Sind wir "Schäferhundgeeignet"?

  • Hallo liebe Schäferhundfreunde! :thumbsup:


    Machdem ich mittlerweile unzählige Foren, Züchterseiten und Rassebeschreibungen durchstöbert habe und auch auf diversen Schäferhundplätzen war, bin ich nun verwirrter denn je und benötige daher eure objektive Meinung und eure eigenen individuellen Erfahrungen :S


    Kurz zu unserer Situation:

    Wir mussten im November 2017 unsere geliebte Golden-Retriever-Hündin über die Regenbogenbrücke gehen lassen. Mit ihr hab ich meine Jugend verbracht, war jede Woche in der Hundeschule, habe die Begleithundeprüfung sowie sämtliche Leistungsabzeichen abgelegt, Agility gemacht und war schließlich lange Zeit selbst ehrenamtliche Hundetrainerin. Mit Beginn des Studiums in einer anderen Stadt und Auszug von Zuhause, nahm ich meine Hündin mit (hat zeitlich gut funktioniert). Als meine Hündin 8 Jahre alt war, nahm ich eine Vollzeitstelle an. Da ich meine Hündin nicht mitnehmen konnte in die Arbeit und meine Mutter nur halbtags arbeitet, haben wir ein "Dogsharing-Modell" gestartet. Montag bis Donnerstag hatte sie meine Hündin bei sich und ich holte sie von Donnerstags bis Montags zu mir (Aufgrund der Entfernung wäre es zu stressig geworden, den Hund jeden Abend dort abzuholen). Im Urlaub hatte ich sie vollständig bei mir. Ich war immer ihre Haupt-Bezugsperson. Aber sie kannte die Umgebung und meine Mutter von früher. Es hat prima funktioniert.


    Mittlerweile spielen wir alle ich wieder mit dem Gedanken, einen neuen Hund in unserer Familie aufzunehmen. Aufgrund meiner langjährigen Hundeausbildertätigkeit möchte ich einen Welpen, den ich selbst sozialisieren und frühzeitig binden und erziehen kann.

    Ich habe bereits alles geregelt und gemeinsam mit meiner Mutter können wir uns im Sommer 8 Wochen Urlaub nehmen.


    Da ich in einer langjährigen Beziehung bin, wird es in den kommenden 3 Jahren auch zur Familienplanung kommen. Meine Mutter wird in einem Jahr in Rente gehen. Es wird sich also vieles ändern in den nächsten Jahren.

    Nun zu meiner Frage: Ich liebe Schäferhunde aus der Hochzucht, habe allerdings keinerlei "Schäferhunderfahrung" bzw. Berührungspunkte. Ich hab bei zufälligen Gassibegegnungen immer sehr aufgeschlossene und ruhige Schäferhunde erlebt. Meine Mutter liebt ausgiebige Spaziergänge und ist noch sehr fit (vor allem durch ihre Arbeit und wegen unserer ehemaligen Hündin). Ich würde mich als die konsequentere von uns bezeichnen, insgesamt ist mir eine klare und strukturierte Hundeführung sehr wichtig. Liebend gerne würde ich wieder Agility betreiben. Vorallem fehlt mir aber ein treuer und aktiver Alltagsbegleiter. Eine selbstbewusste Familienhündin. Ich würde Hundesport des Hundes Willen und als Hobby machen, nicht - wir sehr viele hier - einen Hund suchen, um den Sport bestmöglich ausüben zu können. Der Hund wäre bei uns kein Sportgerät, bestenfalls ist der Hundesport ein toller Zusatz aber kein unbedingtes Muss, wenn ihr versteht?


    Nun wäre es, wie bereits beschrieben bei uns so, dass der Hund die Hälfte der Zeit bei meiner Mutter wäre, welche ihn zwar körperlich sicher gut auslasten würde, aber nicht so konsequent und klar in ihrer Erziehung ist.


    Schäferhunde sind zwar sehr robust und anpassungsfähig, aber - so wie ich es bisher gelesen habe- sehr von ihrer Bezugsperson abhängig.

    Ich bin mir demnach nicht sicher, ob dieses Dog-Sharing zwischen meiner Mutter und mir einem Schäfi gerecht werden würde. Andererseits: Ein Goldi ist ja eigentlich auch ein Gebrauchshund der Konsequenz und klare Bezugspersonen benötigt. Der Unterschied zum Schäferhund ist doch eigentlich nur der Schutztrieb.


    Ich bin eigentlich auch davon überzeugt, dass man - egal ob Schäferhund oder Chihuahua - den Hund von Anfang an einfach an diese Situation gewöhnen muss.


