ein Züchter so einen Wurf nicht dem SV, ist das ein Verstoß gegen die Satzung bzw. Zuchtordnung.


    Zu der abfallenden Rückenlinie: Es gibt auch in den Leistungsliniien einige Hunde, die stärker gewinkelt sind in der Hinterhand als andere.Aber generell entsteht die abfallende Rückenlinie auf den Fotos von Leistungshunden eher dadurch dass man ihre Hinterbeine weiter nach hinten rausstellt. Währen die Hochzuchthunde i.d.R. "korrekt" gestellt werden. Im nachfolgenden Link findest Du die Abbildung der Hinterhand ("Der Lauf eines Hundes"; die Abbildung wird größer wenn man sie anklickt). Zwischen Sprunggelenk und Pfote befindet sich der Mittelfußknochen...


    https://de.wikipedia.org/wiki/…/File:Hinterlauf_hund.jpg


    Korrekt gestellt befindet sich der Mittelfußknoch des weiter nach hinter ausgestellten Beines in senkrechter Position. So wie bei den Hunden auf den nachfolgenden beiden Fotos...


    https://de.working-dog.com/dog…674/Hercules-vom-LaMirage


    https://de.working-dog.com/dog…7/Kai-vom-Bierstadter-Hof


    Die meisten Hunde aus Leistungslinien werden aber meist so für Fotos gestellt...


    https://de.working-dog.com/dog…853593/Back-Slowakia-Idol


    https://de.working-dog.com/dog…0/Ekira-z-Kurimskeho-haje


    Hier befindet sich der Mittelfußknochen nicht in einer senkrechten Position, sondern das Bein wird nach hinten raus gestellt (bei den Hunden auf diesen beiden Fotos relativ stark; damit deutlich wird was ich meine). Dadurch kommt die Hüfte natürlich auf eine tiefere Position, und der Hund hat in dem Moment ebenfalls eine abfallende Rückenlinie. Stellt sich so ein Hund aber normal hin, liegt die Hüfte auf einer höheren Position und die Rückenlinie wird dadurch gerade. Während sich bei einem Hochzuchthund, der sich selbstständig hin stellt, meist eigentlich alles bleibt wie es ist.

  • Hi,


    hab auch nochmal ne Frage zu den Zuchtlinien: Kann man anhand der Daten (z.B. WD), also ohne den Hund live zu sehen, erkennen, ob er Leistungs- oder Hochzucht ist? Oder anders: Auf welche Kriterien muss man da achten?


    Frage 2: Wie ist das eigentlich bei den "Ossis"? Wenn ich unseren Züchter richtig verstanden habe, gab es in der DDR praktisch nur Leistungslinien. Er nennt das aber nicht "Leistungslinie", sondern "Arbeitslinie" - gibts da nen Unterschied?


    Hier zB der Opa von Gaius auf WD: Woran erkenne ich da, ob Leistung oder Hochzucht?

    https://www.working-dog.com/do…s/121987/Iwan-vom-Poppitz


    Danke:)


    Liebe Grüße

    Lupus

  • Hier zB der Opa von Gaius auf WD: Woran erkenne ich da, ob Leistung oder Hochzucht?

    Ich als Laie würde sagen:

    „Wenn der Züchter sehr viele Pokale und Urkunden von Schauen und Ausstellungen zu hause stehen hat, dann ist es eine Hochzucht. Der Züchter züchtet auf Schönheit.

    Wenn der Züchter sehr viele Pokale und Urkunden von IPO-Prüfungen hat, dann ist es eine Leistungszucht. Der Züchter züchtet auf Leistung.“


    Was ist aber, wenn der Züchter sehr viele Pokale und Urkunden von Schauen bzw. Ausstellungen und gleichzeitig auch sehr viele Pokale und Urkunden von IPO-Prüfungen hat?


    Eine amtliche Abgrenzung zwischen Leistungszucht und Hochzucht gibt es wohl nicht.

