Gehen lassen

  • Wir haben hier gerade aktuell mehrfach das Thema gehabt, einen geliebten Hund über die Regenbogenbrücke gehen lassen zu müssen. Ich kann dazu zum Glück noch nichts sagen. Aber ich habe gerade vor ein paar Tagen einen Bericht gelesen, dass angeblich viele Hundehalter es nicht schaffen bzw. aushalten, die gesamte letzte Zeit, quasi inkl. Gabe der Spritze und bis zum Einschlafen des Hundes dabei zu bleiben und dass sich daher viele Hunde in den letzten Minuten ihres Lebens einsam und verlassen fühlen. Das hat mich sehr betroffen gemacht, regelrecht geschockt. Es ist sicherlich kein leichtes Thema, aber es interessiert mich, wie die, die einen Hund sterben lassen mussten, dies erlebt haben.

    Harras *10.12.2015 :thumbup:“Mit einem kurzen Schwanzwedeln kann ein Hund mehr Gefühle ausdrücken, als mancher Mensch mit stundenlangem Gerede.” :thumbup:(Louis Armstrong)

  • Ooooh, wirklich ganz, ganz schweres Thema.

    Ich war ja mit meiner Mutter zusammen komplett dabei. Alleine nur sich zu entscheiden, die Spritze zu geben war grauenhaft.


    Das gute war: er war ohnehin schon in Narkose aufgrund der Untersuchungen. Er Hat uns also bis zuletzt gesehen und um sich gehabt.


    Ich kann mich noch sehr gut an den Moment erinnern, wo er die Spritze (es waren bei ihm 4 Kanülen) bekommen hat.
    Ich habe ihn in dem Moment festgehalten und meinen Kopf halb auf ihn. Es war unglaublich schmerzhaft, zu merken, wie die Atmung stoppte und kein Herzschlag mehr zu hören war... ;(

    Meine Mutter fragte panisch den Arzt "hat er aufgehört zu atmen?". Für sie war das alles schon viel zu viel.


    Was auch total befremdlich war, war der Anblick, wo ihm die Blase entleert wurde, damit wir ihn im Auto nach Hause transportieren konnten.

    Ach man, ich bin so am heulen bei dem Text hier: Damon, ich hoffe, dir geht es gut, wo du bist <3


    Im Nachhinein bin ich über unsere Entscheidung sehr froh und auch, dass wir bis zum Ende dabei waren. Ich hätte mir das nicht verzeihen können, hätte er mitbekommen, das wir bei seinem Tod nicht dabei wären.

    Liebe Grüße von Drago, Simba und Timo! :)


    Simba | Weißer Schweizer Schäferhund | rüde | WT 24.06.2019

    Drago | Schwarzer Deutscher Schäferhund | rüde | WT 19.03.2020


    Für immer in meinem Herzen:
    Damon | Weißer Schweizer Schäferhund | rüde | WT 18.12.2009 *24.06.2019

  • Ich habe alles gegeben was ich konnte . Da es meine ständige Begleiterin war später zu ihr ein Foto . Sie fing hinten rechts an zu humpeln vor über einem Jahr sie hat sich nix an merken lassen . Hat weiter gemacht ohne zu jaulen oder zu Zucken nix das Knie ging immer weg . Da sie versichert war . Tierarzt Röntgen sie war noch läufig weswegen sie eine pampers anhatte ( schneidet nicht in die Haut wie extra Hunde hösschen) dann dieagnose HD und ED und Kreuzband. Für mich war klar keine Treppen tragen etc 28 Kilo Treppen hoch und runter drei mal am Tag manchmal vier bis 6 mal . Ich war leider nicht dabei als sie starb es war bei der op sie schaffte es nicht mit allen Komplikationen. Ich hatte zu ihr eine sehr starke Beziehung sie war immer da für mich aber es löst immer noch Tränen aus .

    Manche können es aus eigenem Schmerz nicht . Ich würde trotzdem da sein wenn ich die Chance gehabt hätte weinen den Kopf an Kopf und zeigen das man immer da ist . Nun einige Bilder

