Brummi der Chaoskopf - auf dem Weg zur Ordnung im Kopf

  • So ihr lieben Leute :)

    Ich habs ja schon angekündigt, dass ich da einen neuen Thread auf mache. Die meisten haben es schon im anderen Thread verfolgt, was wir die letzten Monate so durchgemacht haben...


    Eins vorweg: das soll keine Nachmach-Anleitung sein, denn ich bin fest überzeugt: für die Anleitung braucht man zwingend einen Trainer. Ich hab manches davon schon in Videos gesehen, das bekommt man NIE so umgesetzt. Nur durch Text auch nicht. Das kann inspirieren, aber ich gebe keine Garantie auf Erfolg, wenn das auf eigene Faust versucht wird, falsch umgesetzt, falsches Timing oder sonst was und man macht es entweder viel schlimmer oder es ändert sich im besten Falle nichts und bleibt so.


    Heute war dann eben die Hundetrainerin bei uns wegen folgenden Hauptproblemen: Hundebegegnungen, Besucher anspringen, Bellen wenn es klingelt, Menschen draußen alle begrüßen wollen, Autos/Bussen etc. nachgehen.


    Ich werde einfach mal beschreiben, was bei den einzelnen Punkten das Problem ist und was wir nun vorerst(!) dagegen tun sollen im ersten Trainingsschritt - denn das ist keine Lösung, aber der erste Schritt, um irgendwann an das Ziel zu kommen, das ich auch benennen werde.


    Hundebegegnungen:

    Problem: Brummi will, wenn der Abstand zu gering ist, hin brettern, lässt sich davon nicht abhalten.

    Hausaufgabe: Hinschauen und Wegschauen üben - Brummi soll den Hund abgucken, dann aber sich abwenden. Dazu halten wir ihm Futter vor die Nase und geben ihm das oder lassen es ihn im Gras unter sich suchen und das so lange, bis der Hund weg und außer Sicht ist und Brummi sich nicht mehr dafür interessiert. Dazu den Abstand so wählen, dass Brummi sich noch abwenden kann, sonst funktioniert es nicht. Außerdem soll er dabei nicht laufen, denn wenn wir laufen, verinnerlicht er unter anderem auch: wenn ich rumblöke dann laufen die weg und wir auch.

    Ziel: eines Tages soll er, zwar vllt noch schauend, aber dann mich anschauend, dran vorbei laufen können, entspannt, denn er soll lernen: ja, okay, ein Hund, aber interessiert uns gar nicht, wir gehen einfach weiter.

    Weitere Erklärung: Brummis "Sicherheitsabstand" ist nach Einschätzung der Trainerin ein für Hunde völlig normaler und gesunder Abstand. Das sind so ca. pi mal Daumen 5 Meter. Nur, weil irgendein Hund auch ruhig mit 1m an anderen vorbei kann, ist das noch lange nicht "normal", gerade jungen Hunden fällt das sehr schwer und den meisten erwachsenen Hunden ebenso, weil die Distanz für sie einfach zu gering ist und sie freiwillig niemals so nah an anderen vorbei würden. Auch sollen wir stehen bleiben (dabei ist es völlig egal ob er sitzt, liegt, steht, Handstand macht...), weil durch das aneinander vorbei laufen der Hund denkt: "wir gehen da hin, Abstand wird weniger, wir gehen da hin, immer weniger Abstand, wir gehen da hin, wir sind da, WIE ICH DARF DA JETZT NICHT HIN HALLO WAS SOLL DAS WUFF WUFF!!!". Der kann nicht wissen, dass die uns nicht interessieren, dass wir da nur vorbei wollen, das kommt erst viel später.


    Besucher anspringen und bellen wenn es klingelt:

    Problem: Brummi brüllt, sobald es klingelt und wenn Leute rein kommen, springt er die an, lässt sich nicht davon abbringen und wenn wir ihn davon abhalten wollen, schreit er und ist ganz gestresst.

    Hausaufgabe: wenns klingelt, Brummi in den "Knast" schicken, wir haben das Kindergitter schon vorgestern wieder montiert. Dort bekommt er dann durchgehend Leckerchen geworfen, die er suchen darf und der Besuch kommt rein. Wenn ihn der Besuch dann gar nicht interessiert, wird er angeleint und bleibt er ruhig, darf er raus und hallo sagen. Allerdings, wenn er hoch springen will, werden Leckerchen geworfen, die er suchen soll - von den Besuchern. Bis er runter fährt und wenn er das tat, setzen sich die Leute dann hin, Brummi legt sich neben mich, bleibt an der Leine und kurz und wird, wenn er ruhig liegt, mit Leckerchen gefüttert.

    Ziel: eines Tages soll er, wenn es klingelt, nicht mehr ausrasten, nicht mehr von 0 auf 100 gehen, Besucher nicht mehr anspringen und ruhig hallo sagen können und sich dann hinlegen - entweder von selbst oder auf Aufforderung - und liegen bleiben.

    Weitere Erklärung: es war total krass, wie egal ihm der Besuch eigentlich war, der gekommen ist, den hatte er völlig ausgeblendet, als ich ihm die Leckerchen geworfen hab, als er da im Knast war. Als er raus durfte, ist er natürlich von 0 auf 100 geschossen und als die Leute dann die Leckerchen geworfen haben, hat man irgendwann wirklich gesehen, wie wenn man einen Schalter umlegt: ah, JETZT ist er viel ruhiger! Dabei geht es nicht darum, den Hund zu belohnen fürs hochspringen oder bellen, sondern ihm eine Alternative zu zeigen und den Stress, der aufkommt, wieder zu verringern. Dran denken: Das ist der erste Trainingsschritt, keine Dauertherapie.


    Menschen draußen alle begrüßen wollen:
    Problem: er will jedem Hallo sagen und geht das nicht, reagiert er wie auch bei den Hunden mit Frust.

