Was ist für euch Gewalt in der Hundeerziehung?

  • Seid mir nicht böse, aber bevor ich riskiere, dass mein Hund bei so einer Aktion verletzt wird, trainiere ich lieber mühsam und mit viel Zeitaufwand.


    Ich habe früher noch nichts von Physiotherapeuten und Osteopathen gewusst, aber nachdem ich das erste mal einen Osteopathen an meinem Pferd hatte und dabei lernte, wie schnell sich Wirbel verschieben können, wie rasch ein Muskel sich verspannt und wie gefährlich es ist, wenn Muskeln überdehnt werden, respektive wie fragil der Bewegungsapparat eines Pferdes ist, wurde mir klar, dass das beim Hund nicht anders ist.


    Ich habe in den letzten Wochen viele Bücher gelesen und die Verletzungen unter dem Fell sieht man nicht, wie die unter der Haut des Menschen, wenn sich Blutergüsse bilden.


    Mein Hund soll mir vertrauen und wissen, dass er sich auf mich verlassen kann und bei mir sicher ist ... wenn ich körperliche Grobheiten gegen ihn anwende, kann das auch schief gehen und der Hund wird irgendwann reaktiv, weil er sich auch nicht weh tun lassen möchte.


    Ich bin froh, mit Chia ein Sensibelchen zu haben, denn sie lehrt mich umzudenken und einen anderen, besseren Weg zu finden.

  • Ich bin froh, mit Chia ein Sensibelchen zu haben, denn sie lehrt mich umzudenken und einen anderen, besseren Weg zu finden.

    Wenn du ein Sensibelchen hast wirst du ja auch kaum in die Lage kommen gewisse Dinge anwenden zu müssen. Solche Maßnahmen sollten immer der letzte Ausweg sein. Aber das hatten wir ja jetzt schon zur Genüge. :rolleyes:

  • danke HSH . Ich hoffe noch, nicht so weit gehen zu müssen, aber ich fühle mich sicherer zu wissen, es gibt noch n Notfallplan. Ich hatte bei einem meiner Hunde mal ganz zu Anfang das Problem, dass er grad hart pubertierte als er zu uns kam und ihn n Scheiß interessiert hat, wohin ich wollte der hat versucht mich wie ne Fahne hinter sich her zu schleifen. Egal was ich probierte er hat mich nicht akzeptiert. Bis mir mitten auf dem Feldweg die Idee kam ihm deutlich zu zeigen, wer Herr im Ring ist. Hab ihn ins sitz bekommen und da heraus seitlich hin gelegt und lag dann quasi halb auf ihm mit der Hand an seiner Kehle. Hab dann mal n Moment so ausgeharrt und dann gings weiter, nach 5m das selbe Spiel und ab da waren wir ein Team und ich hatte klar die Hosen an. Der Hund hatte auch nie Angst vor mir und ich hab ihm dabei auch nicht weh getan. Er brauchte halt genau diese Aktion um sich bei mir sicher zu fühlen und um eine Bindung zuzulassen.

    Es kommt halt auch immer auf den Typ Hund an und ich bin auch immer dafür die Verhältnismäßigkeit der Mittel zu hinterfragen.

  • Verbena, ich habe rein meine innere haltung jetzt mal geändert. Nichts anderes.

    Und ob das dann bei einer pöblerei hilft, wage ich zwar zu bezweifeln, aber einfach offen sein, auch für die eigenen fehler die man macht. Es ist ja fast dasselbe was Ruebchen mir damals sagte und sehr gut wirkte: ist mir doch wurscht.

  • Verbena, ich habe rein meine innere haltung jetzt mal geändert. Nichts anderes.

    Und ob das dann bei einer pöblerei hilft, wage ich zwar zu bezweifeln, aber einfach offen sein, auch für die eigenen fehler die man macht. Es ist ja fast dasselbe was Ruebchen mir damals sagte und sehr gut wirkte: ist mir doch wurscht.