    Ich war in so vielen Foren und auf Schäferhundplätzen in der Nähe. Die einen raten uns von einem Schäferhund ab, weil zu wenig sportlich ambitioniert und zu unstrukturiert. Die anderen verstehen das Problem überhaupt nicht, schauen mich bei meinen Zweifeln blöd an und sind der Meinung, dass man dem Hund diesen Alltag sehr gut von Anfang an beibringen kann und dass es da überhaupt keine Probleme geben sollte. Leistungshundesportler und Hochzuchthalter auf den SV-Plätzen haben beide gleichermaßen empfohlen, dass wir uns jeweils diese Linie zulegen sollte.


    Mittlerweile bin ich überfragt und zweifle an unseren Plänen. Ich habe Sorge, dass wir total naiv da ran gehen weil wir einfach keinen Vergleichswert und keine Idee vom Zusammenleben mit einem Schäferhund haben.


    Daher wäre es toll, wenn vor allem diejenigen, die eine Hochzucht besitzen und einen ähnlichen Alltag wie wir leben, oder Schäferhunde kennen, die auch ohne / mit wenig Hundesport taugliche Familienhunde sind, hier mal von sich berichten.

    Gibt es solche Schäferhund-Mensch-Gespanne überhaupt? :/


    Uns ist auch bewusst, dass das alles sehr vage ist und natürlich vom individuellen Charakter des Hundes abhängt, aber vielleicht habt ihr ja auch Tipps, worauf man bei der Auswahl des Welpen achten könnte?


    Vielen lieben Dank!!!

    2 Mal editiert, zuletzt von HoneyNanni ()



  • Andererseits: Ein Goldi ist ja eigentlich auch ein Gebrauchshund der Konsequenz und klare Bezugspersonen benötigt. Der Unterschied zum Schäferhund ist doch eigentlich nur der Schutztrieb.

    Sorry wenn ich jetzt so deutlich werde, aber zwischen einem DSH und einem Golden liegen Welten...das ist nicht nur der Schutztrieb :|

    Das grenzt für mich echt schon an Beleidigung den DSH mit einem Golden zu vergleichen und sagt mir das ihr euch scheinbar nicht wirklich mit der Rasse auseinander gesetzt habt.

    Da wirst schön schauen wie groß der Unterschied ist.


    Hilft jetzt zwar nicht wirklich aber das musste ich los werden.


    Auch ein DSH aus der Hochzucht braucht geistige Auslastung um zufrieden zu sein. Nur Gassi reicht nicht.

    Hunde sind Engel, die zu uns kommen um uns zu zeigen was wahre Liebe ist!

  • Ja, die gibt es auch


    Dina 08.03.2017

    Aiko 20.04.2008

    :love:

  • diesen Vergleich hatte ich vielleicht etwas blöd ausgedrückt...

    Was ich damit sagen möchte ist, dass es selbstverständlich rassetypische Unterschiede gibt (Ich hab jetzt mal den Schutztrieb als den gravierendsten benannt), ABER dass die Anforderungen an die Haltung eines Schäferhundes oftmals auch sehr übertrieben dargestellt werden. Ein Schäferhund ist doch erstmal - wie jede andere Rasse auch - ein Hund. Und jeder Hund hat einen eigenen Charakter, braucht Erziehung, ausgewogenes Futter, artgerechte Haltung, entsprechenden Auslauf und kognitive Auslastung.

    Mein Goldi wollte auch arbeiten (Gehorsamsübungen, Fährtenarbeit, andere Suchspiele, etc) und war nicht bloß mit ner Stunde Gassi gehen am Tag zufrieden zu stellen.

  • Natürlich ist der dsh auch nur ein hund. Und das ein goldig auch beschäftigt werden will ist mir auch klar.


    Man sollte sich nur im klaren sein das zb erziehungsfehler beim Golden eine komplett andere Auswirkung haben als bei einem Schäferhund.


    Was der goldi verzeiht kann bei einem Schäferhund deutlich Probleme hervorrufen. Auch die "Heftigkeit" der Auswirkung ist dann eine komplett andere als bei einem Golden Retriever.

    Ich will mir gar nicht ausmalen was los wäre wenn man jeden Standard Golden in den Standard Familien mit einem Schäferhund austauschen würde ^^

    Hunde sind Engel, die zu uns kommen um uns zu zeigen was wahre Liebe ist!

  • da darf ich ja gleich mal aus dem Nähkästchen plaudern. Auch wenn in Argos nur ein bisschen LZ-DSH steckt.

    HoneyNanni ... ich hatte vor Argos drei Labrador-Münsterländer-mixe verschiedener Temperamente.