    Hausaufgabe: wie bei den Hundebegegnungen

    Ziel: wie bei den Hundebegegnungen
    Weitere Erklärung: Bei Menschen ist die Distanz nicht so ausschlaggebend wie bei Hunden. Wenn die ihn aber angucken, ist das für ihn eine Einladung, wenn die dann noch auf ihn zukommen, dann erst recht.


    Autos/Bussen, gelegentlich scheppernden Cityrollern u.ä. nachgehen wollen:

    Problem: Brummi will allem, was laut ist und schnell fährt nachgehen. Ist es schnell, wie die Autos an der Hauptstraße, dann weil er es gruselig findet bzw. Angst hat, ist es laut und scheppernd, findet er das spannend und überaus interessant.

    Hausaufgabe: wie bei den Hundebegegnungen

    Ziel: wie bei den Hundebegegnungen

    Weitere Erklärung: Fahrradfahrer findet er zb eigentlich fast immer völlig uninteressant und selbst da sollen wir trainieren. Denn die sind flott, das sind Menschen, aber die sind egal. Und irgendwann überträgt sich das zusätzlich auf die "Problemreize", wenn er merkt: "okay, egal was da kommt, es ist uns egal - oh ein Futter - ach das Rad ist ja fast bei uns, naja, also - oh noch ein Futter!".


    So viel erst mal dazu, was wir jetzt angehen und wie das angegangen wird. Gleich gehts weiter mit weiteren Infos zum heutigen Tag!

    Einmal editiert, zuletzt von Azemba ()

  • Also, wo waren wir? Genau, weitere Infos!


    Da ich bei ihm keinen Klicker mitnehmen kann - und das ist mit Abstand einer der wichtigsten und elementarsten Gegenstände ist, was das ganze angeht und um das korrekt zu timen - soll ich ihn nun auf das Wort "Klick" konditionieren. Da er den Klicker kennt, sagt sie, hat der das nach 20x sicher verstanden, machen wir also morgen.


    Bei Brummi ist es tatsächlich so: er will etwas tun, das klappt nicht, also reagiert er mit Frust und der zeigt sich unterschiedlich.


    Das aller, ALLER wichtigste für uns ist: KEINE Korrekturen einsetzen! Ein Stopp durch die Leine ist schon eine Korrektur, deswegen soll er gar nicht erst irgendwo hin laufen können, sondern wir sollen vorher stehen bleiben, dafür sorgen, dass er den Reiz sieht und dann abwenden üben. Dabei geht es nicht um ablenken, sie erklärte das sehr genau: Ablenkung heißt, ihm einen riesigen Ring Fleischwurst ins Gesicht zu drücken, dass er gar nicht mitbekommt, dass da jemand kommt. Abwenden heißt, den Reiz wahrnehmen, ihn als unwichtig erkennen und die Ruhe zu bewahren.


    Wir sollen auch erst mal nur abgelegene Strecken nehmen im Moment, aber jeden Reiz mitnehmen, der geht. Warum? Weil er so massiv unter Stress steht, dass die Trainerin wirklich sehr besorgt ist. Wenn wir merken, okay, der verfällt in Stress und er hat sich gelöst, dann sollen wir einfach umdrehen, selbst wenn wir nur 2min draußen waren. Ab nach Hause, daheim beschäftigen, spielen, was für den Kopf... Warum? Weil er dann nicht mehr aufnahmefähig ist und das bei ihm Level erreicht, die absolut bedenklich sind.


    Und deswegen auch ganz wichtig: absolutes Hundeplatzverbot! Als ich in einem speziellen Moment sagte "so wie er sich grade verhält (schreiend, japsend, gestresst, nicht ansprechbar), so ist er auf dem Platz und mir wurde gesagt, ich solle trotzdem kommen, der würde sich dran gewöhnen". Da schlug sie wirklich, also so richtig, die Hände über dem Kopf zusammen und sagte bloß nicht, das ist grausam - tja, mein Reden. Deswegen gehe ich schon wochenlang nicht mehr hin und die Trainer dort sagten: ach das macht nix, der wird schon ruhiger. Um welchen Preis? Seinen Tod? Nein, ich verzichte. :)


    Im besten Falle, hätten wir einen Garten, sagte sie: "da würde ich euch raten, mal eine Woche gar nicht mit dem vor die Tür zu gehen - weg von allen Reizen, weg von allen Düften, runterkommen, das geht bei euch nicht, also abgelegene Strecken gehen, wenige Reize, die aber gut nutzen, ganz viel Ruhe rein bringen".


    Dass er so in die Leine brettert wegen seiner Hormone und da völlig weg der Realität schwebt, da zeigte sie uns auch, was wir tun können, aber sie sagte halt auch, dass es nicht unbedingt immer funktioniert, aber auch da sollen wir eben Ruhe rein bringen und ihn für positives Verhalten bestärken.


    Entgegen meiner Vermutung war er heute durchaus ansprechbar, wenn auch massiv gestresst. Bei ihm ist eine Stunde Training mit dem Trainer auch mehr als genug, der ist völlig platt derzeit innerhalb kürzester Zeit.


