Erzieht Ihr noch oder...

  • Für mich liegt es in der Natur der Sache, dass ein Muttertier/Mütter seine Jungen/Kinder erzieht und sie auf ihre Selbständigkeit und Überleben in der Wildnis/Alltag vorbereitet. Erziehung heisst nicht nur Maßregelungen, sondern vermitteln von Überlebensstrategien und Sozialverhalten etc. . Beim Menschen gilt dies ebenso: Vorbereitung auf Teilhabe in der Gesellschaft, Anerkennung, Überleben im Alltag. Diese Frau meint das Ei des Kolumbus entdeckt zu haben!? Die These einer antiautortären Erziehung kennen wir aus den 60ern und sie ist in der Realität gescheitert. Egoisten und Egozentriker werden spätestens im Erwachsenenalter von der Gesellschaft ausgegrenzt. Die Menschen leben in sozialen Gebilden und diese Frau formt ihr Kind evtl. zur Ichbezogenheit, welches weder Rücksicht noch Empathie kennenlernt. Die Begriffe "Regeln, Erziehung" sind fälschlicherweise nur negativ besetzt. Sie vermitteln aber auch Orientierung und Halt, was sehr wichtig und positiv ist.


    Entweder musste sie schnell einen Aufreger als Artikel abliefern oder aber sie lebt wirklich in Wolkenkuckucksheim.

    Naja, das Kind dieser Dame ist gerade mal 3 Jahre alt. Vlt. informiert sie nochmals über dessen Entwicklung in 20 Jahren.

    Solange damit keinem Dritten geschadet wird, soll jeder nach seiner Fasson leben.


    Ich jedenfalls habe meinen Sohn erzogen und erziehe erst recht meinen Hund! Würde ich Letzteres unterlassen... nicht auszudenken. 8)

    CharlySchaefer *20.07.2016

  • Hi,


    der Text könnte von mir stammen, also der Artikel. Wir erziehen (der Begriff ist dennoch richtig) unsere Kinder auch sehr ähnlich.

    Und wenn man sich die Mühe macht, die Aussagen mal im Detail nachzuvollziehen, kann man kaum sinnvolle Kritik daran üben. Oder man macht das nicht und schreibt halt was von "Kastration"....;)


    Also: Hast Du eine konkrete Kritik, über die man reden sollte/könnte?



    Liebe Grüße

    Lupus

  • Ich finde den Aufhänger, um diesen Artikel im Hundeforum zu platzieren, reichlich konstruiert.

    Askja vom Haus Fuchsgraben

    * 18.06.2014

    Banja vom Wogenfeld - mein Mädchen im Herzen

    * 12.04.2002 - gegangen am 08.09.2014

  • Grumpy = V22 = Kumpel?

    Harras *10.12.2015 :thumbup:“Mit einem kurzen Schwanzwedeln kann ein Hund mehr Gefühle ausdrücken, als mancher Mensch mit stundenlangem Gerede.” :thumbup:(Louis Armstrong)

  • Kindererziehung und Hundeerziehung kann man meines Erachtens nicht 1 zu 1 übertragen.

    Es gibt sicher Parallelen - aber eben nicht immer.

    Und bei einigen Leuten geht beides in die Hose :cursing:. Da wünscht man sich, dass jeder beigebracht bekommt, wie es geht, bevor ein Kind geboren oder ein Hund angeschafft wird.

    Harras *10.12.2015 :thumbup:“Mit einem kurzen Schwanzwedeln kann ein Hund mehr Gefühle ausdrücken, als mancher Mensch mit stundenlangem Gerede.” :thumbup:(Louis Armstrong)

  • Hi,


    Erziehung von Menschen und Hunden ist schon ähnlich. Die Hauptunterschiede sind, dass wir Kinder so erziehen müssen, dass sie lernen, eigene Entscheidungen zu treffen. Das wollen wir ja bei Hunden gerade nicht, weshalb sie uns gegenüber ihr Leben lang in einer Art Kindposition bleiben.

    Der zweite Unterschied ist, dass man Kindern schon sehr früh im Leben Dinge erklären, also sozusagen mit der Logik des besseren Argumentes, erziehen kann. Hunden kann man nichts erklären, so dass sie es rational verstehen. Hier kann man nur darauf bauen, dass sie (mit der Zeit) lernen, dass es für sie gut ist, auf uns zu hören.