    Huschu, alle gut erzogen, Mama konsequent, drei Kinder dabei und alles war toll.

    Und dann kam Argos 😨 und ich hatte vom ersten Moment an das Gefühl ich hätte noch niiiiiieeeeeee einen Hund gehabt.

    Euer Lebenskonzept an sich würde ich nicht als Ausschlußkriterium sehen.... aber nur mit dem "richtigen Hund".

    Meiner hätte das nicht verkraftet und auch jetzt mit 1,5 Jahren würde ich das nicht mit ihm wagen.

  • Hallo HoneyNanni, erst einmal herzlich Willkommen hier bei uns im Schäferhund-Forum. Schön, dass du zu uns gefunden hast und auch schön, dass du dir Gedanken machts, BEVOR du dir einen Schäferhund zulegst.


    Auch wir haben uns vor drei Jahren so einige Gedanken gemacht, bevor wir uns als Schäferhundneulinge einen Schäferhundwelpen zugelegt haben. Wir haben einen Welpen von einem ostfriesischen Bauernhof gekauft. Mittlerweile ein strammer Bursche von 52 kg und über 70 cm Höhe; wir hatten einen "normal" großen Schäferhund erwartet.


    Ob ein Schäferhund mit eurem Lebensmodell klar kommt kann ich nicht beurteilen. Aber das unser Hund sehr auf eine Person, nämlich auf mich fixiert ist kann ich sagen. Ich mache mir jetzt schon Gedanken, wie es ab nächste Woche wird, wenn ich für eine Woche im Krankenhaus sein werde. Auch sein Schutztrieb ist nicht außer Acht zu lassen. Das es mir nicht gut geht, merkt mein Harras und es scheint, als wollte er mich überall vor allem und jeden beschützen. Im Moment gehe ich mit ihm nur in Gegenden, in denen ich möglichst niemandem begegne.


    Du schreibst, du bist sehr konsequent, dass ist auch wichtig. Desweiteren skizzierst du in der Zukunft einige Veränderungen, incl. Familienplanung. Ich bin selbst dreifache Mutter und weiß also, was dann auf dich zukommt. Einem Neugeborenem UND einem Hund gerecht zu werden stelle ich mir nicht einfach vor. Ich hatte damals "nur" einen Vogel, einen sehr zahmen Nymphensitiich. Den habe ich abgegeben, damit ich mich voll auf mein Neugeborenes konzentrieren kann. Ein Kind krempelt erst einmal alles um. Das solltest du in deine Planungen mit einbeziehen.


    Ansonsten: wie wäre es erst einmal NICHT mit einem Welpen, sondern mit einem Hund aus dem Tierheim? Du scheinst noch sehr jung zu sein und dann kannst du immer noch später einmal deinen Traum vom Schäferhundwelpen in Angriff nehmen.

    Harras *10.12.2015 :thumbup:“Mit einem kurzen Schwanzwedeln kann ein Hund mehr Gefühle ausdrücken, als mancher Mensch mit stundenlangem Gerede.” :thumbup:(Louis Armstrong)

  • Also ich sehe das bedeutend entspannter. Wenn jemand als Trainer in einem Verein gearbeitet hat, dann hat er ja schon mal Erfahrungen sammeln dürfen mit unterschiedlichen Rassen. Von daher denke ich dass HoneyNanni nicht völlig unbedarft an die Sache heran geht. Und zu den Retrievern: Der erste Hund, den Petra Sporrer im Hundesport geführt hat, war ihr Labrador Janko. Mit dem wurde sie Vize-Deutsche Meisterin beim Deutschen Hundesportverband mit ich glaub 99 Punkten im Schutzdienst. Dann kannte ich einen damals eingefleischten "Rottweilermann", der einen seiner Labradore als Diensthund im Wachschutz geführt (und statt dessen seine Rottis zu Hause gelassen) hat. Natürlich gibt es auch noch mal Unterschiede zwischen Labbis und Golden. Nur sollte man Erfahrungen in der Haltung und Ausbildung von Retrievern nicht zwangsläufig gleichsetzen mit "null Ahnung von Hundehaltung/-ausbildung". Und ich habe viele Retriever kennen gelernt, die mehr "Schmackes" haben als viele Hochzucht-DSH.