    Es wurde nicht ein einziges mal Gewalt angewendet. Sie sagte auch, die meisten Leute von Plätzen, die mit Schäferhunden arbeiten, empfehlen zb den Hund auf den Boden zu drücken, um ihm mal so richtig fett klar zu machen, wer hier der Obermackerboss ist (meine Worte, nicht ihre). Sie sagte, früher waren Schäferhunde so: die sind 2 mal ins Kettenhalsband gerannt und dann sagten die "okay, mach ich nie wieder, sorry" (mal fernab der Fehlverknüpfung, dass am Ende jeder Reiz scheiße ist und sich aus Freude oder Angst dann beschädigungsbeabsichtigte Aggression entwickelt und die loszuwerden extreeeeem schwer ist). Sie sagte, bei den heutigen Schäferhunden - bei denen es gut ist, dass die nicht mehr so sind, sondern robuster - bringt das meist überhaupt nichts (wie ich selbst auch schon festgestellt habe). Die drückst du auf den Boden und die wehren sich und dann sagen die Leute - dann bleibst so lange auf dem Sitzen, bis er irgendwann völlig erschöpft nachgibt, das kann aber auch eine Stunde dauern. Im besten Falle belässt er es dann dabei oder, wenn du aufstehst, macht er grade von vorne weiter. Deswegen ist das absoluter Müll und dringend davon abzuraten. Denn es macht allen voran eines: es zerstört komplett das Vertrauen, das der Hund hat.


    Typisch Hütehund/Schäferhund reagiert er natürlich auf alles und das sofort und unmittelbar. Ein Besucher steht auf? OHJEHMINEH! Es klingelt? OHWEIA! Auch, dass es ihn schrecklich stresst, wenn wir zu zweit unterwegs sind und einer geht voraus und er kommt nicht hinterher - er will uns zusammenhalten, kann er nicht, denn er wird durch die Leine korrigiert, das frustet ihn, also zeigt er das. Erst mal dürfen wir uns also nicht mehr "trennen", auch keine 3 Meter, wenn ihm das zu viel ist. Irgendwann soll er auch das lernen, aber vorerst geht das eben nicht.


    Bei einem Hund wie ihm sagte sie, soll man keine Korrektur anwenden erst mal. Denn egal ob Stachelhalsband, an der Leine rucken oder ihm Wasser ins Gesicht spritzen oder eine Rappeldose oder irgendwas anderes - es erschreckt den Hund, es tut ihm weh und im besten Falle steckt er das weg, aber er versteht überhaupt nicht, woher und wieso das jetzt kam und es macht ihm nur Angst und verknüpft es mit seinem Menschen oder es ist ihm im besten Falle egal. Aber man lässt ihn dabei völlig alleine ganz auf sich gestellt im Stich, denn man sagt ihm nicht, was er tun soll - und das ist der Motor, warum der Hund sich so verhält, wie er das eben tut. Er weiß nicht, was die Alternative ist, wie er sich nun verhalten soll und die Vorgehensweise Hund erschrecken und danach sagen, was er tun soll, ist einfach völlig ineffizient. Denn für den Hund ist es nur Angst einjagen und danach machen wir mal was anderes, aber er versteht nur schwer, dass nach dem Angst einjagen die Alternativmöglichkeit kommt, die er beim Reiz vorm Angst einjagen wählen soll. Lässt der Hund also sein Verhalten sein, dann ist das wohl deswegen, weil er einfach Angst vor der Korrektur hat und nicht, weil das die Alternative ist, die man schon VORHER, bevor das unerwünschte Verhalten beim Hund einsetzt, gegeben hat. Er verknüpft also nicht "okay da ist der Reiz und wow, wir machen ja was ganz anderes als sonst", wie man das nämlich eigentlich gerne hätte und wie sich das festigen soll.


    Das hat mir noch mal einen ganz anderen Blick auf alles gegeben. Zumal sie sagte, bei einem Hund wie meinem, der Übersprungshandlungen zeigt, wenn er so korrigiert wird, ist das ganz klar die Ansage "HILF MIR!". Und dann lässt man ihn aber so im Stich. :(


    Naja, was noch, hmm... Also als wir draußen waren, sah sie dann auch, wie sehr er hormonell gesteuert seinen Trieben nachgehen MUSS und sie sagte auch, im Prinzip kann man alternative Möglichkeiten bieten und das sollen wir auch, alleine um das Stresslevel niedrig(er) zu halten, aber sie empfiehlt uns auch, ihn kastrieren zu lassen mit frühestens und spätestens einem Jahr. Sie sei weder pro noch kontra Kastration, sie sagt das muss man immer vom Hund abhängig machen und den Haltungsbedingungen. Das fand ich sehr gut und sachlich. Das war mir auch sehr wichtig, dass nicht nur die Tierärztin sondern auch die Hundetrainerin mir meine Vermutung bestätigt und auch hier bin ich wieder sehr froh, meinen Hund korrekt verstanden und gelesen zu haben.


    Wenn ich heute eins definitiv gelernt habe, dann ist es: ich verstehe meinen Hund, ich kann ihn super lesen, in jeder Situation, ihn richtig einschätzen - mir haben nur die Mittel und Wege gefehlt, die Situationen zu ändern, ihm vor allem da raus zu HELFEN, denn er SCHREIT förmlich nach meiner HILFE. Er hat heute trotz etlicher Begegnungen nicht einmal irgendwann angebellt. Er konnte irgendwann an der Straße sitzen und die anrauschenden Autos ignorieren. Er hat heute das erste mal völlig ruhig VOR dem Besuch gelegen an lockerer Leine und hat NICHT gebrüllt. Er konnte durch mich entspannen. Denn ich konnte ihm den besseren Weg zeigen, dank der Trainerin.


    Und auch, wenn uns das jetzt erst mal das Konto leer saugt, so ist es mir jeden Cent wert.


