Andere Länder, andere Sitten? - Trainingsmethoden

  • Es ist interessant zu sehen wie unterschiedlich Trainingmethoden sind von Land zu Land, und nachdem ich gestern eine Stunde mit einer Bekannten telefoniert habe, die ein E-collar für ihren Hund kaufen will, weil er bellt, dachte ich mir, es wäre gut für meine mentale Gesundheit wenn ich meinen Frust hier abbaue. ^^ Es ist auch tatsächlich so, daß man in den USA neue Hundebesitzer hat, die sich sofort erstmal ein E-collar und Stachelhalsband zuelegen, so wie man einen Fressnapf und ein Hundebett kauft. Und wenn ich in meinem Bekanntenkreis oder im hiesigen DSH Forum vorschlage, daß es auch ohne geht, dann zerspringen oft die Köpfe, und mir wird gesagt ich wäre zu weich, oder ich hätte noch nie einen "scharfen" Hund gehabt und wüsste ja gar nichts. Seltsam, da es in anderen Ländern ja eigentlich auch ohne geht. Habt ihr denn keine "scharfen" Hunde im Ursprungsland des DSH? :saint:


    Hunde bellen, Hunde graben, und ich verstehe nicht warum man zu harten Mitteln greifen muß, um Hunden die einfachsten Dinge beizubringen? Ein anderes Thema was mich immer erstaunt, ist die Hundebox. Ein Trainer hier hatte einen Welpentrainingsplan für die Hundebox, wo er dazu riet den Welpen tagsüber alle 2 Stunden rauszulassen damit er spielen, fressen, oder aufs Klo kann, und dann wieder ab in die Box, weil das den Welpen angeblich ruhiger macht. Nachts ist er dann sowieso in der Box, und mathematisch gesehen, ist der Welpe dann nur ca. 2 Stunden am Tag aus der Box, was ich absolut furchtbar finde. Meine Welpen waren immer nur Nachts in einem kleinen Spielgehege oder wenn sie mal Ruhe brauchten. Ansonsten hatten wir immer einen sicheren Teil der Garage abgetrennt mit Zugang zum Garten, wenn wir nicht zuhause waren.


    Und als letzten Gedanken habe ich dann noch dieses Alphahund Getue, wo Leute tatsächlich glauben, daß sie als Mensch der Alphahund sein sollen. Ich schlage dann immer vor, daß sie mal ihren Hunden den Po schnüffeln und mit ihnen Hasenkot fressen, weil das machen Alphahunde ja auch. Da kommen dann immer ganz entsetzte Blicke, als ob ich einen Knall hätte. Stimmt ja vielleicht auch. Wir Deutschen sind einfach viel zu direkt. :)

  • Kimba2001, das ist genau das, was ich nicht verstehen kann. DSH sind super intelligent und wollen mit Dir arbeiten und lernen. Natürlich scheint nicht jeden Tag die Sonne, und es gibt auch mal ein Paar Stolpersteine, aber ich verstehe nicht warum man einen Hund im Haus haben will, den man mit einem E-collar kontrolliert? Was machen die denn, wenn die Batterie mal leer ist?

  • Ellionore, wenn es darum geht die Hunde mitzunehmen wenn man das Haus verlässt, geht das hier nicht so ohne Planung. Hunde sind in den meisten Geschäften, Restaurants, oder anderen öffentlichen Plätzen nicht erlaubt. Wir können eigentlich nur zum Heimwerkergeschäft und Starbucks (draußen) mit ihnen. Ich glaube, das spielt eine Rolle, aber es entschuldigt natürlich nicht, daß man seine Hunde nicht bewegt.


    Ich nehme sie trotzdem mit und laufe an Geschäften und Leuten vorbei, damit sie diese Erfahrung haben. Seltsamerweise denken auch viele Leute hier, das sie mit fremden Hunden spielen können, wenn man nur an ihnen vorbeigeht. Das würde in Deutschland nie passieren, daß man mit seinem Hund an der Leine spazieren geht und ein Fremder wortlos anfängt ihn zu streicheln, als ob der Besitzer gar nicht existiert.


    Wir haben Westen für unsere Hunde auf denen steht „nicht anfassen“, was eigentlich traurig ist. Aber ich möchte nicht, daß jeder meine Hunde angrabbelt, vor allem Kinder, und die Eltern stehen doof daneben.

  • Mein Bild über diverse Amerikaner ist leider sehr getrübt. Dass man da schon auf Mikrowellen schreibt, dass man das Baby nicht da rein legen und anschalten darf, weil die sonst so irre sind und das machen und dann alles und jeden verklagen ("suing") und sie gezielt nach Wegen suchen, um zu klagen, also, mir erschließt sich das nicht. Natürlich kann man nicht alle Leute aus einem Land über einen Kamm scheren, aber ein netter Teil der Amerikaner ist einfach "stinkdumm" und lebt das in vollem Maße aus und beharrt stocksteif auf dieses Lebensgefühl. Man hat das Gefühl, dass dieser gewisse Teil einfach nicht seinen Kopf benutzen WILL, selbst wenn die Möglichkeit bestünde.