    Den einzigen Punkt, den ich hier bei dieser Geschichte gut bedenken würde, sind Eignung/Erfahrung der Mutter, die ja den Welpen/Junghund mit prägen/erziehen wird, und die dann erst mit einem "Jungspund", später dann mit dem erwachsenen Hund ebenfalls gut zurecht kommen muss. Ohne die Dame zu kennen kann man darüber aber keine Prognosen abgeben. Sie wird aber gut 50% des Lebensumfeldes aus machen, in dem der Hund leben wird. Die anderen 50% ( =HoneyNanni) hören sich für mich unproblematisch an für die Aufzucht/Haltung/Ausbildung eines HZ-DSHs. Aber über deren Mutter, welche Einstellung diese zu der Sache hat, wie viel Erfahrung und Bauchgefühl für Hunde sie hat, was sie sich zutraut, wie dort die Lebensumstände sind (Wohnung in einem Mehrfamilienhaus ist noch mal was ganz anderes als Eigenheim mit großem, gut eingezäuntem Garten), das kann hier niemand wissen. Und das ist halt der unbekannte Faktor X bei der Geschichte, so wie sie hier geschildert wird.

  • also euer konzept ist schonmal gut durchdacht und das model was ihr mit dem goldi hatte kann auch beim schäfi funktionieren machen wir auch nicht anderst seitdem ich ausgezogen bin und bei uns händeln das 3 personen meine mutter ist nun auch nicht die konsequenteste und erfahrensde aber da beide hund erzogen sind und doe grundregeln kennen ist dies kein problem sie kann gefahrlos mit beiden gleichzeitig gehen.

    wenn du wiederin den sport gehen möchtest wäre der schäferhund auch geeignet für euch zumindest nachdem was du schreibst.

    sehe den vergleich zum retriver oder goldi auch recht entspannt weil ich auch da hunde kenne die nem Schäfer in nix nachstehen und genauso konsequent geführt werden müssen.

    also wenn alles passt schait euch doch ein paar Züchter die in frage für euch kommen an vielleicht habt ihr in der Umgebung auch gezielt nen verein wo schäferhunde trainieren.

  • Hi,


    wilkommen!

    Du Arme, jetzt hast Du hier auch unterschiedliche Ansichten...:)


    Meine: Wir haben uns seinerzeit ähnliche Gedanken gemacht, hatten großen Respekt vor dem DSH. Den haben wir immer noch, aber es haben sich inzwischen auch viele Meinungen, die wir vorher gehört hatten, relativiert. Menschen sind eben unterschiedlich und schätzen das daher auch unterschiedlich ein.

    Wir haben uns dann, mutig, wie wir waren, für einen DSH aus einer (Ost)-LZ entschieden und es bisher keine Sekunde bereut! Und das mit zwei kleinen Kindern, Katzen und meiner Frau, die zuvor komplett hundeunerfahren war.

    Zu echtem Dogsharing kann ich nichts sagen, aber wir haben zB von Anfang an wert darauf gelegt, dass Gaius nicht nur mich, sondern ebenso meine Frau in ihrer Position anerkennt. Und das klappt auch gut, auch wenn ich im Endeffekt die Hauptbezugsperson bin.

    Bezüglich der Auslastung: Ich kenne keine DSH aus HZ persönlich. Tendenziell (bitte verbessern, wenn falsch, Waschbär) aber kann man sagen, dass LZ-DSH wohl mehr an Auslastung benötigen als Hunde aus der HZ.

    Wir haben daher von Anfang an darauf geachtert, dass wir nicht zu viel mit ihm machen, so dass er sich erst gar nicht daran gewöhnt, jeden Tag action zu haben, die er dann zunhemend natürlich auch einfordert. Daher ist es bisher so, dass Gaius problemlos auch mal drei, vier Tage ohne riesenlange Spaziergänge oder sonstige action auskommt. Er ist dann ein wenig unausgeglichener. Aber er holt keine Tapeten von der Wand oder sonstiges. Das ist also alles im grünen Bereich.


    Fazit: Ich denke, im Endeffekt könnt nur ihr das entscheiden. Es ist gut und sinnvoll, sich Ratschläge zu holen. Aber entscheiden muss man halt selbst. Und da spricht aus meiner Sicht nichts dagegen, dass ihr euch einen DSH zu euch holt. Ihr geht nicht naiv daran, Du hast Hundeerfahrung, und gerade dann, wenn es ein Welpe sein soll, habt ihr auch alle Möglichkeiten, den Hund von kleinauf zu prägen und zu erziehen. Schäferunde sind halt auch einfach geile Hunde:)


    Liebe Grüße

    Lupus

  • Ich habe mir vor einigen Jahren fast die selben Fragen gestellt. Klar war nur das ich keine HZ haben wollte. Am Liebsten wäre mir ein schwarzer Rüde gewesen. ;)

    In einer OG war ich schon seit Jahren mit meinen Tierschutzhunden, aber die Tipps die da kamen habe ich ganz schnell abgetan. Habe ja gesehen wie es dort mit den wenigen Schäferhunden lief.