  • Für mich käme das nie in Frage, nicht bis zum letzten Atemzug des Hundes dabei zu sein. Und ich kenne auch kaum jemanden, der seinen Hund nicht bis zum Ende begleitet. Lediglich in meiner Verwandtschaft gab es den Fall dass niemand in der Familie im Stande war die Hunde beim Einschläfern zu begleiten. Auch der Zeitpunkt des Einschläfens wurde (meiner Meinung nach) jedesmal viel zu lange hinaus gezögert, weil die Familie sich nicht trennen konnte. Es war dann mein Part mit den Hunden zum Tierarzt zu fahren, wenn es dann wirklich so weit war dass selbst die Hundehalter erkannt haben dass es für den jeweiligen Hund das Beste war ihn gehen zu lassen. Da die Hunde mich kannten denke ich dass das auch völlig in Ordnung so für sie war. In allen Fällen waren sie ruhig und haben sich an mich gekuschelt (so wie sonst auch wenn wir miteinander geschmust haben). Ich denke ein oder mehrere enge Bezugspersonen, die völlig mit den Nerven fertig und demenstsprechend aufgewühlt sind, wären nicht gerade hilfreich für einen Hund auf seinem letzten Gang. Und auch nicht für den Tierarzt. Bei Einschläfern eines Hundes sollte alles so ruhig und entspannt wie möglich ablaufen. Dann verläuft auch der medizinische Teil des Einschläferns optimal. D.h. der Hund "schläft" ruhig ein, ganz so wie man sich das vorstellt und haben möchte. Wenn der Hund Stress hat (weil er bemerkt dass seine Bezugperson total aufgewühlt und fertig mit den Nerven ist) kann das auch leider anders ablaufen...


    Das Schwerste an dieser Sache ist es den richtigen Zeitpunkt festzulegen. Die wenigsten Hunde machen es ihren Haltern so einfach dass es ihnen bis zum Lebensende wirklich gut geht und sie dann friedlich über Nacht in ihrem Körbchen einschlafen. Ich stehe derzeit auch gerade wieder vor dieser Situation dass vermutlich bald eine Entscheidung getroffen werden muss. Ich finde es nicht leicht den richtigen Zeitpunkt dafür zu finden. Oft wird so lange damit gewartet bis es dem Hund nur noch schlecht geht. Wenn man aber Hunde hat, die in Bezug auf Schmerzen viel weg stecken bevor sie zeigen dass sie welche haben, dann geht es einem Hund schon länger nicht mehr gut an dem Punkt, an dem er seine Schmerzen zeigt. Dann wäre der richtige Zeitpunkt ein paar Wochen vorher gewesen...

  • Danke für deinen Text Blackie und somit der Fortsetzung dieses Threat. Mir geht so etwas immer sehr nahe, bin auch gerade am Heulen ;(. Aber so wie du würde ich es dann auch machen wollen, konsequent die ganze Zeit dabei sein.

    Harras *10.12.2015 :thumbup:“Mit einem kurzen Schwanzwedeln kann ein Hund mehr Gefühle ausdrücken, als mancher Mensch mit stundenlangem Gerede.” :thumbup:(Louis Armstrong)

  • Danke Lily ;(


    Toll Waschbär , dass du sogar andere Hunde, also nicht deine eigenen, bei diesem letzten Gang begleitet hast. Ja klar, wenn Herrchen/Frauchen total aufgewühlt ist, ist das für den Hund auch nicht einfach. Ich bin eh ein Mensch, der nah am Wasser gebaut hat, aber ich hoffe, dass ich mich dennoch zusammenreißen kann, wenn es mal soweit sein sollte. :(

    Harras *10.12.2015 :thumbup:“Mit einem kurzen Schwanzwedeln kann ein Hund mehr Gefühle ausdrücken, als mancher Mensch mit stundenlangem Gerede.” :thumbup:(Louis Armstrong)

  • Waschbär ich stimme dir zu ich kannte auch eine Familie mit zwei goldis Weibchen knochenkrebs und Männchen hodenkrebs beide kaum noch Fell gehabt immer wieder zum Arzt ach das geht noch die konnten kaum noch laufen bis ich mal die Frage gestellt habe ob sie es gut finden würden ihren Angehörigen mit 93 Jahren noch auf ach und Krach am Leben erhalten lassen möchten . Meine Frage geht immer an den Tierarzt ist es tragbar . Ich denke man kann nix falsch machen das Tier krankenversichern zu lassen , und sich auch für die andere Seite ( in den Hund ) hineinzuversetzen

  • Es ist der letzte und zugleich schwerste Liebesbeweis, wenn wir ein geliebte Tier gehen lassen müssen, denn in diesem Moment wissen wir, dass wir sein Leid beenden und unseres damit beginnt ...


    ... denn Liebe misst sich nicht im Willen, darin vor allem das eigene Glück zu finden, sondern im Wunsch, das Glück dessen, den wir lieben dürfen, allem voran zu stellen.


    Und ja, es ist eine sehr, sehr traurige Pflicht, den Entscheid zu treffen und ich gebe zu - auch wenn ein unerwarteter Tod einem hart trifft - dass ich all denen, die von selbst entschieden zu gehen, ohne dass ich über Leben und Tod entscheiden musste, sehr dankbar bin.