    Pinguetta: Wie oft ich das denke, also dass man den Menschen beibringen sollte, wie sie ihre Kinder oder Hunde erziehen! ABER: Wer soll der Beibringer sein? Das ist mE immer die entscheidende Frage. Wenn man Erziehungsratgeber für Kinder liest, ist das ja teilweise noch absurder als im Bereich Hundeerziehung.


    Daher würd ich einen leicht anderen Ansatz wählen, der deinen aber nicht ausschließt, sondern ergänzt: Wir müssen uns überhaupt erstmal wieder in die Lage versetzen, Zeit für unsere Kinder (und Hunde) zu haben. Wir erwerbsarbeiten uns dumm und dämlich (im wahrsten Sinne des Wortes), so dass für wir für die wichtigen Dinge im Leben kaum noch Zeit haben. Es geht nunmal nich beides: Eine gesunde Familie und "fulltime-Job". Genau da haben wir eine riesen Chance, wenn wir mit den Veränderungen der "Industrie 4.0" vernünftig umgehen.

    Denn, bei aller Erzieherei darf man eines nicht vergessen: Lernen geschieht vor allem durch Nachahmung, nicht durch rationale Inhalte, die vermittelt werden. Erziehung ist ja nur ein Teil der Sozialisation. Zu der gehört auch, dass wir daruaf achten, dass das, was in Institutionen wie Schulen gelehrt wird, mit dem, was Eltern für richtig halten, deckungsgleich ist. Unser Schulsystem ist nicht am Wohl des Kindes interessiert, sondern sieht in Kindern lediglich Humanmaterial, dessen Funktion darin besteht, den Status Quo aufrecht zu erhalten.

    Das wären also die beiden zentralen Aspekte: Eltern, die Zeit für ihre Kinder haben und eine Schule, die Kinder (psychisch wie physisch) gesund wachsen lässt.

    Und das kann man auch wieder, zumindest teilweise, auf Hundeerziehung übertragen:)


    Liebe Grüße

    Lupus

  • Eltern, die Zeit für ihre Kinder haben und eine Schule, die Kinder (psychisch wie physisch) gesund wachsen lässt

    und einen Staat sowie eine Gemeinschaft, die Eltern Eltern sein lässt und nicht schon ab dem zweiten Lebensjahr des Kindes UNBEDINGT wieder ins Arbeitsleben schickt :cursing:.

    Ich habe jedenfalls meine drei Kinder NICHT bekommen, damit sie frühzeitig fremderzogen werden und ich meiner Kariere hinterher sprinte. Ich habe mich bewusst für meine Kinder, das Leben mit ihnen und dadurch auch für finanzielle Einbußen entschieden. Aber leider habe ich heutezutage das Gefühl, durch Medien etc. angestachelt, Frau MUSS Kinder bekommen UND Frau MUSS schnell wieder aktiv am Arbeitsleben teilnehmen. Dabei sind die ersten drei Lebensjahe soooooo prägend und eine feste Bindung so wichtig. Eine Frau von der Leyen kann natürlich ihr sauer verdientes Geld für eine oder mehrere gute Kindermädchen ausgeben. Ottilie Normalverbraucher kann das nicht. ABER, das sprengt schon wieder den Rahmen, wird politsich und überhaupt.X/

    Harras *10.12.2015 :thumbup:“Mit einem kurzen Schwanzwedeln kann ein Hund mehr Gefühle ausdrücken, als mancher Mensch mit stundenlangem Gerede.” :thumbup:(Louis Armstrong)

  • Äpfel und Birnen soll man ja bekanntlich nicht vergleichen..

    "Erziehung" definiert wohl jeder schon anders. Für die einen ist es mit Strafen oder dem Weiß/Schwarz Denken verknüpft, Andere sehen darin den eigentlich Sinn der Sache: dem Kind ein Vorbild zu sein.

    Dem Hund lernen wir doch im Endeffekt nur das gewünschte Verhalten an.
    Kann man also meiner Meinung nach nicht mit Kindererziehung vergleichen..

  • Hi,


    naja, allgemein (in der Forschung) wird das schon getrennt. Danach fallen unter Sozialisation alle Einflüsse, die im Sinne von Erfahrungen verarbeitet werden. Die Sozialisation ist es, egal ob bei Hund oder Mensch, die im Endeffekt den Charakter bestimmt.