    VG
    Klaus und die Bea

  • Hi,


    mhm, aber das würde ja bedeuten, dass ein Züchter immer ein und dieselbe Blutlinie verfolgt, oder?


    Und an Körberichten, oder daran, dass ein Hund IPO3 mit was weiß ich wieviel Punkten hat, kann man das nicht erkennen? Eigentlich müssten die Hunde aus Leistungslinie da doch im Durchschnitt besser abschneiden als die aus HZ. Sonst würde die ganze Trennerei ja keinen Sinn machen...


    Super spannendes Thema! Auch die Frage, wann das eigentlich auseinander ging. Der Rittmeister hatte ja sowas wie Hochzucht gar nicht im Sinn, oder?


    Und mit den Ossis ists ja nochmal ne andere Sache. Bin da sehr gespannt, wie Gaius sich entwickeln wird. Da ich aber leider nicht auf nem SV-Platz bin, fehlen mir natürlich die Vergleiche. Da habe ich nur die unserer Nachbarhündin, Hochzucht, Langstockh. - und die ist Gaius, so wirkts zumindest, nicht gewachsen, was Schnelligkeit, etc. angeht. Aber die ist halt auch n Mädchen. Lol - hab da echt Null Ahnung - mea culpa:saint:

    Die anderen DSH, die ich regelmäßig sehe, sind die unserer Trainerin, die sind alle Leistungslinie, auch Rüden, aber da die nie so spielen mit Gaius wie seine oben genannte Freundin, ist da ein Vergleich auch schwierig. Ist ja eigentlich auch egal, aber ich tendiere schon auch dazu, ihn mit anderen Hunden zu vergleichen, auch wenns nix bringt....


    Hier ein älterer, aber interessanter Artikel zu DDR/BRD:

    https://www.hundezeitung.de/co…ucht-zu-ddr-zeiten-teil-1

    Hier ein Züchter, den wir auch am Ende noch in der engeren Wahl hatten. Die werben dezidiert mit Leistungszucht und damit, dass die Hunde familientauglich sozialisiert werden:

    http://www.schaeferhundwelpen-leistungszucht.de/



    Liebe Grüße

    Lupus

  • Eigentlich müssten die Hunde aus Leistungslinie da doch im Durchschnitt besser abschneiden als die aus HZ.

    Eigentlich sollten die Hunde aus der Leistungslinie besser abschneiden.

    Ein Hund, der sehr erfolgreich auf Schauen und Ausstellungen ist, hat gar nicht den Körperbau um auch sehr erfolgreich auf IPO-Prüfungen zu sein. Außerdem legen die Hochzüchter wohl auch nicht mehr so viel Wert auf besonders hohen Trieb.

    Ausnahmen bestätigen die Regel.

    VG
    Klaus und die Bea

  • Meldet ein Züchter so einen Wurf nicht dem SV, ist das ein Verstoß gegen die Satzung bzw. Zuchtordnung.

    Danke für die prompte Antwort. :) Allerdings wollte ich mit meiner Frage jetzt nicht den Züchter in die Bredouille bringen. Hoffe nicht, dass er jetzt Schwierigkeiten bekommt. ?

    Das war nicht meine Absicht!!

    Wusste nicht, dass das so gravierend ist. Es wurde doch niemandem geschadet?

    Warum diese Vorschrift?:/

    CharlySchaefer *20.07.2016

  • Danke für die prompte Antwort. :) Allerdings wollte ich mit meiner Frage jetzt nicht den Züchter in die Bredouille bringen. Hoffe nicht, dass er jetzt Schwierigkeiten bekommt. ?

    Das war nicht meine Absicht!!

    Wusste nicht, dass das so gravierend ist. Es wurde doch niemandem geschadet?

