Vorbereitung zur Begleithundeprüfung...

  • Ich habe mir dein Video noch mal angesehen.


    Ich finde, du solltest dir für die einzelnen Übungen mehr Zeit nehmen, wie schon geschrieben, finde ich alles etwas hektisch.

    Komm selbst etwas zur Ruhe. Witus lässt sich mit dem Ball ja super motivieren, deshalb denke ich nicht, dass er im Trieb zu weit runterfährt, wenn du etwas Ruhe in die Übungen reinbringst. Es geht alles zackzackzack. Hund liegt ab, du stehst kaum und rufst ihn schon, kaum sitzt er vor, soll er ins Fuß springen. Nimm dir Zeit, halte die Spannung. Du kennst Witus am besten und weißt, wie lange du die Spannung trotz mehr Ruhe von dir halten kannst.


    Nach der Wendung würde ich auch erst wenistens zwei bis drei Schritte gehen, bevor du bestätigst.


    Wenn du Witus z. B. abgelegt hast und weitergegangen bist, bleib stehen, dreh dich noch mal um geh weiter, bleib stehen, gehe auf ihn zu, wieder zurück, bleib ruuuuhhhiiiig stehen, atme ein paar Mai ein und aus und ruf ihn dann ab. Lass ihn vorsitzen, dich angucken (du kannst da z. B. auch Leckerlie spucken, so fixiert er sich auf dein Gesicht), und dann erst mit Ruhe wieder in die Grundposition. Dann kannst du ihn auch da einfach mal bestätigen, bevor du ihn wieder in die Grundposition holst (was ich auch immer mal wieder machen würde). Ansonsten kann es dir passieren, dass er kurz vorsitzt und von selbst in die Grundposition springt.


    Also viel mehr Ruhe und mehr Genauigkeit. Nimm dir Zeit für die Übungen, es hetzt dich keiner :)

  • Vielen Dank erstmal für Eure hilfreichen Worte und teilweisen Klartext.

    Das hat mir klar vor Augen geführt, dass ich noch viel üben muss.

    Mit mehr Ruhe und Spannung.

    Ich werde mir Eure Kommentare noch mehrere Male ansehen.


    Jetzt geht es aber erstmal los zum Fährten.

  • Ich würde ehrlich gesgat schon ganz anders anfangen.

    Der Hund guckt in der Gegend rum, es wird geruckt, man geht irgendwo hin und fängt irgendwie an... ich würd den Hund immer drauf vorbereiten, dass jetzt die Arbeit beginnt. Ein kleines Ritual, um den Hund auf sich zu konzentrieren und klar zu machen, dass ab diesem Punkt gearbeitet wird und man halt nicht doch nur wieder von A nach B geht.

  • Schau Dir mal in dem Kurzvideo über den Linkswinkel die Stelle um Minute 1.09 herum genau an. Was die HFin alleine mit ihren Beinen macht (auf Oberkörper/Schultern gehe ich jetzt mal überhaupt nicht ein), auf welcher Position sich der Hund befindet und was dieser vom Bewegungsablauf her im Winkel macht.


    Das ist das was Mareike am Anfang des Videos damit meint "was HF und Hund KÖNNEN MÜSSEN", bevor man sich überhaupt an so etwas wie den Linkswinkel heran wagt. Der HF muss u.a. können: Den Hund über seinen Körpermittelpunkt so zu führen dass sich dieser beim Laufen an der optimalen Position links neben dem HF befindet. Denn wenn er nur ein Stück zu weit vor läuft, dann ist er dem HF im Winkel im Weg. Der HF würde dann gegen seinen Hund laufen. Der HF muss wissen durch welche Körperhaltungsfehler der den Hund falsch neben sich positionieren würde und diese folglich vermeiden. Er muss wissen wie er seine Füsse setzen muss. Und er muss wissen wie er das Tempo vor, im und nach dem Winkel richtig dosiert. Was alles impliziert dass der HF bereits ein entsprechendes Körpergefühl besitzen muss. Und nicht mit rudernden Armen einfach irgendwie über den Platz stürzt... 8) Das impliziert auch dass sich der HF schon bevor er mit seinem Hund auf den Platz geht innerlich "sammelt" und auf all das, was für ihn vom Bewegungsablauf wichtig ist, konzentriert. Und dazu noch seinen Hund dazu bringt dass der sich auf seinen HF konzentriert. Und nicht mit Hund auf den Platz kommt als wolle er gerade zum Angeln oder in den Biergarten,, und den Hund hat er nur zufällig dabei... 8)


    Der Hund muss u.a. neben dem HF AUF DER RICHTIGEN POSITION laufen können, was beinhaltet dass dafür eine ganze Menge Vorarbeit investiert worden ist (schließlich muss der HF ihn über seinen Körpermittelpunkt positionieren können). Er sollte taktrein vernünftig traben können ohne zu hüpfen, springen etc. Und er sollte WISSEN dass er eine Hinterhand besitzt, damit er diese in der Richtungsänderung nach links richtig einsetzen kann.