    Ich wollte in erster Linie einen Familienhund, sportlich aber auch gechillt. Ca. 5 Jahre habe ich bis dahin über Schäferhunde, Züchter und Linien schlau gemacht. 5 Züchter bleiben dann übrig von denen ich gerne einen Hund nehmen wollte.

    Verlassen habe ich mich bei der Auswahl letztendlich auf den Züchter. Der kennt seine Welpen am Besten. Wir haben lange telefoniert und ich habe all meine Bedenken und Wünsche mit ihm besprochen.

    Dann haben wir den Welpen abgeholt, ein Mädchen in grau. :) Nach 5 Jahren kann ich sagen: Alles richtig gemacht.


    LG Terrortöle

    Dogs leave paw prints on our hearts. ;)

  • Hallo und herzlich willkommen hier:*. Ich glaube, ich kenne Dich aus dem anderen großen Hundeforum, in dem ich auch bin:). Wenn ja, wirst Du mich an meinem Profilbild wieder erkennen, da ich dort auch in Deinem Thread mitgeschrieben habe.

    Ich finde es jetzt nicht das problem, von einem Retriever auf Schäferhund zu wechseln. Dir ist bewusst, daß der Hund Beschäftigung braucht, vor allem rassetypische. Auch ist Dir bewusst, und das wurde hier auch schon sehr richtig geschrieben, daß Fehler machen bei einem Goldi wirklich bei weitem nicht mit Fehler machen bei einem DSH zu vergleichen ist. Der DSH braucht eine liebevolle und konsequente Erziehung. Konsequent bitte nicht mit Härte verwechseln, wie es in der Öffentlichkeit leider oft so dargestellt wird. Das problem ist halt, ein Goldi, der nicht gehorcht und auf andere Leute zuschiesst, wird meist belächelt. Bei einem DSH wird Dir das nicht passieren! Zum einen, weil er einen schlechten Ruf hat (völlig zu Unrecht, aber durch falsche Hundemenschen gemacht) und die meisten Leute eh schon hysterisch die Straßenseite wechseln werden, sobald sie einen Schäferhund sehen, zum anderen, weil der Schäferhund halt völlig anders gestrickt ist. Rennt ein DSH mit Vollgas vor allem zu anderen Hunden hin, will er diese NICHT begrüssen oder Hallo sagen! Zumindest zu 90% nicht. Ein DSH ist sehr territorial und sieht andere HUnde und Personen, vor allem ab der Zeit, in der er in der Pubertät ist, schlichtweg als Eindringlinge in seinem Revier an, die zumindest kontrolliert werden müssen, aber meist ist ein DSH der Meinung, daß schlichtweg niemand in seinem Revier etwas zu suchen hat. Hunde und Menschen, die der DSH als Welpe und Junghund kennenlernt, werden MEIST lebenslang als Freunde gesehen oder zumindest akzeptiert. Ist der DSH älter, wird es schwieriger, jemanden als Freund zu sehen. Das muss man einfach wissen und das muss zum eigenen Leben passen. Das ist nur einer der großen Unterschiede zum Retriever. Die Auslastung selber ist ähnlich, finde ich. Kopf - und Nasenarbeit gehören beim DSh dazu, nur gassigehen reicht nicht aus. Aber das weißt Du ja bereits.

    In punkto Kinder kann ich aus Erfahrung sagen, daß DSH sehr kinderlieb sein können. Auch hier ist natürlich das Individium zu sehen. Meist ist es aber so, daß der DSH die eigenen Kinder sehr liebt, sie aber auch schützt. Damit muss man dann klar kommen und damit umgehen können. Auch das ein großer Unterschied zum Retriever.

    Was das Dogsharing angeht, ist es wiederum von Hund zu Hund unterschiedlich und aus meiner Erfahrung am ehesten mit einer Hündin durchzuführen. Meine ersten Hündinnen waren damals, als ich noch alleine lebte und voll berufstätig war, sehr viel bei meinen Eltern, die ein eigenes Haus mit großem Garten hatten. Jedoch waren auch Hündinnen dabei, die meine Eltern zwar über alles liebten, sich jedoch von ihnen nicht führen ließen und meine Eltern deshalb auch nicht mit ihnen gehen konnten!! Bei meinen Rüden wäre es gar nicht möglich gewesen. Die wären maximal noch bei meinen Eltern geblieben, mehr jedoch nicht! Der Schäferhund ist eine der Rassen, die schon extrem menschenbezogen sind und sich dazu auch noch fast immer an einen bestimmten Menschen sehr eng binden. Auch wieder ein großer Unterschied zum Retriever. Es könnte passieren, daß ein Schäferhund, der in seine Pubertät kommt, einfach mehrere Bezugspersonen nicht mehr akzeptiert. In der Junghundphase wirst Du kaum Probleme damit haben.