    Mona, mir geht es ja auch nicht darum, dass jemand seine Eistellung ändert - im Gegenteil: Im Kopf flexibel zu bleiben, ist ja sinnvoll, weil es eben kein Schema F gibt, das in der Korrektur jeden Hundes passt und man darum eben immer schauen muss, welcher Weg mich zum Hund führt und mit dem Hund zusammen dann zum Erfolg meines "typgerechten Trainings".


    Aber für mich beginnt die Problemlosung nicht da, wo der Hund pöbelt oder zur Jagd bläst.


    Natürlich kann ich versuchen, meinen Hund umzuwefen, um dann mit meiner Dominanz dafür zu sorgen, dass er nicht tut, nach was ihm gerade das Mützlein stand.


    Ich kann aber auch tiefer in das Problem eintauchen, um festzustellen, dass hinter jedem unerwünschten reaktiven Verhalten die mangelnde Impulskontrolle steht.


    Wenn ein jagdmotivierter Hund ein Reh sieht, wird er sich nicht hinsetzen und denken: "Hmmm. Da ist ein Reh. Das könnte ich eventuell mal jagen ... könnte echt Spaß machen!", um dann loszubrettern.


    Genauso wird der pöbelnde Hund nicht überlegen, ob es wirklich sinnvoll ist, den entgegenkommenden Artgenossen anzugehen, sondern sein Denken wird sein: "Boah! Ein Hund!" und dann geht das Gepöbel auch schon los.


    Weil der Hund seinen Impuls nicht kontrollieren kann und ihm folgt, bevor er denkt.


    Darum sollte das Training - und das ist nur meine Meinung, die kein Recht auf wissenschaftliche Beweisbarkeit oder Richtigkeit erhebt - vermutlich auch bei der Impulskontrolle beginnen.


    Bei Chia sieht das beispielsweise so aus, dass sie extrem impulsiv ist und darum auch sofort losschießt, wenn sie etwas interessant findet. Sie muss also lernen, sich zurück zu nehmen. Dafür muss sie aber bereit sein, mir ihre Aufmerksamkeit zu schenken, denn wenn sie mich schon ignoriert, ist ein erfolgreiches Training nicht zu erwarten.


    Chia liebt das Ballspiel ... bei dem sie aber schon nicht bereit ist, die Beute nach dem Wurf wieder abzugeben. Damit ist klar: Der Ball ist der Spaßbringer und nicht ich.


    Somit beginnt der Trainingsweg also da, wo ich als Verwalter der Spassressoucen auch ihre Aufmerksamkeit bekomme.


    Ich will nun gar nicht zu weit ausholen, aber ich habe, nachdem ich den Handtouch etabliert hatte und Chia für ihren Blick zu mir den Ball zur Belohnung erhielt, mit zwei Bällen gearbeitet und hinter dem ersten Ball den zweiten geworfen, weshalb Chia dann auch irgendwann verknüpfte: "Ich gebe den Ball her, aber ich verliere nichts, weil ich sofort einen anderen Ball bekomme und dass der Ball fliegt, ist viel spannender, als den Ball zu hüten und ihn vor Frauchen in Sicherheit zu bringen!"


    Die Reprisen des Trainings dauern aber nie länger als 10 Minuten und dann bekommt Chia Ruhe, um "nachdenken" zu können und die Verknüpfung abzuspeichern.


    Der nächste Schritt ist nun, dass Chia vor mir sitzt und mich anschaut und ich den Ball werfe, sie aber an der Leine zurückhalte, bis sie wieder sitzt und mich anschaut, um dann die Freigabe "Jetzt!" zu geben.


    Das klappt inzwischen auch schon, wenn ich die Leine nicht halte oder darauf stehe, sondern sie neben meinem Hund liegt. Das ist ein Schritt zur Impulskontrolle, denn der Hund sieht das Objekt seiner Begierde wegfliegen, muss nun aber auf die Freigabe warten, die nur erfolgt, wenn er sich zurücknimmt. Mit dem "Jetzt!" ist die Belohnung verbunden und der Hund verknüpft irgendwann schon das "Sitz" und das "Schau" mit einer positiven Erwartung auf die Belohnung und nicht mit dem Stress oder der Frustration des Aushaltens.


