Barfen für Anfänger

  • Ich möchte mal etwas Mut machen, sich mit dem Thema Barf zu befassen.

    Es bestehen viele Ängste, dass der Hund nicht ausreichend mit allen Nährstoffen versorgt wird.

    Das ist aber unbegründet, wenn man ein paar Grundkenntnisse hat.

    Ein Wildhund oder ein Wolf hat auch keinen Taschenrechner, um seine Nährstoffe auszurechnen. Er hat auch kein Ernährungsseminar besucht.

    Beim Barfen wird einfach die natürliche Nahrung eines Hundes nachgestellt.


    Ein Hund ist vor allem ein Beutefresser, also besteht die Hauptmahlzeit aus den Teilen eines Beutetieres.

    Zusätzlich fressen Hunde in der Natur noch Gräser, Kräuter, Samen, Nüsse, Eier und Obst.

    Gemüse kann der Hund nur püriert oder zerkocht verwerten, darum kommt es in seiner natürlichen Ernährung eigentlich nicht vor oder wird unverdaut wieder ausgeschieden. Das gleiche gilt für Getreide, es ist für den Hund unverarbeitet nicht verdaulich.


    Wenn man sich an der natürlichen Nahrung orientiert, frisst der Hund ca. 80 % tierische Anteile und ca. 20 % pflanzliche Anteile.

    Woraus besteht ein Beutetier?

    Zu einem großen Anteil besteht es aus Muskelfleisch und Pansen/Blättermagen sowie Knochen.

    Tiere, die keine Wiederkäuer sind, haben keinen Pansen, da ist der Muskelfleischanteil höher.


    Von den Knochen wird nur etwa die Hälfte gefressen. Nur bei kleinen Beutetieren werden die Knochen insgesamt gefressen.

    Leber, Nieren, Milz, Herz, Lungen, Magen usw. sind in kleineren Anteilen im Beutetier vorhanden und werden darum auch in kleineren Anteilen gefüttert.


    Die Barfmahlzeit besteht also zu 80 % aus dem tierischen Anteil und zu 20 % aus dem pflanzlichen Anteil.


    Der tierische Anteil an der täglichen Mahlzeit wird so aufgeteilt:


    Vom ganzen tierischen Anteil rechnet man die Hälfte (50 %) Muskelfleisch. Wichtig: Das Muskelfleisch sollte 15 - 25 % Fett enthalten.
    Pansen/Blättermagen, Innereien, fleischige Knochen machen die andere Hälfte des tierischen Anteils aus - also auch 50 %.


    Pansen/Blättermagen, Innereien und fleischige Knochen füttert man ungefähr zu je 1/3.


    Zusammengefasst:


    Tierischer Anteil (80 % der Mahlzeit):


    50 % Muskelfleisch mit 15 - 25 % Fett (sonst wird der Hund nicht satt - Fett liefert die Energie)

    20 % Pansen oder Blättermagen (man kann auch mal Euter, Lunge usw. füttern, aber Lunge kann zu Durchfall führen)

    15 % Innereien (Leber, Niere, Milz - das sind die hauptsächlichen Vitaminlieferanten)

    15 % fleischige Knochen - die bestehen zur Hälfte aus Fleisch und zur Hälfte aus Knochen.


    Pflanzlicher Anteil (20 % der Mahlzeit):


    Obst, püriertes oder gekochtes Gemüse, Salate, Kräuter, Nüsse, Samen.....


    Öl wird nur sehr sparsam verwendet, wenn die Schlachttiere im Stall stehen, dann muss man das Fettsäurenprofil ausgleichen.

    Bei Schlachttieren aus der Freilandhaltung ist ein Zusatz von Öl nicht nötig.

    Es sind nur wenige Öle geeignet, um das Fettsäurenprofil auszugleichen. Man kann tierisches Öl verwenden, z. B. Lachsöl oder Leinöl und Kokosöl.

    Das Gemüse braucht KEINEN Zusatz von Öl, weil das Fett zum Aufschließen der Vitamine schon im Muskelfleisch vorhanden ist.


    Außerdem kann man die Mahlzeiten mit Eiern, Quark usw. ergänzen.

    Statt Muskelfleisch kann man auch mal Fisch füttern.

    Herz zählt zum Muskelfleisch, aber sollte nur einen Anteil am Muskelfleisch ausmachen.


    Um die Barfportion für einen Hund auszurechnen, gibt es einen sehr einfachen Barf-Rechner.