    Gerade in Bezug auf Hunde, da wird dann ein Laufband mit dem Hund angeschafft, damit man ihn da manchmal bewegen kann. Gassi? Joa, so 1x die Woche ungefähr, man selbst geht ja auch nicht öfter spazieren, wieso sollte der Hund also öfter spazieren müssen, er macht ja in den Garten. Der Hund ist krank? Ja wen juckt das, geht bestimmt von selbst wieder und wenn nicht, dann wird er halt eingeschläfert, ist ja viel zu teuer. In einem Land, wo die Gesundheitsversorgung so katastrophal ist, dass Leute teilweise 1kg schwere Lipome haben, weil sie bei einer kleinen Umfangsvermehrung unter der Haut nicht zum Doc können, weil sie kein Geld dafür haben, um es dann weg machen zu lassen, irgendwie nicht verwunderlich. Grundsätzlich muss alles so gemütlich und einfach sein, wie nur irgendwie möglich. Der anstrengende Weg über Erziehung, sich mit dem Tier beschäftigen? Sich bewegen? Neeee! Der schnelle Weg über Schmerzen und Schocks, das funktioniert doch klasse! Er wird dann plötzlich bissig? Nicht mehr zu retten. Einschläfern. Nächster Hund. Gibt ja genug.


    So überzogen das auch klingt, ich habe Freunde, die in Amerika leben, auch mit eigenem Hund. Eine davon erzählte mir letztens, als ich berichtete, dass die Leute so Angst vor Zwergi haben, dass sie die Straßenseite wechseln "Wie? Wieso haben die Leute Angst bei euch vor Schäferhunden? Also hier ist das gar nicht so, viele haben große Hunde und man kann die ganz oft streicheln, da hat keiner Angst". Aber gut, in Amerika gibt es auch viele Straßenhunde, große Straßenhunde, das kennt man hier ja gar nicht mit den Tieren auf der Straße und ich habs Gefühl, alles was klein und handlich ist, ist in Deutschland gewollt und in Mode. Die meisten Leute, die in Amerika leben und die ich kenne, wurden mindestens schon einmal von einem großen Hund auf irgend eine Weise angefallen. Scheint wohl normal zu sein und wird auch so wahrgenommen und die leben nun nicht im Ghetto.


    Die Mentalität ist einfach eine völlig andere. Ich wurde auch belächelt, weil mein Hamster ein riesiges Gehege hat und nicht in einem Plastikknast sitzt (diese Art von Gehege nennt man tatsächlich in Amerika auch "Natural German Hamster Cage") und 1x die Woche im Hamsterball durch die Wohnung gekickt wird, weil der Hund dem Ding hinterher jagt und ich der Auffassung bin, dass Hund und Hamster eben nicht miteinander spielen, wenn sie das tun. Und wehe der Hund gehorcht nicht, dann hat man als Alpha versagt. Der Hund muss sich zwingend unterwerfen, zur Not wortwörtlich und macht er das nicht, ja dann macht man das kurzerhand eben selbst mit ihm. Der muss ja schließlich wissen, wo der Hammer hängt. Aber: diese Ansicht gibt es auch hier in Deutschland, tatsächlich sogar vor wenigen Monaten so einen Menschen beim Gassi getroffen. Da dachte ich auch, es haut mich um, aber da gibts dann auch kein Futter, wenn der Hund den Alpha nicht akzeptiert.


    Aber es gibt auch sehr viele vernünftige Menschen, die lehnen Maßnahmen ab, die dem Hund Schmerz zufügen. Auch da findet ein Umdenken statt, auch da dürfen die Tiere zum Arzt, wenn sie krank sind. Auch da wird mit ihnen 2x am Tag gassi gegangen, sie gehen in den Sportverein, ohne Zwangsmittel. Und es funktioniert. Aber ich habs Gefühl, dass das nicht in allen Bevölkerungsschichten ankommt. Stichwort Privilegien.


    In einem Land, wo Ungleichheit und Benachteiligung aufgrund bestimmter Merkmale wie Herkunft, Hautfarbe, sozialem Status, finanziellem Status etc. so sehr verbreitet ist, ist das für mich kein Wunder. Echt nicht. Wenns da in Schulen, in der Gesundheitsversorgung und der familiären Unterstützung schon so massiv hapert, wie soll man sich da um die leisesten Lebewesen der Gesellschaft kümmern? Beziehungsweise welche Beachtung sollen die denn dann überhaupt noch bekommen? Es fehlt ja schon an allen anderen Ecken und Enden.


