Auslastung - von der Notwendigkeit zum Mythos?

  • Ich hatte meine 1. Malihündin mit 2 Jahren übernommen. Die Besitzer hatten sich getrennt, der Hund war den ganzen Tag alleine und wurde nur morgens und abends mit Stöckchen werfen "ausgelastet". Sie war extrem nervös, schlief die ersten Wochen kaum und war permanent unter Strom. Alleine blieb sie tatsächlich gut und ruhte in der Zeit.


    Mit ihr fing ich mit UO und Agility an und mit weiten Spaziergängen. Nach ca. 1/2 Jahr war das ein toller ausgeglichener Hund. Man konnte im Urlaub in Städte gehen, wandern, einfach alles. Selbst mit in die Schule als Zirkushund in einer Projektwoche war sie toll.


    Ich denke schon, dass sie durch die Beanspruchung glücklich und zufrieden wurde.

  • Die Besitzer hatten sich getrennt, der Hund war den ganzen Tag alleine und wurde nur morgens und abends mit Stöckchen werfen "ausgelastet".

    Malis sind ja auch sehr feinfühlig. Denke die Spannungen zu Hause bzw. die Trennung an sich wird auch viel zu seinem Zustand beigetragen haben.


    Und "Stöckchen werfen" ist jetzt auch nicht wirklich etwas, was einen Hund mental beschäftigt bzw. ausgleicht 😅

  • Deshalb bleib ich dabei: wenn du den 10% Hund hast, dann musst du bereit sein auch die "niederen Triebe zu befriedigen", weil es sonst halt irgendwann evtl. knallt

    Das meinte ich mit "normal".

    90% finde ich jetzt schon nicht so schlecht 😂

  • Auch bei körperliche Auslastung bedarf es keinen Hundesport. Am Rad laufen, mit ihm Joggen gehen, im Sommer mit euch schwimmen...entscheidend für ihn ist: Ihr seid da und dabei, damit er sich an euch orientieren kann.

    Da du Flummi, mit ihrer Power und extremen Grundschnelligkeit, als Beispiel nimmst, muss ich dir hier ein Stück weit widersprechen. Zumindest wenn du einen DSH "Type Flummi" am Bändel hast :D reicht das nicht.

    Wo ich dir Recht geben kann ist: Ja ...dazu bedarf es keinen Hundesport. ABER. So ein Hund braucht zumindest einen Job. Was das dann ist, ist völlig egal.

    Ein DSH "Type Flummi" wäre ohne Job unglücklich (und unerträglich).

    Und ja, Flummi macht kein Hundesport (zumindest nicht auf Prüfungen geführt) Aber, sie ist nicht mein erster Hund.... Und ich hab genügend Erfahrung diesem Hund "seinen" Job zu geben. Hundesport bietet da aber halt einfach, eine relativ leicht zugänglichen Möglichkeit in vielerlei Richtungen aktiv zu sein. Gerade für "Anfänger "


    (Sorry Michelliau bitte nicht falsch verstehen. Das soll absolut nicht gegen euch gerichtet sein.)


    Genau dieser Energie-Level den Flummi hat, Pepper macht eben einen riesen Unterschied. Wäre ich mit Flummi nur joggen gegangen oder Fahrrad fahren (was man übrigens frühestens ab einem Jahr, besser nach dem röntgen machen sollte) wäre sie absolut drüber. Sie braucht Kopfarbeit um Glücklich zu sein.


    Weiß du, Pepper , ich möchte dir deine Erfahrungen und Arbeit, die du in Pepper gesteckt hast, also deine Wahrheit, gar nicht absprechen. Denn sie stimmt und ist rund.

    Aber beim DSH aus Leistungszucht gibt es eben auch andere Wahrheiten. Wie z. B. "Typ Flummi"

    Trotzdem behaupte ich Flummi ist absolut klar im Kopf. Flummi ist ein normaler DSH aus Leistungszucht. Flummi und ihre Vorgänger sind meine Wahrheit ;) und da hätte das eben nicht gereicht.

  • Ich bin ja erst durch den Hund zum Hundesport gekommen und ich würde auch behaupten, dass Django gänzlich ohne Sport nicht zufrieden wäre. Joggen und Radfahren sind jetzt nicht so meins, aber Spaziergänge, Büro und Familienhund würden ihm auf Dauer sicher nicht ausreichen um happy zu sein.

    Ich hätte eigentlich auch gerne so einen "Pepper" gehabt ... aber egal. Man muss einfach "offen" sein, für das was kommt und sich auf ALLES einstellen :-).

  • Cinja, was hälst Du von Miriam Cordt oder Thomas Baumann, um nur mal zwei zu nennen, haben beide keine Ahnung vom LZ DSH?

    Mit MC habe ich mich noch nie so groß beschäftigt, kann ich also nichts zu sagen.

    TB hat ja genug mit Gebrauchshunden zu tun und ich mag auch seine Bücher. Ich denke, gerade er kann ein Lied davon singen, was mit Gebrauchshunden passiert, die in der Familie einfach mitlaufen sollten und es dann -oh Wunder - zu Problemen kommt, wenn diese Hunde, die arbeiten wollen aber nicht dürfen.


    Auch Mario Jessat wird ja gerne und öfter mal genannt. Ich kenne zwei Hunde aus seiner "Zucht". Sagen wir mal so, zur Verbesserung der Gebrauchseigenschaften beim DSH wären zumindest diese beiden Hunde nicht geeignet, die sind tatsächlich nette Alltagsbegleiter. Was wirklich nicht abwertend gemeint ist. Nur jemand, der sportlich was mit dem Hund machen möchte, könnte da vielleicht enttäuscht sein.