    Da wählt man das Alter, Gewicht und den Aktivitätsgrad des Hundes aus:


    http://www.das-boxerforum.de/barf-rechner.php


    Wenn man mit der Maustaste auf die Symbole geht, wird angezeigt, ob es um Innereien, Fleisch, Pansen oder fleischige Knochen geht.

    Die Mengenangaben sind Richtwerte. Man muss schauen, ob der eigene Hund evtl. mehr oder weniger braucht.


    Für den Anfang ist es hilfreich, die Mengen mal abzuwiegen.

    Später füttert man nach Augenmaß. Es muss auch nicht alles in einer Mahlzeit enthalten sein.

    Man kann auch die Prozentanteile mal verändern. Das sind auch nur Richtwerte, die über eine Woche ungefähr passen sollten.

    Nur bei den Knochen sollte man nicht zu viel geben, weil die sonst zur Verstopfung führen können.

    An Knochen sollte man den Hund auch langsam gewöhnen.


    Welche Knochen geeignet sind, schreibe ich noch gesondert.

    Einmal editiert, zuletzt von Muriel ()

  • Knochen dürfen immer nur roh gefüttert werden - niemals gekocht oder gebraten, weil sie sonst splittern können.


    Knochen sollten möglichst von jungen Tieren verfüttert werden, wie z. B. vom Kalb oder Lamm.

    Rippen und Brustbein vom Lamm oder Kalb sind gut geeignet. Knochen (Flügel, Hälse Schenkel, Karkassen) von jungen Hühnern kann man auch füttern.

    Suppenhühner sind meistens ältere Tiere.


    Keine Röhrenknochen (Beine), keine tragenden Knochen (Wirbelsäule und Schwanz).


    Markknochen sind zersägte Beinknochen. Diese sind sehr scharfkantig und hart.
    Man kann den Hund evtl. das Mark herauslutschen lassen. Den Rest würde ich dann entsorgen.


    Knochen darf man immer nur in Verbindung mit ausreichend Fleisch geben.

    Man sollte den Hund langsam an Knochen gewöhnen, wenn man auf Barf umstellt.


    Knorpel sind auch gesund, aber ersetzen keine Knochen, weil sie nicht ausreichend Calcium enthalten.
    Also füttert man Knorpel nur anteilig.


    Knochen sollten so weich sein, dass sie gefressen werden können. Wenn die Knochen nur abgeknabbert werden - also nur das Fleisch und Knorpel drumherum - bekommt der Hund zu wenig Calcium.


    Knochen enthalten viele wichtige Mineralien neben Calcium. Darum kann man Knochen nicht einfach durch Eierschalen oder Algenkalk ersetzen.

    Wenn ein Hund keine Knochen frisst oder verträgt, kann man die Knochen fein gewolft kaufen. Die sind dann durch den Fleischwolf gedreht worden.


    Ein Ersatz für Knochen ist das Knochenmehl. Das bekommt man in Barfläden.

    Bei der Berechnung von Knochenmehl muss man berücksichtigen, dass der Anteil der fleischigen Knochen in einer Mahlzeit nur zur Hälfte aus Knochen besteht.


    Bitte unbedingt lesen:


    https://www.der-barf-blog.de/2012/11/knochen-barf.html

  • Wenn ihr meine beiden Beiträge aufmerksam gelesen habt, könnt ihr anfangen zu barfen.

    Mehr ist Barfen nicht. Man braucht kein Studium der Ernährungswissenschaft.

    Die Feinheiten und etwas mehr Hintergrundwissen bekommt ihr noch.

    Gebt mal spaßeshalber das Alter und Gewicht eures Hundes im Barfrechner ein und ihr seht, dass der Rechner euch die Mengen genau auflistet.


    http://www.das-boxerforum.de/barf-rechner.php


    Es wurde schon ein paar Mal die Frage gestellt, ob man ein Fertigbarf vom Händler füttern kann.

    Das Angebot an Fertigbarf wird ja immer größer.

    Ja, das ist kein Problem. Man kann gerne mit Fertigbarf anfangen.


    Aber: Ich habe bisher noch kein Fertigbarf gefunden, welches zufriedenstellend ist.

    Entweder sind die Fertig-Menüs zu undurchsichtig in den Zutaten oder die Zutaten sind nicht besonders gut zusammengestellt.