    Sie sagte am Ende dann "wenn ich in 3-4 Wochen dann wieder komme und er dann bei Stand x dies und das macht..." und ich sagte nur "Mooooment, Monate meinste doch, gell?" und sie "Nein, Wochen, wenn ihr da dran bleibt - der Kerl ist jung und lernt schnell und das ist nun nichts überdramatisches, was man über Monate und Jahre hinweg trainieren muss, um Fortschritte zu erzielen, ich bin ganz sicher und ich VERSPRECHE euch, dass wir das schaffen!". Da habsch fast gweint gell... :love:


    Aber sie sagte auch: das ist für einen Hundetrainer das undankbarste und unfairste Alter im Leben eines Hundes, um an Problemen zu arbeiten. Warum? Weil durch die Pubertät und die Hormone bedingt es sein kann, dass der Hund mir auch mal eine Woche lang den Stinkefinger zeigt ODER irgendwas dazu kommt, was es vorher nicht gab. Viele Leute sagen dann "das klappt nicht, das wird sogar schlimmer, die kann nix, die nimmt nur mein Geld". Aber da sagte ich ihr, dass ich den kleinen Frechdachs ja kenne und mein Gott, dann is halt mal ne Woche nix zu machen oder es kommt die nächste Überraschung, mittlerweile kennen wir das ja ^^


    Das war es erst mal, ich hab sicher noch einiges vergessen, was wirklich einen "echt jetzt? boah krass!"-Effekt in mir ausgelöst hast und ich hatte heute SO viele aha-Effekte und es war so wertvoll zu erfahren, was hinter vielem steckt, was er zeigt und ich erkenne, aber was ich nicht erklären kann bzw. wofür ich keine Erklärung und Lösung habe. Aber sie sagte es ist sehr gut, dass ich das sehe, denn das ist meist schon der erste riesige Punkt, der problematisch ist, weil die Leute ihre Hunde gar nicht erst verstehen und dann ist es super schwierig, ihnen wirklich verständlich vermitteln zu können, was das Problem ist und warum wir es angehen, wie wir es angehen. Und direkt danach kommt das falsche Timing - da hab ich in letzter Zeit ja wirklich sehr stark an mir gearbeitet, als mir das im Juni gesagt wurde, ich sei zu langsam und das fand sie Spitzenklasse heute. Irgendwie tut der Kopftätschler mit "toll so!" echt gut ^^ Ist so was ganz anderes zu dem ewigen "nein dies machst du falsch, das machst du falsch".


    Und Hand aufs Herz: wer denkt denn schon, wenns klingelt und man wirft Leckerlies, dass das KEINE Belohnung fürs unerwünschte Verhalten ist - korrekt durchgeführt, sondern eine Alternative, dass er am Ende gar nicht mehr reagiert und es als langweilig betrachtet? Und nein, er hat dann nicht immer wieder gebellt, um noch mehr Leckerchen abzustauben, es hat ihn überhaupt nicht mehr interessiert, was da an der Tür war und wer da kam. Als sie rein laufen, hat er kurz geguckt aber OH! Ein fliegendes Schmeckerlie! Schnell hinterher! ;) Ansonsten hatte ich ab dem ersten Wurf durchgehend seine Aufmerksamkeit - völlig weg von der Tür und den Leuten nur auf mich gelenkt.

    Einmal editiert, zuletzt von Azemba ()

  • Ach und falls es wen beruhigt: der Hund stirbt nicht, wenn er mehr Leckerchen bekommt, als auf der Packung für den Hund angegeben ist (ich dachte ja immer das sei nicht gut). Er hat 250g Rinti Bitties heute in 2h verschluckt - auf der Packung steht für sein Gewicht irgendwas um die 45g pro Tag, na hoppla! Aaaaaaber wir konnten ihm auch sein Trockenfutter unterjubeln, das hat er trotzdem genommen - ich hab die Welt nicht mehr verstanden. Aber heute Abend hat er dann den Rest gefressen, als ich es ihm geworfen habe. Ihr könnt euch aber vorstellen, wenn ihr die Rinti-Bitties kennt, wie viele ich bzw. in welcher schnellen Frequenz ich die geben musste, damit er unten bleibt und nicht hoch fährt und ich hab sie nicht am Stück gegeben, ich hab sie noch mal halbiert. Also die doppelte Menge rausgeholt, die in der 100g Packung sowieso drinnen ist. Das war echt krass und meine Hände waren danach von seinem Sabber so rutschig ist, dass mir die Dinger aus der Hand geflutscht sind. :D


    Wir werden nun nach und nach den Leckerchen-Anteil in der Belohnung runter schrauben oder fürs Training halbfeuchtes Trockenfutter holen, damit er halt seine Nährstoffe bekommt, so lange er so unfassbar mäkelig ist zuhause. Auch deswegen, weil wir eben nicht täglich 5€ nur an Leckerlies verfüttern können.


    Es ist nämlich durchaus möglich, dass er seine Hauptration einfach so dann draußen bekommt und er es daheim nicht mehr so völlig öd und schnöd aus dem Napf fressen "muss". Und eine vollwertige Belohnung, die seinen Nährstoffbedarf deckt, ist immer besser, als Leckerchen. Wobei die Trainerin auch meinte, in den Rinti-Sachen ist wenigstens kein Müll drin, also da wäre es nicht so schlimm, wenn wir davon anfänglich viel geben (müssen), aber es wäre besser, wenn er irgendwann das TroFu nimmt. Einfach weil man da mit um die 350-450g am Tag wesentlich mehr auch auf Lager hat, das zudem so gesehen auch günstig ist, wenn man es mit Leckerchen vergleicht. Und so bekommt der Mäkelpopo halt doch was in den Schlund und das, obwohl er es zuhause tagelang so konsequent verweigert. Und das liegt aber an dem riesigen Unterschied, WIE man mit dem Hund draußen dann trainiert, warum er da dann das Trockenfutter fressen kann und nimmt, während er es nicht nahm, als ich mit ihm alleine war oder wenn ich ihn zuhause füttern will.


