Auslastung - von der Notwendigkeit zum Mythos?

  • Kimmo Wenn ich mich recht erinnere war es für dich auch unangenehm, denken zu müssen, dass deine Hunde möglicherweise zu wenig Auslauf bekommen, vor allem deine Hündin, die offenbar gerne täglich bis zu 15km läuft.


    Du siehst ja den Unterschied in der Veranlagung schon an deinen eigenen 2 Hunden. Es wäre sicherlich für beide auch eine sehr unterschiedliche Beeinträchtigung, wenn sie auf Haus mit kleinem Garten mit 2 kleinen Gassirunden täglich umsteigen müssten. Dein Rüde würde wahrscheinlich sagen, jo hey alles klar aber die Hündin wäre möglicherweise unausgeglichen auch wenn sie generell Ruhe halten durchaus kann.


    Ich bin generell der Meinung: Genetik ist ja nicht zum Spass da. Und nein, es kommt nicht nur auf die Erziehung bzw. Führung an. Genetische Veranlagung kann man lenken und beeinflussen aber nicht überschreiben. Wir reden heute ständig (neues Modewort in der Hundebubble) von "Bedürfnisorientiert".


    Komme ich meinem Hund bedürfnisorientiert entgegen wenn ich seine Genetik ignoriere und sage Nö, es kommt nur drauf an wie ich ihn führe und erziehe, seine Veranlagung is mir schnuppe?


    Ich finde sogar, dass das sehr glattes Eis ist und wir sollten prinzipiell immer versuchen neuen Hundehaltern sehr sehr ans Herz zu legen sich für einen Hund zu entscheiden der in seinen (möglichen) Ansprüchen zum Naturell und den Lebensumständen seiner Halter in Spee, passt. Neuen Haltern erzählen zu wollen "Ja nee, du machst den Hund dann schon passend für dich" halte ich für den falschen Weg.


    Bei Michelliau hier, dem wir den Faden jetzt total zerplückt haben 8o :saint: , habe ich den Eindruck, dass sie sehr gut und offen für alles an das neue Familienmitglied herangehen.

  • Axman, Lika war die letzten 7 Wochen ausschließlich an der Leine, mit 5 bis 10km Gehen am Tag.....einen Unterschied habe ich nicht feststellen können, sie ist wie sie halt ist.....aber sicherlich haben eure Hunde einfach noch viel viel mehr Trieb und würden ohne HP alles zerlegen....meine Hunde machen das eben nicht, auch mein Mali den ich mal hatte war einfach mein Freund und Partner, ich denke auch der war nur Zufall oder Depressiv.

    Miriam Cordt bekommt auch jeden Hund sozialverträglich usw. komplett ohne Sport, Baumann auch, der macht eventuell ZOS.....da gibt es doch noch eine Frau die mit 20 LZ DSH zusammen Lebt, alles ehemalige Problem Hunde, ist die 24h auf den HP oder gibt es eventuell doch noch andere Wege? oder sind auch die alle Depressiv?

  • Kimmo nimm dir doch als Vergleich mal die Menschheit.


    Es gibt Vertreter, die begnügen sich mit Faulenzen, Kaffee und Kuchen.


    Es gibt auch Vetreter wie mich: ich begnüge mich gezwungenermaßen auch damit, aber merke, dass ich dabei unzufrieden werde.


    Ich brauche mehr.

    Wandern, werkeln, Garten, Input für die Birne, Dinge ausprobieren, die ich noch nie gemacht hab etc.


    Bekomme ich das nicht, dann werde ich zwar nicht unbedingt sozial auffällig, aber ich bin glücklicher und ausgeglichener, wenn ich das bekomme.


    Wieso soll man sich das, umgemünzt auf den Hund, nicht zu Nutze machen?

  • 100% Zustimmung, ich bin ADHSler und weiß wovon Du redest.

    Aber dazu brauche ich den Hundesport nicht unbedingt, um vieles zu Erleben, im Gegenteil, Hundesport ist, der Hund macht eine Millionen mal das selbe, damit er eine Ressource oder Futter bekommt, nicht weil es ihm Spaß macht, was der Mensch da von ihm verlangt, der Hund weiß doch wie Sinnlos das ganze ist, ohne Belohnung macht er auf dem Platz einfach nichts oder fast nichts. Ein Hund würde doch niemals einfach so über eine Wand klettern oder Springen, wenn er außenherum viel schneller ist. Artgerecht?

    Wenn ein Polizeihund oder Bundeswehr, solche Tracings absolvieren, dann macht das Sinn aber nicht weil der Mensch einen Pokal oder Punkte haben möchte.

    Damit meine ich ja nur, lasst Leute wie Pepper oder mich doch unser Ding machen und wenn wir Neulingen sagen, es geht auch ohne Sport und das die besten Trainer Deutschlands bestätigen, ist das doch Ok.