    Sie enthalten entweder zu wenig Muskelfleisch, zu wenig Fett oder zu wenig Innereien. Oft sind zuviel minderwertige Bindegewebe enthalten, ein unpassendes Öl oder die Knochen werden durch Eierschalen ersetzt, was auf Dauer nicht gesund ist.


    Bevor man da lange versucht, ein schlechtes Fertigbarf auszugleichen, kann man es lieber gleich selbst zusammenstellen.

    Dann weiß man sicher, was drin ist. Für 2 - 3 Wochen ist ein Fertigbarf aber kein Problem.

    Die Zutaten für das Barf bekommt man in Barfläden (online oder vor Ort) und auch in einer Schlachterei.


    Wer sehr ängstlich ist (weil er z. B. einen Welpen barfen will), kann sich auch einmalig einen Barfplan erstellen lassen. Dafür gibt es verschiedene Seiten im Internet oder auch Ernährungsberater in Barfläden. (Achtung: Nicht jeder Berater hat wirklich Ahnung)

    Frau Nadine Wolf bietet auch eine kostenpflichtige Ernährungsberatung an.


    https://www.thp-wolf.de/produkt-kategorie/barf-plan/


    Ein Barfplan kostet bei einem Ernährungsberater um die 100 Euro.

    Aber nötig ist so ein Plan nicht. Man kann genauso gut den kostenlosen Barfrechner verwenden.

    Ich kann auch eure Barfpläne überprüfen und andere Hundehalter hier im Forum haben auch viel Erfahrung mit dem Barfen.


    Der Blog von Frau Wolf ist kostenlos. Ich empfehle den immer, weil ich keinen besseren Ernährungsblog kenne.

    Ich werde zu einzelnen Themen immer mal einen Link einstellen.

  • Nun kommen noch ein paar Ergänzungen.


    Schwein sollte man nicht roh füttern (Stichwort Aujeszky-Virus), alle anderen Tiere kann man roh füttern.


    Abwechslung bekommt man in den Speiseplan, wenn man verschiedene Beutetiere füttert (Huhn, Rind, Lamm, Kalb, Fisch, Wild usw.) und auch verschiedene Fleischarten, z. B. bei den Innereien nicht nur Leber, sondern auch Niere oder Milz. Bei den Knochen nicht nur Hühnerhälse, sondern auch Lammrippe oder Kalbsbrustbein.


    Wenn man sich Nährstofftabellen ansieht, dann erkennt man, dass die Nährstoffe sich von einer zur anderen Tierart unterscheiden und natürlich auch innerhalb eines Beutetieres, je nachdem welchen Teil des Tieres man nimmt.

    Auch junge und erwachsene Tiere unterscheiden sich im Nährstoffgehalt.

    Beispiele:
    Die Leber vom Kalb enthält z. B. doppelt soviel Zink wie die Leber vom erwachsenen Rind auf 100 g gerechnet.


    Ein Kalbsbrustbein hat etwa 10 mal so viel Calcium wie ein Hühnerhals pro 100 g.


    Die Rindermilz hat doppelt so viel Kalium und Eisen wie die Rinderleber.


    Schaut euch bitte die Tabelle der Nährwerte auf dieser Seite an. Ihr müsst die Nährwerte nicht auswendig kennen, sondern nur mal die Unterschiede gesehen haben.


    Zitat:


    Wie man gut erkennen kann, liefern die verschiedenen Innereien insbesondere Natrium, Kalium, Eisen, Kupfer, Mangan, Jod, Selen, sowie die Vitamine A, D, K, B2, B12, B5 (Pantothensäure), B3 (Nikotinsäure) sowie B7 (Biotin) und B 9 (Folsäure) in viel höherer Konzentration als normales Muskelfleisch.


    Man kann auch gut erkennen, dass die Innereien jeweils unterschiedliche „Stärken“ haben, weswegen es z. B. nicht ausreicht, nur Leber oder nur Niere zu füttern.