    Müsli litt in seinen letzten Momenten an furchtbaren Erstickungsnöten und so ging der Übergang bei ihm so wahnsinnig schnell, dass ich fast schon erleichtert war, als sein Röcheln verstummte. Das große Elend kam dann erst einen Moment später, als wir in den frühen Morgenstunden mit dem toten Hund vom Notfall-Tierarzt nach Hause fuhren.


    Müsli-6.März11b.jpgMüsli-Abschied--int.jpg


    Die Bommeline ließen wir bei uns zuhause einschlafen, denn wir wussten ja, dass es ein unumgänglicher Schritt war und eine Fahrt in die Tierarztpraxis keine Linderung mehr versprochen hätte.


    Aber die Bommeline kämpfte so sehr gegen das Sterben, dass ich an diesen Eindrücken dachte, zerbrechen zu müssen. Unsere Tierärztin sagte mir später, dass es Hunde gibt, die so sehr kämpfen, weil sie ihren Menschen nicht alleine lassen wollen ... und ich glaube, sie hatte Recht, denn die Bommeline war sich ganz sicher, dass ich ohne sie den Halt verliere, denn sie kannte mich viel zu gut, um annehmen zu dürfen, dass ich ohne sie leben möchte.


    Geburtstag-Bommeline Kopie-int.jpg


    Elvis war für mich die unfassbare Erfahrung mit der Hinfälligkeit eines Hundes, denn drei Tage, bevor wir ihn gehen lassen mussten, versuchte er noch einen Fahrradfahrer zu verfolgen, um den vom Sattel zu ziehen und am nächsten Tag brach er beim Spaziergang im Wald zusammen.


    Trotzdem hatten wir noch Hoffnung und fuhren mit ihm zum Tierarzt ... aber sie meinte, der Hund sei schon so geschwächt, dass er den Tag wohl auch ohne ihre Hilfe nicht überleben würde ... wir haben ihn dann mit ihrer Hilfe gehen lassen und er hatte nicht mal eine halbe Spritze in den Adern, als er noch mal tief seufzte und einschlief.


    Elvis Trauer.jpg


    Das Lieschen war ja schon 15 Jahre alt und litt an zahlreichen Zipperlein wie Arthrose in fast allen Gelenken. Sie war blind, taub und hatte einen Tremor, der ihr das Gleichgewicht immer mal wieder raubte. Dazu kam ein großer Mamatumor. In der stürmischen und regnerischen Nacht zum 3. Oktober 2005 ließ ich sie mal wieder nachts vor die Tür, denn sie konnte das Pipi auch nicht mehr so gut halten. Aber im Gegensatz zu den sonstigen nächtlichen Pipiausflügen, kam das Lieschen nicht nach fünf Minuten zur Tür zurück ... ich ging sie suchen und fand sie in einer tiefen Pfütze. Mit viel Mühe schleppte ich den triefnassen Hund ins Haus. Dort bewarbeitete ich das Fell mit Handtüchern und Föhn, aber am nächsten Tag bekam sie Fieber und eine Blasenentzündung, Am nächsten Morgen führen wir dann zum Tierarzt, aber die Balsenentzündung hatte auf die Nieren geschlagen und in Anbetracht des Alters und all den körperlichen Baustellen riet die Tierärztin dazu, das Lieschen gehen zu lassen ... auch sie kämpfte und ich weiß bis heute nicht, ob sie lieber die Anstrengung der Behandlung auf sich genommen hätte, als zu sterben. Vielleicht wird sie es mir eines Tages verraten, wenn wir uns wiedersehen.


    Lieschen-schwarzweiß.jpg


    Anka war 11 Jahre alt, als wir sie mit einem geplatzten Milztumor in den frühen Morgenstunden des 24. Februar zum Tierarzt fuhren ... in der Hoffnung, man könnte sie retten. Aber die Tierärztin meinte, dass die Prognosen auf eine langfristige Verbesserung des Gesundheitszustandes bei einem geplatzten Milztumor trotz OP nicht gut sind und wenn es ihr Hund wäre, sie dem Hund die OP ersparen würde. Sie wies auch darauf hin, dass sie nicht einmal sagen könnte, ob der Hund die OP überlebt ... und das war der Punkt, an dem wir entschieden, dass bevor unsere Anka auf einem kalten OP-Tisch stirbt, ihr Leben lieber in unseren Armen enden soll ... und dann haben wir sie gehen lassen.

    AnkaTrauer-int.jpg


    Joe war tatsächlich der einzige unserer Hunde, der ohne tierärztliche Hilfe über die Regenbögenbrücke ging. Am Morgen seines Todestages lief er noch einmal um den ganzen Hof um von allem aus seinem irdischen Leben Abschied zu nehmen und dann fiel er in meine Arme und starb. So furchtbart das war, so unvorbereitet den geliebten Weggefährten zu verlieren, so dankbar war ich ihm, dass er den Entscheid selbst getroffen hatte.