    Das, was so leicht ausschaut (nämlich mit einem Hund bei Fuß über den Platz zu laufen), ist in Wirklichkeit nicht "EINE Übung", sondern setzt sich aus ganz vielen kleinen Bausteinen zusammen. Die erst einmal alle einzeln aufgebaut und nach und nach zusammen gesetzt werden müssen. Bevor man überhaupt darüber nachdenkt mehrere Bausteine miteinander zu kombinieren oder sogar Teile einzubauen, die mit dem Aufbau des Fußlaufens gar nichts zu tun haben. Ablegen, Absitzen, Vorsitzen, Abrufen, das sind alles Sachen die man parallel zur Fußarbeit beginnen kann, aber getrennt von Letztere. Das dann später miteinander zu kombinieren, wenn die "Einzelelemente" entsprechend konditioniert sind, geht ratzfatz. Ich persönlich laufe das Prüfungsschema am liebsten das erste mal in der Prüfung. (Leider muss man es vorher ab und zu schon mal im Training laufen, weil es immer andere HF gibt die, wenn ihr Hund in der Ablage liegt, möchten dass der andere HF "das Schema" abläuft. Wenn, dann mache ich das aber nicht mehr in den letzten Trainingseinheiten vor der Prüfung.).


    Das soll jetzt nur mal verdeutlichen was für eine komplexe Übung "Fußlaufen" eigentlich ist und wie stark der HF zuerst einmal an sich arbeiten muss, damit überhaupt eine vernünftige Grundlage für die Unterordnung gelegt werden kann. Aber es loht sich wirklich sich die Zeit dafür zu nehmen eine derart solide Basis aufzubauen. Denn die ist das Fundament nicht nur für die komplette Unterordnung, sondern auch für den Schutzdienst und sogar die Fährtenarbeit (bei Letzterer um den Hund konfliktfrei, aber korrekt, an den Ansatz zu bringen).

  • Also je mehr ich das alles lese, desto weniger „Lust“ habe ich darauf irgendwie. Das wirkt alles so verkrampft und stockstarr, nach dem Motto „wehe der Hund weicht 3cm ab, dann kannst alles an den Nagel hängen“. Ein Begleithund sollte doch keine kleine perfekt dressierte Maschine sein... sondern ein Hund, der im Alltag ein super Begleiter ist und in allen Situationen souverän - was nicht heißt, dass er den Perfektionismus gefüttert bekommen muss, dachte ich jedenfalls. Schade irgendwie... :(

  • Perfekte Fußarbeit ist alles andere als Drill. Wenn die Hunde vernünftig aufgebaut werden, dann sind die i.d.R. superbegeistert bei der Sache. Der Aufbau einer korrekten Fußarbeit ist sehr sehr anstrengend. Für den Hundeführer... Mareike macht beruflich in ihrem Training nix anderes als Fußlaufen. Und da kann es schon mal in einem 3-tägigen Seminar dazu kommen dass ein HF, der bereits zig Hunde erfolgreich auf Prüfungen geführt hat, bei den Basics nicht weiter kommt als Kreise mit seinem Hund zu laufen und mit den ersten 50% des Rechtswinkels zu beginnen... ^^ Vor allem sind für ein Fußlaufen, das nicht nur dem Hund, sondern auch dem Menschen wirklich Spaß macht, weitreichende theoretische Kenntnisse notwendig. Die es sich aber lohnt anzueignen. Es geht dabei auch nicht nur um sportliche Erfolge (also Korrektheit) und Spaß für Hund und HF. Sondern auch um biologische/medizinische Kenntnisse darüber warum was wie trainiert werden sollte, warum was vermieden werden sollte und mit welchen Übungen man ein Training ausleiten sollte bzw. was man mit seinem Hund zusätzlich trainieren sollte um z.B. bestimmte Muskelgruppen nach dem Training wieder zu lockern.