    Außerdem wird aus der Grafik ersichtlich, dass Innereien wie Herz oder Lunge nicht ganz so wertvolle Nährstofflieferanten sind wie bspw. Leber, Niere und Milz. Dies spielt insbesondere dann eine Rolle, wenn man s. g. Fertig-BARF füttert oder auf Innereien-Mixe zurückgreift. Diese enthalten oftmals nur Lunge und Herz, was jedoch nicht ausreicht, weil diese Innereien eben nicht so nährstoffreich sind wie andere.


    https://www.der-barf-blog.de/2013/09/innereien-barf.html

  • ich schließe mich an beim mut machen :thumbsup:


    und ergänze um folgende tipps (meine erfahrung):


    - für die anfangszeit hat mir ein "input-output-tagebuch" geholfen, damit man schneller bestimmte sachen die der hund nicht verträgt ausschließen kann - ich hab einfach alles in den familienkalender eingetragen- da war noch eine spalte für den hund frei :-)

    - gemüsepampe vorkochen und dann portionsweise einfrieren

    - wenn markknochen dann in ca 10 cm stücke schneiden lassen , da die "scheiben"/ringe die es im supermarkt gibt zu klein sind und sich dann leicht über den unterkiefer geschoben werden können

    - mit dem verfüttern von knochen vorsichtig und in kleinen mengen beginnen um zu sehen wie der hund die verträgt

    - zu beginn eignen sich hier erstmal weichere knochen wie in dem link oben beschrieben, denn die sind meiner erfahrung nach auch besser verträglich für hunde in bezug auch knochenkot

    -knochen nicht alleine füttern sondern immer mit fleischanteil in der nahrung

    -es gibt ohren oder beine mit fell (oder gar ganze küken)- das ist einerseits gut für die darmreinigung, andererseits mag das nicht jeder hund (meiner fand fell an seinem fressen angsteinflössend)

    “Kein Psychiater der Welt kann es mit einem Hund aufnehmen, der einem das Gesicht leckt.”


    Dalmatiner Dustin <3 2004-2016; Schäferhundmix Dolly 201?-2018 (;( viel zu früh)

    :saint: DSH/Mali Lexy 2018

  • vielen Dank für diese Infos und den Link zum Barf Rechner. Allerdings muss ich nun sagen bei meinem kleinen Kühlschrank wenn ich pro Tag ca. 300 Gramm Fleisch/ 300 Gramm Innereien und 300 Gramm Pansen das sind pro Woche über 2 kg insgesamt über 6 kg Fleisch. Da habe ich null Platz für.

    Elli für immer in meinem Herzen * 31.05 2019

  • Danke für die Zusammenstellung, das ist sehr informativ. Jetzt aber meine Frage: Woher weiss ich, dass mein Knochen oder Fleisch oder was auch immre so und soviel Fettanteil hat? Das kann ich doch nur sicher sagen, wenn ich in einem Barf-Onlineshop bestelle, wo schon alles angegeben ist, oder?Und: Sagst Du also, BARF ist ohne Knochen (gemahlen oder nicht) nicht möglich? Ich habe einen Barf-Rechner gesehen, da konnte man auswählen "mit oder ohne Knochen".

    <3Behandle dein Haustier so, daß du im nächsten Leben ohne Probleme mit vertauschten Rollen klar kommst.<3

  • Danke für die interessanten und ausführlichen Infos:*. Eine tolle Idee!!!

    Obwohl ich meine Hunde schon lange teilbarfe ( sie bekommen morgens jeder 400g hochwertiges Dosenfutter, einfach deshalb, damit sie im Zweifelsfall auch Dose kennen und mögen, wenn ich zB mal krankheitsmässig ausfallen sollte - mein Mann ist selbstständig und würde das Barfen nicht auf die Reihe kriegen - oder wir mal wo im Urlaub sind, wo ich kein Barf bekomme / mitnehmen kann / mir die Fleischqualität nicht zusagt.

    Abends wird dann gebarft. Wobei unsere jetzigen beiden Hunde mich vor große Probleme stellen: Peggy hat von Anfang an grottenschlechte Zähne, schlechte Zahnsubstanz. Ein paar Zähne wurden schon gezogen. Sie soll laut TA keine Knochen mehr bekommen. Quacks verträgt Knochen sehr schlecht, er bekommt schon von 1 bis 2 Lammrippen am Tag fürchterlich Verstopfung. Als wäre das nun nicht schon genug, hassen beide Hunde Fisch (roh und gegart) und lassen die komplette Mahlzeit stehen, sobald auch nur kleinste Mengen an (selbst gewolften) Innereien drin sind;(;(.

    So ist es natürlich , wie ich finde, ein ziemliches Glücksspiel mit dem Barfen......

    Wie kann ich die Knochen vernünftig ersetzen? Bzw wieviel Knochenmehl müssten die beiden jeweils pro Tag bekommen? Gibt es beim Knochenmehl Unterschiede auf die ich achten muss?