  • Bei der Hochzucht muss ich noch etwas loswerden.
    Ich kenne Menschen , die führen seit 15 Jahren Hunde aus der Hochzucht und bisher war kein Hund dabei, der kerngesund war. & trotzdem holen sie sich immer wieder einen aus der Hochzucht.

    DSH haben es oftmals mit dem Magen, mit den Gelenken , Cauda Equina ist ebenfalls ein Thema.. und wenn du Pech hast, holst du dir einen nervenschwachen Hund ins Haus, der dauern am winseln ist oder der schnell mal frustet.

    Beim Goldie hast auch schon oft Probleme mit den Gelenken oder Allergien.
    Ein Goldie kann auch zubeißen oder ziehen. Die Hemmschwelle bis ein Goldie mal etwas macht ist halt viel viel größer als bei einem DSH.


    Für deinen Lebensstil würde ich mir einen agilen Familienhund suchen.
    Spontan fällt mir jetzt Norwegischer Lundehund , Novia Scotia Duck Tolling Retriever oder Rassen vom Spaniel Typ.
    Für Agility würde ich eher kompakte Hunde nehmen, jedoch nicht zu klein, wenn du vor hast eine Familie zu gründen - eine kleine Hunderasse könnte darunter womöglich mehr "leiden" wenn dann mal das Baby etwas fester zupackt, sich festhält um Gehversuche zu starten etc. weißt du was ich meine?

  • Hallo Honey,


    ob du für einen DSH reif bist? Ich würde, ohne dich zu kennen, ja sagen. Warum? Weil ein DSH eine Führungsperson benötigt und keinen Ponyhof. Ist der DSH Familien tauglich? Na auf jeden Fall. Ich würde fast sagen, es gibt keinen besseren. Vergleichbar mit Reti? Das tut ein bisschen weh ;)


    Ob Hoch- oder Leistungszucht? Ich glaube es ist entscheidender woher du ihn bekommst. Meine ist aus der Leistungslinie (wenn man es so nennen will) aber ein absoluter Familienhund (hat wenig Beutetrieb). Kann man mit ihr Sport betreiben? Kann man :)


    Deshalb würde ich die Entscheidung immer von dem jeweiligen Züchter abhängig machen.


    Grundsätzlich bist du auf dem richtigen Weg :)

    Egal wie wenig Geld und Besitz du hast,
    einen Hund zu haben,
    macht dich reich.

    Louis Sabin

  • Anzumerken wär vielleicht dass Agility für einen durchschnittlichen HZ-DSH nicht die Hundesportart ist, für die er anatomisch wirklich gut geeignet ist. Wenn ich an Agility Spaß hätte, dann würde ich eine Hündin aus Leistungslinien bevorzugen, wo bei der Verpaarung zu erwarten ist dass die Hunde von ihrer Größe her später eher im Bereich untere bis mittlere Größengrenze liegen und ein sportliches Gebäude haben werden (auf Rückenlänge achten!). Ein grosses, schweres, "langes Schiff" wird körperlich viel mehr belastet im Agility. Nicht nur bei den Sprüngen, sondern z.B. auch im Slalom. Gesünder ist der Sport für einen kleineren, leichteren, kürzeren DSH mit sportlichem Gebäude. Wobei es mir da nicht um bssere Erfolge geht. Es sind nicht die Wettbewerbe, die den Körper belasten. Sondern das Training. D.h. dass man einem Hund diese Bewegungsabläufe überhaupt regelmäßig abverlangt. Natürlich kann man mit einem HZ-DSH auch Agility betreiben, wenn Hund und Mensch daran Spaß haben. Nur wenn man sich einen Hund anschafft und bereits zu diesem zeitpunkt weiß, dass man diesen Sport gerne betreiben möchte, dann würde ich persönlich ein gesundheitliches Risiko für meinen Hund, das durch diesen Sport bestehen könnte, möglichst reduzuieren wollen. Durch die Auswahl eines Hundes mit geeignetem/geeigneterem Gebäude.

  • Mir hat man deswegen auch davon abgeraten, mit meinem 52 kg schweren Hund Agility zu machen. Mir wurde zu Hoopers geraten. Das haben wir auch mal einen Kursus lang mitgemacht, aber Harras schien das nicht so recht zu gefallen. Vielleicht später noch einmal.

