Hallo Zusammen, wir haben eine etwas spezielle Aufgabenstellung für die wir einen passenden Hund suchen.
Ich habe da jetzt bei einem Gespräch zu die für mich erstmal unkonventionelle Meinung bekommen, ich solle mal Richtung Altdeutscher Schäferhund aus ruhiger Hof-/Arbeitslinie denken.
Bisher hatte ich bei Schäfern eher die Klischees Richtung Wach-/Schutzhund im Kopf, aber es stimmt schon, als Schäferhunde haben sie sicher auch andere Qualitäten.
Deswegen dachte ich mir, wo könnte man das besser als Frage in den Raum werfen, als in einem Forum voller Schäferhundfans?
Ich hoffe, es finden sich hier Experten, die mir sagen können, ob wir den Gedanken grad wieder verwerfen können.
Also unsere Eckdaten, Familie mit Kindern (6,4,2), Bauernhof ländlich gelegen aber mit Nachbarn. Beide Eltern hundeerfahren, allerdings eher Richtung Bernersennen, also ganz anderer Eskalationsgrad. Beide den Tag über vor Ort. Landwirtschaftsbetrieb mit Milchkühen und Leghennen, bei beidem könnte ein Hund sich beim Transfer von/auf die Weide einbringen-darf aber die Hühner nicht hetzen oder mal eben eins schnappen.
Auf unserer Alp wäre saisonal noch aufspüren und Assistenz beim Bewegen der Kühe eine schöne Aufgabe für einen motivierten Hund. Auf der Fläche vom Hof und bei Runden durch den Wald etc ist täglich Gelegenheit für viel Bewegung.
Grundlegende Anforderungen des Hofes sind, dass der Hund standorttreu ist und nicht auf eigene Faust abgeht, ein starker Jagdtrieb ist problematisch, es gibt Katzen, Hühner, die Kinder und bspw in den Weiden Wühlmäuse-ein jagdfreudiger Hund kann da zu leicht getriggert werden.
Und aufgrund von Publikumsverkehr wie dem Hofladen kann der Hund nicht superterritorial sein. Ebenso wäre ein sehr aktiver Beller problematisch.
Zu den kleinen Menschen auf dem Hof: Unsere Kinder wachsen mit Tieren ab Geburt auf, sie kennen Hunde und Katzen, kennen das Konzept der sicheren Rückzugsorte und dass man Tieren nicht auf die Pelle rückt. Sie beachten die Körpersprache der Tiere und handeln entsprechend. Trotzdem sind sie natürlich auch mal laut und unruhig, hier muss ein Hund die nötige Ruhe mitbringen und sie nicht gerade mit gezielten Schnappern in die Knöchel als Grüppchen zusammentreiben. Das ist eine Spezialität vom Bordercolly nebenan und darf gern beim Nachbarn bleiben.
Hier tut sich aber unser zweites grosses Gebiet für einen Hund auf: unser eines Kind ist Autist. Wir suchen nach einem Hund, der im Alltag eine Art Assistenz sein kann. Nicht offiziell ausgebildet und zertifiziert, für die drei Themen kann man das auch so abdecken.
Zunächst: Stresssignale des Kindes bemerken und anzeigen, so dass die Eltern / Begleiter die Situation verändern und bremsen können bevor es zu einer Krise kommt.
Dann: das Kind neigt dazu als Übersprung wegzulaufen. Im Akutfall das Weglaufen bei den Erwachsenen anzeigen, das Kind mit Abstand begleiten und/oder bei Bedarf das weggelaufene Kind wieder auffinden.
Und zuletzt insbesondere Nachts anzeigen, wenn das Kind unbegleitet das Haus verlassen will.
Diese Aufgaben sind klassische Assistenzhundaufgaben für Autismusassistenzhunde, also nichts, das nicht trainierbar ist.
Dabei soll der Hund natürlich nicht in Körperkontakt gehen, es sind Distanzaufgaben, da beide Seiten voreinander geschützt sein müssen. Es geht ausschliesslich um beobachten und anzeigen sowie auffinden.
Wenn wir jetzt online recherchieren finden wir sehr viel über territoriale Ansätze bei Schäferhunden sowie von Nervosität. Gibt es noch diese Linien, bei denen es um unaufgeregte Arbeitshunde geht, die nicht primär verteidigen, sondern bei Leerlauf ruhig beobachten und dann bei Bedarf trotzdem voll mitmachen?
Nicht falsch verstehen, unser Hof bietet Potential, dass Hund mitmacht und jeden Tag aktiv ist, aber einen gefühlt immer hibbeligen Australian Shepherd suchen wir gerade nicht. Der Hund soll zwischendrin zur Ruhe kommen und das auch geniessen können. Die Aufgaben mit dem Kind wären bspw als zeitlich begrenzte Aufgabe, z.B. wenn das Kind draussen spielen möchte, um ihm mehr Freiheit zu ermöglichen, dabei aber das Risiko zu minimieren, wenn es durch äussere Reize überfordert wird. Klar wissen wir, dass es dauert, bis ein Hund diese Aufgaben wahrnehmen kann, aber da diese Aufgaben bleiben werden haben wir da keine Eile.
Was sagt ihr, wären wir ein gutes Paket für einen Schäferhund, das ihm ausreichend was für Körper und Kopf bieten würde und wäre ein Schäfer für uns ein potentiell passender Kandidat? Oder sind sie halt doch zu territorial?
Wenn jemand spontan sagen würde: „Ihr müsst mit xy dazu sprechen, die kennen sich mit genau sowas aus!“: noch so gern!
Vielen Dank im Voraus