Intaktes Rudel halten

  • Meine Malihündin hatte mit 11 Jahren eine Gebärmuttervereiterung mit Not -OP.

    Morgens ist sie noch fröhlich rumgesprungen und als ich 4 Stunden später von der Arbeit kam war sie schon so krank, dass die TÄ mich sofort zur Klinik schickte . Der behandelnde Arzt zeigte mir anschließend die entnommene Gebärmutter und meinte, dass diese innerhalb der nächsten Stunde geplatzt wäre.

    Also ein Spaß ist das wirklich nicht. Anzeichen wie vermehrtes Trinken oder Appetitlosigkeit gab es nicht.

  • Läufigkeiten bedeutet unglaublichen Stress für die Hündinnen und wenn man diverse läufigkeiten abgewartet hat, finde ich sollte man den schritt zur Kastration machen. Einfach um der Hündin den Stress zu ersparen. Wenn man eh nicht vermehren will, worzu dann dem Rüden und der Hünden so einen Stress zumuten.


    Bei jedem Lebewesen auf dieser Erde ist es aber nun einmal auch so, dass Sexualhormone auch Funktionen im Körper erfüllen und eine Kastration auch Nachteile mit sich bringen kann.


    Im Allgemeinen sei das Risiko für Übergewicht durch verminderten Stoffwechsel, unerwünschte Verhaltensänderungen (insbesondere bei Angsthunden), Fellveränderungen und damit z.T. einhergehende Hautprobleme und das erhöhte Risiko anderer Folgeerkrankungen wie beispielsweise Schilddrüsenprobleme und ein erhöhtes Risiko für andere Tumoren wie Milz- und Herztumore erwähnt.


    Bei Hündinnen besteht zudem ein erhöhtes Risiko für Inkontinenz.


    Bei Rüden besteht ein erhöhtes Risiko für Sehnenschäden und Probleme mit der Muskulatur, da das Testosteron maßgeblich auf deren Stabilität wirkt.


    Wie Ruebchen auch bereits angemerkt hat ist eine Kastration ohne medizinische Indikation streng genommen zudem verboten.


    Im Gegensatz zu anderen Tieren ist der überwiegende Anteil der Hunde auch nicht unbedingt in der misslichen Lage hierzulande immer und ständig mit läufigen Hündinnen konfrontiert zu sein oder unkontrolliert durch die Gegend zu stromern und sich wild zu vermehren.


    Natürlich gibt es einige Hunde, bei denen die Kastration sinnvoll oder gar wirklich notwendig ist, aber mit einer generellen Empfehlung wäre ich tatsächlich vorsichtig.


    Es ist eine Entscheidung, die man ganz individuell mit einem Tierarzt zusammen treffen sollte.

  • In vielen Ländern, z. B. Deutschland, ist die Kastration von Hunden ohne medizinischen Grund gesetzlich eingeschränkt oder genehmigungspflichtig. Der Grund liegt nicht an der Gesundheit der Hündin, sondern an Tierschutz und ethischen Überlegungen. Ich erkläre das Schritt für Schritt:

    1. Gesetzlicher Hintergrund

    • In Deutschland gilt:

      Zitat
      „Operative Eingriffe am Tier dürfen nur vorgenommen werden, wenn sie notwendig sind, um Leiden oder Krankheiten zu verhindern oder zu heilen.“
    • Kastration aus rein prophylaktischen Gründen (z. B. um Tumoren vorzubeugen) gilt nicht automatisch als medizinisch notwendig, besonders wenn das Tier noch jung und gesund ist.

    2. Tierschutzgedanke

    • Eine Kastration ist ein irreversibler chirurgischer Eingriff, der Risiken birgt:

      • Narkose

      • Infektion

      • Schmerzen

    • Tiere dürfen nicht präventiv ohne zwingenden Grund operiert werden, wenn sie dabei unnötig leiden könnten.