    Warum diese Vorschrift?:/

    Warum diese Vorschrift??? Die Zucht in einem ordentlichen Zuchtverband unterscheidet sich von der "Schwarzzucht"/Vermehrung usw. dadurch dass Vorschriften erlassen worden sind, durch die eine Sicherung des Qualitätsstandards erfolgen soll. In Bezug auf den Tierschutz, in Bezug auf die Qualität der Genetik und die der Aufzucht. Die Zuchtordungen schreiben vor welche tierärztlichen Untersuchungen vor der Zuchtverwendung durchgeführt werden müssen mit welchen Ergebnissen. Sie schreiben Ausstellungsergebnisse und Leistungsprüfungen vor, die vor Zuchtverwendung absolviert werden müssen. Sie schreiben vor ab wann eine Hündin frühstens gedeckt werden darf, in welchem Abstand und bis zu welchem Alter usw.


    Wenn es erlaubt wäre dass ein Züchter gleichzeitig auch Welpen vermehrt die nicht den Zuchtbestimmungen entsprechen, am Zuchtbuch und allen Kontrollen des Zuchtverbandes vorbei, dann kannst Du Deine ganzen Zuchtordnungen in die Tonne kloppen... Dann werden Hündinnen nicht mehr davor geschützt zu früh, in zu kurzen Abständen und/oder in zu hohem Alter belegt zu werden. Dann könnte ein Züchter in jedem Jahr einen offiziellen Wurf machen und einen, den er nicht ans Zuchtbuchamt meldet. Also jedes Jahr zwei Würfe, Jahr für Jahr. Und ist die Hündin älter als es die Zuchtordnung erlaubt, dann macht man eben nur noch Würfe mit ihr, die nicht ans Zuchtbuchamt gemeldet werden...


    Gezielt Würfe "ohne Papiere" in die Welt zu setzen, aus Elterntieren die aus irgendwelchen Gründen nicht der Zuchtordnung entsprechen, schadet in den meisten Fällen der Rasse. Von daher ist es richtig dass sich ein Züchter entscheiden muss ob er "ordentlich" züchtet, mit allen Kontrollmaßnahmen die das mit sich bringt, oder ob er unkontrolliert und unkontrollierbar Welpen in die Welt setzt. Beides ist nicht miteinander zu vereinbaren.


    Und es gibt auch keinen Grund so einen Wurf wie den, aus dem Dein Hund stammt, nicht dem Zuchtbuchamt zu melden. Außer dass es den Züchter mehr kostet (Wurfabnahmen, Chippen, Impfen, DNA einlagern, Regisrtierbescheinigungen für die Welpen usw.). Und dass es, wenn es bei einem Züchter mehrfach passiert, irgendwann zu Konsequenzen führen wird. Was dann aber auch für die "Qualität" eines Züchters sprechen würde, wenn es in seiner Zucht zugehen würde wie bei Sodom und Gomorra...

  • Eine amtliche Abgrenzung zwischen Leistungszucht und Hochzucht gibt es wohl nicht.

    Die Abgrenzung ergibt sich aus den Zuchtlinien, aus denen die Hunde stammen. Wobei es natürlich auch ganz selten Würfe gibt, bei denen beides vermischt wird. Aber auch das ergibt sich aus der Ahnentafel, wie viel Prozent Hochzuchtblut und wie viel Prozent Leistungsblut ein Hund führt.

  • Hi,


    mhm, aber das würde ja bedeuten, dass ein Züchter immer ein und dieselbe Blutlinie verfolgt, oder?


    Und an Körberichten, oder daran, dass ein Hund IPO3 mit was weiß ich wieviel Punkten hat, kann man das nicht erkennen? Eigentlich müssten die Hunde aus Leistungslinie da doch im Durchschnitt besser abschneiden als die aus HZ. Sonst würde die ganze Trennerei ja keinen Sinn machen...