    Die positive Verknüpfung führt dazu, dass der Hund lernt, dass es sich immer lohnt, nicht impulsiv seinen Ideen zu folgen, sondern zu warten und die Aufmerksamkeit auf seinen Menschen zu richten, weil der die Spaßressource hat und sie als Belohnung zur Verfügung stellt.


    Allerdings habe ich auch immer wieder gemerkt, dass meine Körpersprache miserabel ist und mein Hund nie so genau wusste, was ich jetzt eigentlich will. Und ja - ich habe mir also mal wieder Bücher zu dem Thema bestellt und arbeite daran, mich mit meiner Körpersprache klarer auszudrücken, damit mein Hund versteht, wann ich möchte, dass sie sitzen bleibt und wann ich sie mit der Freigabe einlade, sich ihren Ball zu holen.


    Was ich merke ist, dass Chia sich immer stärker an mir orientiert und ihren Blick zu mir wendet, wenn sie nicht sicher ist, ob ich erlaube, was ihr gerade so in den Sinn kam. Sie reagiert damit nicht mehr komplett impulsiv, sondern hat gelernt, dass es sich lohnt, abzuwarten, sich hinzusetzen, mich anzuschauen und mich "um meine Meinung zu fragen".


    Allerdings ist es bei diesem Training auch entscheident, den Reiz einschätzen zu können, denn wenn der zu groß ist, wird der Impuls eben auch mal wieder unkontrollierbar.


    Ich teste darum auch aus, wie groß die Distanz sein darf oder muss, innerhalb derer mein Hund sich noch zurücknehmen kann und nicht in den "out-of-order-Tunnel" gerät, in dem dann auch die Verknüpfung von "Warten, Sitzen, Anschauen = Spaß und Belohnung" nicht mehr funktioniert.


    Darum wäre es kontraproduktiv, mit Chia die Nähe von anderen Hunden zu suchen und zu versuchen, ihre Reaktivität durch "Abhärtung" zu heilen zu wollen.


    Der Weg ist eher der, die ihr noch angenehme Distanz zu wahren, in der sie noch "mitdenkt", damit sie die positive Verknüpfung von "Sitzen, Warten, Schauen = Belohnung und Spaß" auch mit dem anderen Hund verknüpfen kann und eine Begegnung sie nicht stresst, sondern die Erwartung weckt, dass das Zurücknehmen sich mehr lohnt, als das Pöbeln und sie gleich eine Belohnung und Spaß bekommt, wenn sie sich zurücknimmt.


    Natürlich ist die Idee, dass die Distanz immer geringer wird und Chia ihren Impuls, zu pöbeln, auch dann noch unterdrücken und sich zurücknehmen kann.


    Rückschläge gibt es trotzdem immer mal wieder, wenn ich einfach nicht ausweichen und die angenehme Distanz wahren kann, weil der andere Hundespaziergänger um die Ecke kommt und ich ihn erst zu spät sah oder der Weg einfach zu schmal ist, um auszuweichen.


    Aber wir haben uns kürzlich durchs Unterholz gearbeitet und eine Begegnung entspannt gemeistert. Chia konnte zum Weg schauen und auch sehen, wer da kommt, aber nachdem der Reiz durch die Distanz nicht so groß war, wie die Aussicht auf Belohnung, entschied sie sich, sich zurück zu nehmen und vor mir sitzen zu bleiben, um mir ihre Aufmerksamkeit zu schenken und nicht der Begegnung.


    Natürlich kann man eine kurzfristigere Impulskontrolle erreichen, wenn ich das Pöbeln mit dem Gefühl des Hundes verknüpfe, dass das Folgen des Pöbelimpulses zu ziemlich schlechter Laune beim Menschen führt und dann eine Massregelung erfolgt, die der Hund unangenehm in Erinnerung behält.