    • Das Gesetz möchte verhindern, dass Tiere nur aus Bequemlichkeit des Besitzers oder wirtschaftlichen Gründen kastriert werden.

    3. Medizinische Indikation

    • Eine Kastration wird medizinisch gerechtfertigt, wenn:

      • Tumorrisiko sehr hoch ist (z. B. Mammatumore in der Familie)

      • Pyometra (lebensgefährliche Gebärmutterentzündung) droht

      • Wiederkehrende Scheinträchtigkeiten die Lebensqualität beeinträchtigen

      • Andere hormonbedingte Krankheiten vorliegen

    • Dann kann der Tierarzt die Operation rechtlich und ethisch begründen.

    4. Fazit

    • Die Hündin braucht ihre Eierstöcke und Gebärmutter nicht für ein gesundes Leben, das stimmt.

    • Gesetzlich ist eine prophylaktische Kastration ohne medizinische Begründung verboten, weil es sich um einen invasiven Eingriff handelt und das Tier keinen direkten medizinischen Nutzen daraus zieht.

    • Tierschutzrecht schützt also das Tier vor unnötigen Operationen, nicht die Gesundheit der Hündin per se.

  • Gibt schon noch Gründe für eine Kastration neben der medizinischen Indikation, bei Arbeitshunden zB. Und wann Hunde anfangen zu leiden wenn sie intakt zusammenleben (5 Tage Nahrungsverweigerung könnte man durchaus so sehen), muss der jeweilige Halter mit dem TA absprechen. Ich mag die Verkürzung auf "Ohne medizinische Indikation ist es verboten" nicht, das trifft nicht den vollen Umfang des Gesetzes.


    Hengste werden üblicherweise kastriert und keine Sau schert sich drum, ob in der Fleischproduktion grundsätzlich allen Tieren nach Gabe von dem entsprechenden Mittel auch Schmerzmittel verabreicht wird wage ich mal zu bezweifeln. Tierschutz in allen Ehren, aber ich sehe da bei Hundehaltern (hier niemanden bestimmten adressiert!) extrem oft ein hohes Maß an Doppelmoral, der Hundehalter, der seinen Hund aus Bequemlichkeit kastriert ist der Superbösewicht und derjenige der sich ne Currywurst vor dem Baumarkt holt, hatte halt Hunger. Hm.

    Ich hab neulich jemandem mit großem Rüden geraten, den zu chippen, weil der Hund immer abhaut. Ja, man KÖNNTE den Hund erziehen, ABER offenbar können die es halt nicht, und wenn der junge unkastrierte Rüde mit 35 Kilo auf eine alte Dame mit läufiger Pom Hündin trifft wenn er mal wieder entwischt ist, tja, Pech. Müssen die den Hund deshalb jetzt abgeben? Ist das für den Hund tatsächlich die bessere Option?

  • Ich mag die Verkürzung auf "Ohne medizinische Indikation ist es verboten" nicht, das trifft nicht den vollen Umfang des Gesetzes.

    Ja, das ist genauso sinnvoll wie "die Hündin hat UNGLAUBLICHEN STRESS durch ihre Läufigkeiten und sollte deswegen grundsätzlich kastriert werden".


    der Hundehalter, der seinen Hund aus Bequemlichkeit kastriert ist der Superbösewicht und derjenige der sich ne Currywurst vor dem Baumarkt holt, hatte halt Hunger. Hm.

    Das ist whataboutism..



    Ich bin nicht generell gegen Kastration, wie einige schon sagten, das muss man sich individuell ansehen und entscheiden.

    Aber bei so Aussagen wie eben die ursprüngliche, da geht mir echt der Hut hoch. :D

  • Das ist whataboutism..

