und ich eben trotzdem das Bild von Lyssi im Herzen und in meinen Gedanken trage, die immer bemüht war, alles richtig zu machen.
Ich bin mir sicher, dass Chia ganz genau so versucht, alles richtig zu machen, nur eben… anders und mit ganz viel gestolper. ❤️
auch wenn in mir manchmal Zweifel keimen, ob ich gerade den Ungehorsam bestätige, wenn ich sie fürs Zurückkommen lobe und belohne.
Nach solchen Szenen beruhige ich mich mit dem kurzen Gedächtnis der Hunde - der Hund, der eben noch abgehauen ist, aber auf meinen Ruf hin reagiert hat - na der reagiert auf meinen Ruf und wird dafür belohnt, da weiß der doch schon gar nimmer, warum der abgehauen ist oder DASS - er rennt da, er hört dich, wendet sich dir zu und kommt zurück und dafür gibts den Keks. Wenn es in eurem Fall ein neues Muster gäbe, zb Chia haut ab und guckt nach, WANN du sie denn rufst, damit sie ENDLICH zurück flitzen kann, DANN ist es fehlkonditioniert. Aber so lange sie abhaut und du sie aus ihren Absichten in dem Moment heraus reißt, so löst sie sich von dem, was sie vor hatte und folgt dir und wenn du genau das lobst, ja dann lobst du sie nicht fürs stiften gehen, sondern dafür, dass sie dir ihre Aufmerksamkeit gibt.
Ich sollte ja auch dem Brummi beibringen, ihm mit Leckerchen werfen eine Alternative zu bieten, wenn er losschreit, wenn es klingelt. Nun hab ich das aber über Bord geworfen, weil er da teilweise selbst nach kurzer Zeit noch immer wieder mal bellt und schreit, er ist immer noch extrem aufgeregt. Nun haben wir die Woche drei mal essen bestellt und die Woche davor auch mal was bestellt (jaja, ich war etwas Koch-faul…). Ich rufe ihn jedes Mal, schon seit ein paar Wochen tatsächlich, außer wir erwarten wirklich Besuch, wenn es klingelt zu mir und BUMMS ist der Schnabel dicht. Keine Ahnung warum. Mein Freund, der die Tür auf macht, wird zwar mit ganz hoch gespitzten Ohren belauscht, aber so lange er bei mir ist, ist er still und wartet ruhig.
Auch wenn er bellend hochschreckt, weil er mal wieder irgendein Geräusch gehört hat, sage ich ihm „komm her, hier her“, er kommt zu mir, wird schon ruhiger auf dem Weg und jauljammert eher, statt zu schreibellen, dann sage ich nur noch „hinlegen“, er legt sich direkt hin mit einem schwerem gebrummten „öööhf“ und wird von mir mit einem ruhigen „guuuut“ gelobt und dann schaut er mich aufmerksam an.
Und er ist still. Offenbar erkennt er in dem Moment Sicherheit in mir, denn wenn ich ihn hinters Gitter bringe - egal wie ruhig - geht das Gebrüll erst so richtig los. Vielleicht ist es auch nur grade jetzt in der hormonzeit, wo er so dringend so ganz viel Sicherheit braucht, weil in seinem Kopf sonst diverse Pyrotechnik explodiert. Er zuckt ja auch besonders nachts neuerdings mal wieder vor plötzlichen Geräuschen. Aber er sieht in mir die Sicherheit, sich hinlegen zu können, wenn es klingelt und versucht dann auch gar nicht zur Tür zu gehen, OBWOHL er da jemand fremden reden hört, obwohl mein Freund dort hantiert und auch redet. Er bleibt dennoch bei mir - so lange ich ruhig bin. Stehe ich ruckartig auf, denkt er wieder „oh Gott oh Gott, DRAMA! KREIIIIISCH!!“.
Wir beeinflussen unsere Hundels schon sehr und ich werde nur „böse“, wenn er trotz mehrfacher Aufforderung nicht hört und rotzfrech wird. Aber da werde ich auch nur laut und sehr ernst und stehe ggf. auf und gucke böse. Dann hüpft das kleine Sensibelchen aber doch dort hin, wo es soll (meist ins Bettchen), weil es merkt „oh-oh, nu is aber ernst“.
Und ich denke, grade wenn sie uns so sehr frusten und wütend machen - da spiegeln wir eigentlich nur das Chaos in IHREM Kopf wider. Denn nicht nur wir beeinflussen unsere Hunde, sondern sie auch uns. Und dann sind da zwei „Chaosköpfe“.