    Joe-Forum.jpg

  • Wow sehr Herz ergreifend , da weint man ja direkt mit .


    Sehr starke Persönlichkeit besitzt du, halt sie fest und lass dich nie abbringen


    wenn ich mir das recht erlauben darf, dass ich mir ein bisschen von deinem Weg für meinen Weg mitnehme ?

  • Oh man Verbena, so oft schon dieses Erlebnis gehabt zu haben und dennoch Iimmer wieder einen neuen Hund in dein Leben zu lassen, alle Achtung. ;(


    Du hast eine tolle Art zu schreiben und scheinst auch charakterlich ein netter Mensch zu sein. Schön, dass du hier gelandet bist.

    Harras *10.12.2015 :thumbup:“Mit einem kurzen Schwanzwedeln kann ein Hund mehr Gefühle ausdrücken, als mancher Mensch mit stundenlangem Gerede.” :thumbup:(Louis Armstrong)

  • wow ist das Herzzerreißend.....mir laufen die Tränen nur so runter.
    Ich musste bereits 3 Hunde gehen lassen.
    Mein erster DSH Ist als Welpe an Katzenseuche gestorben, ich war bis zum Schluss bei ihm und habe ihn auch begraben, das ist 35 Jahre her.
    Meinen 2. DSH, hat meine Mutter begleitet, ich habe es nicht geschafft.....mir laufen schon wieder die Tränen, es ist über 20 Jahre her.
    Mein Mali ist mit einem Jahr gestorben, ich war leider nicht vor Ort und werde wohl nie rausfinden woran er so schnell gestorben ist, das war in Südostasien.

    Mit einem Hund kann ich eine sehr sehr enge Bindung eingehen, bei Menschen, abgesehen von meinen Kindern, fällt mir das viel schwerer.

    Meine Mutter hat so sehr gelitten, das sie sich keinen neuen Hund mehr geholt hat.

    Lex von den zwei Steinen, geb. Juli 2019


    Für mich das beste Buch für Hundeerziehung, welches ich bisher gelesen habe: “Ich lauf schon mal vor” Thomas Baumann

  • Ich war bei meinem Border Collie Mix zu Teenager Zeiten dabei und bei meinem Dobermann auch.


    Niemals würde ich meine Tiere alleine gehen lassen. Ich habe alle beide im Arm gehalten :(

    Erst nachdem der Arzt bestätigt hatte das das Herz aufgehört hat zu schlagen bin ich zusammen gebrochen. Davor habe ich versucht stark zu sein damit der Hund so wenig Stress wie möglich hat


    Das ist für mich das schlimmste wenn ich mir vorstelle das Besitzer ihre Tiere auf dem letzten Weg alleine lassen. Schrecklich

    Hunde sind Engel, die zu uns kommen um uns zu zeigen was wahre Liebe ist!


    Wilson von der Rheinbrücke, intakter Rüde, 4 Jahre 7 Monate, 70 cm 45 kg

  • Ich muss ehrlich gestehen, dass ich bei meinem damaligen letzten DSH zu feig war, zu viel Angst ich könnte meine Panik übertragen und habe meinen damaligen Freund gebeten, ihn zu begleiten und er hat es getan. Das tut mir heute noch mehr weh, als damals. Ich schäme mich auch dafür und habe es damals zum Teil bereut und zum Teil auch nicht, weil ich panisch war und mir Gedanken darüber gemacht hatte, wenn ich so viel weine, was wird er fühlen und bekommt noch Angst. Das ist viele viele Jahre her, aber das entschuldigt es trotzdem nicht.

    2019 bei meinem Jack Russel Neo, wusste ich, ich werde ihn begleiten bis zum Ende. Ich hätte ihm das nicht antun können, was ich damals getan habe. Da war ich auch nicht panisch, ich wusste es war soweit und ich rief den Tierarzt an, der zu uns nachhause kam. Die ganze Familie war über eine Stunde bei ihm am Körbchen und wir alle haben ihn gestreichelt, Abschied genommen, uns bedankt für diese tolle Zeit die er uns schenkte, bis der Tierarzt kam und dann ist er in meinen Armen ganz ruhig eingeschlafen und ich kann gar nicht sagen, wie froh ich heute noch über meinen Mut und meine Stärke bin, die ich da plötzlich einfach hatte. Ich war bei ihm und nie mehr wieder, werde ich davor zurückschrecken. Es war ein ganz stiller Augenblick und auch irgendwie Frieden. Die nächsten Tage waren für mich der reinste seelische Untergang und trotzdem hatte ich die Gewissheit, das Richtige im richtigen Augenblick getan zu haben. Ihn von seinen Schmerzen zu erlösen und das tröstet mich heute noch.