    Ist ein Hinweis auf Doppelmoral eigentlich per Definition, oder? Ich versteh schon, dass die Aussage, man müsse eine Hündin grundsätzlich kastrieren, weil sie Stress hat, dich aufregt. Das entgegengesetzte Extrem, die Behauptung, es müsste zwingend eine medizinische Indikation vorliegen, ist jedoch auch nicht umfänglich korrekt. Das wird halt super gerne verkürzt so behauptet, um moralische Überlegenheit zu demonstrieren, und genau da kommen wir an den Punkt der Doppelmoral.



    Ich bin nicht generell gegen Kastration, wie einige schon sagten, das muss man sich individuell ansehen und entscheiden.

    Das unterschriebe ich sofort. Hier wurde nur in 2 Beiträgen eben verkürzt geschrieben, es müsse eine medizinische Indikation vorliegen und das ist nicht der Fall. Was nicht bedeutet, dass man munter durch die Gegend kastriert ohne Sinn und Verstand, aber es gibt diverse Gründe dafür, die individuell sind. Ich wünsche mir die Diskussion differenzierter und vollständiger.

  • Wir können uns ja alle gesunde Organe entfernen lassen, weil, es könnte ja was passieren.

    Wer fängt an?

    Ich du, wenn es jemand bei mir machen würde, ich wär die erste!! :D :D :D die Ärzte machen es halt leider nicht. Weil, ich könnte mich ja noch umentscheiden. Ja und was macht man wenn man n Kind hat und sich umentscheidet? Heim? Oder wie... Also irgendwann trifft man diese Entscheidung eben. Und muss damit leben. Aber deiner grundsätzlichen Aussage stimme ich zu, präventive Operationen müssen gut überlegt sein. Gibt es aber durchaus auch bei Menschen, bei hohem Risiko.

  • Ich wünsche mir die Diskussion differenzierter und vollständiger.

    Kastrieren und barfen sind eigentlich beides Themen bei denen die Emotionen hoch gehen und jeder auf seiner Ansicht bestehen bleibt.

    Bei meiner Hündin gab es als Alternative nur das verrecken lassen. Ich finde den Einwurf von Susanne deshalb durchaus legitim.

    Auch bei Pferden gibt es durchaus Nachteile beim nicht kastrieren. Ich habe viele Jahre einen Hengst geritten, er gehörte mir nicht. Er stand immer allein auf dem Paddock während die Stuten und Wallache zusammen auf der Weide waren. Pferde sind Herdentiere nur zur Erinnerung.

  • HAllo, ich gebe auch noch meinen Senf dazu, ich arbeite in einem Tierheim und bekomme täglich anrufe von personen dessen Hündinnen Gebährmutterkrebs/ Gebährmuttervereiterungen etc. haben und Not Op`s statt finden müssen um den Hündinnen das leben zu retten

    Wieso rufen die in Tierheim an und nicht derTierklinik an?
    Sorry, ich habe mehrere Jahre das Hundehaus eines Tierheims geitetet, das für einen von Bayerns größten Landkreisen zuständig war und hatte in all der Zeit keinen einzigen solchen Anruf...


    Ja, es gibt Hunde bei denen Kastration auch ohne medizinische Indiaktion notwendig sein kann, um die Lebensqualität zu erhalten. Aber wieso muss man dafür wieder solche emotionalen Horrorstories erfinden und kann da nicht einfach sachlich und auf Fakten basierend argumentieren?


    Übrigens zum Thema Kastration zur Krebsvorsorge bei Hündinnen, kann ich nur jedem empfehlen Dr Niepels Buch "Kastration beim Hund" zu lesen. Darin finden sich sehr interessante Studien zum Thema Krebs und Kastration beim Hund. Kurzfassung: Ja ,ohne Gebärmutter kein Gebärmutterkrebs, aber dafür steigt bei anderen Krebsformen, die bereits ein hohes Risiko bergen, das Risiko nach der Kastration nochmal signifikant an.

  • Also ich möchte hier nochmal kurz betonen, dass ich KEIN genereller Kastrationsgegner bin.