    Diese "ganze Trennerei" ist ja kein Selbstzweck. Sondern sie ist eine logische Entwicklung der unterschiedlichen Prioritäten, die der jeweilige Züchter setzt. Dass z.B. ich keinen Hochzuchtrüden für meine Hündinnen in Erwägung ziehe liegt nicht daran dass es ein Hochzuchtrüde wäre. Sondern daran dass diese Rüden meine persönlichen Erwartungen, die ich an die Rasse und den einzelnen Hund stelle, nicht erfüllen, und das in ganz vielen Punkten. Schaubewertungen spielen für mich eine völlig untergeordnete Rolle.


    Umgekehrt entsprechen die Hunde, die mir persönlich gefallen, nicht dem Zuchtziel der Hochzuchtzüchter. Nicht weil sie aus Leistungslinien stammen. Sondern weil sie so sind wie sie sind. Für sie halt nicht "schön" genug.

  • In der DDR wurde die Zucht in mehrere unterschiedliche Blutlinien eingeteilt, die durchnummeriert waren. Darunter gab es auch solche, aus denen die Hunde auf den DDR-Schauen häufiger weiter vorne zu finden waren als aus anderen. Und es gab Linien, die besonders überdurchscnittliche Leistungshunde vorgebracht haben, wie z.B. die Linie XIII.


    Prinzipiell spielten aber andere Faktoren im staatlich sehr stark reglementierten und kontrollierten Zuchtgeschehen eine Rolle. Z.B. haben die Hunde erst dann ihre Ahnentafel erhalten wenn sie zur Nachzuchtbeurteilung vorgestellt und HD-geröngt worden sind. Dadurch ist natürlich dann auch fast jeder mit seinem Hund zur Nachzuchtbeurteilung und zum Röntgen gegangen. Hunde, die mehr als einen Fehler aufgewiesen haben, wurden rigeros nicht zur Zucht zugelassen. Da konnte der Hund dann so schön oder só gut sein wie er wollte: Es wurde nur ein Fehler toleriert, egal in welchem Bereich. Und das durfte natürlich auch kein gänzlich zuchtausschließender faktor sein.


    Ob man Hunde, die aus einer auf Leistungskriterien ausgerichteten Zuchtselektion stammen, jetzt "Leistungshunde" oder "Arbeitshunde" nennt ist völlig schnuppe...


    Iwan von Poppitz ist ein Hund rein aus DDR-Linien und damit von den Hochzuchtlinien meilenweit entfernt.

  • Hi Waschbär,


    sag mal, steckt in "Waschbär" ne Abkürzung für "wandelndes Lexikon"???:)

    Eines ist mir noch unklar: Du sprichst oben von "persönlichen Erwartungen" und meinst damit ja sicher mehr als nur das Aussehen und Gesundheit. Es geht dabei doch sicher auch um Aspekte wie Triebigkeit, die ja wiederum mitverantwortlich für den Erfolg im Sport sind.

    Daher oben die Frage: Kann man sagen, dass die Leistungszuchthunde über mehr Trieb verfügen und daher in IPO und co besser abschneiden? Wie der Hund in dem verlinkten Artikel, der die IPO 3 mit 100/100/100 macht...


    Da Du dich ja auch mit DDR-Hunden auskennst: Würdest Du bestätigen, das habe ich von zwei Züchtern gehört, dass die "Ossis" zwar schon triebig sind, aber "schneller runterkommen können", oft "sehr klar im Kopf", dafür aber "sturer" sind? Oder hängt das dann nicht vielmehr was mit den einzelnen Linien zu tun?


    Und wie siehst Du die Zukunft der "Ossis"? Wenn ich das richtig verstehe, ist ein Problem ja, dass die Hunde teilweise genetisch zu nah beieinander sind, so dass einige "Ossi"-Züchter den Weg gehen, ihre Hunde mit solchen aus der West-LZ zu paaren - ist das der richtige Weg, oder doch eher der Versuch der "Reinhaltung" der Linien? Der SV hat sich da ja klar positioniert - er wünscht sich keine Weiterführung der DDR-Linien, was ja aber auch daran liegen könnte, dass nicht wenige "Ossi"-Züchter ohnehin in "Dissidenzvereinen" züchten...


