HD ist ein so komplexes Thema dass die Wissenschaft uns Züchtern bisher noch keine Möglichkeiten bieten konnte sie innerhalb der einzelnen Zuchtpopulationen "ausrotten" zu können. Beim DSH ist die Situation noch relativ überschaubar. Andere Rassen sind viel schlimmer betroffen. So haben bei einigen großen Molosserrassen 80% oder mehr der Hunde dysplastische Hüftgelenke. Die HD-Statisik in den USA wurde jahrzehntelang vom Mops angeführt, und selbst die Main Coon-Katze leidet in den USA öfter unter HD-Problemen als der DSH (hier bei uns vermutlich auch, aber hier wird keine so großartige Statistik geführt wie bei der OFA).
Auch wenn Du als Züchter über Generationen mit HD-freien Hunden züchtest, es bleibt immer ein Restrisiko. Wobei dieses geringer ist als in Bezug auf ED oder Lendenübergangswirbel (weil auf ED noch nicht so lange geröngt wird, und für die Beurteilung der Lendenwirbel gibt es erst seit knapp 4 Jahren ein validiertes Auswertungverfahren, welches erst einmal auf freiwilliger Basis angeboten wird; da kann noch gar keine züchterische Selektion stattgefunden haben).
900 Euro für einen DSH-Welpen ist ein Preis, der bereits zur oberen Grenze des üblichen Welpenpreises tendiert. Warum sollte jemand so viel Geld für einen Welpen "ohne Papiere" bezahlen, wenn er für das selbe Geld einen Welpen mit voller Ahnentafel erhalten kann, mit welchem ihm züchterisch und sportlich alle Türen offen stehen? Fakt ist dass von der Mutter Deines Hundes kein weiterer Deckakt mehr beim SV eingetragen worden ist, weder bei diesem Züchter noch bei einem anderen SV-Züchter. Der Züchter hat danach in 2019 mit einer anderen Hündin einen weiteren Wurf gemacht. Ich habe auch im winSIS keine Angaben zu einem weiteren Deckakt bzw. Wurf dieser Hündin gefunden (ggf. bei einem ausländischen Züchter).
Du schimpfst hier über den Züchter Deines Hundes, der Dir angeboten hat Dir einen weiteren Welpen kostenlos zu geben. Das ist mehr als Du vermutlich erhalten würdest, wenn Du den Züchter kaufrechtlich verklagen würdest (ich vermute mal Dir wurde im Kaufvertrag keine spätere HD-Freiheit zugesichert?). Kein Züchter verpaart seine Hündinnen absichtlich so dass er damit rechnen müsste dass Hunde mit HD unter der Nachzucht sein werden. Natürlich können Menschen unterschiedlicher Meinung darüber sein mit welchen Hunden gezüchtet werden sollte und mit welchen nicht. Egal ob es um den Aspekt HD geht, oder andere gesundheitliche Aspekte, oder ob es um die Arbeitsveranlagungen geht oder das Wesen oder das Aussehen eines Hundes. Aber DIR als Welpenkäufer obliegt es doch Dich VOR dem Kauf eines Hundes mit der Materie auseinander zu setzen. Es ist ja nun wirklich kein Geheimnis dass es Erbkrankheiten wie HD und anderes in der Hundezucht gibt. Sorry, wenn ich höre dass jemand die direkte Vorfahrenlinie seines Hundes erst nach dem Welpenkauf checkt, wenn er die Ahnentafel seines Hundes erhält, dann ist dieser Jemand doch sehr blauäugig an den Welpenkauf herangetreten. Schon beim ersten Besuch beim Züchter kann man sich die Ahnentafeln der Mutter und des Vaters der Welpen zeigen und erklären lassen. Fast jeder rennt heutzutage mit einem Smartphone durch die Gegend und fotografiert sein Essen und alles andere, was den Rest der Welt nicht interessiert. Aber so etwas Wichtiges wie die Ahnentafeln der Eltern eines Welpen, den man kaufen möchte, fotografiert anscheinend kaum jemand. Um anschließend mal jemanden zu fragen können der sich mit der Materie auskennt...
Du hast einen Welpen erworben der eine HD entwickelt hat. Punkt. Das ist nicht schön, und dass Du Dich darüber nicht freust ist mehr als verständlich. Aber Dein Züchter hat Dir kostenlos einen anderen Welpen angeboten (den Du ja hättest akzeptieren und weiterverkaufen können, um z.B. einen Teil möglicher auf Dich zukommender Tierarztkosten decken zu können). Das Angebot Deines Züchters war fair und er hat nicht verucht sich auf der Affaire zu ziehen. Im wäre es bestimmt auch bedeutend lieber Dein Hund wäre gesund und Du mit ihm zufrieden.
Dass die Hündin noch einen weiteren Wurf hatte kann von Dir nicht belegt werden. Ich könnte mir auch keinen Grund vorstellen um eine Hündin mit zur Zeit noch gültigen Ankörung einen Wurf "ohne Papiere" bringen zu lassen. Das sind Hunde aus Show-Linien! Die in erster Linie gezüchtet werden um sie auszustellen und auf den größeren Shows hohe Bewertungen zu erhalten. "Ohne Papiere" läuft da gar nix... Ich wüßte auch nicht wer für so einen DSH "ohne Papiere" einen Welpenpreis von 900 Euro zahlen würde (so viel habe ich für die Welpen meines letzten Wurfes genommen, und da wurde ich schon von manch einem für bekloppt erklärt obwohl für diesen Preis noch Futter und Futterzusätze im Wert von weit über 100 Euro mitgegeben worden sind, mal von meinen Gewährleistungen ganz abgesehen). Ein Züchter würde mit einem Wurf, der nicht dem Zuchtbuchamt gemeldet wird, ein sehr hohes Risiko eingehen. Denn selbst wenn ein "Deckunfall" passiert und z.B. ein Rüde, der noch keine Zuchtzuöassung besitzt, eine Hündin decken sollte, so dass die Welpen nicht den Vorgaben der Zuchtordnung entsprechen würden, muss so ein Wurf dem Zuchtbuchamt gemeldet und durch den zuständigen Zuchtwart betreut werden, genau wie jeder andere Wurf des betreffenden Züchters auch. Dass ein Züchter solche Welpen öffentlich über ein Online-Portal zum Verkauf anbietet wäre dann sehr sehr ungewöhnlich, müsste er die Existenz solcher Welpen doch geheim halten. Da würde er bestimmt weder seinen Namen noch den seiner Hündin irgendwo veröffentlichen.