    Ich wollte hier nur die dargelegte Aussage, dass eine Kastration -insbesondere die der Hündin- generell und immer besser fürs Tier sei nicht so stehen lassen.


    Wenn du natürlich eine Hündin hast, die immer mit extremer Scheinschwangerschaft oder z.B. einer Diabetes zu kämpfen hat oder einem hypersexuellen Rüden oder ggf. Prostatavergrößerung etc. DANN ist ja eine Kastration ein ganz anderer Schnack.


    Ich du, wenn es jemand bei mir machen würde, ich wär die erste!! :D :D :D die Ärzte machen es halt leider nicht. Weil, ich könnte mich ja noch umentscheiden.


    Bei uns Menschen wird aber nicht komplett ausgeräumt, sondern nur die Eileiter unterbunden, sprich: sämtliche Sexualhormone werden weiterhin ganz normal gebildet und auch alle monatlichen Begleiterscheinungen bleiben bestehen.


    (vielleicht nicht unbedingt ein Thema fürs Forum, aber über selbstbestimmt-steril e.V. findest du Ärzte, die dir dahingehend eine eigene Meinung zugestehen)

  • Ich du, wenn es jemand bei mir machen würde, ich wär die erste!! :D :D :D die Ärzte machen es halt leider nicht. Weil, ich könnte mich ja noch umentscheiden.

    Ich hab das mit 28 machen lassen, war Recht peoblemlos... falls dich der Weg interessiert kannst du mir eine PN schreiben. :)

  • Dr. Udo Gansloßer zu Hündinnen – auch hier ist er deutlich zurückhaltend mit pauschaler Kastration.

    Grundhaltung

    Bei Hündinnen sieht Gansloßer die Ovariektomie/Kastration nicht als „harmlose Routine“, sondern als massiven hormonellen Eingriff mit oft unterschätzten Folgen für Verhalten und Gesundheit.

    Verhalten & Psyche

    • Östrogene und Progesteron wirken angstlösend und stabilisierend.

      Nach der Kastration fehlt dieser ausgleichende Effekt → manche Hündinnen werden:

      • unsicherer

      • ängstlicher

      • stressanfälliger

      • reaktiver gegenüber Umweltreizen oder Artgenossen

    • Angstaggression kann zunehmen.

      Besonders bei sensiblen, unsicheren oder bereits ängstlichen Hündinnen warnt er davor, dass Kastration Probleme verschärfen kann.

    • Verhalten ≠ Sexualhormone.

      Dinge wie Jagdverhalten, Leinenpöbelei, Geräuschangst oder Bindungsprobleme lassen sich nicht „wegkastrieren“.

    Entwicklung & Zeitpunkt

    • Frühe Kastration (vor körperlicher und sozialer Reife) sieht er sehr kritisch:

      • hormonelle Reifungsprozesse fehlen

      • Selbstsicherheit und Frustrationstoleranz können leiden

      • Risiko für „ewige Pubertät“ bzw. emotionale Unreife

    Gesundheitliche Aspekte (die er mit einbezieht)

    • Vorteile wie geringeres Risiko für Pyometra erkennt er an

    • weist aber ebenso auf erhöhte Risiken hin, z. B.:

      • Harninkontinenz

      • orthopädische Probleme

      • bestimmte Tumorarten

        → für ihn kein eindeutiges Pro-Argument, sondern Abwägungssache

    Wann er Kastration bei Hündinnen eher befürwortet

    • klare medizinische Indikation

    • extrem belastende Scheinträchtigkeiten, wenn andere Maßnahmen ausgeschöpft sind

    • nach vorherigem Test z. B. chemische Kastration, um Verhaltensänderungen abschätzen zu können

    Quintessenz von Gansloßer

    Zitat
    „Die Frage ist nicht: kastrieren oder nicht –

    sondern: Was ist das Problem, und was ist die Ursache?“