    Wie kann ich die Jodversorgung sicherstellen? Algenkalk und Grünlippmuschel verweigern beide auch. Trockenfisch lieben sie, sie bekommen mehrmals die Woche ganze getrocknete Fische (Makrele, Lodde, Wittling, Flunder) - aber nicht mal der Hersteller kann Auskunft darüber geben, ob / wieviel Jod drin ist und ob eine Fütterung der Leckereien als Jodversorgung ausreicht. Da ich bei Hunden sowohl schon eine Schilddrüsenunterfunktion sowie eine Überfunktion hatte, bin ich eh übervorsichtig was die Jodversorgung angeht.

    Dann das Problem mit den Innereien......

    5 Schäferhunde vorher haben immer alles mit Begeisterung gefuttert. Diese beiden jetzt machen mich noch wahnsinnig!!!

    Hat jemand eine Idee wie ich die Probleme lösen könnte?????

  • vielen Dank für diese Infos und den Link zum Barf Rechner. Allerdings muss ich nun sagen bei meinem kleinen Kühlschrank wenn ich pro Tag ca. 300 Gramm Fleisch/ 300 Gramm Innereien und 300 Gramm Pansen das sind pro Woche über 2 kg insgesamt über 6 kg Fleisch. Da habe ich null Platz für.

    Man kann ja auch 3 Tage in der Woche roh füttern und die anderen Tage Fertigfutter geben.

    Der Hund profitiert von jedem Tag Frischfutter, weil er endlich mal echte Vitamine bekommt.


    Wenn man in der Stadt wohnt, kann man auch öfter mal etwas einkaufen.

  • Danke für die Zusammenstellung, das ist sehr informativ. Jetzt aber meine Frage: Woher weiss ich, dass mein Knochen oder Fleisch oder was auch immre so und soviel Fettanteil hat?

    Es geht um den Fettanteil im Muskelfleisch, nur darauf muss man achten. Das Fett in Knochen oder Pansen braucht der Hund zusätzlich, da ist der Fettanteil nicht so hoch, aber meistens gleichbleibend.

    Es gibt mageres Muskelfleisch und fettes (durchwachsenes) Muskelfleisch.


    Man kann den Fettanteil eigentlich nur schätzen anhand des Aussehens und durch Erfahrungswerte.

    Im Barfladen ist oft der Fettanteil der jeweiligen Fleischsorte angegeben.


    Hühner- oder Putenbrust ist sehr mager, genauso wie ein Filet vom Rind. Das weiß man als Köchin in der Regel.

    Gibt man auch die Haut von Hühnern ins Futter, erhöht sich der Fettanteil deutlich.


    Ist das Muskelfleisch zu mager, kann man Gänseschmalz, Rinderfett, Schweineschmalz oder Pferdefett zugeben.

    Das gibt es in Barfläden.


    Wenn du mal in diesem Link unter Punkt 3 schaust, findest du 2 Fotos:


    https://www.der-barf-blog.de/2011/08/fehler-barf.html


    Da ist einmal mageres und einmal fettes Muskelfleisch abgebildet. Man sieht das Fett an den weißen Fettstreifen.


    Sagst Du also, BARF ist ohne Knochen (gemahlen oder nicht) nicht möglich? Ich habe einen Barf-Rechner gesehen, da konnte man auswählen "mit oder ohne Knochen".

    Die Option "ohne Knochen" gibt es, weil manche Hunde keine Knochen vertragen.

    Dann muss man Knochenmehl zugeben.


    Jede Nahrung (auch Dosen und Trockenfutter) muss den speziellen Bedarf eines Hundes an Calcium berücksichtigen.

    Ein Hund braucht deutlich mehr Calcium als ein Mensch.

  • Warum muss man beim Barfen auf den Fettgehalt im Muskelfleisch achten?

    In der Ernährung des Menschen wird mageres Fleisch als gesund angesehen und fettes Fleisch als ungesund.

    Es ist aber so, dass Fett ein wichtiger Energielieferant ist.


    Ohne Energie in der Nahrung könnten wir nicht leben.

    Energie liefern Kohlenhydrate und Fett.


    Kohlenhydrate stecken hauptsächlich in Getreide (Nudeln, Brot usw.) und in Kartoffeln, Reis .....

    Braucht ein Hund Kohlenhydrate?

    Ein Hund kann von Natur aus kein Getreide, Reis, Kartoffeln verwerten, weil diese Lebensmittel gekocht sein müssen.

