Schutzhundausbildung, nur mit Hilfsmittel?

  • Ich habe eine Frage an alle die sich mit der Schutzhundausbildung auskennen bzw. diese betreiben.


    Ist eine Ausbildung nur mit Würger und/oder Stachelhalsband möglich?


    Schon mal Danke im voraus.

    Egal wie wenig Geld und Besitz du hast,
    einen Hund zu haben,
    macht dich reich.

    Louis Sabin

  • Mit meiner Banja hab ich die SchH3 gemacht mit 94 Punkten in C. Und die war beim Training "nackt". Nur beim "Anhetzen" als Junghund trug sie ein Hetzgeschirr.

    Askja vom Haus Fuchsgraben

    * 18.06.2014

    Banja vom Wogenfeld - mein Mädchen im Herzen

    * 12.04.2002 - gegangen am 08.09.2014

  • Wow und herzlichen Glückwunsch!


    Wegen meiner Frage:

    Heißt, ganz ohne kommt man nicht aus?

    Egal wie wenig Geld und Besitz du hast,
    einen Hund zu haben,
    macht dich reich.

    Louis Sabin

  • Du hattest ja explizit nach Würger/Stachel gefragt. Ich kann da nur für mich sprechen - in der Unterordnung wurde Kette getragen mit Kurzführer (der Würger selbstverständlich "stumpf" gestellt), bei der Fährte Böttger-Geschirr und beim Schutzdienst das Geschirr beim Hetzen.

    Askja vom Haus Fuchsgraben

    * 18.06.2014

    Banja vom Wogenfeld - mein Mädchen im Herzen

    * 12.04.2002 - gegangen am 08.09.2014

  • Ich muss da jetzt nochmal nachfragen. Was machen die? Also wie wirken die auf die Hunde?

    Egal wie wenig Geld und Besitz du hast,
    einen Hund zu haben,
    macht dich reich.

    Louis Sabin

  • mein Derry wurde komplett OHNE "Würger und Co." ausgebildet. Er hatte die Eigenschaft jeden Druck nach "vorne" umzusetzen. Also habe ich nur MICH als Hilfsmittel gehabt. Er hatte mehrfach IPO3 und wurde 2x auf Landesebene präsentiert. Bei meinem Holzkopf Gauner arbeite ich mit Hilfsmittel, da er OHNE Druck einfach nicht wirklich arbeiten wollte/will. Das hat sich jetzt sehr gebessert, so dass ich die Hilfsmittel so langsam wieder abbaue. Britte hatte ich zur aktiven Zeit im Schutzdienst teilweise mit Hilfsmittel gearbeitet, damit die im Trieb nicht abgedreht ist und ich mit ruhiger Hand sagen konnte so nicht.


    Grundsätzlich mag ich persönlich "Würger und Co." nicht besonders gerne und setze diese nur bedingt ein. Das wissen auch meine Vereinskollegen und helfen mir dabei, weil ich auch nicht so das Feingefühl habe dosiert damit zu arbeiten.


    Birger beantwortet das Deine Frage?


    Angelika

  • angieblau Mich hat das interessiert, weil ich bisher niemanden kennen gelernt habe der ohne auskommt. Dank dir weiß ich nun das es möglich ist. Sofern der Hund die richtige Veranlagung hat bzw. das es wohl dann doch nötig ist wenn man es dennoch möchte.


    Bisher (wird sich auch nicht ändern) habe ich um diesen Bereich einen Bogen gemacht. Wobei das sich nach Elli möglicherweise doch noch mal ändert. Aber das ist in ferner Zukunft.

    Egal wie wenig Geld und Besitz du hast,
    einen Hund zu haben,
    macht dich reich.

    Louis Sabin

  • Banja war in der Unterordnung schnell "klemmig". Es war nicht ihre Lieblingsdisziplin, sie neigte dazu, die Pflicht abzuspulen. Einwirkung über Würger, Leinenruck o.ä. wäre nach hinten losgegangen. Beim Schutzdienst stand sie super im Gehorsam und hatte gleichzeitig immens "Drive" nach vorne. Und Fährte war ohnehin ihr Faible.

    Insofern war es nirgends angebracht. Zum Glück für mich - denn es geht mir wie Angelika. Diese Dinge sind meine Sache nicht.