    Die Begleithundeprüfung ist die Einstiegsprüfung für fast alle Hundesportarten. Und wer seinen Hund anschließend z.B. im IGP-Sport führen möchte oder im Obedience, der trainiert nicht um nur erst einmal die BH zu bestehen. Sondern der legt im Optimalfall mit seiner Ausbildung den Grundstein dafür dass sowohl Hund wie auch HF ein ganzes Hundeleben lang Spaß daran haben miteinander zu arbeiten. Das Bestehen der BH ist dann kein Endziel, sondern nur eine Etappe auf dem Weg zur Harmonie, die zwischendrin halt mal irgendwann erledigt wird.

  • Also je mehr ich das alles lese, desto weniger „Lust“ habe ich darauf irgendwie.

    Sehe ich auch so.

    Ich gebe den Vorschreiben in der Theorie zwar vollkommen recht, aber ich finde man muss ein Team, das grade erst Anfängt, nicht mit solchen Dingen direkt "plattwalzen".


    Es kommt ja auch immer darauf an, was für einen Hund man hat, und wo man hinwill.

    Ich selbst bin auch extrem detailverliebt und investiere echt viel in die Fußarbeit. Aber wenn Jemand sagt er will einfach, dass sein Hund brav mitgeht und Blickkontakt hält, damit er eine nette OG Prüfung laufen kann, dann ist das doch völlig ok.


    Auch solche Sportler braucht es, und die machen üblicherweise im Verein auch einen weit größeren Anteil aus, als die, die wegen einem Rechtswinkel eine 50-seitige Doktorarbeit schreiben. :S

  • Meine Erfahrungen sind die dass es sich gerade bei der Arbeit mit Anfängern lohnt eine gewisse Zeit in diese Basics zu investieren. Was gewinnt man denn wenn man die erst einmal mit ihrem Hund derart über den Platz rennen lässt und sich sowohl Hund wie auch HF Sachen angewöhnen, die man später nur schwer wieder aus ihnen heraus bekommt? Und gerade die Anfänger sind i.d.R. dankbar dafür wenn man sich Zeit für sie nimmt, sie merken daß man sich auf sie und ihren Hund konzertiert und ihnen die Zusammenhänge erklärt. Und wenn man derart komplexe Übungen wie das Fusslaufen in viele kleine Komponenten aufteilt, dann gibt es für den HF auf dem Weg zu einem flüssigen Fusslaufen mit einem freudigen Hund auch viel mehr Erfolgserlebnisse. Es geht nicht um hohe Bewertungen in der Unterordnung. Sondern darum dass Hund und HF Spass daran haben miteinander zu arbeiten.

  • Danke für alle Kommentare. Ich kann die niederschmetternde Auswertung von Waschbär schon gut wegstecken, Waschbär hatte mich ja auch gefragt und ich habe zugestimmt.


    Aber ich will eine BH laufen, nach 24 Jahren Hundesportpause.


    Ich werde nie auf Meisterschaften laufen. Ist nicht mein Anspruch. Was nicht heißt, dass ich mir bewusst bin dass ich noch vieles verbessern kann und will.

    Einmal editiert, zuletzt von Micha369 ()

  • ich bin an der Stelle zwiegespalten zwischen Rübchen und Waschbär - irgendwie finde ich haben beide recht :)


    Einerseits ist meine Erfahrung aus mitlerweile 6 Vereinen: "lauft einfach los aus der Grundstellung und schau irgendwie das dein Hund bei dir bleibt und im besten Fall dich anschaut" - WIE das gemacht werden soll - "mach dich halt interessant"

    Das video von Micha ist genau die Art und Weise wie in den Vereinen und Hundeschulen oft gearbeitet wird - denn da laufen bei einem Trainer 5-10 Hunde-Mensch Teams im Kreis oder kreuz und quer und dabei soll der junge Hund doch bitteschön nur Augen für Herrche/Frauchen haben :/


    Wie die eigene Körpersprache dabei ist - wird in der Regel beim laufen oft nicht beachtet, da wird maximal beim "hier" oder "platz" bemängelt das man sich vorbeugt... aber ob die Arme fuchteln, oder der Oberkörper dem Hund immer ein falsches Signal gibt, das hört man dort nicht :-/


    Dabei kann das durchaus hilfreich sein, denn gerade Kleinigkeiten sind es nämlich die oftmals das Hinderniss sind, warum man nicht wirklich vorwärts kommt oder sich nicht wirklich verbessert.


    Welchen anspruch man an sich und seinen Hund stellt, dass muss ja jeder selber entscheiden - Micha hat nach Kritikpunkten gefragt. Wieviel man von Tipps die man egal wo bekommt annimmt, ist ja jedem seins.


