@Ellionore
Holger, Du liegst ja nicht verkehrt. ich stelle auch fest, dass mir Leute aus dem Weg gehen oder auch ein mir inzwischen lieb gewordenes Mitglied aus meiner Hundesportgruppe, die schon mit ihrer Hündin in der Welpengruppe mit uns zusammen trainierte, zwei Schritte rückwärts ging, als ich Chia aus dem Auto holte. Sie gab auch zu, dass sie Angst vor Schäferhunden hat und es hat einen Moment gedauert, bis sie sich traute, Chia zu streicheln.
Es eilt dem DSH sicher ein Ruf voraus, dem die meisten dieser Rassevertreter gar nicht gerecht werden, weil sie so sind, wie Micha369 das beschreibt.
Du musst Dich - zumindest aus meiner Sicht - auch keinesfalls rechtfertigen, dass Du Fragen stellst, die vielleicht unbequem erscheinen oder die DSH-Fans ungern hören ... oder sie sogar verärgern.
Ich persönlich sehe den Vorteil des Gebrauchshundes darin, dass er als "Arbeitshund" Anlagen mitbringt, auf die er züchterisch lange Zeit selektiert wurde. Dazu gehört der "will to please", denn ein Hund, der für die Arbeit (den Gebrauch) gezüchtet wurde und dementsprechend eben besonders geeignet ist, Kommandos auszuführen, die er als Such-, Wach- oder Schutzhund befolgen können muss, um einen guten Job zu tun.
Aber der DSH ist natürlich auch ein kleiner "Januskopf" und hat die berühmten zwei Seiten der Medaille zu bieten. Die Kehrseite ist die, dass ein Gebrauchshund auch gerne mal eigenständig arbeitet, wenn man ihm keine Aufgaben stellt oder man selbst kein "Fels in der Brandung" für den Hund ist, auf den sich der Hund verlassen kann und an den er die Führung gerne abgibt ... und wenn der DSH die Führung übernimmt, dann arbeitet er eben unangenehm selbstständig.
Als ich meinen ersten Langstockhaar-Rüden Joe bekam, war der ein Beispiel für den will to please-Hund, der einem den Gehorsam nicht nur schenkt, sondern hinterherträgt. Ich hätte jedem Hundeanfänger sofort geraten, sich für einen DSH als Ersthund zu entscheiden. Das blieb bei Anka so und auch Bene bestärkte diesen Eindruck. Mein Lieschen natürlich auch, aber die war ein DSH-Collie-Mix. Allerdings war mein allererster DSH Hannibal auch nicht so leichtführig, aber der war bei meinem Ex-Mann auch eher der Hofhund, der nur rein durfte, wenn er auf Mannöver war und ich allein zuhause saß (was zum Glück oft vorkam, weil er Flieger war und häufig im Ausland Einsätze hatte). Hannibal galt als gefährlich und er hatte auch mal meinen Schwiegervater gebissen, als der seinen Schlüssel vergessen hatte und nachts durchs geöffnete Schlafzimmerfenster einsteigen wollte.
Aber ich liebte den Hund und er merkte das auch. Wir hatten eine Art "Ich tu Dir nichts und Du tust mir nichts.Verhältnis und das erlaubte es mir, auch mit ihm spazieren zu gehen, ohne dass er Leute oder andere Hunde anging. Bis ich einzog, lebte der Hund in der Scheune, hatte Auslauf im Hof und bis auf die Fütterung hatte er auch kaum Kontakt zu Menschen. Mein Ex war mit ihm auch auf dem Hundeplatz, aber nachdem er im SD dem Helfer an die Gurgel gehen wollte, wurde entschieden, dass der Hund gefährlich ist.
Ich bin mir also auch bewusst, dass die Vorbehalte gegen den DSH auch berechtigt sein können, aber meistens sind die Probleme "menschgemacht" und inzwischen denke ich, dass es keine gute Idee war, Leuten den DSH als Ersthund zu empfehlen, wenn die Leute selbst nicht gefestigt und nicht souverän sind und mit dem Hund nichts tun, was ihm zum Ausgleich seiner Leistungsbereitschaft hilft.
Und ja. Es gibt immer die Ausnahme, welche die Regel bestätigt. Aber seit mich Chia vor Herausforderungen stellt, die nur lösbar sind, wenn ich an mir selbst arbeite, um für Chia der Fels in der Brandung zu sein, weiß ich, dass das nicht so leicht ist und man vielleicht schon ein bisschen gereift sein sollte, um der Rasse gerecht zu werden und ihren schlechten Ruf nicht zu schüren.