Da ist da die aufgeregte Chia mit ihren Hummeln im Po wegen der Schonung, mobbt dann den Fredy aus Frust, weil sie merkt, irgendwie „geht’s ihr nicht gut“ und düst dann evtl. auch noch ab - und dann ist da die Bine, die das natürlich frustet und wütend macht, dass Chia sich so verhält, grade weil es zuvor so gut lief, Dabei ist die Chia gefrustet, weil die Leine sie begrenzt und lässt ihre „Wut“ am Fredy aus, der dann halt zum Punchbag wird. Die Bine ist aber ein Mensch und weiß, dass man andere nicht als Boxsack missbraucht, sondern macht das ungewollt irgendwie mit sich selbst aus. Die Chia versteht das aber so gar nicht, warum das Fraule dann so komisch drauf ist und unruhig ist - also wird sie auch wieder unruhig, denn sie sieht ja keinen Auslöser (wie den bösen Säbelzahntiger im Wald) und tut Dinge, über die sie sich im Nachhinein auch wundert… das macht wieder die Bine nervös, weil die Chia doch auch geschont werden muss und weil sie sich um die Gesundheit sorgt vom Mäusel.
Und so werft ihr euch gegenseitig den Ball zu - hin und her - manchmal auch an den Kopf - und beeinflusst euch gegenseitig sehr. Das ist völlig normal, ABER, die Hundels können da aktiv nichts tun, das erlaubt ihr Köpfle nicht. Die wissen ja nicht mal, warum es ihnen „nicht gut“ geht. Wir Menschen müssen da was tun, aber das ist verdammt schwierig und lässt sich nicht immer mal eben umsetzen, so wie es sein müsste. Es ist zum Teil ein langer und schwerer Prozess, aber du bist so kräftig am Ball dran und willst den eigentlich gar nimmer loslassen, während ihr euch den gegenseitig zuwirft. Das verkrampft und erzeugt Spannung.
Ich kenne das soooooo gut von mir selbst. Man will es richtig machen, man will, dass der Hund es richtig macht, aber dabei vergisst man so oft und vor allem so schnell, manchmal einfach nur durchzuatmen. Ganz besonders dann, wenn’s ganz besonders blöd gelaufen ist.
Wenn man einmal falsch (zu spät, zu früh, zu positiv, zu negativ) auf ein Verhalten reagiert - oder gar nicht reagiert - geht die Welt nicht unter. Manchmal hopst der Brummi noch auf ein Auto zu - früher war ich da sauer, denn es hat doch drei Wochen einwandfrei geklappt und weh hat er mir auch noch getan. Warum nur?!
Jetzt denke ich mir „whatever“ und hake es unter „passiert“ ab. Der Brummi weiß davon 5 Sekunden später eh nichts mehr - aber wenn ich mich nun darüber ärgere, fühlt er das noch 5h später, wenn’s blöd läuft. Der weiß jedenfalls am nächsten Tag nicht, dass mir die Hand weh tut, weil er mir gestern in die Leine gebrettert ist. Der weiß auch nicht, dass er extrem unruhig in der Wohnung ist und nicht schlafen kann, weil er vorhin ein tolles Mädel geschnuppert hat. Dem geht’s dann einfach „schlecht“. Aber werde ich nun auch unruhig, weil sein umher gerenne und das geflenne vor der Haustür so derbe auf den Zeiger geht nach 3h, dann ist er ganz extrem hilflos und überfordert - noch schlimmer als eh schon. Rufe ich ihn aber zu mir und lass ihn bei mir hinlegen, DANN kann er entspannen. Dann schläft er auch ein.
Ich muss da ganz „aktiv“ ganz „ruhig“ bleiben - völliger Widerspruch. Aber dieses „Nichtstun“ und ihm gleichzeitig sagen „komm zu mir, da bist du sicher“, das gibt ihm so viel Halt, Ruhe und Entspannung, dass er das Gezeigte oder weiteres unerwünschtes Verhalten bleiben lässt.
Manchmal geht’s mir dann wieder auf den Senkel, dass er förmlich an mir klebt und ich will den nicht mehr auf dem Sofa haben, weil es neeeeervig ist, dann schicke ich ihn ins Bettchen. Dann kommt er aber ständig wieder an und das geht mir auch wieder auf den Zeiger. Wenn ich ihn dann aber zu mir legen lasse, dann pennt er direkt ein.
Manche würden das als Kontrolle betiteln. Ich sehe nur einen verzweifelten Bub, der gelernt hat, dass es bei mir sicher ist, dass man da entspannen kann und dass egal was er verzapft, bei mir kein Unheil zu erwarten hat und Zuflucht findet und meinem Urteil vertrauen kann. Das macht er nämlich schon seit Welpenbeinen an. Er findet was komisch - guckt mich an - ich verhalte mich normal - okay, also scheint alles gut.