    Aber was will man auch erwarten? In Deutschland gibt es Tierschutzgesetze. In vielen Ländern der Welt gibt es nicht mal Tierschutz, geschweige denn irgendwelche Gesetze. Und wieso den Hund human behandeln, wenn inhumane Methoden nicht verboten sind und Erfolg bringen?


    Traurige Sache :(

  • I wanna make big money or I'll shoot you.


    Hier ist's ja auch so ähnlich, nur noch nicht ganz so krass. Tierwohl wird hier auch ganz weit hinten an gestellt.


    das driftet in Politik ab, hier verboten

    Warum ist das eigentlich verboten?

    Man könnte doch irgendwo im Forum eine kleine Politik-Diskussionsecke erlauben.

  • Das finde ich auch immer lustig, wie Leute aus diversen Ländern in denen das Training mit Tele gang und gäbe ist (allen voran die Amerikaner) damit argumentieren, dass wir hier ja anscheinend keine richtig guten oder "scharfen" Hunde hätten, und nur deshalb ohne Tele auskämen.


    Ich will ja nix sagen, aber es hat bestimmt seine Gründe warum die Amis ständig DSH aus Europa importieren. Und das bestimmt nicht, weil Hunde aus unsren Zuchtlinien weicher sind. :D

  • In den USA gehört z.B zu jedem Jagdhund ein E-Reizgerät. Allein schon für das Anti-Schlangen-Training. E-Reizgerät am Hund ist in den USA so normal wie die Fernbedienung für das TV. Dort gibt es ja auch Shelter mit einer "Einwurfklappe" für die Tiere (so ähnlich wie an Altkleider-Containern). Du fährst vor wie bei McDonald's am Drive In, entsorgt Dein Haustier in der Klappe und fährst direkt weiter an Deinen Urlaubsort. Ab und zu fällt dann auch mal 'ne Katze zwischen die Hunde, die sich in so einem Zwinger sammeln bis sich jemand drum kümmert. Wobei auch die Hunde sich nicht immer miteinander vertragen.... 😎


    Die Einstellung zu Haustieren ist halt eine andere. Viele Hunde frissten ein Leben als "Yard-Dogs". Ein kleines Stückchen hinter'm Haus, hoher Bretterzaun drum herum, ein einzelner Hund an einem Stück Kette, der nie vom Grundstück runter kommt und auch nicht ins Haus darf. Im Sommer nicht selten in der prallen Sonne, im Winter hat's vielleicht -25°C.... Das entspricht dem Sicherheitsbedürfnis vieler Amerikaner, wie auch das Tragen einer Waffe. Nur dass der Yard-Dog gerne auch mal gegen seinen Besitzer los geht. Und ich gestehen dass ich mir dann solche Filmchen gerne auf YouTube anschaue, wenn's denn einer gefilmt hat wie der Pitbull im Ars... seines Besitzers hängt (und ich mir denke dass das hoffentlich noch mehr weh tut als nach was es ausschaut).

  • ich find die ... immer nicht so passend. Es wird gerade in den USA auch komplett andere extreme bei den Hundehaltern geben zum Beispiel in den urbanen Räumen. Aber ja grundsätzlich ist die Einstellung zu vielen dort eine andere.

  • In der urbanen Umgebung wird dann vermehrt das "Debarking" betrieben oder viele Hunde tragen dauerhaft ein Anti-Bell-Gerät. Und den Miezekatzen lässt man vom Tierarzt die Krallen ziehen.


    Natürlich gibt es dort auch viele Hundehalter die ihre Hunde prima halten. Aber die allgemeine Akzeptanz, was derartige Auswüchse an geht, ist eine ganz andere.

  • Es gibt absolut fantastische Hundebesitzer hier, gar keine Frage, aber dann gibt es das andere Extrem. Katzen werden auch viel entkrallt, zumindest die, die im Haus leben, und dann gibt es noch Leute die Katzen haben, die immer nur draußen leben, was ich gar nicht verstehe. Warum schaffe ich mir ein Tier an, wenn es nie ins Haus darf? Und den Hund zu schocken, nur weil er bellt, kann ich gar nicht begreifen.


    Ruebchen, ich gebe Dir vollkommen Recht. Unsere Trainingsmethoden sind zu "weich", aber die DSH werden gerne importiert. Seltsam, oder?

  • aber hier ist das doch bei vielen Bauern oder Jägern auch noch so, dass die Hunde draußen gehalten werden. Ich wollte als Kind ein Kaninchen, OTon mein Vater gibt es nicht die leben draußen. Baujahr 47 ist er.