    Wenn Du jetzt das Gefühl hast, Eure Zusammenarbeit klappt ohne - umso besser!!

    Askja vom Haus Fuchsgraben

    * 18.06.2014

    Banja vom Wogenfeld - mein Mädchen im Herzen

    * 12.04.2002 - gegangen am 08.09.2014

  • Kappa wurde weitgehend ohne Stachelhalsband gearbeitet. Und wenn, dann nur zusätzlich zum Geschirr mit zweiter Leine. In Fährte und Unterordnung gar nicht, im Schutzdienst nur mal versuchsweise. Da es bei ihr aber kontraproduktiv war wurde es dann gleich wieder weg gelassen. Ich habe versucht damit Akzente zu setzen als sie zeitweise nicht sauber getrennt hat bzw. nach dem trennen unsauber war. Allerdings hat sie das dann so umgesetzt dass sie "zu gemacht" hat. Also das genaue Gegenteil von dem, was ich wollte. Da ich mir nicht auch noch ein Problem beim "Aus" reinarbeiten wollte hab ich es dann gleich wieder weggelassen.


    Normalerweise kann man den Hund damit bei solchen Problemen schnell aus einem "Graubereich" heraus holen. Was ihm gut tut, da ein "Schwimmen" in solchen Graubereichen, in denen der Hund nicht genau weiss was richtig oder falsch ist, den Hund verwirrt und zu weiteren Übersprungshandlungen führen kann. Bei Kappa war es mir dann aber lieber, da ich nur wenig Zeit für die Prüfungsvorbereitungen hatte, sie in diesem Bereich zu belassen. Auch wenn das dann in den Prüfungen nicht so schön ausgesehen hat (weil sie sich nach dem "Aus" dann meist "rückversichert" hat ob das richtig ist was sie da gerade tut).


    Es kommt halt immer auf den Hund, seine bisherige Ausbildungsmethode und auf die jeweilige Situation an, ob man gut ohne ein derartiges Hilfsmittel auskommen kann, und ob dem Hund das in der jeweiligen Situation gut tut. Meine Erfahrung ist dass sehr viel häufiger mit dem Stachelhalsband gearbeitet wird als es wirklich notwendig wäre. Und oft machen sich die Leute damit mehr kaputt in der Ausbildung als dass es ihnen von nutzen wäre.

  • Auch wenn Ihr mich bestimmt für meinen Einwurf steinigt: mir stellt sich dann die Frage, wieso muß ich unbedingt einen Hund zum Arbeiten bringen???? WEnn er keine Lust und kein Interesse hat - wieso muß man dann unbedingt darauf bestehen und dazu Hilfsmittel anwenden????

    Für mich persönlich sind solche Hilfsmittel alles andere als tiergerecht und ich würde sie nie benutzen.

    ich würde mit dem Hund seinen Anlagen entsprechend arbeiten. Bei meinen beiden Jungen ist es so, daß der Rüde einen wahnsinns Schutztrieb hat, aber an Nasenarbeit null Interesse hat. Auch Jagd - und Beutetrieb hat er so gut wie gar nicht. Die Hündin hingegen sucht für ihr Leben gerne und hat viel Jagd - und Beutetrieb. Sie ist auch die deutlich verspieltere. Schutztrieb dagegen geht gegen null. Wieso sollte ich denn einen von ihnen zu etwas zwingen, was im nicht liegt und keine Freude macht? Statt lieber mit den Anlagen und Interessen zu arbeiten, die ohnehin vorhanden sind? Soll die Arbeit dem Hund nicht auch Freude machen, statt ihm Zwänge aufzuerlegen?

  • Knickohr , mein Hobby ist nun mal der IPO-Bereich. Soll ich nun meinen Gauner verkaufen und einen anderen Hund holen der besser passt? Was ist die richtige Lösung? Als Welpen kann man nur bedingt sehen, ob ein Hund dafür geeignet ist oder nicht. Ich hatte z.B. mit Gauner in der Fährte und im Schutzdienst KEINE Probleme. Einzig und Allein in der Unterordnung. Es gäbe da nur 2 Möglichkeiten ich als Mensch sage einfach meinem Hobby ab oder der Hund hat zu lernen, dass es nicht immer geht -Heute hab ich Lust, Morgen nicht mehr. Eine Gebrauchshunderasse hat nicht nach "Lustprinzip" zu arbeiten! Stell Dir vor, der Hund hat plötzlich keine Lust einem Behinderten Menschen z.B. den runtergefallen Becher aufzuheben was dann?