    Kann klappen. Klappt beim sensiblen Hund vielleicht weniger gut, weil der dann eher versucht, die Flucht anzutreten, bevor der Mensch garstig wird oder irgendwann überlegt, dass es Zeit ist, sich mal zu wehren.


    Bei einem eher unsensiblen Hund hätte ich Bedenken, dass er eventuell doch öfter nachfragt, wenn er mich so einschätzt, dass mir eventuell auch mal die Kraft fehlen könnte, ihn zu maßregeln. Als Mann hat man es da vielleicht leichter, aber ich könnte vermutlich weder Chia noch Bene auf den Rücken drehen, um Ihnen meine Dominanz zu verdeutlichen.


    Ich habe aber auch einen 600-kg-Hengst, dem ich blind am langen Führstrick vertrauen kann und der mich auch dann noch als die Führende respektieren würde, wenn ich tot quer über dem Sattel hängen würde. Mich mit ihm anzulegen, um ihm meine Dominaz zu beweisen, könnte für mich schmerzhaft ausgehen und darum setze ich eben lieber auf Vertrauen und ein respektvolles, aber trotzdem achtsames Miteinander ... und darum hat mir mein Pony auch schon öfter mal meinen Hintern gerettet und mir Gefallen getan, die man eben nur einem Freund erweist und keinem, der einen zum Kadavergehorsam zwingt.

  • ... und mir Gefallen getan, die man eben nur einem Freund erweist und keinem, der einen zum Kadavergehorsam zwingt.

    Du vergisst dabei nur eine klitzekleine Kleinigkeit: HSH neigen eher wenig zum Kadavergehorsam. Und mangels Führstrick kann ich sie im Alltag auch zu Nichts zwingen, sondern bin auf die freiwillige Mitarbeit der Hunde angewiesen. Und sie sind zudem nicht dumm, sie wissen genau wann sie den Einwirkungsbereich des Halters verlassen. Trotzdem läufts bei Uns völlig entspannt. Warum nur?

  • Weil eben jeder Hund anders ist und man keinen pauschalen Trainingsweg finden wird, der füt jeden Hund passt. Bei Deinen Hunden passt es - das ist schön und es freut mich für Dich.


    Ich habe mit Bene auch einen Hund, für den ich schon häufiger vergaß, die Leine mitzunehmen, als sie noch der einzige Hund in unserer Familie war, weil sie im Grunde keine Leine braucht. Auch mein Joe war so ein Hund, der nie fragte, ob es eine Alternative zu meiner Idee gibt. Bommeline war so, Anka und Lieschen auch und Müsli sowieso. Elvis war reaktiv, aber den habe ich zum einen schon als extrem leinenaggressiv geerbt und leider auch nicht die Zeit gehabt, das zu ändern, denn er wurde vorher krank.


    Aber Chia ist nun mal eben ganz anders, als es alle 14 Hunde waren, die mich je in meinem Leben begleitet haben.


    Und hättest Du vor zwei Jahren mit mir diskutiert, wäre meine Meinung vielleicht auch eine andere gewesen, denn wenn man ein Problem nicht kennt und sich damit auch nicht beschäftigen muss, denkt man darüber vielleicht anders.

  • Der nächste Schritt ist nun, dass Chia vor mir sitzt und mich anschaut und ich den Ball werfe, sie aber an der Leine zurückhalte, bis sie wieder sitzt und mich anschaut, um dann die Freigabe "Jetzt!" zu geben.

    Das kann Brummi seit sehr vielen Monaten (seit ca. 10 Monaten?), weil ich gerade die Impulskontrolle von Anfang an extrem geübt habe - ändert bei uns gar nichts an der Leinenreaktivität, denn andere Hunde sind keine geworfenen Bälle, Kekse oder sonst was und somit liegt das zumindest bei uns nicht daran… ich mag dir da auch gar keine Seifenblasen zerstochern, aber ich könnt dir auch keine Garantie geben, dass das was bringt, wenn sie das kann, einfach weil ich auch glaube, dass das Gepöbel an der Leine auf einem anderen Problem basiert (bei uns auf Territorialverhalten bzw vor der Kastration noch sexuell motiviert).