    Ach und wir sollen ihm, wenn er dann neben uns liegt, wenn Besuch da ist, was zu kauen geben. Kauen baut Stress ab und er hat was zu tun - dann muss ich nicht im wenigen Sekundentakt immer wieder Leckerlies in den Hund stopfen - er tat sich heute aber sehr schwer aus der Aufregung heraus, seine Hasenohren zu kauen. Wir werden wieder Rinderohren holen für ihn. Da ich dabei bin, kann er nicht dran ersticken und die gibts nur, wenn besuch da ist. Mit Fell :D


    Was ich am allertollsten finde: ich kann der Trainerin quasi rund um die Uhr und 7 Tage die Woche schreiben, sie antwortet auch eigentlich immer sehr zügig, egal was ist, sie ist für uns da. Genau das ich wollte, jemand der mich bei der Hand nimmt und mit mir geht, mich begleitet und irgendwann dann los lässt, aber trotzdem da bleibt und irgendwann einfach stehen bleibt und mir von hinten zulächelt und zuwinkt, wenn sich die Wege dann trennen. Sie sagte auch: je seltener ich kommen muss, desto besser funktioniert ihre Arbeit. Sie will, dass wir gar nicht viele Termine haben und sie sagt, wir brauchen sicher auch nicht so viele. Deswegen verkauft sie auch keine 10er-Karten oder so was, denn oft braucht man gar nicht so viele. Sie sagt, nicht, weil sie nicht gerne bei uns wäre und uns nicht gerne hilft, sondern weil es im besten Falle nicht nötig ist. Aber sie sagt auch, wenn was ist, können wir jederzeit einen Termin machen und sie versucht so schnell wie möglich (was bei ihr meist binnen einer Woche ist), sich zu treffen.


    Und so haben wir diese Woche direkt noch einen weiteren Termin. Da bringt sie jemanden mit, der einen Hund hat, der überhaupt nicht auf andere Hunde reagiert. Oft sind das sogar Leute, die mal bei ihr im Training waren und sich dafür anbieten, weil diese Leute damals selbst Leute brauchten mit Hunden, die gut trainiert sind. Dann gehen wir an ein verlassenes Fleckchen und Brummi lernt dann auch mal, dass Hunde nicht einfach weg gehen, egal was er macht. Dass wir nicht auf die zulaufen, dass wir uns nicht treffen, dass die nicht auf uns zulaufen, sondern die sind halt einfach so da. :) Da bin ich schon sehr gespannt, wie das laufen wird und auch davon werde ich berichten.


    Aber das war es nun erst mal, ist ja mehr als genug Text :D


    Edit: Oh man, völlig vergessen: Wenn er uns in der Wohnung "drangsaliert", dann soll ich "korrigieren" und ihm klar sagen, dass ich das nicht will. Wenn er nicht aufhört, dann soll ich ihn im Zweifelsfall halt, ja, rauswerfen. Das wäre halt eben so das pubertäre, rüpelmachohafte, da muss er einfach lernen, dass das halt zum Ausschluss aus der Gruppe führt, wenn er nicht reagiert. Aber auch hier: eine Ansage und dann raus bringen bzw. in den Knast, nicht auf der Nase rumtanzen lassen.


    Und bei egal was, was wir ja aber schon ewig so machen: je unruhiger er ist, desto ruhiger müssen wir sein und da verhalte ich mich auch schon völlig korrekt sagt sie, wie ich dann in der Situation mit ihm umgehe. Ich erzählte ihr das auch, das wir ihn anfangs echt und die Box sperren mussten und es gut 6 Wochen dauerte, bis er zuverlässig außerhalb der Box von selbst schlafen konnte und nur noch an "schlechten Tagen" Hilfe brauchte bzw. wieder in die Box geschickt werden musste. Mittlerweile brauchen wir das ja gar nicht mehr, aber da sagte sie auch, dass er dann von Anfang an schon eher einer war, der unruhig ist und schnell über die Stränge schlägt und schwer von selbst runter kommt, da muss ich mehr managen und auch immer mehr managen müssen bei ihm, als das bei anderen Hunden der Fall wäre. Das legt sich natürlich alles - er braucht ja gar keine Box mehr zb, aber im grundsätzlichen Umgang mit ihm wird er immer einer sein, der schnell die Ohren spitzt und in Stress verfällt und darin hängen bleibt, wenn ich das nicht manage.

    Einmal editiert, zuletzt von Azemba ()

  • Das klingt nach einer sehr guten, kompetenten und auch sympathischen Trainerin. :)


    Hinschauen und Wegschauen üben - Brummi soll den Hund abgucken, dann aber sich abwenden.

    So arbeite ich auch bei Hundebegegnungen und bei Reizen, die ich als "potentiell gruslig für den (jungen) Hund" einstufe. Die Methode nennt sich "Click für Blick" :) :thumbup:


    Zitat von Azemba

    aber da sagte sie auch, dass er dann von Anfang an schon eher einer war, der unruhig ist und schnell über die Stränge schlägt und schwer von selbst runter kommt, da muss ich mehr managen und auch immer mehr managen müssen bei ihm, als das bei anderen Hunden der Fall wäre. Das legt sich natürlich alles - er braucht ja gar keine Box mehr zb, aber im grundsätzlichen Umgang mit ihm wird er immer einer sein, der schnell die Ohren spitzt und in Stress verfällt und darin hängen bleibt, wenn ich das nicht manage.

    Das kommt halt wahrscheinlich wirklich von der Zuchtlinie (oder eben nicht-Zuchtlinie). Das hatte ich im anderen Thread ja schonmal angesprochen, der Brummi ist vermutlich einfach sehr Nervenschwach. Aber dafür kannst du nichts. Das ist genetisch verankert, und ohne Papier kann man solche Dinge eben im Vorfeld nicht abklären, und im nachhinein auch nicht zurückverfolgen und zb. entsprechende Ahnen ausmustern (oder zumindest ausmachen).