    Da muss ich gleich wieder weinen, weil er immer noch oder für immer fehlen wird. Er war mein Seelenverwandter.

  • Kimmo und Mona, ihr habt euren Hund aber ja nicht ganz alleine gelassen, es war jemand bekanntes bei ihm. Toll, dass ihr hier davon berichtet.


    Asnea , ich hoffe, ich werde später mal so stark sein können wie du.

    Harras *10.12.2015 :thumbup:“Mit einem kurzen Schwanzwedeln kann ein Hund mehr Gefühle ausdrücken, als mancher Mensch mit stundenlangem Gerede.” :thumbup:(Louis Armstrong)

  • Ja, ich finde, dass man hier auch Fehler eingestehen kann. Nur immer gut, geht eigentlich gar nicht.


    Asnea, ich hatte früher schon mal davon gehört/gelesen, dass man in besonderen Situationen unglaubliche Spannweiten an Stärken als Mensch entwickeln kann und das war an diesem Tag der Beweis, dass es tatsächlich so ist. Man steht praktisch über sich selbst, ich kann das nicht anders erklären, bei mir war das so. Ich sah damals die Situation und wusste ganz genau und das in einer irrsinnigen Ruhe, was zu tun ist. Angefangen beim Tierarzt anrufen, wo ich nicht einmal zitterte und dann bei allem weiteren. Absolut ruhig, nicht gelassen sondern wie in Trance.

    Hinterher ist alles von mir abgefallen, habe mich gelöst von einer, ich weiß nicht wie ich das nennen soll. Dann erst kam das wirklich große Elend, Herzklopfen, Weinkrämpfe, dass er nicht mehr da ist. Viele Stunden später aber auch das Begreifen, dass ich ihn erlöst habe von Schmerzen, wo ihm keiner mehr helfen konnte und diesen Trost habe ich für mich immer behalten. Seitdem habe ich auch die Angst davor verloren, weil ich seitdem weiß, dass ich dann das richtige tue, wenn es Zeit wird.

    Und das glaube ich, liegt am Menschen, denn ich habe ja davor schon mal davon gelesen und dann war es so. So wirst Du und auch andere hier im Forum auch einmal das richtige tun und Stärken entwickeln wo Du noch gar nicht weiß, dass es die gibt, wenn es Zeit ist.

  • Wir hatten bei Banja einen Bandscheibenvorfall erfolgreich operieren lassen. Schon vor der OP war ich regelmäßig bei der Physio mit ihr gewesen, danach natürlich weiter. Infolge des fleissigen Trainings war sie sehr gut bemuskelt - vielleicht ist deswegen die DM erst recht spät zutage getreten. Im späten Frühjahr 2014 die ersten Symptome, von da an ging es leider sehr schnell bergab. Schließlich hatte sie die Hnterläufe nicht mehr unter Kontrolle. Da sie mir auf Schritt und Tritt folgte, war es einfach herzzerreissend, ihre Bemühungen mit ansehen zu müssen. Es war furchtbar: ihre vordere Hälfte war meine Banja: stolz, selbstbewusst, mit Artgenossen immer schlecht gelaunt - die hintere Hälfte versagte immer mehr ihren Dienst. Ihre Physiotherapeutin war der Meinung, dass man ihr einen Rollwagen anpassen sollte. Ich brachte das ncht über mich - und bekam Unterstützung von ihrem behandelnden Arzt in der Tierklinik. Zu dem Zeitpunkt war sie bereits über 12 Jahre alt - und dann in einen Rollwagen spannen? Dieses stolze eigenwillige Mädchen?

    Im September entschloss ich mich schließlich, dass es Zeit wäre, sie gehen zu lassen. Wir verbrachten einen schönen Tag miteinander, fuhren nochmal zum See, ich trug sie wieder zum Ufer hinunter. Ich war ganz ruhig, habe mich von ihr verabschiedet - geweint hatte ich vorher schon viel. Der Tierarzt hat sie dann bei uns daheim gehen lassen, ganz ruhig ist sie in meinen Armen eingeschlafen.


    Ich muss sagen (und diese Erfahrung habe ich auch bei lieben verstorbenen Menschen gemacht), dass der Schmerz erst später größer wird. Vielleicht weil sich die entstandene Lücke als so riesig erweist. Oder weil das Unumkehrbare so furchtbar bewusst wird.