    Meinen Hunden gehts bestens, sie sind 24/7 mit mir zusammen und genießen jede Sekunde, was will ich mehr?

  • Dann hast du Hundesport leider nie von seiner schönsten Seite kennengelernt und das eventuell auch, weil du selbst keinen Spaß daran hast.


    Meine Hunde zumindest machen ihn gern und freuen sich auch im Privatbereich darüber, wenn wir "gemeinsam etwas tun" ... es bringt einfach die Beziehung zwischen Hund und Mensch nochmal auf ein ganz anderes Niveau, wenn man es vernünftig aufzieht 🥰

  • Wie kommst du darauf, dass es den Hunden keinen Spaß macht? Du glaubst doch nicht im Ernst, dass du einen Hund mit Ausdruck führen kannst, wenn der keinen Spaß an der ganzen Sache hat.


    Natürlich werden die Sachen positiv über Futter oder Beute aufgebaut, aber genau das macht den Hunden doch auch Spaß. Es ist Beschäftigung mit ihnen. Sie können sich ausleben, sie können Action machen, sie können einfach Spaß haben. Und es gibt genügend Hunde, die aus Spaß über die Hürde oder über die Kletterwand gehen, auch wenn sie kein Kommando dafür bekommen.


    Natürlich werden diese Übungen aufgebaut. Und wenn man Prüfungen geht, sollen diese Übungen auch auf den Punkt abrufbar sein. Aber ohne Spaß an der ganzen Sache wirst du dem Hund das auch ansehen.

  • Wenn das dem Hund soviel Spaß macht, warum müsst ihr dann was aufbauen und das weiterführen bis er Alt ist?

    Bei Artgerecht brauche ich nullkommanix aufbauen, sie machen es einfach.

    Für mich ist das ein Unterschied, für euch nicht, ist doch OK.

    Unzählige Hundesportler machen ihre Hunde zu Junkies, damit sie das machen, was der Mensch so gerne möchte und wenn er die sinnlosen Dinge nicht Perfekt genug macht, kommt er weg.

    Ich hatte vor über 40 Jahren bereits meinen ersten LZ, ich habe mir im jungen Alter den Müll im SV angeschaut, übelste Tierquäler waren das teilweise, heute werden die Hunde halt mit anderen fragwürdigen Methoden zu Höchstleistungen gebracht und ausnahmen bestätigen die Regel.

    Und klar gibt auch sehr viele Sportler die beides hinbekommen, Alltagstauglichkeit und Sport, das finde ich auch großartig.

    Cinja, wenn du was über Bindung und Beziehung lernen möchtest, dann kann ich dir Cordt empfehlen.

  • Kimmo : wie artgerecht ist es denn, einen Hund an der Leine zu führen?

    Oder ihm den Jagdtrieb abzugewöhnen? Beides Dinge, die auch Baumann praktiziert.

    Springen, Klettern, Beutespiele sind Sachen, die ein Hund in der Natur auch macht. Ganz viele Elemente aus dem Sport sind dem natürlichen Verhaltensrepertoire entnommen.

    Die Bestätigung via Beute oder Futter braucht man nicht primär, um den Hund zu motivieren, sondern ( gerade in der Ausbildung), um dem Hund zu sagen: ja, genau das bedeutet dieses Kommando und genau das möchten wir jetzt gern tun.

    Ich kann das dem Hund nämlich nicht verbal erklären, er versteht unsere Sprache nicht.

    All das braucht sehr viel Hirn und Konzentration für den Hund und ist auch das, was ich neben dem körperlichen als Auslastung sehe.

    Das macht, richtig aufgebaut, Hund und Halter sehr viel Spaß und schweisst die 2 auch zusammen, denn man arbeitet schließlich im Team.

    Dass es da auch ganz schlechte Ausbilder und Halter gibt, gerade auch bei den Dienstbehörden und auch im Sport, ist leider so.

    das bedeutet aber nicht, dass man es nicht auch gut und ohne unnötige Zwangsmittel erreichen kann.

    Ich könnte meinen Hund zum Beispiel ohne Nachdenken dem Baumann für egal was zur Verfügung stellen, er ist punkto Alltagstauglichkeit, Sozialkompetenz ( all die Szenen mit dem Hundedummy) usw einfach nur topp. Gleichzeitig machen wir beide mit Begeisterung die Sportausbildung und mein Hund freut sich jedes Mal einen Ast ab, wenn wir ins Training fahren. Der klebt dann schon am Auto in der Garage, damit man ja nicht ohne ihn fährt. Meinen Hund kannst du übrigens null mit Futter motivieren, aber ein Balljunky ist er auch nicht.

  • Wenn das dem Hund soviel Spaß macht, warum müsst ihr dann was aufbauen und das weiterführen bis er Alt ist?