    Aber mit zunehmender Routine im Alltag und Lebenserfahrung wird auch das etwas besser werden und damit lässt es sich dann ja auch leben. Wichtig ist nur, dass der Besitzer das weiß, und ihr wisst es nun ja. ^^

    Ich bin gespannt auf die weitere Entwicklung :thumbup:

  • das ist ja ganz toll dass Du da wohl an eine kompetente Trainerin geraten bist und auch prima dass Du so schön die gemeinsame Vorgehensweise hier für uns schildern wirst. Auch für mich gab es jetzt schon aus Deiner ersten Schilderung eine neue Erkenntnis Hundebegegnungsprobleme anzugehen, hab ich mit der älteren Schwester der Hera so eine Leinenpöbelkrawallschachtel.

    Ich freue mich für Dich dass Du jetzt eine Wende ins positive nimmst, zeigt sich ja auch durch den neuen Titel oben.

  • Ich schließe mich da mal an: Ich freue mich so sehr für Dich und den Brummi, dass Ihr eine kompetente, verständnisvolle Trainerin gefunden habt, die auf den Brummi eingeht und ihm kein Schema F-Training aufbürdet, mit dem er nur noch gestresster würde.


    Deinen Bericht vom Training finde ich auch sehr interessant und spannend zu lesen. Ein paar Aha-Erlebnisse hatte ich dabei auch, denn mir wurde auch mal gesagt, dass ich meinem Hund den "Feind" nicht "schönfüttern" soll, weil das nicht funktioniert. Aber was Deine Trainerin sagt, klingt logisch und bestätigt, dass es eben doch wichtig ist, Reize mit Positivem zu verknüpfen, um das Stress- und Frustlevel niedrig zu halten.


    Ich freue mich auch auf weitere Berichte und vor allem auf Eure Erfolge auf dem neuen, guten Brummiweg!

  • Erstmal vielen lieben Dank für deine Mühe, uns hier sehr detailliert über den Besuch und die Vorgehensweise der Trainerin zu berichten.


    Mich freut es aufrichtig, dass du mit deinem Brummi nun in kompetenten Händen bist, nun endlich weißt, was du tun kannst, um sein Verhalten zu korrigieren und dir gesagt wurde, dass die Schäfis der LZ eben mehr oder weniger so sind.


    Zusammen werden sich nun rasch Erfolge einstellen und damit kommt wieder viel Ruhe in euren grade so aufregenden Alltag. Vielleicht ist es für dich auch ein Stück weit Motivation, das Thema Auto konsequent zu verfolgen, dann würden dir deutlich mehr Möglichkeiten zur Verfügung stehen mit Brummi und Abwechslung ist allemal gut.


    Alles Gute und weiterhin viel Freude am Training.

  • So arbeite ich auch bei Hundebegegnungen und bei Reizen, die ich als "potentiell gruslig für den (jungen) Hund" einstufe. Die Methode nennt sich "Click für Blick" :) :thumbup:

    Genau! :) Das habe ich auch schon online gefunden, allerdings wurde es da völlig anders erklärt und nie im Leben hätte man es mit der Erklärung so umgesetzt bekommen und ich bin sehr froh, dass es mir gezeigt wurde und vor allem auch, als es für Brummi eigentlich nicht mehr möglich war, sich zu konzentrieren, aber die Trainerin hat es doch geschafft, dass er dann wegschaut.


    der Brummi ist vermutlich einfach sehr Nervenschwach

    Das klingt bitter, aber ja, das ist er vermutlich. :( Seine Schwester ist ja genau so und das sagt schon viel aus, finde ich. Aber der Vermehrer hat ja jetzt wieder produziert und wenn mir eins nicht mehr in die Tüte kommt, dann ein Hund solcher Abstammung.


    Auch für mich gab es jetzt schon aus Deiner ersten Schilderung eine neue Erkenntnis Hundebegegnungsprobleme anzugehen

    Ein paar Aha-Erlebnisse hatte ich dabei auch, denn mir wurde auch mal gesagt, dass ich meinem Hund den "Feind" nicht "schönfüttern" soll, weil das nicht funktioniert.

    Und genau deswegen, dass es für euch vielleicht auch etwas ist, das ihr mitnehmen könnt, das für euch vielleicht ein "Ach was! Aha!"-Erlebnis ist, möchte ich das hier darstellen. Ich berichte ja schon von Anfang an sehr detailliert und ausführlich. Während einige von den langen Texten eher angestrengt Abstand nehmen und ich ihnen das nicht verüble, finde ich persönlich, für mich, so was total wertvoll. Denn oft liest man nur "ja wir machen jetzt Click für Blick" und der andere denkt "Hä was für ein Klickerblick?". Dann recherchiert man selbst und weiß dann zwar irgendwie, was das ist und wie das geht, aber wofür das nun genau eingesetzt wird, bei eben jenem Hund, was es bei diesem Hund gebracht hat, wie es sich entwickelt, wie die verschiedenen Trainingsschritte aussehen, so was hab ich dann oft vermisst...


    Zb das Futterwerfen bei Besuch - das sorgt nicht dafür, dass Brummi irgendwann entspannt neben mir liegt. Aber es ist der erste Schritt dahin, ohne den Schritt kein weiterer Schritt.


    Boss

    Das mit dem Auto muss ich definitiv machen, die letzten zwei Wochenenden waren leider etwas hektisch und übel durch den kleinen Brummi, da hatten wir keinen Kopf mehr für anderes. Aber das steht auf jeden Fall auf der Liste.


    Ich danke euch auf jeden Fall für die positive Rückmeldung! :) Ist doch immer auch gut zu erfahren, dass andere den neuen Weg auch gut finden und man nicht eventuell in einer Verzweiflungsblase festhängt und sich irgendwelche Methoden schönredet. Aber ich habe ein sehr, sehr gutes Gefühl mit dieser Trainerin, wir sind auch im engen Kontakt und ich soll ihr nun aufschreiben, wo er den ganzen Tag irgendwas "aushalten" muss, also zb auch so was wie sitz machen wenn man den Napf hinstellt. Damit man sehen kann, wo wir ihm irgendwas ersparen können. Gestern, bevor sie gingen, war er so gestresst, dass seine Zunge leicht lila wurde, die war nicht mehr rosa, so schwer hat er gehechelt, dass es mit dem Sauerstoff schon knapper wurde. Das müsst ihr euch nur mal vorstellen - und wir hatten "nur" Besuch und wir waren "nur" kurz draußen. Auch positiver "Stress" (seine Freude über die Leute zb) kann also auch Gift sein, wenn die Menge zu hoch ist.