    Harras *10.12.2015 :thumbup:“Mit einem kurzen Schwanzwedeln kann ein Hund mehr Gefühle ausdrücken, als mancher Mensch mit stundenlangem Gerede.” :thumbup:(Louis Armstrong)

  • Ihr seid ja wirklich der Wahnsinn, so viele ausführliche Sichtweisen und Ratschläge! :)

    Ich habe jede einzelne Antwort mit großem Interesse verschlungen.


    Ein paar Worte zur Golden-Retriever-Haltung liegen mir am Herzen, denn mich hat das Gefühl nicht losgelassen, dass einige der Meinung sind, diese Rasse sei super easy zu erziehen, bzw. Fehler in der Erziehung nicht schlimm...

    Wenn ein Golden-Retriever (der übrigens ebenfalls zu den mittelgroßen Hunderassen gehört) eine Person, insbesondere ein Kind, anknurrt und anspringt, empfinden diese Menschen das nicht als weniger schlimm "nur weil es ein Goldie ist". Ich würde ausrasten, wenn ein Hund (egal ob Goldie, Schäferhund oder Jack-Russel-Terrier) mein Kind oder mich situationsunangemessen aktiv angeht!

    Natürlich kommt einem bei der Erziehung eines Exemplars dieser Rasse der Will-to-please sehr entgegen. Im Gegensatz zur Eigenwilligkeit eines Jagdhundes, wie bespielsweise eines Dackels, ist das schon sehr angenehm. So weit ich mich über Schäferhunde informiert habe, sind diese bei konsequenter Erziehung ebenfalls sehr halterbezogen und möchten gefallen.

    Eigenlob stinkt, aber meine Golden-Retrriever-Hündin war wirklich sehr gut erzogen. Das musste sie auch sein, wenn ich auf dem Hundeplatz als Trainerin ernst genommen werden wollte. Aber das alles hat mich wirklich sehr sehr viel Arbeit, Zeit und Konsequenz gekostet. Meine Hündin war eine äußerst dominante Zicke, was andere Hundebegegnungen anging, sie war eine sehr temperamentvolle und quirlige Hündin. Es hat viel Spaß gemacht, sie auszubilden - es gab jedoch auch Zeiten, in denen ich Blut und Wasser schwitzte, weil sie mal wieder einen anderen Hund zurechtweise wollte oder auf andere Menschen losstürmte. Ich möchte damit verdeutlichen, dass es in jeder Rasse solche und solche Charaktere gibt und man auch bei einem Golden-Retriever viele fatale Fehler machen kann, die nicht weniger negativ auffallen als bei einem Schäferhund. Meiner Meinung nach kann ein Schäfer übrigens genauso herzzerreißend süß gucken wie ein Goldi und Menschen um den Finger wickeln ;)


    Und nochmal zum Hundesport. Wie anfangs geschrieben bin ich nicht primär auf der Suche nach einem Hund für den Hundesport. Ich finde Schäferhunde aus der Hochzucht schön und mag ihren beschriebenen Charakter. Wenn Hundesport bei der Haltung eines solchen Hundes nötig ist, wäre das zumindest mal kein Problem und eigentlich ganz schön, weil ich das früher sehr aktiv ausgeübt habe und kein Anfänger bin. Agility war halt immer mein Steckenpferd, daher würde ich mich freuen, diesen Sport wieder ausüben zu können. Dennoch bin ich auch offen für Obediance, Fährtenarbeit, oder ähnliches. Sollte es ein Schäfi aus der Hochzucht werden (ich kann dem eher schmalen Körberbau und der Nervösität der Leistungszuchthunde eben einfach nicht viel abgewinnen, aber Geschmäcker sind ja Gott sei dank verschieden), würden wir dem Rüden eine Hündin vorziehen. Das liegt insbesondere daran, dass meine Mutter nicht von einem "halbstarken Macho-Junghund" durch die Gegend gezogen werden soll / will. Bei einer Hündin haben wir, allein schon aus Gründen des meistens geringerem Gewicht, diesbezüglich weniger Sorge. Meine Mutter soll den Hund (auch im höheren Alter) noch halten können, wenn er mal an der Leine ziehen sollte.

    Durch meine Recherchen habe ich übrigens viele Hochzuchthündinnen gesehen, die in ihrer Größenklasse bestens für den Agilitysport geeignet sind. Primäre Voraussetzung für diesen Hundesport ist doch, dass der Hund gesund ist. Das ist aber auch wieder nicht von der Rasse abhängig. Es könnte auch ein Goldi, ein LZ-Schäferhund oder aber ein Border Collie (grundsätzlich perfekte Agilityhunde) an HD oder ED oder sonstigen Erkrankungen leiden, die Agility ausschließen. Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass Hochzuchthunde öfter an HD erkrankt sind als andere Hunde. Das Risiko ist bei jedem Hund vorhanden. Eine gründliche Züchterauswahl, die Auslese der genetischen Vorbelastungen und ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Welpen / Junghund während der Wachstumsphase (Futter, Bewegung, etc.) sind von enormer Bedeutung.