    Davon ist Erziehung, also geplantes Handeln mit einem Ziel (in Bezug auf den Charakter), nur ein Teil, sozusagen der zielgerichtete. Man sieht, es gibt also durchaus Überschneidungen gibt, ohne dass beides identisch ist.

    Erziehung kann Strafen beinhalten. Strafen meint, dass ein positiver Reiz entzogen oder dass ein negativer Reiz hinzugefügt wird. So betrachtet ist zB die "positive Verstärkung" eine Methode, die auch Strafen enthält (man enthält dem Hund oder Kind einen positiven Reiz vor), was sich viele aber nicht bewusst machen.


    Wichtig ist, dass sozialisatorische Einflüsse und erzieherische Maßnahmen in dieselbe Richtung weisen. Je mehr dies der Fall ist, desto eher wird das Ziel erreicht. Ein sehr simples Beipiel: Papa will nicht, dass Sohnemann raucht, raucht aber selbst. Jetzt kann Papa sich vor den Sohn setzen und ihm erklären, mit Verweis auf all die gesicherten Erkenntnisse, wie schädlich das Rauchen ist. Er kann es ihm rational super darlegen. Aber was vor allem unbewusst auf den Sohn wirkt, ist, dass sein Vater, der auch eine Vorbildfunktion hat, raucht. Papa müsste sich also nicht wundern, wenn trotz all der erzieherischen Maßnahmen,trotz all der Erklärungen, Sohnemann auch zum Raucher wird. Man kann dafür zig Beispiele finden. Ein Hundebeispiel wäre, dass man dem Hund sagt "ruhig", aber selbst unruhig ist - das Wort wird bei dem Hund kaum ankommen.


    Dies verweist darauf, dass Lernen, und auch das ist bei Mensch und Hund gleich, vor allem über Nachahmung funktioniert. Vorbild sein kann erzieherisch sein, wenn man es bewusst tut, um als Vorbild dem Kind/Hund was zu vermitteln. Aber in der Masse der Zeit ist man ebenso Vorbild, an dem sich orientiert wird, ohne dass wir das bewusst machen. Hunde lernen den ganzen Tag von jeder unserer Handlungen. Daher denke ich, dass der Aspekt Zeit, den ich ansprach, so wichtig ist. Pinguetta sprach das an: Zeit mit einer liebenden Mutter ist niemals zu kompensieren durch Betreuungszeiten in Einrichtungen. Sei froh, dass Du diesen Weg, zu dem es heute viel Mut braucht, gegangen bist!

    Auch das ist übertragbar auf den Hund: Wenn HH die meiste Zeit weg sind, keine Zeit mit dem Hund verbringen, wird es viel schwerer, die gewünschten Erziehungsziele zu erreichen.


    Und das wiederum zeigt, dass Lernen immer stattfindet, nicht nur in erzieherischen settings. Und ich denke, dass sich das, auch wieder bei Mensch und Hund, viele Menschen nicht bewusst machen. Der alte Spruch: "Tu nicht, was ich tu, tu, was ich sage!" funktioniert nicht. Es sei denn, man setzt so sehr auf Strafe, dass aus Angst heraus "richtig" gehandelt wird. Das aber hat dann wieder Auswirkungen auf der Beziehungsebene wie zB Vertrauensverlust und ebenso auf den Charakter.
    Es hängen hier also unterschiedliche Aspekte untrennbar zusammen.


    Hunde- und Menschenerziehung ist entsprechend durchaus ähnlich, wenn auch aus den genannten Punkten heraus, nicht dasselbe. Dies gilt aber auch nur dann, wenn man das Ziel beim Kind hat, dass es eines Tages selbstständig Entscheidungen trifft, vielleicht auch solche, die den Eltern nicht gefallen. Das war früher anders, als man auch Kinder zu reinen Befehlsempängern erziehen wollte. Entsprechend wurden diese ganz ähnlich konditioniert, wie es heute in der Hundeerziehung oft der Fall ist ("Zuckerbrot und Peitsche"). Das hat sich zum Glück bei uns Menschen ein wenig gewandelt in den letzten Jahrzehnten. Und darauf spricht auch der Artikel oben an.



    Liebe Grüße

    Lupus

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