    Er hat ein paar Enzyme, die ihm ermöglichen, diese Lebensmittel gekocht zu verwerten. Große Mengen an Kohlenhydraten, wie sie im Trockenfutter vorhanden sind, belasten die Verdauung sehr.


    Eigentlich hat ein Hund KEINEN Bedarf an Kohlenhydraten. Seine Hauptnahrung, das Beutetier enthält keine Kohlenhydrate.


    Die Natur hat für den Hund das Fett im Beutetier als Energielieferant vorgesehen.


    Zitat:


    Wieso ist Fett so wichtig für den Hund?


    Während eine stark kohlenhydratreiche Ernährung für Hunde negative Folgen hat, hat fettreiches Fleisch für einen gesunden (!) Hund keinerlei unerwünschte Konsequenzen. Fett wird von Hunden in sehr großen Mengen verwertet (bis zu 10 g Fett pro kg KM haben keinen nachteiligen Einfluss – auch keine Risikoerhöhung für Pankreatits[1]), ist effizient, weil es wesentlich mehr Energie liefert als Kohlenhydrate (nämlich 9,3 kcal an Stelle von nur 4,1 kcal), es dehnt sich im Magen nicht aus (was ein Vorteil ist, wenn man einer Magendrehung vorbeugen will) und die Akzeptanz ist bei Hunden meist sehr groß, d. h. sie fressen es sehr gern. Außerdem liefert Fett natürlich auch essenzielle Fettsäuren[2], die der Hund selbst nicht bilden kann. Einen Kohlenhydratbedarf haben Hunde hingegen nicht.[3]


    https://www.der-barf-blog.de/2…rum-ist-fett-wichtig.html


    Der Artikel ist sehr informativ.

    Man muss aus dem Fettanteil im Muskelfleisch keine Wissenschaft machen.

    Man achtet einfach darauf, dass es ungefähr passt. Wenn der Hund mit der Menge an Futter nicht satt wird, gibt man etwas mehr Fett ins Futter.


    Hunde, die eher Trockenfutter gewöhnt sind, sollte man langsam an Fett gewöhnen!!!


    Wenn man am Anfang unsicher mit dem Fettanteil ist, kann man diesen Rechner verwenden:


    https://www.barf-check.de/kostenloser-barf-rechner/


    Der Rechner rechnet aus, wieviel Fett man bei magerem Fleisch zugeben muss oder auch den Anteil Knochenmehl, wenn man ohne Knochen füttert.

  • Hi,


    ich gehöre zu den "Schissern", was das angeht, bin aber auch offen für Neues!


    Zunächst mal die Gründe, warum wir auf Barfen (bisher) verzichtet haben zusammengefasst:


    - Uns ist es einfach zu viel, uns ausführlich damit zu beschäftigen. Tut man das aber nicht, kann man schnell auch was falsch machen. Es wird zwar immer mit dem natürlichen Beutetier argumentiert, dann aber dafür umso genauer gerechnet, was, wovon und wieviel rein muss. So einfach ist die Sache also nicht.


    - Fleisch zu bearbeiten, Gemüse zusätzlich zu kochen, einzufrieren > Aufwand


    - Hygieneaspekt


    - Für Vegetarier gibts angenehmere Dinge als Rohfleisch zuzubereiten....


    - Die Erfahrung, dass man mit gutem Fertigfutter auch gesunde Tiere haben kann



    Dass die Vorteile massiv überwiegen, macht man alles richtig, steht mE aber außer Frage! Wir teilbarfen ja seit einigen Tagen: Und so erfreut und pappsatt wie Gaius seit dem wirkt - das ist einfach nur schön:)


    Freue mich daher auf die weiteren Erfahrungen hier im Faden, bin aber auch ehrlich: zu richtigen BarferInnen werden wir wohl nicht werden aus den genannten Gründen.


    Gut fände ich daher, könnte man hier auch, zumindest randständig, über Fertigbarf Info reinpacken. Sage das natürlich aus gegebenem Anlass (dem Fertigbarf, das wir füttern). Das erfüllt, soweit ich das aktuell beurteilen kann, die oben genannten Kriterien und ist vielleicht ein Weg, wie man zum Barfen kommt, ohne die kritischen Punkte oben "mit einzukaufen".:)


    Liebe Grüße

    Lupus

  • Gemüse müsst ihr ja nich kochen, ich schreddere immer Obst/Gemüse für einige Tage und stelle es in den Kühlschrank.