    Was mir noch eingefallen ist, was ich gestern vergessen hatte:


    Sie sagte, Schäferhunde seien so richtige "Glotzer". Sie mag das Wort fixieren nicht, also sagt sie, dass die Hunde glotzen. Und wenn der Hund schon 2-3 Sekunden ohne sich abzuwenden irgendwo hin glotzt - was Schäfis wohl besonders gerne tun - dann hat der seine Entscheidung, da hin zu gehen, eigentlich schon getroffen. Also dann ist es schon zu spät, er muss sich also binnen bzw. vor dieser Zeit/Entscheidung schon abgewendet haben. Dabei ist es dann kein Problem, wenn er immer wieder hin guckt, so lange er sich wieder abwendet - selbst wenn die "Guckzeit" sich dann auf viele Sekunden addiert, aber das verhindert, dass Entscheidungen getroffen werden vom Hund, die er nicht treffen soll.


    Auch ist das Ziehen an der Leine nicht selbstbelohnend für ihn. Durch das Ziehen entsteht Druck auf die Luftröhre und die Luft wird knapp - das löst beim Hund das Alarmsignal "du stirbst gleich" aus. Dadurch bekommt der Hund Angst, Panik und wird mit Adrenalin nur so vollgeballert. Deswegen sollen wir - fürs Handling, wenn wir das brauchen - ihn doppelt führen oder, wenn möglich, nur noch am Geschirr. Sie sagte auch hier, sie ist kein Befürworter oder Hasser von Geschirren oder Halsbändern - man muss immer das für den Hund am besten geeignetste nehmen. Also wird Brummi ins Feld wieder am Brustring und am Rückenring geführt und im Feld dann nur noch am Rücken. Denn beim Kettenhalsband, wenn er zieht und sich die Luft abschnürt, bestraft er sich nicht selbst, wie man oft denkt, sondern bekommt Todesangst ans Hirn vermittelt, wenns ganz blöd läuft, was den Stress ins nicht mehr kontrollierbare steigert.


    Auch sagte sie zwischendurch mal "guck mal, der hat sich grade geschüttelt, hast das gesehen?" und ich sagte "ja, aber ich dachte oft, das ist, weil er das Geschirr nicht so mag" und sie sagte "nein, jetzt gerade hat er sich quasi den Stress weggeschüttelt und wenn er das macht, dann lobst du ihn ruhig, denn genau das wollen wir und schau, jetzt buddelt er ein Loch ins Feld, da sagst du nichts, aber lässt ihn einfach mal machen. Denn wenn er sich so den Stress abbaut, ist das natürlich 100x besser, als zu versuchen, weg zu rennen, andere anzukläffen oder rumzustänkern". Die Löcher muss ich danach halt wieder zuschütten, aber sei es drum, fand ich auch spannend.


    Auf dem Rückweg hatte sie ihn an der Leine und er begann auf einmal, in ihre Schuhe beißen zu wollen und wurde aufmüpfig. Da hat sie es erst auf die nette Art versucht, ihn loszuwerden, das hat nicht geklappt, also hat sie schon nach 2-3 Sekunden angefangen Futter zu werfen und ihm damit gesagt "ey geh du mal weg, such du mal was". Die meisten Leute denken auch hier "die hat sie doch nimmer alle, jetzt belohnt die den für das Verhalten!". NEIN! Sie lenkt es um, sie sagt ihm, er soll jetzt mal was anderes machen, nämlich Futter suchen und woran erkennt man das? Weil er nicht weiter versucht, an ihre Schuhe zu kommen, um mehr Futter abzustauben, sondern sie anguckt und quasi "fragt", ob er noch mehr suchen darf, ob noch mal was zu fressen fliegt.


    Heute früh beim gassi sagte mein Freund, wo ich heute Nacht denn den Aslan gelassen hätte und was der andere Hund hier soll. Ich war erst mal im "Hä?!"-Modus und dann sagte er: das ist ein GANZ anderer Hund, also so lange ich Leckerchen hab, ist es ihm egal, wenn ein Auto kommt und am Ende hat er sogar, als ein Auto kam, mich direkt angeguckt. Der Hund hat also offenbar bei den Autos verstanden: wenn ich ein Auto sehe gibts ein Leckerchen, wenn ich Herrchen angucke.


    Und das ist doch schon mal sehr klasse! :) Mit Sicherheit gehen wir jetzt sowieso vieeeeeeel entspannter an die Sache ran. Sie findet es auch gut, dass ich nachts mit ihm raus gehe, wenn kein Schwein und nichts draußen unterwegs ist (ich mach mir zwar in die Hos', wenn da ein Wildtier rumläuft, aber sonst hab ich ja meinen "Beschützer" dabei :D ). Heute Nacht haben wir für 200m hin und zurück 30min gebraucht. Ich hab ihn einfach nur schnuffeln lassen, er war ganz entspannt. Als wir zurück gingen und er nicht an gewisse Schnüffelstellen gekommen ist, als er mich hinzerren wollte, kam wieder hormoneller und daraufhin frustrierter Stress auf.