    Wenn die eigene Körperhaltung eine Übung erschwert oder es dem Hund damit unmöglich/oder schwer macht diese durchzuführen, dann kann es durchaus sein, dass man die Lust daran verliert und gar nicht weitermacht, weil sich keine ordentlichen Ergebnisse einstellen. Ändert man aufgrund von Hinweisen von aussen dieses und hat Erfolg, dann hat man doch auch spass daran und gibt nicht auf.


    Ich wäre froh ich hätte im Verein jemanden der so arbeiten würde wie Waschbär es schreibt :-/

  • Wenn die eigene Körperhaltung eine Übung erschwert oder es dem Hund damit unmöglich/oder schwer macht diese durchzuführen, dann kann es durchaus sein, dass man die Lust daran verliert und gar nicht weitermacht, weil sich keine ordentlichen Ergebnisse einstellen.

    Nicht nur das... Wenn es dann auf die Prüfung zu geht, die starke Hilfen abgebaut werden, das Beuteobjekt aus dem Blickfeld des Hundes verschwindet, der HF für den Hund dann nicht selten relativ schnell uninteressanter wird und die Konzentration nicht die ganze Zeit der Unterordnung über halten kann, die Zeit zur Prüfung plötzlich doch recht knapp erscheint und der Hund dann auf einmal kapitalere Fehler macht, ist er es der die Sache dann ausbaden muss. Weil dann nicht selten schon mal etwas rustikalere Maßnahmen eingesetzt werden. Und das ist dem Hund gegenüber nun mal unfair.

  • Ich finde es genial, dass ich mich selbst mal sehe wie zappelig ich laufe. Hatte ich noch nie gesehen. Und was für dumme Fehler ich alles mache war mir auch nicht klar.


    Wir sind ja noch nicht so lange am Vorbereiten für die BH, wir treffen uns immer nur 1x die Woche und wenn ich zu Hause für mich übe fehlt mir so sehr der geschulten Blick einer Trainers und die Hinweise. Deshalb habe ich den Mut aufgebracht und meine kleine Sequenz hier mal eingestellt. Denn nur so kann es konkret werden.

    Aber Weltmeisterschaften will und kann ich nicht laufen. Ich hätte wirklich Angst, dass nicht nur ich verzweifeln würde sondern auch mein Hund bald seine Fellnase voll hätte und dann Schluss wäre mit der Freudigkeit.


    Ich will vor allem, dass ich einen Hund zeige, der die ganze BH Spaß daran hat mit mir zu laufen. Und wenn ich immer nur das Gefühl habe, ich mache hier nur alles wie ein Depp dann würde sich das mit Sicherheit auf den Hund übertragen.


    EDIT: Ich habe auch kein Problem, wenn ich die BH erst nächstes Jahr laufe, wenn Witus älter als 2 Jahre ist.



    Also mal zusammengefasst:


    Ich werde versuchen:


    -etwas langsamer zu laufen.

    -die Pausen etwas zu verlängern und dabei aber die Spannung zu halten.

    -Die Gliedmaßen ruhiger zu halten.

    -Geschickter zu bestätigen (das ist sicher ganz wichtig, dazu bräuchte ich noch Tipps)


    na klar, die starken Hilfen müssen dann auch noch abgebaut werden, das will ich aber zum Teil noch nicht jetzt machen. Damit der Hund verinnerlicht zu mir zu schauen.

    Einmal editiert, zuletzt von Micha369 ()

  • Micha369 ich finde es wahnsinnig toll von dir das du das eingestellt hast. Hut ab. Und ich finde als Laie deine und die von Witus gezeigte Arbeit gut.


    Ich habe Respekt vor Hundesportlern und deren Leistungen, aber mir reichen einfach drei Dinge mein Hund soll bei Fuss laufen wenn ich das will, er soll auf den Rückrufbefehl hören und Leinenführig soll er sein.

    Ob er mich dabei anschaut oder rumstakst wäre mir wurscht.

  • Ich habe eher die Erfahrung gemacht, dass man die Leute so vergrämt, da ihnen dieses "das machst du falsch, und das auch, und das ist auch komplett verkehrt, und das, und dies auch", bzw. allgemein die Erbsenzählerei zu viel wird, vorallem wenn alles auf einmal auf sie niederprasselt.


    Der Faden heißt ja "Vorbereitung zur BH" und nicht "mein Weg zum IGP Weltmeister".


    Das soll ja nicht heißen, dass man die Leute alleine rumkaspern lassen soll (vorallem dann nicht, wenn sie nach Hilfe fragen), aber alles mit Maß und Ziel, bzw. der Reihe nach.


    Ich glaube auch nicht, dass Micha und sein Hund jetzt aktuell keinen Spaß an der Arbeit haben.