    Und groß "bearbeiten" tue ich das Fleisch auch nich. Ich kaufe die einzelnen Komponenten TK bei meinem Barf-Händler und stelle dann selbst zusammen. Nur die Innereien taue ich auf und portioniere mir Mischungen.

    Natürlich kann man sich das Handling mit dem Fleisch nicht ganz ersparen. Askja bekommt ja z.B. auch Karkassen vom Markt.

    Ich bin auch Vegetarierin, komme aber in der Regel gut damit zurecht. Die Konsistenz mancher Sachen finde ich fies (Milz z.B), aber es geht.

    Was mir schon mal zu schaffen macht, ist der Fleischkonsum an sich - aber dann hätte ich mir statt Hund ein Kaninchen zulegen müssen.

    Askja vom Haus Fuchsgraben

    * 18.06.2014

    Banja vom Wogenfeld - mein Mädchen im Herzen

    * 12.04.2002 - gegangen am 08.09.2014

  • Wie kann ich die Knochen vernünftig ersetzen? Bzw wieviel Knochenmehl müssten die beiden jeweils pro Tag bekommen? Gibt es beim Knochenmehl Unterschiede auf die ich achten muss?

    Ich kenne mich mit Knochenmehl nicht aus, weil alle meine Hunde zumindest gewolfte Knochen gut

    vertragen, wenn sie keine ganzen Knochen fressen.


    Im vorigen Beitrag habe ich einen Rechner verlinkt, der den Anteil an Knochenmehl ausrechnet.

    Ich denke mal, dass das Knochenmehl in allen Barfshops eine gute Qualität hat. Man kann es auch online bestellen.
    Es sollte reines Knochenmehl ohne irgendwelche Zusätze sein.

    Bei Quacks würde ich mich sehr langsam an seine Sollmenge herantasten. Auch Knochenmehl kann zur Verstopfung führen.


    Peggy hat von Anfang an grottenschlechte Zähne, schlechte Zahnsubstanz. Ein paar Zähne wurden schon gezogen. Sie soll laut TA keine Knochen mehr bekommen.

    Na ja, kräftiges Kauen stärkt eigentlich die Zähne.

    Und natürlich die Mineralstoffe in Knochen sind wichtig für die Zähne.

    Ich würde bei Peggy kein Getreide füttern, weil Getreide ein Calciumräuber ist (also kein Trockenfutter, keinen Mais, kein Soja...)

    Auch die Aufnahme von Vitamin D ist sehr wichtig für die Zähne:

    https://www.drei-hunde-nacht.d…ine/vitamin-d-calciferol/


    Wie kann ich die Jodversorgung sicherstellen? Algenkalk und Grünlippmuschel verweigern beide auch. Trockenfisch lieben sie, sie bekommen mehrmals die Woche ganze getrocknete Fische (Makrele, Lodde, Wittling, Flunder) - aber nicht mal der Hersteller kann Auskunft darüber geben, ob / wieviel Jod drin ist und ob eine Fütterung der Leckereien als Jodversorgung ausreicht. Da ich bei Hunden sowohl schon eine Schilddrüsenunterfunktion sowie eine Überfunktion hatte, bin ich eh übervorsichtig was die Jodversorgung angeht.

    Dann das Problem mit den Innereien......

    Jod gehört ja zu den Spurenelementen.

    Das bedeutet, es werden nur winzigste Spuren benötigt.


    mg = 1 Tausendstel Gramm, μg = 1 Millionstel Gramm

    Beim Jod rechnet man nicht in Milligramm (mg), sondern in Mikrogramm.


    Ich würde davon ausgehen, dass Trockenfisch diesen Bedarf abdeckt.

    Hast du schon mal Fischstäbchen für die Hunde gebraten? Ich kenne keinen Hund, der die nicht liebt.

    Oder es gibt von Petman kleine Sprotten. Die frisst eigentlich auch jeder Hund.


    https://www.futterinshaus.de/PETMAN-Natur-Sprotte-500g


    Außerdem ist im Fleisch und in Milchprodukten auch viel Jod enthalten, weil heutzutage die Futtermittel für Nutztiere alle Jodzusätze enthalten.

    Der Jodgehalt z. B. in Butter oder Milch ist um ein Vielfaches gestiegen im Gegensatz zu den 1980iger Jahren.


    Wie du Innereien ersetzen kannst, kannst du hier (ganz unten) nachlesen:


    https://www.der-barf-blog.de/2013/09/innereien-barf.html


    Hast du die Innereien schon mal leicht angebraten in Butter?