    Ich bin wirklich unendlich froh, wenn die Kastration gemacht wurde und er das einfach nicht mehr aushalten muss. Die Tierärztin sagte ja, das sei sehr früh in seinem Alter, sich so sehr übersteigert zu zeigen. Die Hundetrainerin sagte, sie hatte schon junge Knirpse mit 6-7 Monaten, die genau so waren, das war auch sehr übel sagte sie und die Kastration hat den Hunden sehr geholfen, wieder entspannter im Alltag sein zu können. Deswegen empfiehlt sie es auch dringend bei uns bzw. insbesondere bei seinem Fall jetzt, denn als ich sagte "Weißte, das ist eben der einzige Trieb, den ich ihm komplett nehmen kann, nur das kann ich quasi ausknipsen", da sagte sie "und das würde ich auch tun, denn er ist so schon von seiner Umwelt massiv gestresst und dann kommen die Hormone hinzu und die werden auch immer bleiben, das wird nicht besser, das habe ich noch nicht erlebt, dass solche Hunde dann irgendwann sagen "okay, die Mädels da draußen sind mir jetzt wieder egal"". Und das fand ich sehr wichtig und aufschlussreich.

  • Sie sagte, Schäferhunde seien so richtige "Glotzer". Sie mag das Wort fixieren nicht, also sagt sie, dass die Hunde glotzen. Und wenn der Hund schon 2-3 Sekunden ohne sich abzuwenden irgendwo hin glotzt - was Schäfis wohl besonders gerne tun - dann hat der seine Entscheidung, da hin zu gehen, eigentlich schon getroffen. Also dann ist es schon zu spät, er muss sich also binnen bzw. vor dieser Zeit/Entscheidung schon abgewendet haben. Dabei ist es dann kein Problem, wenn er immer wieder hin guckt, so lange er sich wieder abwendet - selbst wenn die "Guckzeit" sich dann auf viele Sekunden addiert, aber das verhindert, dass Entscheidungen getroffen werden vom Hund, die er nicht treffen soll.

    Dazu noch, denn das wurde mir auf dem Platz gesagt, Zitat:


    "Leckerchen gibts nur, wenn der dich auch anguckt, wenn der nicht guckt, dann ruckst du heftig an der Leine, dass er sich umdreht!".


    Die Trainerin hat ihm gestern einfach wortlos das Leckerchen DIREKT vor die Nase gehalten, weil auch sie genau erkannt hat: selbst wenn ich den jetzt anspreche, wird der nicht gucken. Manchmal geht das, das muss man eben immer versuchen. Wenn er auf seinen Namen reagiert, umso besser, aber wenn nicht, hält man es vor die Nase, dass die Konzentration darauf geht, dann wendet man damit seinen Kopf weg vom Reiz, sagt oder macht Click und dann gibts das Leckerchen und ein Lob.


    Auch ist das Ziehen an der Leine nicht selbstbelohnend für ihn.

    Da sagte sie, auch wenn wir das mit den Hormonen nicht "wegtrainieren" können, so können wir Ruhe rein bringen. Dabei bleibt sie dann einfach stehen, holt sich seine Aufmerksamkeit und dann wird er "nach hinten" belohnt, wenn er wieder bei einem ist, bekommt das Leckerchen also nach hinten geworfen. Wenn er danach gut mit läuft, dann belohnt sie das im Laufen immer wieder. Theoretisch so, wie man Leinenführigkeit halt trainiert. Schlagartig die Richtung wechseln versteht der Hund nicht und auch hier bleibt er dann nur bei einem, weil er Angst vor der Korrektur hat, denn die tut in der Regel weh. Bisher habe ich das an sich richtig gemacht bzw. war er ja leinenführig, bis die Hormone kamen und sie sagte, da seien wir nun ein bisschen verwöhnt gewesen, klar und damit können wir das Problem mit den Hormonen nicht lösen, ABER wir können damit Ruhe rein bringen, Stresslevel senken, in der Realität halten.

  • Das liest sich nach einer sehr guten Trainerin :thumbup:

    Ja das finde ich auch :)


    Sie sagt auch, es ist viel wichtiger, dass wir lieber kurze, entspanntere Spaziergänge haben mit sinnvoll genutzten Konfrontationen als dass ich mittags 1.5h mit dem raus gehe, denn fertig ist der sowieso und man kann auch in der Wohnung den Körper mit spielen auslasten. Kopfsachen sollte ich eher niedriger halten im Moment, da er genug mit seinem Stress zu tun hat und es nichts bringt, wenn er schon voll ausgelastet raus geht und dann draußen überlastet ist, weil die Kapazitäten einfach aufgebraucht sind oder es zu solchen Eskapaden zuhause kommt, weil er gar keinen Kopf für Kopfarbeit hat. Fand ich auch spannend, denn im Forum wurde mir gesagt, ich solle mehr auslasten, viel mehr mit ihm machen, der sei gelangweilt, der könne sich nicht genug bewegen, mehr gassi, mehr Kopf. Aber es leuchtet sehr ein, was sie sagt, das ist ihm einfach alles zu viel und das sagte ja auch ich immer wieder... Ohne irgendwem einen Vorwurf zu machen, denn keiner im Internet sieht es vor Ort, wie der Hund sich verhält.


    Sie sprach auch gar nicht von "LZ" und "HZ" Schäfis, für sie sind das alles Schäfis. Nicht aus Unwissenheit, sondern weil sie davon überzeugt ist, dass im Endeffekt erst mal der Hund als Individuum kommt und dann die Rasse und dann die ursprüngliche Gebrauchseigenschaft der Eltern. Es ist ein Gebrauchshund, ja, die brauchen mehr Auslastung als ein Frenchie, sowieso, aber es ist eben ein Schäferhund. Fand ich auch spannend und einleuchtend! Denn es wird ja immer so sehr in Gebrauchshundekreisen auf die Linie gepocht, aber im Endeffekt kommt diese Eigenschaften erst ganz hinten irgendwo mal, wenn überhaupt, wenn der Hund Probleme hat/zeigt.