    Sollte unser Hund größer werden als erwartet und / oder nicht vollkommen gesund sein, dann passe ich die Beschäftigung halt dem Hund an. So flexibel sollte man sein.

    Aber ich verstehe diesen Ratschlag. Bei meinen OG-Besuchen habe ich häufig gehört, dass ich mir für den IPO-Sport unbedingt einen LZ anlegen soll. Denn viele hätten siche eine HZ geholt und später noch eine LZ dazu, weil sie sportlich gesehen keine Erfolge erzielen konnten. Ich habe wirklich keine sportlichen Ambitionen. Mir ist wichtig, dass Hund und Mensch als Team Spaß an der gemeinsamen Beschäftigung hat - nicht mehr und nicht weniger :S


    Zusammenfassend gibt es wohl immer Meinungen, die weit auseinandergehen.

    Aber durch eure Antworten konnte ich einige, von uns noch nicht bedachten, Perspektiven sammeln.

    Ich denke, ich werde versuchen, mit Hochzuchtschäferhundehalter (was für ein Wort ^^) in der Nähe Kontakte zu knüpfen, um mir nochmal ein persönliches Bild zu machen über das Verhalten dieser Hunde und deren Haltung. Außerdem habe ich jetzt auch die Idee, meine Mutter mal zu einem Züchter mitzunehmen und ihren Umgang mit den Tieren zu beobachten. Das Gefühl bei den jeweiligen Treffen wird vermutlich wegweisend sein. Außerdem hoffe ich auf die Hilfe des Züchters bei der Auswahl eines geeigneten Welpen, sollten wir uns pro Schäferhund entscheiden. Bevor wie eine endgültige Entscheidung treffen, werden wir uns als Familie nochmal zusammensetzen und sämtliche Eventualitäten absprechen müssen.


    Vielen lieben Dank nochmal für die herzliche Aufnahme in eurem Forum! <3:thumbup:

    Einmal editiert, zuletzt von HoneyNanni ()

  • Hi,


    zu Goldies kann ich nix sagen, also inwiefern andere Menschen positiv oder negativ auf sie reagieren.

    Aber zum DSH schon. Und da, das hat mich selbst überascht, gibt es schon recht viele Leute, die den DSH skeptisch sehen. Wir hatten vorher einen Rotti und ich hab den Eindruck, dass teilweise Menschen größere Bögen um mich und Gaius machen, als das mit dem Rotti der Fall war (obwohl der 60 Kg und Kettenhalsband hatte und Gaius ein dünnes Lederbändchen und nen Engelsblick:)

    Will sagen: Es scheint in der Tat nicht wenige Menschen zu geben, die Angst vor dem DSH haben oder negativen Vorurteilen anhängen.


    Liebe Grüße

    Lupus

  • Unser Dobermann 78 cm/ 46 kg und voll kupiert hatte weniger Leute zum Straßenwechsel bewegt als der DSH. Uns das obwohl beide gleich brav und unauffällig an der Leine laufen bzw liefen. ^^

    Hunde sind Engel, die zu uns kommen um uns zu zeigen was wahre Liebe ist!

  • ...

    Will sagen: Es scheint in der Tat nicht wenige Menschen zu geben, die Angst vor dem DSH haben oder negativen Vorurteilen anhängen.

    Wir haben die Erfahrung bisher noch nicht gemacht, wir kriegen überall lächelnde Blicke und freundliches Nicken. Vor allem wenn ich auf dem Supermarktparkplatz mal wieder am üben bin :-)

    Mich grüßen plötzlich Leute und lächeln mich an, die ich gar nicht kenne ... :thumbsup:


    Aber ich wohne auf dem Dorf, da ist ein Schäferhund das normalste der Welt.


    Honey, meine ganz persönliche Erfahrung nach der Frage "welche Rasse" ... nicht jeder Hund hat das Buch mit seiner Rassebeschreibung gelesen :-)

    Will sagen: letztlich ist es immer auch ein bischen Glück, ob der Charakter des Hundes dann tatsächlich so ist wie man es erwartet hat.

    “Kein Psychiater der Welt kann es mit einem Hund aufnehmen, der einem das Gesicht leckt.”


    Dalmatiner Dustin <3 2004-2016; Schäferhundmix Dolly 201?-2018 (;( viel zu früh)

    :saint: DSH/Mali Lexy 2018