    Am Beispiel Agility: Hier baue ich die A- Wand auf, damit der Hund die Kontaktzonen trifft und nicht von oben abspringt, was in den Rücken geht. Agility ist z.B. für die meisten Hunde selbstbelohnend ebenso der Schutzdienst.

    Weiterführen tun wir Hundesportler unseren Sport, egal welche Sparte, weil es ein unglaublich schönes Gefühl ist, wenn man immer mehr harmoniert und jeder auf den anderen eingeht um ein ( okay vom Menschen definiertes) Ziel zu erreichen. Klingt vielleicht etwas kitschig, aber Enzo und ich im Obedience waren eine Einheit. Die ersten Turniere mit Quinto und Enzo als Zuschauer.... Sobald ich mich vorbereitete für den Start wollte Enzo mit. Enzo ist über 15 Jahre, neulich musste ich ihn nach 3 Jahren ohne Hupla ausnahmsweise mit zum Training nehmen, in diesem Fall RO. Er durfte einen Senioren- Parcours laufen, dieses Strahlen in seinem Gesicht :love: Er fühlte sich wieder jung und wichtig.


    Bei Artgerecht brauche ich nullkommanix aufbauen, sie machen es einfach.

    Genau, Quinto mit seinem unglaublichen Jagdtrieb würde diesen artgerecht und glücklich ausleben :P Aber auch Wildtiere haben Rechte 8)



    vor über 40 Jahren bereits meinen ersten LZ, ich habe mir im jungen Alter den Müll im SV angeschaut, übelste Tierquäler

    Hüstl DAS willst du mit heute vergleichen :saint:

  • Wir hatten ja schon in diverse Fäden das Thema Auslastung.

    Die Diskussion ist ja in Ordnung. Aber am falschen Platz!

    Aber der Faden heißt:

    Kleo auf großer Pfotenmission und nicht Hundesport ja oder nein. Ich finde es schade für Michelliau und ihren Faden.

    Deshalb möchte ich die Admin Pinguetta , Ruebchen bitten einen eigenen Faden für diese Diskussion auf zu machen.


    Bitte, lasst uns die Diskussion an geeigneter Stelle fortführen.

    Die kleine, hübsche Kleo hats verdient hier wieder Hauptakteurin zu werden. ;)

    Nochmal zwei Bilder die uns der Züchter gestern geschickt hat

    Ich würde mich freuen wenn du noch Lust hättest, uns auch die nächsten Bilder zu zeigen. :) und dich nicht überrannt fühlst und weg bleibst...

  • Neulingen sagen es geht auch ohne Sport, joa, kein Thema. Es kommt halt drauf an wie man es sagt.


    Mann wie gerne würde ich den Axel jetzt hier ans Keyboard setzen, damit er diskutieren könnte wie er es findet, dass er keinen IGP Sport mehr machen darf. :D


    So, Auslastung:

    Artgerecht ist in dem Zusammenhang kein Ausdruck der Sinn macht.

    Hunde sind keine Wölfe.

    Sie sind seit Jahrtausenden auf Zusammenarbeit mit Menschen selektiert worden. Man kann die Spezies Hund mit ihren enorm vielen und extrem unterschiedlichen Rassen überhaupt nicht in einen Topf werfen, daher ist artgerecht einfach kein passendes Wort. Man müsste sagen Rassespezifisch oder sowas.


    Baumann predigt in fast jedem seiner Videos den Zuschauern, dass sie doch bitte keine Hunde gewisser Rassen und Veranlagungen zu sich nehmen sollen, wenn sie keine Ahnung davon haben.


    Ich brauche weder Cordt (kenne ich gar nicht) noch Baumann um meine Hunde zu erziehen und auszubilden. :D Baumann hat interessante Sachen zum zuschauen die für mich persönlich aber komplett unrelevant sind und in einigen Punkten habe ich auch andere Ansichten. Ganz normal.


    Ich denke durch jede Art der Ausbildung und Training bereichern wir unsere Hunde geistig und körperlich. Sie lernen Problemlösung, Selbstwirksamkeit, mentale Flexibilität, körperliche Fitness, Körpergefühl, sie wachsen an den Aufgaben mental und körperlich. Warum will ich das meinem Hund nicht geben, wenn ich kann?


    Ganz klar braucht man dazu nicht unbedingt Hundesport machen aber wer macht es schon in einem so guten Umfang ohne konkrete Ziele zu haben? Hundesport bietet sich da einfach an denn es bringt die Vielfalt der Beschäftigung schon mit und erfordert auch Konsistenz, Ausdauer und Disziplin. Also weg vom kommste heut nich kommste morgen, was Training und Übung angeht.


    Es hat übrigens niemand jemals dem Threadersteller gesagt, dass er Hundesport machen müsse