  • - Uns ist es einfach zu viel, uns ausführlich damit zu beschäftigen. Tut man das aber nicht, kann man schnell auch was falsch machen. Es wird zwar immer mit dem natürlichen Beutetier argumentiert, dann aber dafür umso genauer gerechnet, was, wovon und wieviel rein muss. So einfach ist die Sache also nicht.

    Eigentlich sollte man sich bei jedem Tier, welches man sich anschafft, mit der natürlichen Nahrung befassen.

    Du kannst weder Fische, noch Chinchillas, Meerschweinchen oder Schildkröten einfach mit Irgendetwas füttern, wenn sie gesund bleiben sollen.

    Dass man bei Hunden diese Verantwortung an die Futterindustrie abgibt, ist eigentlich traurig.

    Die wenigsten Hundehalter können die Qualität des Futters beurteilen, welches sie füttern.

    Sie können weder die Deklaration verstehen noch wissen sie, was ein Hund braucht.


    Man verlässt sich auf die Futterindustrie.

    Die Futterindustrie ist aber kein Tierfreund, sondern auf Gewinn ausgelegt. Für die Hunde, die dann durch das Futter krank werden, gibt es teure Spezialdiäten.


    Früher waren z. B. die Calciumwerte im Futter viel zu hoch angesetzt und das Industriefutter hat besonders Welpen eher geschadet.

    Dann gab es neue Erkenntnisse und die Werte wurden halbiert!!!

    Das passiert einem Barfer nicht, weil man die Knochenmenge nach gesundem Menschenverstand gibt.

    Genauso enthalten manche Fertigfutter viel zu hoch dosierte künstliche Vitamine. Das fällt niemandem auf und die Hunde werden krank.

    Ein Barfer muss nur schauen, dass er Fleisch, Knochen, Innereien im richtigen Verhältnis füttert. Er kann nicht so viel falsch machen.

    Wir haben vor 40 Jahren ohne jede Tabelle oder Bücher roh gefüttert.


    - Fleisch zu bearbeiten, Gemüse zusätzlich zu kochen, einzufrieren > Aufwand


    Das Fleisch kann man doch in kleinen Stücken oder gewolft kaufen.

    Gemüse gibt es normalerweise in jeder Familie täglich gekocht. Da kann man für den Hund etwas mehr kochen.

    Ich habe noch nie extra für die Hunde Gemüse gekocht, sie bekommen etwas ab.


    Oder man nimmt Tiefkühlgemüse von Aldi.

    Der Hund muss auch nicht jeden Tag Gemüse haben. Man kann einfach etwas Obst, Salate oder Kräuter zugeben.

    Der Hund frisst auch Gras auf der Wiese oder Nüsse und Beeren im Garten. Meine Hunde versorgen sich oft selbst im Garten.

  • Muriel, ich hoffe ich lenke nicht zu sehr vom Thema ab, aber Du schreibst einen Beitrag über meinem, dass Deine Hunde sich selber im Garten versorgen mit Beeren usw. Jetzt meine Frage: Rio frisst eigentlich alles, was er zwischen die Zähnchen bekommt, z.B. derzeit meine selber gepflanzten Chillis. Teilweise spuckt er es auch wieder aus, aber Beeren im Wald oder Vogelschiss oder Pferdeäpfel usw. würde er alle auffressen, wenn ich ihn lasse.. Ist das auch schon BARF? ;) (Spass beiseite) Meinst Du, das ist schädlich? Lässt Du Deine Hunde sowas essen?

    <3Behandle dein Haustier so, daß du im nächsten Leben ohne Probleme mit vertauschten Rollen klar kommst.<3

  • Danke, Muriel, für deine tollen Tipps! Sprotten und Fischstäbchen werde ich ausprobieren. Und nochmal probieren, die Innereien anzubraten. Hatte ich auch schon überlegt, aber dann verworfen, weil es ja dann nicht mehr roh ist....Ich dachte immer (mal gelesen), daß man keinesfalls roh und gegart zusammen in einer Mahlzeit füttern sollte , da es zu Verdauungsproblemen kommen könnte. Bleiben denn die Inhalststoffe trotz anbraten ähnlich erhalten wie in rohen Innereien? Oder muss man dann etwas mehr geben?

    Du kennst dich wirklich sehr gut aus, Muriel! Da ziehe ich meinen Hut vor! Deine Beiträge sind sehr interessant, ausführlich und auch noch leicht verständlich. Vielen Dank dafür:*:*