    Bei Gauner war es so, dass er nach Lustprinzip gearbeitet hat - mal hat er ne traumhafte UO gemacht und dann wieder so geklemmt als wenn er sonst was vor die Rübe bekommen hätte. Er hat erst mit fast 3 Jahren ein Hilfsmittel gesehen - und siehe da, anscheinend hat er das wohl gebraucht, dass ich einfach mal "härter" ran bin und eingefordert habe, das er wenn ICH will arbeite. Ansonsten hat er alle Freiheiten der Welt und kann tun und lassen was ihm gefällt. Es ist nicht Zuviel verlangt, das ein Hund 2x in der Woche auf dem Hundeplatz "funktioniert".


    Wenn ein Sportler einen Hund verkauft, weil er nicht seinen Anforderungen entspricht wird "geschrieen": "Wie kannst Du nur". Wenn er den Hund behält und das beste noch daraus macht mit Hilfsmitteln wird geschrieen: "Wie kannst Du nur". Also wie man es macht es ist falsch ...


    Angelika

  • Ich weiß jetzt nicht was Du Dir darunter vorstellst wenn man mit so einem Hilfsmittel arbeitet. Prinzipiell haben die Hunde einen Riesenspaß daran ihre natürlichen Triebveranlagungen ausleben zu dürfen. Um gewisse Ziele zu erreichen ist es aber hin und wieder notwendig sie "zu blocken". Weil sie sich sonst in einer hohen Trieblage "festfahren" und dadurch nicht mehr kontrollierbar sind. Bei einem Diensthund, Herdengebrauchshund, Rettungshund fatal (um mal vom Image des Sporthundes weg zu kommen).


    Mal ein Beispiel: Das "Stellen und Verbellen" im Schutzdienst. Der Hund "findet" den in einem Versteck stillstehenden Helfer und darf diesen nur verbellen, nicht aber am Schutzarm packen. Letzteres wäre dem Hund aber sehr viel lieber, als das Objekt seiner Begierde, welches sich direkt vor seiner Nase befindet, drangvoll und anhaltend zu verbellen. I.d.R. lernt es der Hund sehr schnell dass er nicht auf dem direkten Weg ( = Anbiss) zum Ziel kommt, sondern über das Bellen. ABER jeder Hund ist anders... I.d.R. beginnt man mit dem angeleinten Hund (i.d.R. am Geschirr) in einiger Entfernung zum Helfer. Der Helfer macht Action, bis der Hund einen Laut von sich gibt, und lässt den Hund dann anbeissen. Man verringert dabei die Entfernung zum Helfer immer mehr, bis der Hund vor dem Helfer sitzend verbellt und dann dafür mit einem Anbiss belohnt wird. Nun hast Du bei sehr triebstarken Hunden dass Problem dass die gar nicht mehr Bellen können, wenn sie sich wie die Blöden ins Geschirr hängen, weil sie unbedingt zu ihrem Triebziel wollen. Und da Verwehren das Begehren steigert, kommen diese Hunde von Schutzdienst zu Schutzdienst immer schlechter ins Bellen. Weil sie sich immer weiter im Trieb hoch- und dort festfahren. Und ratzfatz haben sie sich "zu gemacht".


    Aus dieser Situation bekommst Du einen triebstarken Hund dann nur durch eine Übersprungshandlung wieder heraus. Durch einen Konflikt unterbricht er seine triebgesteuerte Handlung und probiert andere Lösungswege aus. I.d.R. auch wieder das Bellen. So einen Konflikt erreichst Du durch "Sperren" der Beute. Das kann z.B. auch durch ein Gitter geschehen, welches man zwischen Schutzdiensthelfer und Hund anbringt. Damit erzeugst Du die Situation "Gartenzaun" (hinter dem sehr viele Hunde andere Hunde verbellen, was sie aber nicht tun wenn der Zaun dazwischen fehlt). Und der Helfer kann relativ dicht vor dem Hund diesen zusätzlich anreizen. So weit so gut.... Es gibt aber einige sehr triebstarke Hunde, die sich an so einem Gitter nicht so verhalten wie man sich das vorstellt. Ich habe schon einige Hunde gesehen, die dann in einer Weise gearbeitet haben dass die Gefahr, dass sich sich dabei selbst verletzen könnten, sehr groß war. In so einem Fall würde ich den Hund lieber mit einem Stachelhalsband auf den richtigen Weg bringen. Der Hund wird an einer Leine am Geschirr bis vor den Helfer gebracht, und dann wird der Hund mit einer zweiten Leine am Halsband daran gehindert bis an den Schutzarm zu gelangen. Wobei sich der Hund "selbst begrenzt". D.h. es wird nicht am Halsband geruckt oder gezogen, sondern die Leine ist nur straff wenn der Hund Zug auf's Halsband legt. Geht er ein Stückchen zurück ist und bleibt die Leine locker. D.h. der Hund bestimmt wann die Leine straff ist und wann nicht.