    Und da geht’s ja um Ressourcenverteidigung im Groben - Territorien sind auch Ressourcen, sowie auch Sexualpartner bzw. die Verteidigung des Territoriums vor nicht-Sexualpartnern und wenn Chia schon den Ball nicht hergeben mag, hat das vermutlich nichts mit der Impulskontrolle zu tun, sondern an der Verteidigung von Ressourcen. Das hinterherfetzen, ja, aber gib ihr mal das Kommando „bleib“ bevor du wirfst und schau, ob sie dann sitzen bleib?


    Brummi gibt mir aber auch ausnahmslos und bedingungslos alles, was ich von ihm haben will - das Wort „aus“ beherrschte er nach drei Tagen bei uns einwandfrei und ohne Verzögerung (ist für mich ein Sicherheitskommando wie Pfui und Hier, die drei lernen sie bei mir zuerst und meist noch vor ihrem Namen), jedenfalls ist Ball hergeben halt auch nichts, was mit einem fremden Hund in „seinem“ Territorium zu tun hat.


    Sind wir auf ihm völlig unbekannten Wegen, reagiert er deutlich weniger oder auch mal nicht, was meine Vermutung bestätigt, kannst du das vielleicht auch mal machen? Würde Brummi da trotzdem oder sogar deutlich starker reagieren, wäre das wohl Unsicherheit. Aber er bellt auch nicht unsicher in hohem Ton, er hat keine unsichere Körperhaltung, nichts. Er macht sich groß und bellt druckvoll und tieftönig und meint das ernst.


    Aber man darf halt auch nicht vergessen, dass die angenehme Distanz für Hunde fast immer eine ganz andere ist, als es sie für uns ist. Wir denken oft, 5 Meter müssten doch reichen - obwohl unser Hund vielleicht eher 15 Meter weitläufig dem fremden Hund aus dem Weg gehen würde. Da wir sie aber in die 5 Meter hinein zwingen, suchen sie sich Alternativen, wie sie damit umgehen - sie haben Angst, sie verteidigen, sie machen auf sich aufmerksam, sie verspannen sich, ändern den Blick oder die Haltung...


    Das muss nicht mal sein, dass „wir“ unseren Hund da hinein zwingen. Eventuell will der andere Hund das auch nicht, zeigt entsprechende Körperhaltungen oder andere Reaktionen und unserer reagiert dann „nur“ darauf. Denn es gibt Hunde, die können sehr nah an uns vorbei und Brummi macht da NICHTS, guckt oft sogar zu spannenderen Dingen wie Vogelgeräuschen und es gibt Hunde, die sind sehr weit weg und trotz Bärenumarmung hat er Schwierigkeiten, entspannt zu bleiben oder den Blick davon zu lösen.


    Was er hasst, sind Hunde die ihn drohend fixieren (Hach, die lieben Aussies…). Leinenrambos und Kläffer hingegen, die sind ihm oft egal, da scheint er drüber zu stehen. Nervöse Hunde findet er interessant und schaut ihnen gerne hinterher. Neutrale Hunde interessieren ihn oft nicht die Bohne, so lange die nicht auf Tuchfühlung gehen, will der von denen auch nix, aber davon gibt es nur sehr wenige. Und was für uns augenscheinlich „neutral“ ist, kann in Hundesprache trotzdem für uns unsichtbare Feinheiten haben, die wir nicht sehen und unseren Hund dazu bringen, zu reagieren, obwohl der fremde Hund doch „nix“ gemacht hat.