    Sie braucht Kopfarbeit um Glücklich zu sein.

    Das ist z. B. bei Crazy genau so. Ich hätte definitiv keinen Spaß mit ihr, wenn sie nicht körperlich und kopfmäßig ausgelastet wird. Was ja aber nicht heißt, dass man jeden Tag Vollgas gibt. Auch bei uns gibt es genügend Tage, wo wir "nur" spazieren gehen, Fahrrad fahren, in die Stadt gehen usw.

    Ich bin ja erst durch den Hund zum Hundesport gekommen und ich würde auch behaupten, dass Django gänzlich ohne Sport nicht zufrieden wäre. Joggen und Radfahren sind jetzt nicht so meins, aber Spaziergänge, Büro und Familienhund würden ihm auf Dauer sicher nicht ausreichen um happy zu sein.

    Genau so hier.

    Doch klar kann, wenn man von normalen Hunden ausgeht

    Aber wir sind ja hier bei in diesem Fall beim DSH aus der LZ und nicht beim Golden Retriever ;)

    Wo hab ich denn sowas geschrieben?

    Das war gar nicht so auf dich gemünzt, auch wenn du das geschrieben hattest, dass Spazierengehen und Fahrrad fahren weitestgehend reicht.

    Ich habe hier bei uns in der Gegend genügend Beispiele, wo man meint, dass der Hund zufrieden zu sein hat, wenn er 3 x für eine kleine Runde rauskommt. Gerne wird dabei noch die ganze Zeit aufs Handy geglotzt.

    Wenn Du einen Hund hast, der gar nicht anders KANN als ständig unter Volldampf zu sein und dauernd fordert, ist er aus meiner Sicht wiederum nicht klar im Kopf (was ich mit mangelnder Alltagstauglichkeit assoziiere).

    So einen Hund möchte auch keiner haben, der Sport mit dem Hund macht. Mir ist es jedenfalls total wichtig, dass Crazy auch runterfährt und zur Ruhe kommt. Und sie auch nicht aufdreht, wenn ich mal krank bin und es nur Sparprogramm gibt. Ruhe lernen ist immens wichtig.

    Wie oft habe ich erlebt, das Hunde vom Zwinger auf den HP, vom HP zum Zwinger, weil viele einfach Alltagsuntaugliche Hunde haben aber im Sport klappt es so halbwegs.....das nennt sich dann Artgerecht?

    Nein, das finde ich auch nicht okay.

    Für mich ist auch wichtig, dass mein Hund mit und nicht neben mir lebt. Natürlich gehen wie viel spazieren, gehen in die Stadt und essen Eis, ab und an kommt sie mit ins Büro. Aber auf Dauer würde ihr das definitiv nicht reichen.


    Vor Crazy hatte ich ja auch schon einen LZ DSH. Die war z. B. auch zufrieden mit langen Spaziergängen und ein bisschen Nasenarbeit (ZOS). Die ist auch unheimlich gern spazieren gegangen und wollte immer noch weiter.

    Bei Crazy habe ich manchmal das Gefühl, sie hat so gar nicht richtig Lust auf den Spaziergang. Wenn du sie fragen würdest, ob sie 10 Spaziergänge gegen einen Schutzdienst eintauschen würde, würde sie wahrscheinlich vor Begeisterung einen Salto rückwärts machen ^^

  • Ich denke, viele haben schon ganz wichtiges gesagt. Und, ausgehend von einem Hund, der genetisch stark auf Gebrauchseigenschaften gezüchtet worden ist, kann man meist davon ausgehen, dass der mit nur nebenher laufen eher nicht zufrieden sein wird. Dass das nicht zwingend Sport sein muss, aber der Sport halt eine naheliegende Lösung sein kann, wurde bereits gesagt.

    Jessat und auch andere DDR Züchter zum Vergleich heran ziehen hinkt schon dadurch, dass diese Hunde aktuell schon lange nicht mehr für den Gebrauch getestet werden. Viele dieser Hunde sind nur optisch Schäferhunde, ganz ähnlich die bei der HZ, ansonsten Ist vielen Beutetrieb, Härte und Arbeitsbereitschaft abhanden gekommen.

    Die Alltagstauglichkeit hängt auch stark von der Qualität des HF ab, weil grundsätzlich so ein Gebrauchshund halt schon höhere Anforderungen allgemein stellt.

    Will sagen: wenn der Hund nicht total nervenschwach ist, sollte er im Alltag zu führen sein, aber halt nicht so einfach erreichbar wie bei einem Labbi oder Golden.

  • Ich hoffe nicht, dass wir sie verschreckt haben :) ...


    Gerade solche Diskussionen sind superwichtig und hilfreich. Und zudem sind wir auch noch alle nett und umgänglich und pflegen einen guten "Ton".

  • Trotzdem behaupte ich Flummi ist absolut klar im Kopf. Flummi ist ein normaler DSH aus Leistungszucht. Flummi und ihre Vorgänger sind meine Wahrheit ;) und da hätte das eben nicht gereicht.

    Ja, das wollte ich gestern auch schon unterstreichen. Arbeitswütigkeit oder hohe Leistungsenergie die einhergeht mit Unruhe wenn gewisse Bedürfnisse hängen gelassen werden hat nichts aber auch gar nichts mit "klar im Kopf/nicht klar im Kopf" zu tun.