    Askja vom Haus Fuchsgraben

    * 18.06.2014

    Banja vom Wogenfeld - mein Mädchen im Herzen

    * 12.04.2002 - gegangen am 08.09.2014

  • Ich drücke mein Beileid an Alle aus,die ihre Tiere verloren haben und so offen hier drüber schreiben.


    Dieser letzte Gang,zeigt finde ich die wahre Bindung zum Tier.

    Dieses für Viele über sich Hinauswachsen, Entscheiden und das Dabeisein,bis zum Schluss.


    Ich könnte mir nicht vorstellen,bereitwillig NICHT dabei zu sein-Könnte aber nicht Jemandem einen wirklichen Vorwurf machen,denke ich.

    Es käme für mich auf die Begründung an und letzten Endes-Jeder trauert anders,Jeder verarbeitet anders.

    Ich mag es mir nicht anzumassen,da Jemanden zu verurteilen,der diesen Schritt,aus zum Beispiel psychischen Gründen nicht schafft.

    Kann ja dennoch sein,dass Jemand dem Hund Bekanntes und Gemochtes dabei ist-Nur eben nicht Herrchen/Frauchen selbst.


    Das heißt ja nicht,dass diese Person nicht trauert,oder keinen Abschied genommen hat.


    Es ist ein schwieriges und sehr emotionales Thema.




    Bei mir lief das unterschiedlich ab.

    Bei meinen nichthündischen Tieren,war ich fast ausnahmslos dabei und hatte das Glück,dass sie in meiner Gegenwart selbst einschliefen.

    Die Meisten,haben sich sogar verabschiedet.

    Eines meiner letzten Kaninchen,ließ mich solange nicht in Ruhe,bis ich mit ihm kuschelte.Er lag ganz ruhig bei mir und hat mich geputzt.

    Er war sehr auf mich fixiert,er war mein Seelenninchen,trotz dreier Anderer um ihn rum.Totaler Knuddler,benahm sich wie ein Hund.

    Dennoch,kannte ich es nicht,dass er SO penetrant war.

    Als wir schlafen gingen,drehte er sich zu mir um,kam ganz nah an die Gehegeabgrenzung und schaute mir ganz lange,tief in die Augen.Völlig entspannt und abgeklärt.


    Da habe ich es wohl unterbewusst verstanden und als er am nächsten Morgen,tot,auf dem selben Platz lag,war ich doch nicht so überrascht,wie erwartet.

    Aber wirklich bewusst,dass er sich von mir verabschiedet hat,ist es mir erst später geworden.



    Ich muss dazu sagen,dass ich mit all meinen Tieren,sehr enge Bindungen aufgebaut hatte und sie mit mir.Einige davon besonders.


    Bei zwei meiner Kaninchen,war ich nicht dabei,da sie in Pflege verstarben,leider kurz hintereinander.

    Sie waren Beide mit fast 12,schon in einem schönen Alter,waren kurz vorher durchgecheckt worden,es war wohl Altersschwäche.Laut Pfleger,sind sie innerhalb von drei Tagen,nacheinander eingeschlafen.

    Das hatte mich sehr beruhigt,für mich war es klar,sie da irgendwann hin zu begleiten.

    Da ich das ja zu dem Zeitpunkt nicht konnte,war es schön zu wissen,dass sie in ihrer bekannten Umgebung gingen.




    Bei meinem Collie......


    War das eine sehr,schwere Geschichte.

    Dafür,möchte ich etwas ausholen.

    Cesar war unser Familienhund.

    Wir Kinder haben keinen Hund gewollt,aber unsere Eltern.

    Irgendwann,brachten sie diesen sechsmonatigen Hund vorbei.

    Ich kam als Letzte dazu,zum Treffen und er kam sofort zu mir,leckte mich vorsichtig ab und blieb.


    Ich war nicht sonderlich begeistert,ich wollte noch keine Verantwortung für ein Lebewesen übernehmen.

    So sehr ich Hunde auch liebte.

    Meines,war das letzte Wort.

    Cesar blieb.


    Am Anfang von mir ungewollt,musste ich mich mit um Alles kümmern,ist ja der Hund von Allen.

    Als mein Stiefvater mir mal erklärt hat,dass Cesar das spürt,dass er nicht willkommen ist,habe ich mich zusammengerissen.

    Das wollte ich ja nicht! Ich gab dem Hund gar keine Schuld,ich war nur unglücklich,über den Zeitpunkt der Anschaffung und obwohl ich am wenigsten einen Hund wollte,musste ich bald zusammen mit meinem Stiefvater,das Meiste machen.


    Nach diesem Gespräch,hat sich zwischen mir und Cesar Etwas verändert.Er gab von Anfang an nicht auf,mich zu versuchen zu beeindrucken,meine Liebe und Aufmerksamkeit zu gewinnen.