    Normalerweise erzeugt das sehr schnell diesen "Gartenzaun-Effekt" und der Hund kommt durch den Konflikt, den das bei ihm auslöst, wieder ins Bellen. Wobei der Helfer, wenn sich der Hund an der Leine befindet, erste Ansätze des Bellens durch Anbiss bestätigen kann. Bei der Arbeit mit dem Gitter funktioniert das meist nicht so gut, weil die Gitter relativ hoch sein müssen und fest installiert, um für den Hund ungefährlich zu sein. D.h. bei der Arbeit an der Leine kommt der Hund i.d.R. sehr schnell aus diesem "grauen Konfliktbereich" wieder heraus, in dem er sich nicht so wohl fühlt, und in eine Routine hinein, die ihm gut tut.


    Diese Arbeit kann man natürlich auf alle Bereiche übertragen, in denen Hunde "in echt" arbeiten müssen. Egal ob ein triebstarker Hund z.B. als Betäubungsmittelspürhund oder als Rettungshund eingesetzt wird: Diese Hunde müssen sehr viel Trieb besitzen, denn der ist der Motor des Hundes für eine wirklich zuverlässige Arbeit. Wenn sie aber ihr Triebziel erreicht haben, dann müssen sie zuverlässig Bellen und dürfen sich nicht "selbst bedienen". Stell Dir vor ein Rettungshund würde, statt ins Bellen zu kommen, das gefundene Opfer derb mit den Pfoten traktieren, weil er sich (wie im Training) seine Beisswurst verspricht. Oder ein Betäungunsmittelspürhund würde seinen Fund mit Pfoten und Zähnen zerreissen anstatt ihn durch Bellen anzuzeigen, und dabei direkt mit den gefundenen Substanzen in Berührung kommen.


    Manchen Hunde kann man auf diesem Weg einfach besser helfen sich direkt vor ihrem Triebziel "zu sammeln". Wie gesagt, da ruckt und zerrt dann auch niemand am Hund herum. Sondern der Hund bestimmt ganz allein ob und wie viel Zug er auf's Halsband legt. Ich hab schon so oft gesehen dass Hunde in solch einer Situation relativ lange weiter am Geschirr gearbeitet wurden. Und ich hatte in allen Fällen nie das Gefühl dass das wirklich gut war für den Hund. Wenn Du selbst ein Problem hast und lange keinen Lösungsweg dafür findest, wirst Du frustriert. Und beim Hund ist das ganz genau so.

  • Zum Thema Bellen im Versteck.


    Man kann den Trieb des Hundes doch auch langsam steigern. Warum stellt sich der Helfer anfangs nicht mit einem Leckerlie ins Versteck.

    Wenn der Hund da zuverlässig bellt, kann der Helfer sich auch mit einem Ball in das Versteck stellen.

    Wenn der Hund hier auch zuverlässig bellt, nimmt man eine Beißwurst.

    Erst wenn bei der Beißwurst das Verbellen und Auslassen zuverläßig klappt, kommt der Schutzarm ins Spiel.


    Ich habe nur ein halbes Jahr im Schutzdienst mit gemacht und habe den Eindruck erhalten, daß der Stachler nur verwendet wird, um die Ausbildungszeit zu verkürzen.