Wenn ich dann aber böse wäre und ihn von mir weg jage, grade wenn er mal rumschreit und sich unterirdisch verhält, dann würde er merken, dass es bei mir nie so ganz sicher ist, ich eventuell unberechenbar bin.
Mir ist deswegen immer wichtig, dass er versteht, was ich mache, dass meine Handlung oder Aufforderung für ihn eine logische Konsequenz ist. Und das heißt dann auch mal, dass ich etwas ignoriere, weil ich falsches Verhalten nicht zeitlich korrekt mit einer Konsequenz belegen kann (zb wenn der abgedüste Hund freudig zu mir zurück kommt, wenn ich ihn gerufen habe und ihn DANN strafe, dann wissen wir, was beim Hund ankommt) und einfach nur tief Luft hole und laut ausatme und mir selbst sage „komm, weiter“, so wie ich es auch oft dem Brummi sage.
Ich weiß, es ist schwer und ermüdend, grade wenn man viele andere Hunde hatte, bei denen vieles oder sogar das gleiche am Ende einfach kein Problem waren. Aber jeder Hund ist so individuell und anders - wie auch wir - dass wir da ganz individuell ran gehen müssen.
Wenn ich ans Labbibaby denke, das so lieb und folgsam war, so brav alles mitgemacht hat und dann der Brummi, der zwar auch alles mitmacht, aber mal so gar nicht „brav“ und einsam ist, stellt man sich natürlich so seine Fragen. Und auch ich dachte mir schon „hätte ich mir nicht besser einen Labbi geholt? Einen Hundi aus chillier HZ-Linie, so richtig schön nervenstark?“.
Und dann gucke ich in diese Augen (originales „live-Bild“ von grade eben):
Und mir schießt es die Tränen in die Augen. Denn nein: ich will keinen anderen Hund, ich will genau den, egal wie er sich verhält, was er mich an Ressourcen kostet, die eigentlich alle schon längst aufgebraucht sind, ja, ich will genau diesen einen Brummi, denn der braucht mich, der braucht mich ganz arg. Ich bin für ihn die Sicherheit in seinem Leben, sein „go to place“, wenn es ihm nicht gut geht, er vertraut mir und meinem Urteil in jeder Sekunde und das hat auch die Trainerin erkannt - er weiß nämlich nur nicht, wie er sich verhalten soll, also macht er irgendwas. Er ist ne kleine, sensible Schissbuxe, die die Haare stellt, aber zu mir kommt und mit mir still weiter geht, wenn ich sie zu mir rufe - oder eben anfängt zu bellen, wenn ich ihm eben nicht sage, was er tun soll.
Und ich glaube, auch die Chia braucht das und du tust alles für sie, was dein Herz für sie hergeben kann. Immer. Bedingungslos. Und das tut sie eigentlich auch für dich, auch wenn’s sehr holprig ist. Sie stolpert über ihre eigenen Füße dabei und will aber eigentlich nur hübsch für dich laufen. Lass sie zeigen, was sie zu bieten hat für dich, nimm’s ihr nicht krumm, wenn es sie dabei mal auf die Nase haut, hilf ihr beim laufen lernen. Atme tief durch und rappel erst dich und danach sie wieder auf. Zeig ihr, dass sie bei dir immer sicher ist, selbst wenn sie deine Hutschnur zum platzen bringt. Du bist Sicherheit und Zuflucht und Geborgenheit. Sag dir das immer wieder, wenn du denkst, der Frust überwiegt gleich und löst in dir eine Handlung aus, die du einerseits selbst nicht willst und die andererseits das Mäusel nur verwirrt. Denn dann weiß sie noch immer nicht so wirklich, wie sie nun die Füße sortieren muss, um für dich hübsch laufen zu können - was sie mehr als alles andere zu tun wollen scheint.
Mach’s wie Bene. Denk dir einfach „whatever“, setz dich hin und tu nichts, wenn dir auch mal nichts besseres einfällt - so wie der Chia manchmal nichts besseres einfällt 😋 Das entspannt die Situation und auch Chia wird das merken. Je souveräner und gelassener du mit ihrem Fehlverhalten umgehst, desto sicherer wird sie, desto mehr und öfter vertraut sie deinem Urteil und desto enger wird eure Bindung.
Manchmal hab ich’s Gefühl, zwischen mich und Brummi passt kein Blatt. Vielleicht ist das wieder zu eng, vielleicht ist das genau richtig so. Für mich ist es richtig so. Bin ich da, ist er sicher. Das weiß er. Und ich weiß das.