    Ab dem Gespräch,ließ ich das dann auch endlich zu.Und:

    Es klappte. Ich merkte wie intelligent er war,was für eine Auffassungsgabe er hatte,wie sehr er mir gefallen wollte und wie sehr es MIR Spass machte mit ihm zu trainieren.Wie sehr,wir harmonierten.


    Ab da wuchsen wir immer mehr zusammen,wurden unzentrennlich.

    Er hörte bis zum Schluss auf mich am besten,orientierte sich praktisch immer an mir,egal wer dabei war.

    Wir hatten meist die Augen nur für uns.

    War ich weg auf Ferienreisen,fraß er nicht die ersten Tage.

    Immer.

    Bei keinem anderen Familienmitglied,machte er das.

    Ab meinem 15 Lebensjahr,waren nur meine Mutter,ich und Cesar übrig.

    Bruder und Stiefvater ausgezogen.

    Ich kümmerte mich eh schon fast nur um Cesar,ab da war es aber endgültig,nur noch ich.


    So flogen die Jahre ins Land.

    Ich kam mit 19 ins Krankenhaus,war nach einer Untersuchung bettlägerig.

    Meine Mutter wusste das aber nicht.

    Ich war ja schon länger im KH,wir hatten uns sogar an dem Tag gesprochen und nach der Untersuchung,wollte ich sie nicht unnötig sorgen.

    Was ich nicht wusste:

    Zu dem Zeitpunkt,verweigerte Cesar Alles.Er wollte nichtmal trinken,oder rausgehen.

    Meine Mutter sagte mir auch Nichts,wollte mich genauso nicht noch mehr stressen.

    Der Tierarzt fand Nichts.


    Als ich wieder fit war und nach Hause ging,war das Erste was Cesar tat,mich anzuschauen,sich zu freuen,dann hat er fast die ganze Wasserschüssel ausgesoffen und hat sich hingelegt.


    Meine Mutter bekam feuchte Augen und ich war nur verwirrt was los ist.

    Sie erzählte es mir,zeigte den Tierarztbericht,beschrieb,wie er Infusionen gebraucht hatte und sie Zuhause,ihm mit Spritzen,Wasser einflößen musste.

    Ich war total geschockt.


    Ich erzählte ihr,dass es mir die Tage auch sehr schlecht ging,ich nichtmal aus dem Bett rauskonnte.

    Dann guckten wir uns Beide groß an und ich blickte nochmal auf das Datum des Tierarztberichtes,fragte sie wann es genau anfing.

    Wir stellten fest,dass das Ganze über exakt dem Zeitraum stattfand,in dem ich bettlägerig war.


    Wenn mir vorher nicht bewusst war wie eng unsere Bindung war...Dann war es das,spätestens ab da.



    Zum Zeitpunkt seines Todes bewies er mir wieder,wie eng wir wirklich waren.


    Ich wohnte zu dem Zeitpunkt,in einer WG.

    Cesar lebte bei meiner Mutter-leider-aus sehr schweren Gründen.

    Kontakt war mal so,mal so-wie meine Mutter es erlaubte.


    Wir hatten seit einiger Zeit einen neuen Mitbewohner-heute mein bester Freund- und ich zeigte ihm Bilder von Cesar.

    Ich sprach aber in der Vergangenheitsform,was uns Beiden auffiel.

    Ich korrigierte mich zwar jedes Mal wieder,es war aber als könnte ich nicht anders und ein komisches,vorahnendes Gefühl,blieb.

    Die Tage darauf,kam das öfter vor.

    Paar Tage später,traf ich auf einen Herren,der eine siebenmonatige Collie-Schäferhund-Mix-Hündin hatte.

    Wir kamen ins Gespräch,die Hündin sah aus wie Cesar,nur in Sable und mit größeren Pfoten.

    Sie benahm sich exakt wie er.

    Die gleichen Geräusche,und Verhaltensweisen.

    Hatte sich sofort auf mich fixiert,blickte mich ständig an,wollte nicht von mir weg.

    Die ganze Zeit am knuddeln,auch auf die gleiche Art und Weise.

    Ich bekam total das Gefühl,Cesar vor mir zu haben.

    Genau bei dem Gedanken,legte sie den Kopf auf meinen Schoß und blickte mir tief in die Augen,ich bekam richtig Gänsehaut.


    Einen Monat später,erfuhr ich über Umwege,dass mein geliebter Seelenhund an einem tragischen Unfall verstarb.

    Die Freundin meines Bruders erählte mir was passiert ist:

    Sie waren Alle im Urlaub und meine Mutter ließ ihn im Hotelzimmer,bei komplett offenem Fenster.