  • eine impulskontrolle im training ist das eine, eine impuls/triebkontrolle eines natürlichen impulses ist das andere

    ich kann das was azemba schreibt auch so bestätigen

    weil mir das wichtig ist, hab ich mit lexy auch von anfang an an der impulskontrolle gearbeitet - aber das hilft eben leider nur bedingt

    erst gestern mit lexy wieder erlebt:

    im spaziergang oder auf der wiese beim üben - ist es kein thema dass ich den ball werfe und sie auf freigabe zum hinterherlaufen wartet -ich brauche keine absicherung dieser "übung" auch aus dem spiel raus in action ist sie zu stoppen

    das problem: sie kennt die übungen/abfolgen und kommandos und weiss quasi was folgt und was erwartet wird - egal wie abwechslungsreich ich das gestalte- aber da ist sie vom kopf her ja auch bei mir und dem was wir zusammen tun


    aber dann sieht sie plötzlich einen reizauslöser am nahen waldrand (ich vermute es war ein vogel) und sie steht wirklich grad ganz nah bei mir und ich sehe wie sie sofort ihre komplette körperspannung/haltung ändert - die ohren gehen nah hinten und in einem bruchteil einer milisekunde ist sie weg - meine reaktion war für menschliche oder meine verhältnisse schon schnell denn sie war noch keine 2 meter von mir weg als ich stopp brühlte - nicht nur das die nach hinten angelegten ohren offensichtlich ein zeichen für ausgeschaltete hörfunktion sind, auch ansonsten keinerlei reaktion ihrerseits, noch nicht mal ansatzweise - der kopf war zu 10000% auf das ziel ausgerichtet und nix anderes existiert

    da hätte ne bombe nebendran platzen können wäre sie trotzdem weiter gerannt :cursing: (schussfestigkeit hat auch nachteile)

    am waldrand angekommen und festgestellt da ist nix kam sie zwar gleich wieder zurück, aber ich bin trotzdem stinkig ab nach hause


    impulskontrolle zu üben ja muss sein, aber lässt sich leider nicht immer auf andere oder problematische situationen übertragen

  • Ich nehme Eure Überlegungen gerne so mit, aber momentan bin ich mit den Fortschritten soweit zufrieden.


    Wobei ich eben auch nochmal betone: Es gibt nie nur einen Weg und nicht jeder Weg passt für jeden Hund.


    Ich schrieb es schon: Chia ist mit ihrer Aufmerksamkeit mehr bei mir und orientiert sich auch deutlich stärker an mir - das ist für mich schon ein großer Fortschritt, denn bei ihr hatte ich manchmal das Gefühl, ich könnte sie auch alleine zum Gassigehen losschicken und das wäre ihr auch Recht gewesen, denn selbst wenn ich mich versteckte, lief sie ja einfach weiter. Als die vier Monate alt war, hatte sie sich mal im Weizenfeld verirrt und statt zu mir zurück zu laufen, rannte sie nach Hause. Sie war also schon sehr früh sehr selbstständig und kein Hund, der an seinem Menschen klebt.


    Darum ist es für mich schon ein immenser Fortschritt, dass sie möglichst bei mir bleibt und meinen Blick sucht.


    Das hilft beim Jagdproblem auch sehr, denn sie startet nicht mehr kopflos durch, sondern schaut zu mir und so habe ich die Chance sie zu mir zu rufen. Mir ging es wie Dir nette : Oft konnte ich so schnell nicht reagieren, wie mein Hund losbretterte. Sie ließ sich abrufen, aber das Losbrettern an sich nervte mich extrem und diese Anspannung, imm damit rechnen zu müssen, dass sie das Wild vor mir sieht.


    Das ist auf jeden Fall durch das Impulskontrolltraining sehr viel besser geworden, weil sie gelernt hat, sich zurück zu nehmen und nicht jedem Impuls zu folgen, der ihr durchs Gehirn schießt.


    Momentan kann ich auch mit der 10-m-Distanz, die sie zum anderen Hund noch braucht, gut leben. Trainingsrückschritte oder Eskalationen sind nur zu befürchten, wenn jemand mit seinem Hund plötzlich vor uns steht, weil wir ihn hinter der Kurve nicht gesehen haben.