    VG
    Klaus und die Bea

  • das stimmt schon so, lieber Klaus. Aber es führen viele Wege nach Rom und jeder Hund ist unterschiedlich. Bei Britte habe ich damals früher das Halsband umgelegt wie Gauner, obwohl ich Britte genauso aufgebaut habe. Es war eine Hilfe für mich und den Hund. Britte hat sich total hochgeschraubt im Trieb. Im Schutzdienst musste ich bei Gauner nicht damit arbeiten, aber er hatte die Angewohnheit rum ums Versteck und sofort in den Arm zu beißen. Es half alles nichts! Erst die Korrektur über "Stachler" half effektiv. Hilfsmittel sinnvoll eingesetzt sind wie der Name schon sagt Hilfsmittel. Ich halte "Stachler & Co." nicht für ein Alleinheilmittel in der Hundeausbildung. Jeder der im IPO-Bereich oder auch RH arbeitet wird mir hier zustimmen. Heute ist es eine echte Kunst so auszubilden, das man schon auf OG-Niveau eine vernünftige Prüfung vorführen kann, von Landesgruppe und Bundesebene ganz zu schweigen. Ganz ehrlich das was die ach so tollen Hundetrainer und Hundeschulen zeigen an Prüfungstagen, da sage ich - mir kraust es. Da wird an der Leine wie bekloppt geruckt da werden dem Hund keine klaren Bilder vermittelt usw. . Ich könnte da endlos weitermachen ... Für mich ist das oft "Tierschutzrelevanter" wie ein Hundesportler oder auch RH-ler der seinen Hund anständige Bilder vermittelt und auf höchsten Niveau ausbildet, auch wenn das heißt, das derjenige auch mal mit Hilfsmitteln arbeitet, die halt nicht jeder gut findet.


    Angelika

  • Ich habe nur ein halbes Jahr im Schutzdienst mit gemacht...

    In so einem kurzen Zeitraum wirst Du nie alle Nuancen im Triebbereich vieler Hunde mit erlebt haben. Ein halbes Jahr reicht nicht einmal für den Aufbau eines Hundes...


    Ich baue das Verbellen über den Clicker auf. Trotzdem kann es, je nach Situation und der Mentalität eines Hundes, dazu kommen dass er irgendwann mal merkt dass er problemlos herzhaft zubeissen kann, und dafür nicht zwingend auf die Aktivität des Helfers warten muss. Einmal herzhaft selbstbelohnt, und schon kann es zu Problemen kommen die Du Dir gar nicht vorstellen kannst. Und jetzt mal vom Hundesport weg: Passiert das z.B. bei einem Betäubungsmittelspürhund, wäre der dann nicht mehr einsetzbar (da bei jedem Einsatz die Gefahr besteht dass er sich vergiften könnte). Wenn ihm nicht vermittelt werden kann dass es trotz der (von ihm vermuteten) direkten Nähe seines Triebzieles Grenzen gibt die es sich lohnt zu respektieren.


    Viele Wege führen nach Rom. Für mich ist immer der der beste, der den Hund am wenigsten belastet.

  • Ok, ist verständlich.....Ich habe ja auch gar nicht behauptet, daß ein Gebrauchshund nicht arbeiten soll oder selber entscheiden darf, ob er heute auch das zu befolgen hat, was er gestern gemacht hat. Mir stellte sich lediglich die Frage, ob man einen Hund generell zu etwas zwingen sollte, was ihm offensichtlich nicht liegt bzw. keine Freude macht. Arbeit, klar, selbst mit meinen aus der HZ gehe ich nicht nur gassi, das wäre auch ihnen deutlich zu wenig! Aber ich arbeite halt mit beiden verschieden, je nach Veranlagung. Mit Peggy mache ich sehr viel Nasenarbeit und Suchen, das liebt sie. Quacks hingegen interessiert sich dafür null. Er mag hingegen Sachen wie Agility unheimlich gerne, was Peggy jedoch langweilt. Daher mache ich mit dem jeweiligen Hund halt etwas anderes. Warum sollte ich Peggy zu Agility zwingen und Quacks zum Fährten, wenn es ihnen nicht liegt und sie keine Freude dran haben???? Das habe ich damit gemeint.

    Ist es dem Hund gegenüber korrekt / fair, ihn zu etwas zu zwingen, daß er nicht möchte, nur weil man selber es gerne möchte???? Ich sprach ja nicht vom Gehorsam in einem einmal gelernten Prozeß, sondern einfach darüber, mit dem Hund zu arbeiten, was ihm auch Freude macht, ohne Zwang und Hilfsmittel. Die dann natürlich nicht nötig wären. Ich möchte, daß meine Hunde mir vetrauen und aus Freude mit mir arbeiten und nicht weil ich sie zwinge oder ihnen Schmerzen zufüge.