    Ein paar Stunden später wurden sie vom Hotel angerufen,Cesar sei aus dem Fenster gesprungen.

    Zweiter Stock....

    Er hatte ein gebrochenes Rückgrat,innere Verletzungen und noch andere Brüche.

    Aber,er lebte.

    Erst beim Tierarzt,

    als Alle anwesend waren,schlief er ohne Hilfe ein(bis auf Schmerzmedikamente eben).


    Ich habe mir Jahre Schuld gegeben,nicht bei seinem Gang dabei gewesen zu sein.

    Laut meiner Familie,ist unklar,wie lange er da lag und wer ihn zum TA brachte.


    Wie er gelitten haben muss....

    Es tut mir so sehr weh..

    Er konnte nichtmal 10 Jahre alt werden.



    Wie es sich herausstellte,begann meine Rede von ihm in der Vergangenheitsform,genau an seinem Todestag.

    Eine Woche später,traf ich die Hündin....



    Ich hätte mir am liebsten gewünscht,dass mein Schatz noch leben würde.

    Er wäre jetzt 12.

    Aber zumindest hätte ich die Chance zu haben gewollt,bei ihm gewesen zu sein.


    Nach diesem traumatischen

    Erlebnis,war es für mich klar,dass sollte ich Jemals ein Tier von mir einschläfern lassen müssen,bin ich bis zum Schluss dabei.

    Auch wenn ich keine Schuld bei Cesar trage-Ich könnte es mir nicht verzeihen,wenn ich die Wahl hätte und sie nicht annehmen würde.


    Ich hoffe für uns Alle,dass unsere derzeitigen Hunde,aber auch anderen Tiere,uns noch sehr lange begleiten werden.

    Und,dass wir Alle,wenn es soweit ist,die Wahl haben.



    Einen traurigen Gruß

    What counts,is not the size of the dog

    in the fight.

    It`s important,what an amount

    of fight the dog put in,

    to keep you safe from harm.

  • Schönen guten Morgen ☀️


    Ich sitze grade auf der Arbeit (zum Glück kommt heut keiner ?) , denn ich habe mir in Ruhe Zeit genommen die letzten ausführlichen Erfahrungen zu lesen und musste wie immer mal wieder weinen.


    So enge Bindungen , kenne ich in meiner Umgebung eher selten leider. ( außer meiner zu meiner Maus )


    Ich kann mich noch an den Tag erinnern wo selbst meine Schwester meinte, es ist nur ein Hund! Falsch es ist ein Familienmitglied!!! Und meine beste Freundin !

    Tiere können einen meist besser verstehen als wir uns selbst. Sie spüren unsere Energien Unruhen alles und versuchen es best möglich auszufüllen. Ich bin wirklich froh das wir alle hier so offen sind und unser Erfahrungen austauschen können ?

  • Ein paar Stunden später wurden sie vom Hotel angerufen,Cesar sei aus dem Fenster gesprungen.

    Zweiter Stock....

    Er hatte ein gebrochenes Rückgrat,innere Verletzungen und noch andere Brüche.

    Ach du scheiße, der absolute Horror...
    Der Gedanke geht mir glaube ich so schnell nicht mehr aus dem Kopf :(


    Mein aufrichtiges Beileid dir und auch allen anderen hier.


    Der Hund von meiner Mutter wollte vor paar Wochen auch aus dem offenen Fenster springen, weil er draußen ein Fahrrad gesehen hat. Zum Glück hat das Fliegengitter und das sofortige Packen irgendwo am Hund ihn noch gerettet. Das wäre aus dem OG gewesen und auch sicher alles andere als schön...

    Vor meinem ersten weißen Schäferhund, also 2008 rum hatten wir einen Husky, der ist über den Zaun gesprungen und wurde vom Trecker angefahren und hat es leider schwerverletzt (ich hätte es ihr wirklich gewünscht, sofort daran zu erliegen oder nur leicht verletzt davon zu kommen) überlebt und musste dann beim TA eingeschläfert werden. Ich war da 13 und gerade bei meinem Opa zu Besuch, den Anblick hätte ich glaube ich nicht ertragen :( Für meine Familie war das natürlich auch alles andere als leicht.


    Ach man, dieses Thema. Nicht schön...

    Liebe Grüße von Drago, Simba und Timo! :)


    Simba | Weißer Schweizer Schäferhund | rüde | WT 24.06.2019

    Drago | Schwarzer Deutscher Schäferhund | rüde | WT 19.03.2020


    Für immer in meinem Herzen:
    Damon | Weißer Schweizer Schäferhund | rüde | WT 18.12.2009 *24.06.2019