    Habe ich aber die Zeit, mit Chia die Distanz zu suchen, schaut sie zwar hin, aber sie fährt nicht hoch.


    Wenn ein Hundespaziergänger hinter uns herkommt und der Abstand ist noch groß genug, dreht sie sich auch nicht um und will auch nicht zum anderen Hund hinziehen - das war vor sechs Monaten noch anders. Da war es egal, wie weit weg der Kumpel war. Chia wollte da hin und bockte wie ein Eselchen an der Leine und bellte.


    Für Chia passt es anscheinend, dass sie lernt, sich zurückzunehmen und nicht jeder Idee, die ihr in den Kopf schießt, spontan nachzugeben.


    Aber ich schrieb es auch: Ich hatte bislang noch nie einen Hund wie Chia und musste mir noch nie so viele Gedanken um den passenden Trainingsweg machen. Vor zwei Jahren hätte ich hier auch anders diskutiert. :/

  • Ich bin euch dankbar, echt dankbar Ruebchen, HSH für eure Worte zum generellen Umgang mit einem Problem und Axman für den Plan B.

    Ich habe eure Zeilen regelrecht aufgesogen, sehr viel darüber überlegt und es dann mitgenommen auf meine letzten beiden Runden mit Sam (gestern und heute), aber mich noch zusätzlich über Unsicherheiten belesen, an der ich jetzt auch ganz schwer arbeite und mich u.a. zu Sam ins Auto bei offenem Kofferraumdeckel setze und wir Nachbars Katze in aller Ruhe beobachten, oder heute einem anderen Hund nachgesehen haben und ich einfach nur Ruhe übertragen habe. Hat funktioniert.


    Die erhabene Haltung eines HF habe ich einfach verlernt (gehabt), ich habe mich anstecken lassen von Sam seine Pöblereien und dadurch selbst ein super Problem bekommen. Wenn ich aber schon "spinne" bei Sichtung eines anderen Hundes, wie soll dann da der Hund ruhig bleiben.

    Ich bin der Boss und ich sage auch wo es lang geht und genau so, mit dieser absolut erhabenen Haltung gehen wir z.Zt. unsere Runden und auch mit dem Feeling, wenn da jetzt ein Hund aufkreuzt, dann werden wir schon sehen, wie ich das gebacken bekomme. Aber ich krieg das bei einer Frontalbegegnung hin (und zwar mit Plan B von Axman).

    So lief die gestrige Hundebegegnung eigentlich schon relativ friedlich ab, zwar keine Frontalbegegnung, aber von der Seite und heute wieder, obwohl der andere gemotzt hat. Aber durch meine Haltung habe ich Sam einfach "mitgenommen".


    Ich möchte jetzt nicht den Tag vor dem Abend loben, weil vieles von heute auf morgen nicht möglich ist. Aber die Worte von HSH klingen die ganze Zeit in meinem Hirn, dass das einfach ständiges Training ist und genau so sehe ich das jetzt auch.

    Vorher: Scheiße, jetzt scheint die Sonne und damit sind wieder alle unterwegs und heißt, dass ich etliche Male mit einem anderen Hund rechnen muss und damit eine stressige Runde vor mir habe. Wenn's blöd läuft, kommt mir auch noch einer entgegen und dann hab ich wieder den Salat.

    Jetzt: Ok, heute schein die Sonne, Du hast Plan A und Plan B im Hirn, einfach ausprobieren, ob es funktioniert.


    Ich hätte nie gedacht, dass ich auch schon so eine Schraube locker habe. Vielen Dank fürs "anziehen" :thumbup:

  • oh mona , ich freue mich sehr deine zeilen zu lesen und drücke dir alle daumen von ganzen herzen, dass du das so oft und lange aufrecht erhalten kannst bis es verinnerlicht ist :thumbup: