Hund greift Radfahrer an

  • Hallo Ihr Lieben! Es geht hier nicht um Askja (und noch nicht mal um einen Schäferhund ;) ), aber mich würde Eure Einschätzung interessieren.

    Eine gute Bekannte hat vor ca einem Dreivierteljahr einen 8 jährigen Rüden aus dem Tierschutz übernommen, nachdem ihr Labrador verstorben war. Der Hund war erst kurz im Tierheim, seine Halter hatten Nachwuchs bekommen, er war daraufhin ca 2 Jahre nur im Garten und wurde draussen nicht mehr bewegt. So sah er auch aus - übergewichtig. Lt Tierschutz soll der Rüde ein Labrador/Hovawart Mix sein, Genaueres weiss man nicht. Askja und ich kommen ganz gut mit ihm zurecht, die beiden begrüßen sich kurz, haben aber kein besonderes Verhältnis. Anfangs war er bei Askja extrem zurückhaltend und auch jetzt wendet er sich sofort ab, wenn sie schief guckt. Er freut sich, wenn er mich trifft - Labradortypisch interessiert er sich aber eher für meine Jackentasche..


    So, wir sind morgens vor dem Büro ja immer am See unterwegs. Fast täglich treffen wir da einen sehr netten alten Herrn auf einem Mini-Rad, der sich um die Gänse kümmert und immer sehr freundlich zu den Hunden ist. Heute früh trafen wir zufällig meine Bekannte und ihren Hund und weil es in Richtung Hauptstraße ging, hatte sie ihn gerade angeleint und wir standen noch kurz zusammen. Der alte Herr kam mit dem Rad auf seiner Morgenrunde vorbei, hielt kurz an und wünschte einen guten Morgen. Der Rüde bellte ihn an - in meinen Ohren nicht sehr freundlich. "Der ist nur sauer, dass er jetzt nicht zu ihm kann, die beiden begrüßen sich sonst morgens immer" war ihre Erklärung. Jedenfalls fuhr der Mann dann weiter, war auch schon so ca 20 Meter weg, als der Rüde sich losriss, hinterherrannte und ihn anfiel. Er biss in die Jacke, der Herr verlor das Gleichgewicht, stürzte und der Rüde biss ihm in den Oberschenkel.

    Wir sind hin, ich hab den Hund gegriffen (bei mir lammfromm, immer noch hin und wieder in Richtung Radfahrer bellend) und ihn an einem Poller festgemacht. Der Mann hatte sich wieder berappelt, die Jacke war im Eimer und am Oberschenkel ein beeindruckender Abdruck beider Zahnreihen. Das wird einen schönen Bluterguss geben. Ich wollte ihn heimfahren, aber er meinte, als er sich ein wenig beruhigt hatte, er wollte lieber mit dem Rad weiterfahren.

    Telefonnummern wurden ausgetauscht usw.


    Das Ganze ging mir den Tag über nicht aus dem Kopf. Ich war echt völlig von den Socken. Dass er so gezielt dem Mann sogar nachgelaufen ist, ganz klar in der Absicht, ihn anzugreifen - das will mir gar nicht in den Schädel. Und das, obwohl er ihn doch kennt und sonst freundlich reagiert hat.

    In dieser Situation hat er ihn ganz klar als Bedrohung empfunden in meinen Augen. Aber wieso? Weil wir jetzt da beieinander standen? Weil er angeleint war?

  • erstmal hoffe ich, daß es der Versicherung gemeldet wurde und sie sich um ihn auch persönlich kümmert.


    mit fällt da natürlich sofort mein Fall mit Roopa ein, der bei einem Treffen mit bekannter Hündin einen anderen Hund Biß, der der Hündin zu nahe kam

    Du erinnerst dich ?


    ich vermute, daß an der Konstellation der Situation liegt: ihr zwei Menschen mit 2 Hunden und er wohl diese Gruppe verteidigen mußte

    So richtig bekommt man das wohl erst heraus, bei weiteren Beobachtungen .....

  • ich wäre auch ratlos was die situation angeht

    ich hatte mit meinem Dalmi aber eine ähnliche situation - wir treffen im wald einen kumpel mit dem der dalmi am tag zuvor noch auf unserem sofa gekuschelt hat ... hund während des kurzen plauschs im wald ganz ruhig und erst als mein kumpel mit dem fahrrad wegfahren wollte ist der hund plötzlich auf ihn los und biss ihn in den oberschenkel 8|

    ich hatte keine ahnung warum? da sich das verhalten aber in den darauffolgenden tagen auch bei anderen ihm bekannten menschen zeigte, bin ich zum tierarzt - dort stellte sich raus, dass er heftige schmerzen haben muss, da eine heftige hodenentzündung vorlag


    wenn der hund also plötzlich verändertes verhalten zeigt, sollte man auch im hinterkopf haben, es könnte eine erkrankung/schmerzen dahinter stecken


    ansonsten hab ich für sowas auch keine erklärung, ich denke da müsste man den hund länger beobachten

  • achja und bei th hunden weiss man ja meist auch die vorgeschichte nicht, kennt die trigger für bestimmtes verhalten nicht ... das macht es sicher nochmal schwieriger das ganze richtig einzuschätzen


    "riss sich los" gilt es dann zu verhindern

  • Ich hab den alten Herrn heute früh getroffen - da hat meine Bekannte echt Glück gehabt mit diesem Opfer. Er kauft sich eine neue Jacke und gibt ihr die Rechnung für die Versicherung. Die Wunde am Bein sei tatsächlich offen und blutig, die versorgt er selbst. (ob das so klug ist, weiss ich allerdings nicht). Er mag Hunde und will nicht, dass das Ganze "hochkocht".


    Mittlerweile hab ich erfahren, dass der Rüde an einer engen Wegstelle schon mal "hochgegangen" ist und den Passanten an der Jacke erwischt hat.

    Da scheint sich ein Kreis zu schließen. 🙄

    Es war wohl die Konstellation: wir stehen beieinander, dann auch Askja dabei (ihrer Aussage nach die einzige Hündin, die der Rüde näher kennt). Ich hab ihr Maulkorbtraining empfohlen, wäre für beide entspannter. Aber sie ist mir heute früh begegnet, Hund freilaufend. Vorher hatte sie mit ihm geübt: er muss absitzen, sie versteckt Leckerchen und dann sich selbst und ruft ihn ab. Und just in der Situation kommt ein Jogger des Weges und macht Dehnübungen. Der Rüde stand wohl schon steif, sie kriegte ihn noch abgerufen. 🤷


    Ich finde es ganz erstaunlich, wie der Hund dich seit seinem Einzug entwickelt hat. Anfangs so zurückhaltend und verhuscht, Schiss vor Autos und Häusern - und jetzt so. Und ich hab auch den Verdacht, dass die Vorgeschichte vllt noch so einiges zu bieten hätte ..

  • Das ist der Grund, warum ich mir keinen Hund aus dem Tierschutz hole - zumindest nicht, so lange meine Kinder (relativ) klein sind.

  • Das ist aber wirklich ein netter älterer Herr. :thumbsup:

    Das Verhalten der Frau kann ich nicht verstehen. Der Hund hat schließlich schon einmal einen Menschen angegangen. Bei mir wäre der Hund von da an an der Leine und hätte einen Maulkorb drauf. Ich würde mir Hilfe holen um das Verhalten einschätzen zu können und wenn möglich intensiv daran arbeiten.

    Ich denke nur daran das es beim nächsten Mal ein Kind erwischen könnte. X(


    LG Terrortöle

  • Einen ganz lieben Gruß an den Radfahrer !

    und einen bunten Blumenstrauß

    schön wie er reagiert und nicht von nunan alle Hunde verdammt.

    und sag ihm, daß er zum Arzt gehen soll, eine Blutvergiftung ohne Impfung kann tödlich enden ...

  • Ich stimme da auch zu, da hat sie wirklich Glück gehabt, dass der Radfahrer so nett ist.


    Verstehen kann ich deine Bekannte aber auch nicht, dass sie den Hund nach so einem Erlebnis nicht besser sichert. Ich wäre da nach dem ersten Vorfall schon deutlich sensibilisiert und würde den Hund besser sichern und nicht noch weitere Attacken riskieren.

  • ja nach den neuesten informationen würde sich bei mir auch ein "kreis schliessen" und verstehe da auch den "leichtsinn" nicht den hund nicht besser zu sichern


    man hört das ja öfters von ts hunden, dass sie nach einer gewissen eingewöhnungszeit erst auftauen und ihr wahres ich zeigen ...


    wir hatten mit unseren ts hund da echt glück, die war wirklich eine seele von lieber hund - vorsichtig bei neuen sachen wo wir nicht wussten wie sie reagiert waren wir aber trotzdem immer

  • Ich finde es ganz erstaunlich, wie der Hund dich seit seinem Einzug entwickelt hat. Anfangs so zurückhaltend und verhuscht, Schiss vor Autos und Häusern - und jetzt so. Und ich hab auch den Verdacht, dass die Vorgeschichte vllt noch so einiges zu bieten hätte ..

    Diese Entwicklung ist aber nicht ungewöhnlich. Hunde aus Tierheimen und ähnlichen Institutionen lernen nicht selten sich unauffällig zu verhalten in solchen Umfeldern. Auch in einem entgültigen Zuhause dauert es eine Zeit lang bevor sie sich trauen Ansprüche auf irgendwelche Ressourcen anzumelden. Von daher zeigt sich das eigentliche Naturell eines Hundes nicht selten erst dann wenn er "angekommen" ist in seinem neuen Umfeld, er in Ruhe abchecken konnte welche Stellungen die Individuen darin haben und welche Aufgaben sie übernehmen. Um dann zu entscheiden wo er dazwischen steht und welche Aufgaben er meint übernehmen zu müsssen.

  • Das ist der Grund, warum ich mir keinen Hund aus dem Tierschutz hole - zumindest nicht, so lange meine Kinder (relativ) klein sind.

    Ich habe genau die gleiche Einstellung gehabt, als meine Tochter noch klein war und nur Welpen vom Züchter zu uns genommen, die noch keine undurchsichtige Vorgeschichte und Altlasten mitbrachten.


    Ich hatte aber auch erlebt, dass ein ganz wunderbarer und superfreundlicher Langhaarschäferhund, der eine guten Bekannten von mir gehörte und der auch aus dem Tierschutz kam, einen Mann angefallen hat, weil der einen Schirm aufspannte. Klar konnten wir uns alle denken, dass der Hund garantiert keine guten Erfahrungen mit Regenschirmen sammelte, aber wenn es regnete, musste er fortan einen Maulkorb tragen ... und der gebissene Mann war nicht so verständnisvoll, wie der vom Labbimix angegriffene Hundefreund.


    Und ich kann die Worte von Waschbär nur unterstreichen. Ich hatte ja einen Mali-Mix als Pflegehund und der war in den ersten Tagen auch noch sehr zurückhaltend und eher unterwürfig und devot. Als der sich dann hier zuhause fühlte, wurde er richtig frech und knurrte mich sogar an, als ich ihn von meinem Bett schicken wollte und er begann auch das Benchen zu dominieren - das war der Punkt, an dem ich dann auch entschied, dass er wirklich nur bei uns bleibt, bis er einen Endplatz gefunden hat und wir ihn definitiv nicht übernehmen, denn wer weiß, was ihm sonst noch so eingefallen wäre.

  • Also ich habe ja aktuell auch Hunde aus dem TS und kann die "Schauergeschichten" nicht nachvollziehen. Das Säckchen wurde im TH intern als gefährlicher Hund geführt und so beschrieben:

    Es gab hier nie irgendwelche ernsthaften Probleme. In Gegenteil, er benahm sich vom ersten Tag an als ob wir uns schon Jahre kennen würden. Auch das zusammenführen mit der Familie ein paar Tage später ging, zumindest von uns aus, tiefenentpannt über die Bühne. Er setzte sich ganz selbstverständlich zwischen die Familie mit aufs Sofa und lies sich entspannt von ihm komplett Fremden durchknuddeln. Soviel zum misstrauischem Kaukasen. ^^

    OK, da er vorher offensichtlich nur sehr wenige Umweltreize kennengelernt hatte, kam es anfangs ab und an mal zu Übersprunghandlungen, aber nie zu offenen Aggressionen oder Ähnlichem.

    Allerdings lasse ich neue Hunde hier auch nicht erst in Ruhe im neuen Zuhause "ankommen", sondern binde sie vom ersten Tag an voll in den neuen Alltag ein.

  • Also ich habe ja aktuell auch Hunde aus dem TS und kann die "Schauergeschichten" nicht nachvollziehen. Das Säckchen wurde im TH intern als gefährlicher Hund geführt und so beschrieben:

    Es gab hier nie irgendwelche ernsthaften Probleme. In Gegenteil, er benahm sich vom ersten Tag an als ob wir uns schon Jahre kennen würden. Auch das zusammenführen mit der Familie ein paar Tage später ging, zumindest von uns aus, tiefenentpannt über die Bühne. Er setzte sich ganz selbstverständlich zwischen die Familie mit aufs Sofa und lies sich entspannt von ihm komplett Fremden durchknuddeln. Soviel zum misstrauischem Kaukasen. ^^

    OK, da er vorher offensichtlich nur sehr wenige Umweltreize kennengelernt hatte, kam es anfangs ab und an mal zu Übersprunghandlungen, aber nie zu offenen Aggressionen oder Ähnlichem.

    Allerdings lasse ich neue Hunde hier auch nicht erst in Ruhe im neuen Zuhause "ankommen", sondern binde sie vom ersten Tag an voll in den neuen Alltag ein.

    Das selbe wäre bei meinem Hund in der Beschreibung gestanden außer statt misstrauisch - unsicher.

    Er hat in absolut alles geschnappt, rennende Kinder, Menschen auf Fahrrädern, Roller usw…

    Rennende Kinder hatten wir als erstes durch da ich 3 hier hab. Da flog der Schlüsselbund, die Rappeldose und er war anfangs nur neben mir an der Leine, auch in der Wohnung. Maulkorbtraining kam dazu. das hatten wir schnell dann durch. Jetzt ist er ein Verlasshund selbst mit der 4 Jährigen. Draußen ist das schlimmer weil er sich hochfährt und kaum noch ansprechbar war. Oh Gott was hab ich da heute noch oft Diskussionen mit Menschen… wenn er sich doch mal wieder steif macht und ich das rabiat unterbreche, mit nem Leinen Ruck oder ihn anrempel.

    Mir ist aufgefallen das sehr wenig Menschen die Hundesprache /Körpersprache verstehen. Wie oft höre ich, warum machen sie das er hat doch nix gemacht. Nee hat er nicht weil ich es unterbreche.

    Was ich auf jeden Fall nicht verstehen kann ist das so ein Hund noch frei rennt. Meiner ist mittlerweile sehr brav, selten fährt er hoch, und er ist generell viiiel ruhiger geworden und hört wirklich gut, aber er ist nur da ohne Leine wo ich rundherum alles sehe, egal ob Jogger, Radfahrer etc er kommt immer an die Leine. Und bei schlechten Tagen, wenn mir vorkommt er ist nervöser als sonst, hat er den Maulkorb drauf.


    Ich muss gestehen würde ein fremder Hund mein Kind beissen wäre bei mir Schicht im Schacht. Die Frau müsste die volle konsiquenzen tragen.

    Ich hätte da kein Verständnis, und damit meine ich nicht die Jacke oder umschmeißen oder oder…da bin ich auch nicht erfreut aber würde keinen Aufstand machen. Sowas peinliches passiert uns allen mal.

    sonder ein Biss mit Blut. Ich wäre auf 1800000… noch dazu nicht das erste mal…

    Unfassbar verantwortungslos. 🙁 der arme Hund ist am Ende der Leidtragende.