    Man kann es vielleicht mit dem reitsport vergleichen: auch da wird viel zu viel über Hilfsmittel und mit Zwang, Druck und Schmerz gearbeitet. Und das obwohl es wirklich auch ganz anders geht, wie Viele schon gezeigt haben. Ich bin bei Gott kein Wattebällchenwerfer, auch meine Hunde müssen gehorchen und das einmal gelernte muß sicher abrufbar sein. Sachen wie "Heute habe ich aber keine Lust, Fuß zu gehen oder auf ein anderes Kommando von dir zu hören", akzeptiere ich ebenfalls nicht! Worum es mir ging, war, daß ich doch am Anfang einer Ausbildung sehe, was macht dem Hund Spaß, was liegt ihm besonders und arbeite dann mit ihm in diesem Bereich. Man hat Erfolge mit dem Hund ohne ihm Druck zu machen und kommt ohne Hilfsmittel ans gewünschte Ziel.

    Klar, wenn man IPO mit dem Hund machen möchte, sind das nun mal 3 verschiedene Sparten, die man mit dem Hund arbeitet. Viele Hunde haben eher Spaß an dem einen, weniger am anderen. Könnte man denn nicht versuchen, den Hund ohne Hilfsmittel, besser gesagt, ohne Hilfsmittel, die SChmerz zufügen ( wie Stachelhalsband oder Teletakter, welcher bei uns auf den Plätzen leider sehr "in" ist) zu motivieren? Natürlich ist das ein oftmals längerer Weg....aber sicherlich zum einen ein tierfreundlicherer und bindungsunterstützenderer Weg.

    Wenn ich hier Leute sehe, die sich damit brüsten, im SV zu sein und IPO zu machen und dann sehe, daß diese nicht in der Lage sind, einen Hund auch nur ein paar Meter an der Leine Fuß gehen zu lassen OHNE Stachelhalsband (mit Stacheln nach innen!!), dann verstehe ich die Welt nicht mehr und finde das zum Ko.....!!! Das möchte ich keinesfalls verallgemeinern! Nur ist es, besonders hier, leider gang und gäbe. Das wird denen auf dem Platz so gezeigt und dann wird es gar nicht mehr anders versucht. Und da bin ich der Überzeugung, daß jedwede Arbeit mit Hund (oder Pferd) sehr wohl ohne Hilfsmittel funktioniert.

  • Ein Stachelhalsband darf meiner Meinung nicht dazu verwendet werden, einen Hund zu etwas zu zwingen was er nicht kann. Ich denke aber, dass ein Stachelhalsband in den richtigen Händen einen Hund nicht streßt und eigentlich auch keine wirklichen Schmerzen zufügen sollte. Ein starker Ruck mit einem Kettenhalsband ist eben ja auch schmerzhaft.

    Außerdem kann man auch ein Pferd mit Kandare gefühlvoll reiten und z.B. mit einem Hackamore das Kiefer brechen. Ich reite mein Pferd überigens mit einem Bittless.


    Also meiner Ansicht nach kommt es nicht unbedingt darauf an welchses Hilfsmittel man verwendet, sondern wie man dem Hund etwas beibringt und wie man dann evtl. ein Hilfsmittel zur Unterstützung bzw. Verfeinerung benutzt. Ein Teletakt lehne ich in der Ausbildung ab, obwohl ich mir vorstellen kann, dass man auch dieses tiergerecht verwenden kann.

    Viele Grüße aus Bayern
    Silvia mit Hank (*2008)+ Arik (*2015)
    (Jacky +29.12.2015, Cora 30.07.2001-04.08.2016, Rusty 2000-09.04.2019)
    Man kann ohne Hunde leben, abe es lohnt sich nicht (Zitat: Heinz Rühmann)

  • Ich denke das maßgebliche Stichwort ist ,wie hier schon angedeutet,HILFSmittel.

    Und ein im Alltag bei jeden Spazierengehen verwendetes Stachel ist wohl weit entfernt davon,stimmts? ;)

    "Wer nie einen Hund gehabt hat, weiss nicht, was Lieben und Geliebtwerden heisst."

    Arthur Schopenhauer