    Liebe Grüße

    Lupus

  • steckt in "Waschbär" ne Abkürzung für "wandelndes Lexikon"???

    Ja, die Vermutung habe ich auch. Auf jeden Fall ist sie sehr gut belesen, informiert und bewandert auf ihrem Gebiet. :thumbsup:

    Harras *10.12.2015 :thumbup:“Mit einem kurzen Schwanzwedeln kann ein Hund mehr Gefühle ausdrücken, als mancher Mensch mit stundenlangem Gerede.” :thumbup:(Louis Armstrong)

  • Das ist halt das Thema, mit dem ich mich beschäftige, wenn ich nach Deckrüden suche...

    Niemand im SV hat sich "klar positioniert" dafür dass die DDR-Zuchtlinien nicht weiter züchterisch eingesetzt werden sollten. Niemand hat die Züchter in der ehemaligen DDR damals nach der Maueröffnung gezwungen ihre Hunde ins Ausland zu verkaufen und sich die Zwinger mit Hochzuchthunden voll zu machen. Die hätten auch einfach mit ihren Hunden weiter machen können. Im Leistungsbereich. Aber sehr viele von denen wollten halt auch diesbezüglich endlich mal die große Freiheit schnuppern und im Schauwesen vorne mit mischen. (Ohne dass ihnen irgend jemand in der Zuchselektion etwas vorschreibt, so wie das in der DDR größtenteils üblich war.) Was natürlich weder mit den westdeutschen Leistungslinien noch mit den DDR-Linien funktioniert hat. Nur wir "Wessis" waren es bereits gewöhnt mit unseren Leistungshunden auf den Schauen immer hinten zu laufen und auf Körungen in die Körklasse 2 gesteckt zu werden. Vielleicht konnten die "Ossis" damit nicht umgehen. Ist ja auch vieles gleichzeitig auf die eingestürzt...

    In den Leistungslinien sind ost- und westdeutsche Linien schon immer miteinander gemischt worden. Meine "Wessi-Leistungshunde" führen weiter hinten DDR-Blut von Hunden, die von Ostdeutschland nach Westeuropa verkauft worden waren. Und die Züchter in der DDR haben teilweise auch West-Rüden für die Zucht verwendet (manchmal wurden die Hündinnen alleine in den Westen zum Decken geschickt).


    Die DDR-Linien rein erhalten zu wollen wäre wie das Kind mit dem Bade auszuschütten. Wozu eine kleine Population unnötig derart stark einschränken? Ein zu großer Ahnenverlust führt früher oder später zu Problemen mit der Fruchtbarkeit und dem Immunsystem. Wer den Typ der DDR-Linien erhalten möchte, der kann ja auf diese Phänotyp hin selektieren. Auch wenn er westdeutsche Leistungslinien mit zur Zucht verwendet. Viele Leistungshunde führen ja sowieso DDR-Blut. Zudem haben wir noch die DSH-Population in den osteuropäischen Ländern, die zu Zeiten der DDR von den dortigen Züchtern züchterisch mit genutzt wurde. Wichtiger als irgend eine Linien "rein" zu erhalten ist die Selektion auf Grundwesen, Gesundheit und Arbeitsveranlagungen. „Reine DDR-Linie“ ist kein allein selig machendes Attribut. Gesund muss ein DSH sein, ein festes Wesen haben und solide Arbeitsanlagen besitzen! „Reine DDR-Linie“ nützt gar nix wenn ein Hund krank ist oder nicht wesensfest oder nur unterdurchschnittliche Arbeitsveranlagungen besitzt.

    Vermutlich reden viele Leute alles mögliche über Hunde aus DDR-Linien. Den "typischen" DDR-Hund habe ich so kennen gelernt dass seine Leistungsbeständigkeit in der Unterordnung nachlässt wenn die Umweltbedingungen für ihn ungünstig sind. Z.B. bei hochsommerlichen Temperaturen, da hat man mit dem durchschnittlichen DDR-Hund die A…-Karte gezogen wenn man in der Unterordnung zuerst ablegen muss. „Spritzig“ ist dann anders… Die Fähigkeit zu schnellen Triebwechseln, wie sie für einen perfekten und bestechenden Schutzdienst heute notwendig sind, sind ein weiteres Problem. Es wurde ja bereits in dem Thread mit den WM-Videos geschrieben, Xanuk vom grauen Star steht stark im Typ kampftriebstarker DDR-Linien. Aber genau das macht ihn dazu dass er kein „Punktehund“ ist. Wer den Typ und die Vorteile der alten DDR-Linien mag, der sollte mit solchen Hunden züchten um sein persönliches Zuchtziel zu erreichen. Unabhängig davon ob die Hunde aus reinen DDR-Linien stammen, aus westdeutschen Leistungslinien, aus der osteuropäischen Population, aus französischer, belgischer oder niederländischen Blutlinien etc. oder ob sie bereits das Blut all dieser „Unterpopulationen“ führen. Als Züchter kann ich den Typ DSH züchten, den ich persönlich favorisiere. Dafür brauche ich keine offizielle Einteilung in verschiedene Populationen. Ich sehe doch selbst was mir wichtig ist an einem Hund, ob der mich in Bezug auf mein persönliches Zuchtziel in der Zucht weiter bringt oder nicht.

    Wobei, es gibt natürlich auch Züchter die darauf angewiesen sind das ihnen jemand anderes sagt ob ein Hund ihrem Zuchtziel entspricht oder nicht. Die fahren dann immer zu den Deckrüden mit den höchsten Punktzahlen oder den vorderen Platzierungen großer Prüfungen/Schauen, oder sie sind halt angewiesen darauf dass ein Rüde als „reine DDR-Linie“ angepriesen wird. Weil sie selbst nicht erkennen können was ihnen angeblich wichtig ist. Ich denke aber mal dass man über solche Leute nicht reden braucht, das bringt eh nix...

  • Als Züchter kann ich den Typ DSH züchten, den ich persönlich favorisiere. Dafür brauche ich keineoffizielle Einteilung in verschiedene Populationen. Ich sehe doch selbst was mir wichtig ist an einem Hund, ob der mich in Bezug aufmein persönliches Zuchtziel in der Zucht weiter bringt oder nicht.

    Es ist doch auch toll, daß es Züchter gibt, die ihr eigenes Ding machen. Der DSH gilt nun mal als eine breitgefächerte Rasse. Sogar innerhalb der Leistungszucht sehen die Hunde oft sehr unterschiedlich aus.

    Bei der Rasse Malinois sehen die Hunde von weiten alle gleich aus, wenn man nicht gerade unterschiedliche Farbmerkmale hat.




    Im Rassestandart des Deutschen Schäferhundes steht, daß die Kruppe lang und leicht abfallend sein soll (ca. 23° zur Horizontale).

    Im Rassestandart des Malinois steht, daß die Kruppe nur leicht schräg sein muß.


    Was passiert, wenn ein DSH-Züchter Hunde züchtet , wo die Kruppe nur leicht schräg ist, oder gar Hunde züchtet, wo die obere Linie des Rückens gerade ist, wie es im Labrador-Rassestandart steht?

    Bekommt der Züchter dann seine Hunde nicht mehr gekört?


    Bei den meisten Leuten ist ein schräger Rücken und eine lange abfallende Kruppe verpönt.

    Warum machen so wenige Züchter ihr eigenes Ding und züchten Hunde mit einer Rückenlinie und Kruppe, wie sie der Malinois hat?

    Die Nachfrage nach solche Hunde ist doch da.

    VG
    Klaus und die Bea